Wissenschaftliche Studie, 2010
26 Seiten, Note: 1,0
1. Fallbeispiel einer Zwangsstörung
1.1 Diagnostische Aspekte nach ICD 10, Kapitel V
1.1.1 Differentialdiagnostische Überlegungen
1.2 Weitere Verständnis leitende Aspekte
2. Epidemik, Ätiologie und Pathogenese der Zwangsstörung
3. Das Brügger Modell im Überblick
4. Die therapeutische Praxis bei Zwangsstörungen: eine Skizze
4.1 Der Abschluss der Therapie
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der kognitiven Kurzzeittherapie nach dem Brügger Modell am Beispiel einer chronifizierten Zwangsstörung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Erweiterung der Wahlfreiheit des Patienten ein konstruktiver Umgang mit zwanghaften Verhaltensmustern erreicht und die therapeutische Beziehung als zentrales Arbeitsinstrument genutzt werden kann.
1. Fallbeispiel einer Zwangsstörung
Der 36-jährige Mark P. kommt mit seiner Lebensgefährtin Bianca M. in die Beratung. Herr P. erzählt, er leide seit Jahren an einer Zwangsstörung, sei deswegen auch in therapeutischer Behandlung. Dennoch würden die Probleme nicht weniger werden.
Wann immer der Klient seine Wohnung verlassen wolle, müsse er zunächst alle möglichen Gefahrenquellen ausschalten. Er kontrolliere, ob noch irgendwo Kerzen brennen, ob der Herd ausgeschaltet sei und ziehe zur Sicherheit die Stecker aller Elektrogeräte aus der Steckdose. Dann schließe er die Tür sorgfältig ab und kontrolliere mehrfach, ob sie wirklich zu sei. Teilweise falle ihm auf dem Weg zur Arbeit noch etwas ein, das er nicht kontrolliert habe, oder er sei plötzlich unsicher, "ob die eine Kerze auch wirklich aus ist". Dann drehe er um und fahre zurück nach Hause, um ganz sicher zu gehen. "Stellen Sie sich vor, ich lasse eine Kerze brennen, und dann brennt das Haus ab. Da wohnen Familien mit kleinen Kindern!" Mittlerweile kosten die regelmäßigen Kontrollrituale Herrn P. so viel Zeit, dass er bereits um 4.30 Uhr aufstehen muss, um pünktlich um 7.00 Uhr seine Wohnung verlassen zu können. Dennoch komme er regelmäßig zu spät zur Arbeit, weil er noch etwas zu kontrollieren vergessen hatte. Vor einer Woche habe er wegen seiner ständigen Unpünktlichkeit bereits eine Abmahnung von seinem Arbeitgeber bekommen.
Frau M., die bis zu diesem Zeitpunkt nur zugehört hat, schaltet sich nun auch ein. Wenn er so weiter mache, bekäme er von ihr demnächst auch eine Abmahnung, schimpft sie. Sie lebe zwar mit ihrem vierjährigen Sohn (er stammt aus einer früheren Beziehung) in einer eigenen Wohnung, aber auch auf die Entfernung mache sie das Verhalten des Klienten noch wahnsinnig. "Der kontrolliert ja auch bei mir! Teilweise, wenn er bei uns übernachtet, dreht er uns morgens die Sicherung raus, damit unsere Wohnung nicht möglicherweise abbrennt!" Sie habe ihn mehrfach gebeten, wenigstens bei ihr damit aufzuhören, weil sein Verhalten auch ihre Tagesplanung durcheinander bringe. Jedes Mal verspreche er, sich zu bessern. "Aber er hat sich einfach nicht im Griff. Und das ärgert mich." Mittlerweile habe ihr kleiner Sohn schon Angst vor ihrem Lebensgefährten, weil der sich "so komisch" benimmt.
1. Fallbeispiel einer Zwangsstörung: Dieses Kapitel führt den Patienten Mark P. ein, beschreibt seine Kontrollrituale sowie die daraus resultierenden massiven Belastungen für seinen Alltag und seine Partnerschaft.
1.1 Diagnostische Aspekte nach ICD 10, Kapitel V: Hier erfolgt eine Einordnung der Symptomatik von Herrn P. gemäß den diagnostischen Leitlinien, wobei der chronifizierte Charakter der Zwangsstörung bestätigt wird.
1.1.1 Differentialdiagnostische Überlegungen: Es wird geprüft, ob andere psychiatrische Erkrankungen oder organische Ursachen vorliegen, was jedoch weitgehend ausgeschlossen werden kann.
1.2 Weitere Verständnis leitende Aspekte: Dieses Kapitel identifiziert notwendige Klärungsschritte bezüglich bisheriger Therapieversuche sowie der Beziehungsdynamik vor Beginn der eigentlichen Behandlung.
2. Epidemik, Ätiologie und Pathogenese der Zwangsstörung: Hier werden theoretische Hintergründe, von neurophysiologischen bis zu psychodynamischen und lerntheoretischen Ansätzen, zur Entstehung von Zwängen beleuchtet.
3. Das Brügger Modell im Überblick: Dieses Kapitel stellt das zentrale theoretische Fundament der Arbeit vor, das auf der Förderung der Wahlfreiheit des Patienten basiert.
4. Die therapeutische Praxis bei Zwangsstörungen: eine Skizze: Hier wird der therapeutische Prozess konkretisiert, von der Beziehungsaufnahme bis hin zur Anwendung spezifischer Interventionstechniken.
4.1 Der Abschluss der Therapie: Abschließend wird definiert, was als Therapieerfolg bei Zwangsstörungen gilt – nämlich das Finden eines für den Patienten befriedigenden Gleichgewichts.
Zwangsstörung, Brügger Modell, kognitive Kurzzeittherapie, Kontrollzwang, Wahlfreiheit, Verhaltensänderung, therapeutische Beziehung, Symptomverschreibung, Gewohnheitsbildung, systemischer Ansatz, Psychotherapie, ICD-10, Fallstudie, Ressourcenorientierung, Verhaltenstherapie
Die Arbeit widmet sich der psychotherapeutischen Behandlung einer chronifizierten Zwangsstörung auf Basis des sogenannten Brügger Modells, illustriert an einem konkreten Fallbeispiel.
Die Schwerpunkte liegen auf der diagnostischen Einordnung von Zwängen, den theoretischen Hintergründen von Verhaltensänderungen sowie der praktischen Anwendung von Techniken zur Steigerung der Wahlfreiheit bei Patienten.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie Patienten durch den therapeutischen Kontext des Brügger Modells befähigt werden können, ihre starren Verhaltensmuster zu lockern und ein individuelles, befriedigendes Gleichgewicht zu finden.
Die Arbeit nutzt die kognitive Kurzzeittherapie nach dem Brügger Modell, ergänzt um systemische Ansätze und eine detaillierte Fallanalyse auf Basis der ICD-10-Leitlinien.
Im Hauptteil werden neben der theoretischen Fundierung des Brügger Modells und der Ätiologie von Zwangsstörungen insbesondere die konkreten therapeutischen Vorgehensweisen und Interventionen bei einem Patienten mit ausgeprägter Kontrollsymptomatik erörtert.
Wesentliche Begriffe sind Zwangsstörung, Brügger Modell, Wahlfreiheit, Kontrollzwang, therapeutische Beziehung und Verhaltensänderung.
Das Modell betrachtet Widerstand als Teil des Prozesses. Der Therapeut begegnet ihm durch Geduld, Wertschätzung und durch die bewusste Entscheidung, den Patienten nicht zu Änderungen zu zwingen, sondern ihn zu unterstützen, eigene neue Gewohnheiten zu wählen.
Aufgrund der systemischen Verflechtung wird die Partnerin als Co-Therapeutin oder sogar Co-Patientin betrachtet, da sie oft unbewusst in die Zwangsgewohnheiten eingebunden ist und der Störungserhaltung entgegenzuwirken ist.
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