Wissenschaftlicher Aufsatz, 2003
15 Seiten
1. "Café Berlin": Menschen- und Gesellschaftsbilder im Roman Harold Nebenzals
Die vorliegende Arbeit untersucht Harold Nebenzals Roman "Café Berlin" aus der Perspektive der Literatursoziologie. Ziel ist es, das Werk als zeithistorisch-fiktionalen Text zu analysieren, wobei die Darstellung von Menschenbildern und Gesellschaftskonstruktionen im Zentrum steht sowie die Rolle des Romans als zeitgenössische literarische Sekundärquelle kritisch beleuchtet wird.
Die in zahlreichen Schichten, Strängen und Facetten zerlegte Handlung im, von und ums Café Berlin lässt sich so zusammenfassen:
Daniel Saporta ist Sohn eines wohlhabenden syrischen Kaufmanns und sephardischen Juden. Er wird 1929 als 17jähriger von Damaskus nach Berlin geschickt. Hier soll er bei Herrn Landau, einem Geschäftspartner seines Vaters, lernen, wie man profitabel mit Gewürzen handelt. Frau Landau und Daniel schlafen miteinander und beginnen ein Verhältnis. Als dies nach Monaten dem Hausherrn bekannt wird - setzt er Daniel auf die Strasse. Daniel muss nun selbst schauen, ob und wie er sich im grossstädtisch-metropolischen Berlin der frühen 30er Jahre zurechtfindet.
Zufällig trifft der 18jährige Syrer Otto Lohmann. Dieser bietet ihm einen maroden Nachtclub zum Kauf an. Daniel hat das Geld, will kaufen, berät sich aber vorher noch mit einem Zugbekannten, Dr. Theodor Steinbruch, Direktor am Berliner Pergamon-Museum, der ihm zum Kauf rät. Zugleich rät Steinbruch Daniel zu einen falschen Pass, um dessen Identität als Jude zu verbergen. Daniel tritt nun als Spanier unter dem Namen Salazar auf.
Der Kaukasus-Club wird zum Café Berlin und Otto Lohmann Geschäftsführer. Wegen seiner attraktiven Bauchtänze(rinnen) wird der Nachtclub in den 30er Jahren ein angesagter Treffpunkt jenes metropolischen Amüsements kleiner Gruppen, die es im letzten Jahrhundert in der Zwischenkriegszeit in allen europäischen Metropolen gab und als deren Anziehungspunkt (neben Paris in den 20 Jahren) Berlin galt. Die spanische Autorin Cristina Peri Rossi hat Facetten dieses Sozialtyps und seiner Zwischenwelt/en in artistischer Verknüpfung eines prominenten homo ludens mit dem Nachtleben der katalanischen Metropole der achtziger Jahre emphatisch dicht beschrieben:
"Café Berlin": Menschen- und Gesellschaftsbilder im Roman Harold Nebenzals: Der Beitrag führt in die literatursoziologische Analyse von Nebenzals Werk ein, beleuchtet den historischen Entstehungskontext und untersucht die zentrale Bedeutung der Erzählweise sowie der thematisierten Menschen- und Gesellschaftsbilder.
Literatursoziologie, Café Berlin, Harold Nebenzal, Romananalyse, Menschenbild, Gesellschaftsbild, Exil, Fiktion, Zeitgeschichte, Rezeptionsästhetik, Sozialmilieu, Berlin, Kulturwissenschaft, Identität, Interdisziplinarität
Die Arbeit analysiert Harold Nebenzals Roman "Café Berlin" unter literatur- und wissenssoziologischen Gesichtspunkten.
Die Themen umfassen die Kommunikation zwischen Autor, Text und Leser, die Darstellung sozialer Milieus im Berlin der 1930er Jahre sowie die literarische Verarbeitung von Identität und Sexualität.
Ziel ist es, den Roman als ästhetisches Zeugnis und als "fiktive Wunschautobiographie" zu verstehen, die Einblicke in die condition humana gewährt.
Der Autor nutzt Ansätze der Literatursoziologie und verbindet dabei interpretative Methoden mit einer Dokumentenanalyse der Romanstruktur.
Der Hauptteil analysiert die Handlung um den Protagonisten Daniel Saporta, die Rolle des Nachtclubmilieus sowie die Darstellung spezifischer gesellschaftlicher Verhaltensweisen und Zivilisationskritik.
Wesentliche Begriffe sind Literatursoziologie, Romananalyse, Identitätskonstruktion, soziales Milieu und das Spannungsfeld zwischen Faktizität und Fiktion.
Der Autor betont, dass der Leser durch eine produktive Rezeption den kulturellen Kommunikationsprozess des Buches erst abschließt und dabei eigene Vorstellungen entwickelt.
Dr. Steinbruch fungiert als Mentor und Bindeglied zur politischen Realität, der den Protagonisten frühzeitig warnt und ihn schließlich in den aktiven Widerstand einbindet.
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