Bachelorarbeit, 2010
95 Seiten
1 Einführung
1.1 Aktuelle Situation des deutschen Strommarktes
1.2 Ziel und Aufbau dieser Arbeit
2 Besonderheiten von Strom
2.1 Physikalische Merkmale
2.2 Wirtschaftliche Besonderheiten
3 Merkmale des Strommarktes
3.1 Rahmenbedingungen
3.1.1 Der deutsche Strommarkt vor und nach der Liberalisierung
3.1.2 Die zweite Novellierung des EnWG von 2005
3.2 Marktstruktur und Aufgaben der deutschen Stromversorger
3.3 Kritische Bestandsaufnahme der Markenbildung
3.3.1 Die Phasen der Produktdefinition und Markenbildung
3.3.2 Problematik und Herausforderung der Markenbildung
3.4 Zusammensetzung der Strompreise für Endverbraucher
3.5 Konsumentenverhalten im deregulierten Strommarkt
3.5.1 Aktuelle Erkenntnisse zum Konsumentenverhalten
3.5.2 Erklärungsansätze verhaltenswissenschaftlicher Theorien zum Konsumentenverhalten
4 Strategische Positionierung und Wettbewerbsstrategien im Strommarkt
4.1 Strategische Positionierung
4.1.1 Regionale Positionierung
4.1.2 Positionierung in der Wertschöpfungskette
4.1.3 Positionierung in unterschiedlichen Zielgruppen
4.2 Wettbewerbsstrategien
4.2.1 Verteidigungs- bzw. Angriffsstrategie
4.2.2 Differenzierungsstrategie
4.2.3 Nischenstrategie
5 Marketingstrategien ausgewählter Stromanbieter in Deutschland
5.1 Grünstromanbieter
5.1.1 LichtBlick AG
5.1.2 Greenpeace Energy eG
5.2 Unternehmen mit Preisfokus
5.2.1 TelDaFax ENERGY GmbH
5.2.2 FlexStrom AG
5.3 Vertriebstochtergesellschaften der vier größten Energieversorger
5.3.1 Yello Strom GmbH
5.3.2 E WIE EINFACH Strom & Gas GmbH
5.3.3 eprimo GmbH
5.3.4 Vattenfall Europe AG
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für die Praxis
6.1 Zusammenfassung
6.2 Schlussfolgerungen für die Praxis
Die Arbeit untersucht die Effektivität verschiedener Marketingstrategien auf dem deutschen Strommarkt nach der Liberalisierung. Ziel ist es, unter Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Theorien zu analysieren, wie Stromanbieter – von unabhängigen Ökostromanbietern bis zu den Vertriebstöchtern der großen Energiekonzerne – erfolgreich Kunden generieren und binden.
3.3.1 Die Phasen der Produktdefinition und Markenbildung
Die Merkmale von Strom sorgen wie im Punkt 2.1. gezeigt dafür, dass ein materielles Produkt nicht vorhanden ist und somit nicht definiert werden kann. Seine physikalische Bemaßung in Form der Einheit Kilowattstunde (kWh) lässt ihn möglicherweise bei einem Teil der Bevölkerung als komplex erscheinen und seine Homogenität, die sich im Charakteristikum des Low-Involvement-Produktes wiederfindet, führt in der Industrie zu der Schlussfolgerung, dass der Preis das wesentliche Differenzierungskriterium für Strom sei. Entscheider der Elektrizitätskonzerne orientierten sich daher während der Markenbildung im Deregulierungsprozess am ebenfalls leitungsgebundenen Telekommunikationsmarkt und setzten in erster Linie auf Preisrückgang (siehe Abbildung 1). Die Einführung der Strommarke Yello des Verbundunternehmens EnBW steht mit seinem Slogan „gelb, gut, günstig“ sinnbildlich für diese Strategie.
Mit einem Budget von ehemals 82 Mio. DM wurde für Yello eine Markenbekanntheit von 86 % erreicht. Sogar das Marktversprechen „gelb, gut, günstig“ merkten sich 23 % der Befragten. Der preisbrecherische Markteintritt von Yello sorgte zu Anfang der Deregulierung für einen heftigen Preiswettbewerb. RWE und VEW führten ebenfalls Preissenkungen durch und kreierten ihre Marken PrivatStrom und evivo. Privatstrom wurde wenig später durch die Marke avanza ergänzt. Die evivo-Kampange stellt allerdings eine Ausnahme dar. Mit ihr sollte durch zielgruppenspezifische Werbespots mit Singles sowie Familien die Individualität des Stromversorgers hervorgehoben werden. Trotzdem lässt sich feststellen, dass überwiegend ähnliche Strukturen der werbetreibenden Unternehmen durch Preisversprechen unter Einblendung der Call-Center-Rufnummern die Konsumenten zum Wechsel aufgefordert werden sollten. Diese Strategie ist für SCHIKARSKI (2005) charakteristisch für die Bewerbung eines Low-Involvement-Produktes. Durch einen niedrigen Informationsgehalt mit starkem Aufforderungscharakter bei hoher Wiederholungsfrequenz ist so die Stimulierung zum Kauf ausgerichtet. Neben dem Ziel des Wechsels sollte so in erster Linie Markenbekanntheit erzielt werden.
1 Einführung: Diese Einleitung beschreibt die Liberalisierung des Strommarktes seit 1998, die Marktziele sowie den Aufbau der vorliegenden Arbeit.
2 Besonderheiten von Strom: In diesem Kapitel werden die physikalischen und wirtschaftlichen Charakteristika von Strom als Commodity und Low-Involvement-Gut analysiert.
3 Merkmale des Strommarktes: Hier werden der rechtliche Rahmen, die Marktstruktur, die Markenbildung sowie Erkenntnisse zum Konsumentenverhalten und verhaltenswissenschaftliche Erklärungsansätze behandelt.
4 Strategische Positionierung und Wettbewerbsstrategien im Strommarkt: Das Kapitel erläutert strategische Optionen der Positionierung sowie verschiedene Wettbewerbsstrategien, darunter Differenzierungs- und Nischenstrategien.
5 Marketingstrategien ausgewählter Stromanbieter in Deutschland: Eine detaillierte Analyse der Strategien von Grünstromanbietern, Billigstromanbietern und den Vertriebstöchtern der großen Energiekonzerne.
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für die Praxis: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und leitet Empfehlungen für eine erfolgreiche Marktbearbeitung durch Energieversorger ab.
Strommarkt, Liberalisierung, Marketingstrategien, Markenbildung, Low-Involvement, Ökostrom, Preisfokus, Konsumentenverhalten, Wettbewerbsstrategien, Energiewirtschaft, Kundenbindung, Produktdefinition, Wechselverhalten, Vertriebskanäle, Positionierung.
Die Arbeit analysiert den Erfolg und die Effektivität von Marketingstrategien im deutschen Strommarkt, insbesondere nach der Liberalisierung des Sektors ab 1998.
Die Arbeit behandelt die Besonderheiten von Strom als Produkt, die rechtlichen Rahmenbedingungen des Strommarktes, Theorien zum Konsumentenverhalten sowie konkrete Strategien zur Kundengewinnung und Markenpositionierung.
Ziel ist es, unter Zuhilfenahme von Kundenzahlen und Trends zu evaluieren, welche Marketingansätze bei verschiedenen Anbietertypen zu einer erfolgreichen Differenzierung und Kundengenerierung führen.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Sekundäranalyse aktueller empirischer Untersuchungen und Studien sowie die Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Theorien wie der Means-End-Theorie.
Der Hauptteil analysiert das spezifische Marktverhalten und die Markenstrategien von Grünstromanbietern, Anbietern mit Preisfokus und den Vertriebsgesellschaften der sogenannten "Großen Vier" Energiekonzerne.
Wichtige Begriffe sind unter anderem die "Low-Involvement-Theorie", "Markenbildung im Energiesektor", "Wettbewerbsstrategien" und das "Wechselverhalten von Haushaltskunden".
Da Strom ein abstraktes Produkt ohne sinnliche Merkmale ist, ordnen Konsumenten es meist als Low-Involvement-Gut ein, was das Interesse an Tarifvergleichen mindert. Die Theorie hilft zu verstehen, warum klassisches Marketing hier oft an Grenzen stößt.
Die "Großen Vier" verfügen über erhebliche Marktmacht, haben jedoch durch ihre Vertriebstöchter versucht, auf den Preiswettbewerb zu reagieren, wobei sie teils mit Herausforderungen bei der Kundenbindung zu kämpfen hatten.
Diese Neuregelung war entscheidend, da sie durch die Einführung der Kennzeichnungspflicht mehr Transparenz schuf, den Wettbewerb belebte und maßgeblich zum Anstieg der Wechselbereitschaft ab 2005 beitrug.
Die Untersuchung zeigt, dass Erfolg im Ökosegment stark mit der Glaubwürdigkeit von Labels und ideologischem Engagement verknüpft ist, wobei hier weniger aggressive Preiskämpfe, sondern eher die Wertevermittlung im Vordergrund stehen.
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