Examensarbeit, 2010
71 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
II. Gesellschaft, Literatur und ihr Verhältnis zur Ökonomie
1. Das 19. Jahrhundert aus sozio-ökonomischer Perspektive
2. Der Teufelspakt, Faust und die Entstehung des ökonomischen Menschen
III. Das Kunstmärchen und die Ökonomie
1. Vorstellung der Werke
2. Der (subjektive) Mangel und die Macht des Eigeninteresses
> Synthese: ‚Eigennutz‘ und die ‚unsichtbare Hand‘ bei Adam Smith
3. Der Pakt mit dem ‚Teufel‘
a) Der Graue, Holländer-Michel und der Hexenmeister – Variationen eines teuflischen Verführers
b) Schatten, Herz und das eigene Leben gegen Geld und Gut – die Handelsgüter und ihr ‚Wert‘
> Synthese: Tauschwert und Gebrauchswert
c) Der Tausch als ‚Sündenfall‘ ökonomischen Denkens
4. Die Konsequenzen des Paktes
5. Alternativen zur ökonomischen Abhängigkeit
> Synthese: Strategien zur Zähmung des Geldes
IV. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Kunstmärchen des 19. Jahrhunderts zu ökonomischen Diskursen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie literarische Texte jener Zeit – exemplarisch anhand von Chamisso, Hauff und Keller – gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbrüche verarbeiten, indem sie das Motiv des Teufelspaktes als Reflexion über Geld, Eigennutz und die Entstehung der kapitalistischen Moderne nutzen.
> Synthese: ‚Eigennutz‘ und die ‚unsichtbare Hand‘ bei Adam Smith
„Jeder, der einem anderen irgendeinen Tausch anbietet, schlägt vor: Gib mir, was ich wünsche, und du bekommst, was du benötigst. Das ist stets der Sinn eines solchen Angebotes, und auf diese Weise erhalten wir nahezu alle guten Dienste, auf die wir angewiesen sind. Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“
Diese Passage stammt aus dem berühmten Werk Der Wohlstand der Nationen von dem Ökonomen und Moralphilosophen Adam Smith. Als Vorreiter der klassischen Nationalökonomie und Wegbereiter des Wirtschaftsliberalismus gilt dieses Hauptwerk bis heute als Grundlagentext moderner Wirtschaftstheorien. Eigennutz und das Streben nach persönlichen Interessen bilden für Smith die zentrale Triebkräfte wirtschaftlichen Handelns. Er geht davon aus, dass bei einer Tauschbeziehung beide Seiten profitieren, indem die Bedürfnisse jedes Einzelnen befriedigt werden. An späterer Stelle heißt es, dass nicht nur der Arbeiter und Handwerker, sondern auch der Kapitalist bei seinen Entscheidungen „von einer unsichtbaren Hand geleitet [wird], um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat. […] Ja, gerade dadurch, dass er das eigene Interesse verfolgt, fördert er häufig das der Gesellschaft nachhaltiger als wenn er wirklich beabsichtigt, es zu tun.“
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literarische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und führt die Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Kunstmärchen und Ökonomie ein.
II. Gesellschaft, Literatur und ihr Verhältnis zur Ökonomie: Dieses Kapitel verortet das 19. Jahrhundert als Epoche des sozio-ökonomischen Wandels und diskutiert die Rolle des Menschen im ökonomischen Denken.
III. Das Kunstmärchen und die Ökonomie: Hier erfolgt die Analyse der drei Primärtexte im Hinblick auf Tauschmotive, die Rolle des Geldes und das Scheitern der Protagonisten am Eigennutz.
IV. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die untersuchten Texte den ökonomischen Wandel kritisch reflektieren und Alternativen zur reinen Gewinnmaximierung suchen.
Kunstmärchen, Ökonomie, Teufelspakt, 19. Jahrhundert, Kapitalismus, Eigennutz, Adam Smith, Industrialisierung, Tauschwert, Gebrauchswert, Literaturwissenschaft, Moderne, Sozialgeschichte, Peter Schlemihl, Das kalte Herz
Die Arbeit analysiert, wie das deutsche Kunstmärchen des 19. Jahrhunderts wirtschaftliche Prozesse und deren Auswirkungen auf den Menschen thematisiert und kritisch hinterfragt.
Zentrale Felder sind die Bedeutung von Geld und Besitz, das Motiv des Teufelspaktes als ökonomischer Tauschakt sowie das Spannungsverhältnis zwischen moralischem Handeln und individuellem Gewinnstreben.
Es wird untersucht, ob Kunstmärchen als bloße Flucht vor der Realität dienen oder ob sie aktiv an der Auseinandersetzung mit den ökonomischen Realitäten und dem industriellen Wandel ihrer Zeit teilnehmen.
Der Autor nutzt einen diskursanalytischen Ansatz unter Einbeziehung des New Historicism, um literarische Texte mit sozio-ökonomischen Konzepten und zeitgenössischen Wirtschaftstheorien zu verknüpfen.
Der Hauptteil widmet sich dem strukturellen Vergleich dreier Kunstmärchen, der Analyse des Tauschmotivs und der Einordnung dieser Texte in den wirtschaftshistorischen Kontext des 19. Jahrhunderts.
Die wichtigsten Schlagworte sind Kunstmärchen, Kapitalismus, Teufelspakt, Eigennutz, industrielle Moderne und die kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Theorie.
Der Pakt mit dem Teufel wird als Sündenfall ökonomischen Denkens begriffen, bei dem der Mensch durch den Tausch seine eigene Identität und Integrität zugunsten materieller Güter opfert.
Die Arbeit kontrastiert Smiths Theorie der unsichtbaren Hand, nach der Eigennutz dem Gemeinwohl dient, mit den literarischen Darstellungen, in denen Eigennutz oft zu Entmenschlichung und Isolation führt.
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