Magisterarbeit, 2010
99 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Historisch-kulturelle Hauptmerkmale der Phase um bzw. vor 1960
2.1.1 Hannah Arendts kulturkritische Erklärung des „Bösen“
2.1.2 Die politische Atmosphäre der Nachkriegszeit
2.1.3 Die Anlage-Umwelt-Debatte
2.1.3.1 Die Triebtheorie nach Sigmund Freud
2.1.3.2 Behaviorismus
2.1.3.3 Dollards Frustrations-Aggressions-Hypothese (1939)
2.1.4 Entstehung, Konzept und Aufgabe der Vergleichenden Verhaltensforschung
2.2 Zum Autor: Konrad Lorenz
2.2.1 Biografie
2.2.2 Karriere im Nationalsozialismus
2.3 Zum Werk: „Das sogenannte Böse“
2.3.1 Inhalt und Theorie
2.3.1.1 Grundlagen der Lorenz’schen Instinkttheorie
2.3.1.2 Die arterhaltenden Funktionen der Aggression
2.3.1.3 Evolution des (aggressiven) Verhaltens
2.3.1.4 Zur Funktion des Aggressionstriebs: Das Dampfkessel-Modell
2.3.2 Konsequenzen des Konzepts einer triebhaften Aggression
3. Rezeption und Rezension des „sogenannten Bösen“ in der BRD zwischen 1963 – 1973
3.1 Zum Umfang der Rezeption
3.2 Kritik in der wissenschaftlichen Rezeption
3.2.1 Ideologiekritik
3.2.1.1 Rolf Löther – Buchbesprechung (1966)
3.2.1.2 Walter Hollitscher – „Aggression im Menschenbild“ (1970)
3.2.1.3 Wolfgang Schmidbauer – „Biologie und Ideologie“ (1973)
3.2.2 Philosophie
3.2.3 Psychologie
3.2.3.1 Rolf Denker – „Aufklärung über Aggression“ (1968)
3.2.3.2 Herbert Selg – „Zur Aggression verdammt?“ (1972)
3.2.3.3 Hanns-Dietrich Dann – „Aggression und Leitung“ (1971)
3.2.3.4 Arno Plack
3.2.4 Biologie und Verhaltensforschung
3.3 Zustimmung in der wissenschaftlichen Rezeption
3.3.1 Philosophie
3.3.2 Biologie und Verhaltensforschung
3.4 Rezensionen in der westdeutschen, überregionalen Publizistik
3.4.1 Der Spiegel
3.4.2 Die Zeit
4. Historische Beurteilung der Kontroverse um „Das sogenannte Böse“
5. Fazit
Diese Magisterarbeit analysiert die Rezeptionsgeschichte von Konrad Lorenz‘ Werk „Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression“ (1963) in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum zwischen 1963 und 1973. Ziel ist es, die Gründe für den außerordentlichen öffentlichen Erfolg des Buches zu verstehen und die wissenschaftliche sowie publizistische Auseinandersetzung mit Lorenz‘ Instinkttheorie in den Kontext der zeitgenössischen ideengeschichtlichen Voraussetzungen und der politischen Atmosphäre (Kalter Krieg, Anlage-Umwelt-Debatte) einzuordnen.
2.1.1 Hannah Arendts kulturkritische Erklärung des „Bösen“
1964, ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Das sogenannte Böse“, erschien ein aufsehenerregendes Werk, das sich der Frage nach den Ursachen zwischenmenschlicher Gewalt annahm: Die deutsch-jüdische Philosophin Hannah Arendt, die 1933 aus Deutschland zuerst nach Paris und 1941 dann nach New York emigrierte, nahm 1961 als Prozessbeobachterin für den „New Yorker“ an der Gerichtsverhandlung im Fall Adolf Eichmann in Jerusalem teil. Aus ihrem mehrteiligen Zeitschriftenbericht entstand das Buch „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“. Anhand ihrer Beobachtungen während des Verfahrens kam sie in der Analyse zu einem provokativen Urteil über die Persönlichkeit des sogenannten „Schreibtischtäters“: Weder psychische Erkrankungen, Sadismus oder traumatische Kindheitserfahrungen, noch ideologischer Fanatismus hätten Adolf Eichmann, den Organisator der „Endlösung“, Millionen Menschen in den Tod transportieren lassen, sondern die einfache Struktur seines Geistes habe den massenhaften Mord möglich gemacht. Das „Böse“ sei laut Arendt nicht außergewöhnlich, sondern im Gegenteil, seine Durchschnittlichkeit stelle die eigentliche Gefahr dar.
Arendts Ergebnis sorgte wie Lorenz‘ Theorie für eine breite Kontroverse, weil sie das „Böse“, also die Fähigkeit zur Unmenschlichkeit, nicht als unnatürlich oder außergewöhnlich betrachtete, sondern als global, allgemein, natürlich und „normal“. So wie Arendt es formulierte, handelt es sich bei aggressiven Verhaltensweisen – bis zum Mord – um eine „Versuchung“, mit der die Rechtsprechung der „zivilisierten“, also der nicht totalitären Länder, rechnen muss.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Konrad Lorenz in der Verhaltensforschung dar, problematisiert die Rezeption seines Aggressionsmodells und formuliert das Ziel der Arbeit, die Rezeptionsgeschichte dieses Bestsellers in der BRD zwischen 1963 und 1973 zu untersuchen.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel kontextualisiert die Kontroverse um das Werk durch die Untersuchung historisch-kultureller Rahmenbedingungen, wie die Nachkriegsaufarbeitung, die politische Atmosphäre des Kalten Krieges und die wissenschaftliche Anlage-Umwelt-Debatte, sowie durch eine Vorstellung des Autors und die inhaltliche Darstellung seiner Theorie.
3. Rezeption und Rezension des „sogenannten Bösen“ in der BRD zwischen 1963 – 1973: Der Hauptteil analysiert die Rezeption des Buches in der wissenschaftlichen Fachwelt (aufgeteilt in Kritik und Zustimmung sowie Disziplinen) und in der allgemeinen Publizistik, wobei die gegensätzlichen Positionen von Psychologen, Biologen und Philosophen detailliert dargestellt werden.
4. Historische Beurteilung der Kontroverse um „Das sogenannte Böse“: Das Kapitel bewertet die historische Bedeutung der Kontroverse, identifiziert fünf zentrale weltanschauliche und politische Funktionen, die das Buch erfüllte, und erörtert, warum es trotz wissenschaftlicher Kritik eine solche Resonanz erzielte.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Theorie von Lorenz offenbar sozialdarwinistische Deutungen zuließ, die in der damaligen Zeit auf fruchtbaren Boden fielen, und betont, dass die Interpretation des Werkes stark von den historischen Gegebenheiten abhing.
Konrad Lorenz, Das sogenannte Böse, Aggressionstrieb, Verhaltensforschung, Ethologie, Anlage-Umwelt-Debatte, Instinkttheorie, Rezeptionsgeschichte, Kalter Krieg, Sozialdarwinismus, Aggression, Banalität des Bösen, Wissenschaftsgeschichte, Anthropologie, Triebtheorie
Die Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des 1963 erschienenen Bestsellers „Das sogenannte Böse“ von Konrad Lorenz in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1963 und 1973.
Im Fokus stehen die wissenschaftliche Kontroverse um die Aggressionstheorie von Lorenz, die Einbettung in den zeithistorischen Kontext des Kalten Krieges sowie die wissenschaftliche Anlage-Umwelt-Debatte.
Das Hauptziel ist zu klären, warum das Buch einen solchen Erfolg erzielte und wie die zeitgenössische Wissenschaft und Publizistik die Theorie von Lorenz aufnahmen und bewerteten.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Quellen der wissenschaftlichen Rezeption, Rezensionen in Fachzeitschriften sowie Berichterstattungen in überregionalen Medien wie „Der Spiegel“ und „Die Zeit“.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Darstellung der Rezeption, unterteilt in kritische und zustimmende Positionen aus den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften sowie eine Analyse der Besprechungen in der allgemeinen Publizistik.
Wichtige Begriffe sind Konrad Lorenz, Aggressionstrieb, Ethologie, Anlage-Umwelt-Debatte, Rezeptionsgeschichte und Kalter Krieg.
Der Kalte Krieg und die Blockbildung zwischen West und Ost erzeugten ein Bedürfnis nach globalen Erklärungen für Aggression, die Lorenz‘ Theorie scheinbar liefern konnte, indem sie menschliches Verhalten auf angeborene Instinkte zurückführte.
Kritiker warfen Lorenz vor, sein biologisches Modell zur Rechtfertigung politischer Ideologien oder zur Entschuldigung historischer Verbrechen zu nutzen, anstatt exakte wissenschaftliche Beweise für seine Hypothesen zu liefern.
Einige zeitgenössische Kritiker und die Arbeit selbst sehen in Lorenz jemanden, der wissenschaftliche Hypothesen zur moralischen Wahrheit erhob und eher populärwissenschaftlich predigte, anstatt sich kritischer wissenschaftlicher Prüfung zu stellen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

