Masterarbeit, 2010
86 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1 Themeneinführung
1.2 Inhalt und Untersuchungsziele
2. Pierre de Coubertins Olympische Idee
2.1 Bedeutung der ersten Olympischen Spiele
2.2 Ziele der Olympischen Idee
2.3 Deutschlands Bedeutung in der Entstehungsgeschichte der Olympischen Idee
3. Willibald Gebhardt und seine Bedeutung für die deutsche Olympia-Beteiligung
3.1 Biographie Gebhardts
3.2 Gebhardts Engagement für eine Olympia-Beteiligung Deutschlands
3.3 Gründung des deutschen Olympia-Komitees
4. Einladung Deutschlands zu den Olympischen Spielen
4.1 Der olympische Kongress in der Sorbonne
4.2 Sport-politische Differenzen als Folge des Deutsch-Französischen Krieges
4.3 Coubertins Zwiespalt zwischen nationalen Interessen und Olympischer Idee
4.4 Die „Gil-Blas-Affäre“
5. Innerdeutscher Konflikt um die Beteiligung Deutschlands
5.1 Reaktion der Deutschen Turnerschaft
5.2 Reaktion von Zentralausschuss und Sportbund
5.3 Konflikt zwischen Turnen und Sport
5.4 Reaktion der deutschen Politik
5.5 Reaktion der deutschen Bevölkerung
5.6 Absage der oppositionellen Sportverbände
6. Maßnahmen des deutschen Komitees zugunsten einer Olympia-Beteiligung
6.1 Innerdeutsche Diplomatiebestrebungen des deutschen Komitees
6.2 Kontakte zu Coubertin
6.3 Diplomatische Beziehungen zum griechischen Organisationskomitee
6.4 Vermittlungsbestrebungen mit Frankreich
7. Die Aufstellung einer deutschen „Achtungsvertretung“
7.1 Gewinnung einer Turnmannschaft
7.2 Protest der Deutschen Turnerschaft und Gegenströmungen
7.3 Vorbereitungen der deutschen Olympia-Mannschaft
7.4 Das Abschneiden Deutschlands
8. Fazit
Die vorliegende Master-Thesis untersucht die komplexen politischen Hintergründe und die schwierige Vorgeschichte der Beteiligung Deutschlands an den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der deutsch-französischen Konflikte, der internen Widerstände innerhalb der deutschen Sportlandschaft sowie den unermüdlichen diplomatischen Bemühungen von Willibald Gebhardt, um trotz massiver Opposition eine deutsche Teilnahme zu ermöglichen.
4.3 Coubertins Zwiespalt zwischen nationalen Interessen und Olympischer Idee
Pierre de Coubertin vertrat als französischer Baron nicht nur seine nationenübergreifende Olympische Idee, sondern vertrat auch sein Land Frankreich. Um die Olympische Idee in Frankreich voranzubringen und bei seinen vorwiegend nationalistisch eingestellten Landsleuten Unterstützung für die Wiederbelebung der Olympischen Spielen zu bekommen, wäre eine Einladung Deutschlands am ersten olympischen Kongress ein zu hohes Risiko gewesen. Zu diesem frühen Zeitpunkt, zu Beginn des Jahres 1894, war die Durchführung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit nämlich noch vollkommen ungewiss. Für Coubertin galt es in dieser Phase, zunächst seine Landsleute von seiner Olympischen Idee zu überzeugen. Eine Einladung Deutschlands zum ersten olympischen Kongress in der Sorbonne wäre für die Franzosen ein Boykottierungsgrund gewesen. Dadurch hätte Coubertin nicht nur die Unterstützung seiner Landsleute an der Umsetzung der ersten Olympischen Spiele, sondern auch eine Beteiligung Frankreichs an den Wettkämpfen riskiert.
Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele stellte ein Politikum dar. Die Organisation der ersten neuzeitlichen Spiele waren eine äußerst prestigeträchtige Angelegenheit. Frankreich erkannte das große Potential der Olympischen Bewegung und wollte mit Hilfe von Coubertin um jeden Preis die Wiederbelebung der Spiele für sich beanspruchen. Es ging hierbei um Ansehen und Weltmachtstreben. Dazu gehörte auch die ursprüngliche Absicht der Franzosen, die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Paris stattfinden zu lassen. Nach Überzeugung der Franzosen hätte eine Beteiligung Deutschlands am ersten olympischen Kongress die vorherrschende Kraft Frankreichs in der Umsetzung der Spiele geschwächt und die deutschen Prestigeambitionen enorm gestärkt. Daher setzten eine Reihe von französischen Sportfunktionären, allen voran die französischen Turner, Coubertin unter Druck und verlangten von ihm eine Ausgrenzung des verhassten Deutschlands von den Olympischen Spielen. In Frankreich herrschte der Standpunkt vor, dass man sich die Teilnehmerländer aussuchen könne, weil Paris zu diesem Zeitpunkt als Austragungsort vorgesehen und man damit in der Gastgeberrolle war und da man darüber hinaus durch den Franzosen Coubertin Erfinder und Initiator der Spiele sei. Die führenden französischen Sportinstitutionen drohten mit einem Boykott der Spiele, falls sich Deutschland daran beteiligen würde.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der ersten Olympischen Spiele ein und skizziert die methodische sowie inhaltliche Zielsetzung der Arbeit bezüglich der deutschen Teilnahme.
2. Pierre de Coubertins Olympische Idee: Hier werden die philosophischen und pädagogischen Ziele Coubertins erläutert sowie die frühe Bedeutung deutscher archäologischer Ausgrabungen für die Wiederbelebung der Spiele hervorgehoben.
3. Willibald Gebhardt und seine Bedeutung für die deutsche Olympia-Beteiligung: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg und den unermüdlichen Einsatz von Willibald Gebhardt als Begründer der deutschen Olympia-Bewegung nach.
4. Einladung Deutschlands zu den Olympischen Spielen: Eine Analyse der diplomatischen Schwierigkeiten, insbesondere des Ausschlusses Deutschlands vom Kongress in der Sorbonne und der „Gil-Blas-Affäre“.
5. Innerdeutscher Konflikt um die Beteiligung Deutschlands: Eine detaillierte Untersuchung der massiven Widerstände seitens der Deutschen Turnerschaft, der Politik und der Bevölkerung gegen die Teilnahme an den Spielen.
6. Maßnahmen des deutschen Komitees zugunsten einer Olympia-Beteiligung: Darstellung der diplomatischen Vermittlungsversuche Gebhardts, um die Boykottfront aufzubrechen und Kontakte zu Coubertin und den Griechen zu festigen.
7. Die Aufstellung einer deutschen „Achtungsvertretung“: Dokumentation der kurzfristigen Gewinnung einer kleinen deutschen Turnmannschaft gegen den erbitterten Widerstand der Turnerschaft und die sportliche Bilanz in Athen.
8. Fazit: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse, die das Gelingen der deutschen Teilnahme als Werk des beharrlichen Engagements von Gebhardt würdigt.
Olympische Spiele 1896, Willibald Gebhardt, Pierre de Coubertin, Deutsche Turnerschaft, Olympia-Boykott, deutsch-französischer Konflikt, Olympische Idee, Sportgeschichte, Nationalismus, Internationale Sportbewegung, deutsche Olympia-Beteiligung, Athen 1896.
Die Arbeit analysiert die bewegte Vorgeschichte der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit im Jahr 1896 mit speziellem Fokus auf die politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland.
Die zentralen Themen umfassen den deutsch-französischen Konflikt nach 1870, die Rolle der deutschen Turnerschaft bei der Ablehnung internationaler Sportideale und das Wirken von Pionieren wie Willibald Gebhardt.
Ziel ist es zu ergründen, warum die Beteiligung Deutschlands lange Zeit als gefährdet galt, welche Akteure diese verhinderten und wie es dennoch zur Entsendung einer deutschen Mannschaft kam.
Der Autor nutzt eine quellenkritische historische Untersuchung, basierend auf zeitgenössischen Briefwechseln, offiziellen Dokumenten des deutschen Komitees, Presseberichten und relevanter sportgeschichtlicher Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Coubertinschen Idee, die Darstellung der innerdeutschen und außenpolitischen Widerstände sowie die Dokumentation der konkreten Maßnahmen, die zur Aufstellung einer deutschen Delegation führten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Olympische Spiele 1896, Willibald Gebhardt, Boykott, Deutsche Turnerschaft, Nationalismus und sportlicher Internationalismus.
Die Affäre diente den deutschen Olympia-Gegnern als Vorwand, um die Beteiligung als eine nationale Schmach darzustellen und die anti-olympische Stimmung in der Bevölkerung massiv anzuheizen.
Die Turnerschaft betrachtete den internationalen Sport als „fremdländisch“ und als Konkurrenz zu ihrer national geprägten, charakterbildenden Turnbewegung, wobei sie das olympische Wettkampfprinzip als „unsittlich“ ablehnte.
Durch unermüdliche diplomatische Arbeit, die Bildung eines Komitees mit prominenten Adeligen an der Spitze und indem er einzelne Turner direkt ansprach, statt sich nur auf die boykottierende Verbandsführung zu verlassen.
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