Examensarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Entwicklung des Begriffes Magischer Realismus
2.1.1 Entstehung des Begriffes im Zusammenhang mit europäischer Malerei
2.1.2 Übernahme und Weiterentwicklung des Begriffes in der Literatur
2.2 Arbeitsdefinition
2.3 Ist Magischer Realismus eine marginale Erscheinung? – Die Theorie der magical margins
2.3.1 Magical margins als regionales Konstrukt
2.3.2 Magical margins als innergesellschaftliches Konstrukt
2.4 Verbindung des Magischen Realismus zu Postkolonialer Literaturtheorie
3. Midnight's Children von Salman Rushdie – „Reality is a question of perspective“
3.1 Hintergrundinformationen zu Autor und Werk
3.1.1 Salman Rushdie und der Magische Realismus
3.1.2 Inhaltsübersicht Midnight's Children
3.2 Elemente des Magischen Realismus in Midnight's Children
3.2.1 Das Phantastische als real
3.2.2 Die Produktion von Wissen
3.2.3 Das Reale als phantastisch
3.3 Fazit – Funktion des Magischen Realismus in Midnight's Children
4. White Teeth von Zadie Smith – „It’s just like on TV!“
4.1 Hintergrundinformationen zu Autorin und Werk
4.1.1 Zadie Smith und der Magische Realismus
4.1.2 Inhaltsübersicht White Teeth
4.2 Elemente des Magischen Realismus in White Teeth
4.2.1 Das Phantastische als real
4.2.2 Die Produktion von Wissen
4.2.3 Das Reale als phantastisch
4.3 Fazit – Funktion des Magischen Realismus in White Teeth
5. Schluss
Die Arbeit untersucht, inwieweit Salman Rushdie und Zadie Smith Elemente des Magischen Realismus nutzen, um gesellschaftspolitische Kritik zu üben, die Identitätssuche ihrer Figuren zu spiegeln und die Konstruiertheit von Wissen und Geschichte zu hinterfragen.
Die Produktion von Wissen
„Reality is a question of perspective“ (MC 229). Auf diese Art nimmt Saleem in Midnight's Children Stellung zu Fragen der Objektivität von ‚Wahrheit‘ und Geschichte, ihrer jeweiligen Produktion und präsentiert alternative Versionen. Rushdie kann auf diese Weise seine Vorstellung der ‚Wahrheit‘ in Midnight's Children einfließen lassen: Es gibt eine schier unendliche Menge Versionen der Wahrheit (über Indien) und keine hat gegen–über den anderen eine größere Daseinsberechtigung, weshalb eine ausgewählte kohärente Version dargestellt wird, ohne alle anderen abzulehnen.174
In Midnight's Children wird die Produktion von Wissen zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern auf dem indischen Subkontinent kritisiert. Hierbei wird nicht nur die Wissensproduktion der dominanten Gruppe hinterfragt, sondern auch die der marginalisierten Anderen. Kritik an der kolonialen Geschichtsinterpretation übt Rushdie, wenn er Saleem erzählen lässt, warum sich sein Großvater von seinen deutschen Freunden abwendet: „he learned that India – like radium – had been ‚discovered‘ by the Europeans [...] he was somehow the invention of their ancestors“ (MC 6). Diese überheblich orientalistische Auffassung lehnt er ab. Genauso stellt Saleem je nach Standpunkt unterschiedliche Interpretationen von Ereignissen einander gegenüber: Nach dem Massaker in Amritsar 1919, bei dem über 1000 Menschen verletzt wurden oder starben, erfahren die Leser_innen, dass General Dyer dieses als „a jolly good thing“ (MC 42) betrachtet. Die Ansicht, dass „Indians, like children, when naughty needed to be severely punished“175 scheint für einige Figuren eine gültige Vorstellung zu sein.176
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Magischen Realismus, die Forschungsfragen und die Struktur der Untersuchung.
2. Theoretische Grundlagen: Historische Herleitung des Begriffs, Erarbeitung einer Arbeitsdefinition sowie kritische Diskussion der „magical margins“ und postkolonialer Bezüge.
3. Midnight's Children von Salman Rushdie – „Reality is a question of perspective“: Analyse der Romaninhalte und der spezifischen Anwendung magisch-realistischer Elemente bei Salman Rushdie.
4. White Teeth von Zadie Smith – „It’s just like on TV!“: Untersuchung des Romandebüts von Zadie Smith und Nachweis magisch-realistischer Techniken in einem überwiegend realistischen Werk.
5. Schluss: Zusammenfassender Vergleich der Ergebnisse beider Romananalysen und Reflexion über die Relevanz des Magischen Realismus für die heutige Literatur.
Magischer Realismus, Postkoloniale Literatur, Salman Rushdie, Zadie Smith, Wissensproduktion, Identität, Historiographie, Hyperrealität, Erzähltechnik, marginale Positionen, kulturelle Hybridität, Alterität, Midnight's Children, White Teeth, Fiktion.
Die Arbeit analysiert die Verwendung des Magischen Realismus in zwei zentralen Romanen der englischsprachigen Gegenwartsliteratur, um deren Funktionen und Bedeutung im postkolonialen Kontext zu untersuchen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Konstruktion von Wissen, der Identitätssuche in komplexen Gesellschaften, dem Verhältnis von Geschichte zu individueller Erinnerung und der Kritik an dominanten Narrativen.
Die Untersuchung fragt danach, zu welchem Zweck Zadie Smith und Salman Rushdie Elemente des Magischen Realismus einsetzen und ob diese als vergleichbare Kategorien zur Kritik an bestehenden Systemen dienen.
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf einer theoretischen Definition des Magischen Realismus (u.a. nach Hegerfeldt und Faris) basiert und diese auf die spezifischen Erzählstrukturen der gewählten Romane anwendet.
Neben den theoretischen Grundlagen stehen die detaillierte Untersuchung von Midnight's Children als Standardwerk des Genres und die Auseinandersetzung mit White Teeth als ein Werk, das diese Techniken subtiler einsetzt.
Begriffe wie „magical margins“, „Wissensproduktion“, „Hybridität“, „Hyperrealität“ und „unzuverlässiges Erzählen“ stehen im Zentrum der Analyse.
Obwohl der Roman überwiegend realistisch wirkt, zeigt die Arbeit, dass Smith gezielt Techniken wie die Übertreibung, die Verknüpfung von Schicksalen und die Darstellung hyperrealer Situationen nutzt, um die Komplexität der modernen Welt abzubilden.
Rushdie nutzt einen unzuverlässigen Erzähler, der die eigene Geschichte mit nationalen Ereignissen verwebt und dabei bewusst Fehler einbaut, um zu zeigen, dass Geschichte immer eine Form der subjektiven Konstruktion ist.
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