Examensarbeit, 2010
102 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsgeschichte
2.1 Diachrone Begriffsbestimmung
2.2 Synchrone Begriffsbestimmung
2.3 Zusammenfassung : Absage an eine Definition
3. Charlotte Roche: Feuchtgebiete
3.1 Zeitungsrezensionen
3.2 Leserrezeption
3.3 Der Titel: Feuchtgebiete
3.4 Die Fiktionalität des Romans
3.5 Autor, Leser und Erzähler: Verschiedene Ebenen
3.6 Fingierte Wirklichkeit
3.7 Wer ist die Erzählerin der Feuchtgebiete?
3.7.1 Ist Helen eine glaubwürdige Erzählerin?
3.7.2 Widersprüche und Brüche im Verhalten und in der Rede
3.7.3 Das Kindheitstrauma
3.7.4 Realitätskriterien
3.7.5 Die Relation zu gesellschaftlichen Normen
3.8 Faktizität der Handlung – was wird referenzialisiert?
3.9 Die sprachliche Vermittlung: Narration
3.9.1 Der fiktive Adressat
3.9.2 Der Erzählstil und die Illokution
3.9.3 Handlungsbeschreibungen und die Perlokution
3.10 Leere Räume – was nicht erzählt wird
3.11 Erkenntnis als Krisis
4. Zusammenfassung: Die Funktion der Sprache
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion obszöner Sprache und körperlicher Darstellung im Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob die explizite Sprache lediglich der Provokation dient oder eine darüber hinausgehende Funktion innerhalb der Narration erfüllt, insbesondere in Bezug auf die Erzählerperspektive und die werkimmanente Bedeutung des Textes.
3.3 Der Titel: Feuchtgebiete
Schon der Titel Feuchtgebiete verweist sehr bildlich auf den Inhalt des Romans. Gemeint sind nicht die „unter Natur- oder Landschaftsschutz stehende(n) Landschaftsteile, deren pflanzl. und tier. Lebensgemeinschaften an das Vorhandensein von Wasser gebunden ist“, wie der Brockhaus dieses Wort definiert, sondern vielmehr die Körperzonen, die mit Körperflüssigkeiten in Berührung kommen. Der Körper des Menschen wird hier entpersonalisiert als „Landschaft“ gesehen, die in verschiedene „Gebiete“ eingeteilt werden kann. Diese Zuteilung erfolgt nicht nach persönlichen, auf den Menschen bezogene Kriterien, sondern an die Naturwissenschaft angelehnt nach der Erscheinungsform. Interessant an diesem Bild ist zudem, dass die genannten Gebiete laut Brockhaus unter „Schutz“ stehen. Rückbezogen auf den menschlichen Körper könnte man demnach sagen, dass diese Körperzonen als besonders schutzwürdig beschrieben werden. Diese Interpretation des Bildes negiert also die bewusste Zurschaustellung sensibler, intimer Körperstellen und betont die Notwendigkeit deren Schutzes.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die gesellschaftliche Debatte um den Roman Feuchtgebiete und stellt die These auf, dass die obszöne Sprache eine funktionale Rolle in der Erzählung einnimmt.
2. Begriffsgeschichte: Dieser Abschnitt erarbeitet eine Begriffsabgrenzung von Obszönität und Obszönem unter Berücksichtigung diachroner und synchroner Perspektiven, um eine Arbeitsgrundlage zu schaffen.
3. Charlotte Roche: Feuchtgebiete: Das Hauptkapitel analysiert die mediale Rezension, die fiktionale Struktur des Romans, die Erzählperspektive von Helen Memel sowie die psychologische Fundierung der Narration und der Handlung.
4. Zusammenfassung: Die Funktion der Sprache: Das Kapitel reflektiert, wie die Sprache im Roman als Verschleierungstaktik für tabuisierte Themen dient und das Ziel hat, den Leser zur kritischen Reflexion anzuregen.
5. Fazit: Das Fazit kritisiert die oberflächliche Rezeption des Romans in den Medien und betont die Notwendigkeit einer werkimmanenten, wissenschaftlichen Betrachtung des Gesamtwerks.
Feuchtgebiete, Charlotte Roche, Obszönität, Narratologie, Helen Memel, Literaturwissenschaft, Fiktionalität, Rezeption, Erzählperspektive, Kindheitstrauma, Sprachfunktion, Tabu, Sprachanalyse, Körperlichkeit, Literarische Kommunikation.
Die Arbeit untersucht, welche Funktion obszöne Sprache und explizite körperliche Schilderungen im Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche innerhalb der literarischen Narration einnehmen.
Zu den Schwerpunkten zählen die Begriffsgeschichte der Obszönität, die Analyse der Rezeptionsgeschichte des Romans, die narratologische Untersuchung der Ich-Erzählerin Helen sowie die Deutung von Tabubrüchen und psychologischen Hintergründen (z.B. das Kindheitstrauma).
Das Ziel ist es, zu widerlegen, dass die obszöne Sprache des Romans nur der Provokation dient, und stattdessen zu belegen, dass diese Sprache eine zentrale narrative Funktion erfüllt.
Es wird eine werkimmanente Interpretation durchgeführt, die literaturtheoretische Ansätze (u.a. von Genette, Stanzel, Hamburger und Grice) auf den Roman anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die mediale Rezeptionsanalyse, die Untersuchung der fiktionalen Struktur, eine detaillierte Analyse der Erzählerin sowie der Faktizität der Handlung.
Neben dem Werk- und Autorentitel sind Begriffe wie Obszönität, Narratologie, Fiktionalität, Fingierte Wirklichkeit und Erzählperspektive prägend.
Der Titel entpersonalisiert den menschlichen Körper und stellt ihn als "geschützte" Landschaft dar, was laut der Autorin eine notwendige Auseinandersetzung mit intimen Körperzonen erzwingt.
Helen wird als grundsätzlich glaubwürdige Erzählerin eingestuft, deren narrative Strategien (wie Übertreibung und Ironie) einer "unreliable narration" nahekommen, aber als rhetorische Mittel zur Selbstdarstellung zu deuten sind.
Hinter ihrem provokanten Verhalten stehen ein unaufgearbeitetes Kindheitstrauma und der Wunsch nach Aufmerksamkeit, die im Schweigen der Familie begründet liegen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

