Magisterarbeit, 2010
91 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Inhalt und Thesen der Arbeit – Ein Überblick
3. Die Gerechtigkeitstheorie John Rawls’ und der Capability Ansatz
3.1 Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness
3.2 Der Rahmen der Theorie und die Grenzen des eigenen Gerechtigkeitsbegriffs
3.3 Der Rahmen bei John Rawls
3.4 Grundwerte und die zwei Gerechtigkeitsprinzipien
3.5 Der Urzustand und der Schleier des Nichtwissens
3.6 Der Bewertungsmaßstab und das Diversitätenproblem
3.7 Amartya Sen, The Idea of Justice & der Capability Ansatz
3.8 Capability Ansatz versus Theorie der Gerechtigkeit
4. Can The Capability Approach be Justified?
5. Extern bedingte Diversitäten
5.1 Distribution within the family: die Verteilung innerhalb der Familie
5.2 Differences in relational perspectives: Unterschiede in den Perspektiven von Personen in diversen Gesellschaftskreisen
5.3 Variations in social climate: der soziale Kontext in der sich eine Person befindet
5.4 Environmental diversities: Unterschiede im Lebensraum einer Person
6. Menschliche Diversitäten
6.1 Ex post Inklusion menschlicher Diversitäten
6.2 Horizontale versus vertikale Sichtweise und der reale Nachteil von Behinderungen
6.3 Angeborene Diversitäten
6.4 Pogges Inselbeispiel
6.5 Das Operationalisierungsproblem und die vermeintliche Notwendigkeit der Einfachheit
6.6 Die Frage der Notwendigkeit der Berücksichtigung individueller Parameter
7. Nussbaums Liste von grundlegenden Verwirklichungschancen und Sens Unterscheidung der Freiheit
8. Die Notwendigkeit einer komplexen Sensitivität des Bewertungsmaßstabes
9. Synthetischer Ansatz
10. Behinderungen in Deutschland
11. Abschließende Bemerkungen
12. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Bewertungsmaßstäben in den Gerechtigkeitstheorien von John Rawls und Amartya Sen. Ziel ist es, die angeblichen Widersprüche zwischen dem ressourcenorientierten Ansatz von Rawls und dem Capability Ansatz von Sen aufzulösen und eine theoretische Synthese zu erarbeiten, die eine praxisnahe, komplexe Gerechtigkeitsbewertung ermöglicht, welche insbesondere menschliche Diversitäten und Behinderungen adäquat berücksichtigt.
1. Einleitung
Im Sommer 2010, in einer Bar in Berlin Kreuzberg, redete ich mit einem Vorarbeiter über das Anliegen moderner Gerechtigkeitsansätze. In unserem Gespräch wurden wir uns schnell darüber einig, dass besonders die Lebensumstände der Menschen in ärmeren Regionen der Welt ungerecht seien und demnach verbessert werden müssten. Als wir über die Bedeutung der diversen Gerechtigkeitstheorien im Rahmen westlicher Wohlstandsgesellschaften sprachen, kamen bei meinem Gesprächspartner Walter allerdings Zweifel auf, die er ungefähr wie folgt äußerte: „Wozu soll das alles überhaupt gut sein? Mir geht es doch blendend und mein Kumpel hier hat auch genug Peseten um seinen Bierkonsum zu decken und mit seiner Frau schick in den Urlaub zu fahren. Und wenn du sagst, die Benachteiligten sollten mehr gefördert werden oder einen Ausgleich für ihre schwere Lage erhalten – da ist auch schon der Imbissbudenmann drauf gekommen.“
In der Tat geht es in modernen Gerechtigkeitsansätzen zumeist nicht um die Frage, ob das Leisten gerechter Ausgleiche irgendeiner Art erstrebenswert sei – gewissermaßen ein Eingreifen oder Handeln (selbst wenn dieses vorerst nur in Form von Überlegungen stattfindet) erforderlich ist – sondern auf welchen theoretischen Grundlagen, das heißt aufgrund welcher Prinzipien und Bewertungsmaßstäbe den „Ungerechtigkeiten“ effektiv begegnet wird beziehungsweise diese im Vorhinein bereits abgewendet werden können.
1. Einleitung: Die Einleitung führt anhand eines Alltagsbeispiels in die Thematik der Gerechtigkeitsdebatte ein und verdeutlicht die Relevanz theoretischer Bewertungsmaßstäbe für reale gesellschaftliche Fragen.
2. Inhalt und Thesen der Arbeit – Ein Überblick: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der Arbeit, setzt den positiven Wert des Strebens nach Gerechtigkeit voraus und präzisiert den Fokus auf den Vergleich der Ansätze von Sen und Rawls.
3. Die Gerechtigkeitstheorie John Rawls’ und der Capability Ansatz: Hier werden die zentralen Positionen von Rawls und Sen einführend gegenübergestellt, wobei insbesondere Rawls' Theorie der Gerechtigkeit als Fairness und Sens Capability Ansatz im Mittelpunkt stehen.
4. Can The Capability Approach be Justified?: Dieses Kapitel analysiert kritisch den Aufsatz von Thomas Pogge, der eine methodische Unterlegenheit des Capability Ansatzes gegenüber Rawls’ Ressourcen-Fokus behauptet.
5. Extern bedingte Diversitäten: Es werden verschiedene externe Einflüsse auf die Lebenssituation von Personen wie Familie, sozialer Kontext und Lebensraum analysiert, um die Reichweite der beiden Gerechtigkeitsansätze zu prüfen.
6. Menschliche Diversitäten: Das Kapitel fokussiert den Umgang mit Diversitäten, insbesondere den Umgang mit Behinderungen, und vergleicht die ex post Einbeziehung bei Rawls mit der direkten Inklusion bei Sen.
7. Nussbaums Liste von grundlegenden Verwirklichungschancen und Sens Unterscheidung der Freiheit: Die Arbeit diskutiert hier Martha Nussbaums Liste als Versuch einer Operationalisierung des Capability Ansatzes sowie Sens Unterscheidung zwischen Möglichkeits- und Prozessaspekt der Freiheit.
8. Die Notwendigkeit einer komplexen Sensitivität des Bewertungsmaßstabes: Hier wird argumentiert, dass eine reine Fokussierung auf Standardpakete oder allein auf Verwirklichungschancen unzureichend für eine komplexe Gerechtigkeitsbewertung ist.
9. Synthetischer Ansatz: Das Kapitel entwickelt die Idee einer Synthese der beiden Ansätze, um Widersprüche in sinnvolle Ergänzungen aufzulösen.
10. Behinderungen in Deutschland: Eine Probe am Exempel verknüpft die theoretischen Schlussfolgerungen mit der realen Lebenssituation von Behinderten in Deutschland unter Bezugnahme auf die UN-Behindertenrechtskonvention.
11. Abschließende Bemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass sich Rawls’ Theorie und der Capability Ansatz nicht ausschließen, sondern in einem Synthetik-Ansatz fruchtbar ergänzen sollten.
Gerechtigkeitstheorie, John Rawls, Amartya Sen, Capability Ansatz, Bewertungsmaßstab, Primärgüter, Verwirklichungschancen, Soziale Gerechtigkeit, Behinderung, Inklusion, Diversität, Thomas Pogge, Martha Nussbaum, Kompensation, Politische Philosophie.
Die Arbeit untersucht, wie Gerechtigkeitstheorien soziale Ungerechtigkeiten bewerten und welche Maßstäbe (Metriken) sie dafür heranziehen. Dabei werden insbesondere die Ansätze von John Rawls und Amartya Sen gegenübergestellt.
Zentrale Themenfelder sind die Effektivität von Bewertungsmaßstäben, der Umgang mit individueller Vielfalt (Diversität), die Behandlung von Behinderten in der Gerechtigkeitstheorie und die Praktikabilität dieser Konzepte.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der ressourcenorientierte Ansatz von Rawls und der capability-basierte Ansatz von Sen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich durch einen synthetischen Ansatz sinnvoll ergänzen können.
Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung und Analyse von Gerechtigkeitstheorien. Die Methode umfasst den kritischen Vergleich der Ansätze sowie eine Prüfung der Theorieelemente anhand praktischer Beispiele und externer Kritik (Pogge, Anderson).
Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzepte von Rawls und Sen, diskutiert die Kritik von Thomas Pogge, untersucht externe Faktoren wie Familie und Umwelteinflüsse sowie die spezifische Frage der Inklusion von Menschen mit Behinderungen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Capability Ansatz", "Primärgüter", "Bewertungsmaßstab", "Menschliche Diversität" und "Synthetischer Ansatz" charakterisiert.
Sie dient im zehnten Kapitel als konkretes Praxisbeispiel ("Probe am Exempel"), um zu untersuchen, ob und wie die theoretischen Ansätze von Rawls und Sen bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Deutschland angewendet werden können.
Pogges Aufsatz "Can the Capability Approach be Justified?" dient als wichtige Diskussionsgrundlage, da er versucht, die Überlegenheit des ressourcenorientierten Ansatzes von Rawls gegenüber dem von Sen methodisch zu beweisen, was eine intensive argumentative Auseinandersetzung provoziert.
Nein, Sen lehnt die Vorstellung eines Ideals der perfekten Gerechtigkeit als für die Praxis wenig hilfreich ab; stattdessen plädiert er für komparative Ansätze, die soziale Missstände durch schrittweise Verbesserungen mindern.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Rawls' Idealmodell des "Normalmenschen" zwar eine Vereinfachung zur Strukturierung seiner Theorie bietet, aber zur Erfassung komplexer individueller Bedürfnisse und Behinderungen um Ansätze der Verwirklichungschancen erweitert werden muss.
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