Examensarbeit, 2010
70 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Soziokultureller Hintergrund
1.2 Die Rolle der Frau in Tremblays Werk
2. Ursachen des Gefangenseins
2.1 Familie
2.1.1 Geschlechterrollen
2.1.1 Ehe
2.1.2 Kinder
2.1.3 Liebe
2.2 Kirche
2.2.1 Sexualmoral
2.2.2 Armut
2.3 Sprache
2.3.1 Joual
2.3.2 Kommunikationsprobleme
3. Folgen des Gefangenseins
3.1 Unbewusste Auswirkungen
3.1.1 Individuelle Entfremdung
3.1.2 Gesellschaftliche Entfremdung
3.2 Reaktionen der Frauen
3.2.1 Resignation / Kompensation
3.2.1.1 Resignation
3.2.1.2 Ausgleichshandlungen
3.2.1.3 Abhängigkeiten
3.2.2 Märtyrertum
3.2.2.1 Marie-Louise
3.2.2.2 Manon
3.2.3 Rebellion
3.2.3.1 Pierrette
3.2.3.2 Albertine
3.2.4 Befreiung
3.2.4.1 Carmen
4. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Schaffen von Michel Tremblay mit einem Fokus auf der Darstellung weiblicher Figuren im Quebec der 1960er Jahre. Das zentrale Ziel ist es, die vielschichtigen Ursachen und Folgen des Gefangenseins der Frauen in einem soziokulturell determinierten Umfeld zu analysieren und Wege der Rebellion oder Befreiung aufzuzeigen.
2.1.3 Kinder
Mangelnde Harmonie und Zuneigung kennzeichnete bereits die Beziehung der Eheleute und nicht anders verhält es sich in Bezug auf die eigenen Kinder. Ein eklatantes Beispiel dafür ist das Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Albertine und Thérèse. Unglücklich mit ihrem Leben und zur Alkoholikerin geworden, klagt Thérèse ihre Mutter an, sie nicht beschützt zu haben. Es war ein Fehler, ihren Mann Gérard zu heiraten, und Albertine hätte sie davor bewahren sollen:
Que c’est que t’as faite pour m’empêcher de marier c’te nouille-là ? Rien ! […] C’est de ta faute si on est toutes malheureux dans la famille. Si tu nous avais élevés comme du monde, j’aurais marié quelqu’un qui avait du bon sens […].
Thérèse weist jede Schuld von sich und macht stattdessen ihre Mutter für die Lage der gesamten Familie verantwortlich. Ohne jeden Respekt betitelt sie Albertine als „bête“, „vulgaire“, „niaiseuse“ und „pas endurable“. Diese reagiert ebenso schroff und gefühlskalt. Sie beschimpft ihre Tochter solange, bis diese aufgibt und unterwürfig meint: „J’méritais que tu me battes, que [Gérard] me batte, maman!“ Ihre Beziehung hat krankhafte und sadomasochistische Züge. Alle Familienmitglieder sind am Ende; keiner vermag den Teufelskreis zu durchbrechen.
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die Biografie Michel Tremblays und verortet sein Werk im soziokulturellen Kontext Montreals, wobei die zentrale Rolle der Frauen für seine literarische Arbeit hervorgehoben wird.
2. Ursachen des Gefangenseins: In diesem Kapitel werden die strukturellen Determinanten der weiblichen Unterdrückung – Familie, Kirche und Sprache – als zentrale Einflüsse auf das Leben der Protagonistinnen untersucht.
3. Folgen des Gefangenseins: Dieses Kapitel analysiert die psychologischen Konsequenzen wie Entfremdung sowie die verschiedenen Verhaltensmuster der Frauen, die von Resignation über Märtyrertum bis hin zur Rebellion und Befreiung reichen.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass gesellschaftliche Veränderungen zwar existieren, die Lebenswirklichkeit der unteren sozialen Schichten jedoch stark von alten, traditionalistischen Strukturen geprägt bleibt.
Michel Tremblay, Frauenbild, Quebec, Joual, Unterdrückung, Befreiung, Familie, Katholische Kirche, Soziokultur, Entfremdung, Rollenbilder, Literaturanalyse, Identität, Sozialstruktur, Geschlechterrollen
Die Arbeit analysiert, wie Michel Tremblay in seinen Theaterstücken das Leben von Frauen im Quebec der 1960er Jahre porträtiert und mit welchen Mechanismen er das Gefühl des Gefangenseins innerhalb dieser Gesellschaftsstrukturen aufzeigt.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen individuellen Schicksalen und gesellschaftlichen Faktoren wie dem strengen katholischen Glauben, dem traditionellen Familienbild und der spezifischen Sprachbarriere durch den Soziolekt Joual.
Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie Tremblay das Gefühl des Gefangenseins bei seinen Frauenfiguren konstruiert, welche Rolle dabei unbewusste Entwicklungen spielen und ob bzw. wie eine Befreiung aus diesen sozialen Ketten möglich ist.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse primär dramatischer Texte von Michel Tremblay, ergänzt durch soziokulturelle Hintergründe zur Situation im frankophonen Kanada sowie psychoanalytische Ansätze zur Entfremdung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen der weiblichen Unterdrückung (Familie, Kirche, Sprache) und eine detaillierte Analyse der Folgen, wobei unterschiedliche Reaktionsformen der Frauen auf ihre Lebensumstände gegenübergestellt werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Frauenbild, Identität, Entfremdung, Soziolekt, Sozialstruktur und Befreiung.
Das Joual fungiert als Distinktionsmerkmal und gleichzeitig als Ausdruck sozialer Stigmatisierung, das die eingeschränkten Möglichkeiten der Frauen widerspiegelt und deren Identitätssuche entscheidend beeinflusst.
Carmen dient als Gegenentwurf zu den anderen Figuren, da sie durch den Bruch mit traditionellen Erwartungen und die Entdeckung ihrer Stimme als Künstlerin eine realistische, wenn auch schmerzhafte Chance auf Selbstbestimmung verkörpert.
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