Diplomarbeit, 2008
86 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
1.1 Motiv und Methode
1.2 Die sozialwissenschaftliche Bearbeitung von Intimität
1.2.1 Intimität im makrosoziologischen-politischen Kontext
1.2.2 Intimität im feministischen und interdisziplinären Kontext
1.2.3 Intimität im Kontext von tabuisierter Körperlichkeit und Psychologie
1.2.4 Intimität im mikro- und familiensoziologischen Kontext
2. Georg Simmels phänomenologische Betrachtung von Intimität
2.1 Gesellschaft zu Zweien: Intimität als individuell-exklusives Verhältnis
2.2 Psychologie der Diskretion
2.3 Das Geheimnis
2.4 Die Philosophie des Geldes
3. Richard Sennetts Tyrannei der Intimität
3.1 Von der zivilen zur intimen Gesellschaft
3.2 Die intime Gesellschaft heute
3.2.1 Intimität als psychologisierte Ideologie
3.2.2 Intimität als Unzivilisiertheit
3.2 Persönliche Zweierbeziehungen in der intimen Gesellschaft
4. Luhmanns systemtheoretische Sicht auf Intimität
4.1 Intimität als zwischenmenschliche Interpenetration
4.2 Das Kommunikationsmedium Liebe
4.3 Das Funktionssystem Intimität
4.4 Das Familiensystem
5. Vergleich der Theoriekonzepte von Simmel Sennett und Luhmann
5.1 Historischer Entstehungskontext
5.2 Perspektiven der Individualität und Exklusivität
5.3 Intimität als Gefahr
5.4 Querbezüge zu Geschlechterverhältnissen und Sexualität
5.5 Synonyme und Metaphern
6. Schlussfolgerungen: Intimität als „soziologischer“ Begriff
6.1 Intimität als soziologische Form
6.2 Versuch einer Neudefinition
6.3. Ausblick und weiterführende Überlegungen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, eine soziologische Annäherung an den Begriff der Intimität zu leisten, da trotz seiner hohen gesellschaftlichen Bedeutung keine einheitliche soziologische Definition existiert. Die Arbeit untersucht die Konzepte von Georg Simmel, Richard Sennett und Niklas Luhmann, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren theoretischen Herangehensweisen sowie deren Bedeutung für das Verständnis moderner Gesellschaften herauszuarbeiten.
2.1 Gesellschaft zu Zweien: Intimität als individuell-exklusives Verhältnis
Simmel weist ist diesem ursprünglich 1908 erschienenen Text über die „Gesellschaft zu Zweien“ erstmals darauf hin, dass es für die Soziologie wichtig ist, ihren Blick nicht nur auf die großen Kollektivgebilde wie Wirtschaft, Politik, Kirche und Familie zu richten, sondern auch die Zweierbeziehungen zu behandeln, welche wesentliche Elemente der Gesellschaft darstellen. Im ersten Teil des Aufsatzes beschreibt er die allgemeinen Charakteristika von Zweierbeziehungen, wie der großen individuellen Abhängigkeit und der leichten Zerstörbarkeit durch fehlende Kollektive. Später geht er etwas näher auf intime Zweierbeziehungen und die Spezialform der Ehe ein.
Allgemeine Formen von Zweierbeziehungen unterscheidet Simmel von intimen dadurch, dass den spezifischen Inhalten des Verhältnisses und deren Exklusivität eine zentrale Bedeutung zugesprochen wird:
„Wohl in jedem Verhältnis mischen sich irgendwelche Bestandteile, die seine Träger eben nur in dieses und in kein anderes hineingeben, mit solchen, die nicht gerade diesem Verhältnis eigen sind, sondern die das Individuum in gleicher oder ähnlicher Weise auch noch mit anderen Personen teilt. Sobald nun jenes erste, die Binnenseite des Verhältnisses, als dessen Wesentliches empfunden wird, sobald seine gefühlsmäßige Struktur es auf dasjenige stellt, was jeder nur diesem einzigen anderen und niemand sonst gibt oder zeigt - so ist die eigentümliche Färbung gegeben, die man Intimität nennt. Es ist nicht der Inhalt des Verhältnisses, auf dem diese ruht.“ (Simmel, 1993 S. 351)
Von einer intimen Beziehung kann also nur dann gesprochen werden, wenn die spezifischen Inhalte, die miteinander geteilt werden, als das Konstituierende in der Verbindung empfunden werden, und die Gefühle der Mitglieder von der Ausschließlichkeit dieses Austausches strukturiert/abhängig sind. Wesentlich dabei ist, dass es bei Simmel nicht der Inhalt des Verhältnisses ist, auf dem die Intimität ruht, sondern eben das Gefühl der Exklusivität dieser Inhalte.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die semantische Dehnbarkeit des Intimitätsbegriffs in der Soziologie und stellt die methodische Vorgehensweise sowie die Forschungsfragen der Arbeit vor.
2. Georg Simmels phänomenologische Betrachtung von Intimität: Dieses Kapitel analysiert Simmels phänomenologischen Ansatz, wobei insbesondere die Rolle von Diskretion, Geheimnis und Exklusivität für das Verständnis von Zweierbeziehungen herausgearbeitet wird.
3. Richard Sennetts Tyrannei der Intimität: Die Analyse von Sennetts Werk zeigt den historischen Wandel von einer zivilen zu einer intimen Gesellschaft auf und kritisiert die zunehmende Psychologisierung sowie den Rückzug aus dem öffentlichen Leben.
4. Luhmanns systemtheoretische Sicht auf Intimität: Hier wird Intimität aus systemtheoretischer Perspektive als soziales System betrachtet, das durch den Kommunikationscode der Liebe und die Inklusion der Gesamtperson charakterisiert ist.
5. Vergleich der Theoriekonzepte von Simmel Sennett und Luhmann: Das Kapitel führt einen resümierenden Vergleich durch, in dem Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich Entstehungskontext, Individualität, Gefahr der Intimität sowie Bezügen zu Sexualität und Geschlechterverhältnissen diskutiert werden.
6. Schlussfolgerungen: Intimität als „soziologischer“ Begriff: Die Arbeit schließt mit dem Versuch ab, Intimität als soziologische Form neu zu definieren und den Nutzen dieser Begriffsfassung für zukünftige Forschungen aufzuzeigen.
Intimität, Soziologie, Georg Simmel, Richard Sennett, Niklas Luhmann, Zweierbeziehung, Öffentlichkeit, Privatheit, Diskretion, Geheimnis, Liebe, Systemtheorie, Individualisierung, Kommunikation, Sozialwissenschaften
Die Magisterarbeit untersucht den soziologischen Begriff der Intimität anhand der Werke von Georg Simmel, Richard Sennett und Niklas Luhmann, um das begriffliche Chaos und die wissenschaftliche Unschärfe dieses Begriffs zu klären.
Zentral sind der Wandel von Öffentlichkeit und Privatheit, die Bedeutung von Diskretion und Geheimhaltung, die Rolle der Liebe als Kommunikationsmedium sowie die Auswirkungen der Moderne auf die individuelle Lebensgestaltung.
Ziel ist es, die unterschiedlichen Definitionen und Konzepte von Intimität in den soziologischen Hauptwerken zu systematisieren und einen genuin soziologischen Begriff der Intimität als soziale Form herauszuarbeiten.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturstudie und einer komparativen Analyse. Die theoretischen Haupttexte werden unter Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Trends in Bezug gesetzt und auf ihre soziologische Brisanz hin untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Theorien von Simmel (phänomenologisch), Sennett (gesellschaftskritisch/kulturhistorisch) und Luhmann (systemtheoretisch) sowie deren systematischen Vergleich.
Intimität, Soziologie, soziale Form, Kommunikation, Öffentlichkeit, Privatheit, Individuum, Systemtheorie, Exklusivität und Diskretion.
Simmel argumentiert, dass die Geldwirtschaft die Welt versachlicht und anonymisiert, wodurch für den Menschen erst die Notwendigkeit entsteht, in exklusiven, persönlichen Beziehungen einen individuellen Rückzugsort und Wert zu erschaffen.
Für Sennett ist die moderne Fixierung auf Intimität problematisch, da sie den öffentlichen Raum entleert, zu einem destruktiven Narzissmus führt und die Fähigkeit der Menschen schwächt, zivil und konstruktiv mit Fremden im öffentlichen Raum zu interagieren.
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