Masterarbeit, 2025
69 Seiten, Note: 2,0
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Rolle von Schulnoten im deutschen Bildungssystem darzustellen, kritisch zu hinterfragen und daraufhin Alternativen der Leistungsbewertung aufzuzeigen und näher zu veranschaulichen. Die zentrale Forschungsfrage ist, welche Funktionen und welche Rolle Schulnoten im heutigen Bildungssystem noch erfüllen und welche Alternativen zu einer gerechteren und lernförderlichen Leistungsbewertung beitragen können.
3.6 Beurteilungsfehler
Während Schulnoten von Bezugsnormen und vielfältigen Funktionen geprägt sind, ist ihre Aussagekraft dennoch nicht immer fehlerfrei. Bei der Benotung von Schülerleistungen können verschiedene Beurteilungsfehler auftreten, welche das Ergebnis beeinflussen können und damit die Gerechtigkeit infrage stellen. „Dabei werden diese Beurteilungsfehler nicht als individuell zurechenbare »Unfähigkeit« oder »Boshaftigkeit« der Lehrpersonen betrachtet, sondern als prinzipielle Nicht-Eignung des Notensystems für Zwecke einer fairen Leistungsbewertung“ (Pant, 2024, S. 50). Schwark et al. (1986) betonen, dass alle Forschungen von Psychologen zu diesem Themenbereich ähnliche Beurteilungsfehler aufzeigen (vgl., S. 33). Im Folgenden werden diese typischen Fehler näher betrachtet.
Pant (2024) unterteilt die Reihe der typischen Beurteilungsfehler, welche sich in der durchgängigen Literatur wiederfinden, in unterschiedliche Effekte : die Erwartungseffekte, die Verlaufseffekte und die Effekte der Lehrer*innenpersönlichkeit (vgl., S. 51ff.).
Im Rahmen der Erwartungseffekte lassen sich drei typische Beurteilungsfehler aufzeigen. Einer dieser Fehler ist der Haloeffekt, welcher auch Hofeffekt genannt wird. Dabei „erzeugen leistungsfremde Eigenschaften von Schüler*innen [...] bei der Lehrkraft einen Eindruck, der [...] einen positiven oder negativen Gesamteindruck bewirkt und so verzerrend in die Leistungsbeurteilung einfließt“ (Pant, 2024, S. 54). Bohl (2019) spricht in diesem Sinne von Eigenschaften, zu der eigentlich gar kein Zusammenhang bei der Notengebung bestehen soll (vgl. S. 420).
Des Weiteren gibt es den Logischen Fehler, bei dem die Lehrkraft von sehr guten oder schlechten Leistungen in einem Bereich, Erwartungen an dieselbe Leistung in einem anderen Fach stellen (vgl. Bohl, 2019, S. 420). So kann beispielsweise erwartet werden, dass die Schülerin, welche in den Fächern Deutsch und Englisch überdurchschnittlich gut ist, auch in einer weiteren Fremdsprache gut abschneidet. Pant (2024) verdeutlicht, dass die Erwartungs-haltung beeinflusst wird und die eigene Beobachtung und Beurteilung von diesen Erwartungen abhängig sei (vgl., S. 420).
Der letzte typische Beurteilungsfehler innerhalb der Erwartungseffekte nennt sich Pygmalion-Effekt. Dieser „beschreibt die komplexe Wechselwirkung zwischen den Vornahmen einer Lehrkraft [...] über einzelne Schülerinnen oder Schüler, aus denen bestimmte bevorzugende oder benachteiligende Interaktionen resultieren“ (Bohl, 2019, S. 420). Hagenauer und Raufelder (2022) sprechen in diesem Falle auch von einer „sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung nach dem Bild der Lehrkraft“ (vgl. S. 984). Wenn die Lehrkraft beispielsweise die Information erhält, dass einige Schülerinnen und Schüler in einer Klasse besonders gut in einem Fach sind, dann stellt die auch dementsprechende Erwartungen an diese Schülerinnen und Schüler, welche sich daraufhin anpassen und gute Leistungen erbringen (vgl. Hagenauer & Raufelder, 2022, S. 984).
Kapitel 1.0 Einführung: Dieses Kapitel stellt das grundlegende Thema der Arbeit vor und formuliert eine zentrale Problemstellung bezüglich der Rolle von Schulnoten und alternativen Leistungsbewertungen.
Kapitel 2.0 Der Leistungsbegriff: Es definiert den Leistungsbegriff aus psychologischer und pädagogischer Sicht und erläutert seine Relevanz im schulischen Kontext, inklusive der Begriffe Leistungsbeurteilung und Leistungsbewertung.
Kapitel 3.0 Schulnoten - die traditionelle Art der Leistungsbewertung: Dieser Abschnitt bietet eine Einführung in die Thematik der Schulnoten, deren Begriffsdefinition, Geschichte, rechtliche Grundlagen in Deutschland und die verschiedenen Funktionen sowie typische Beurteilungsfehler.
Kapitel 4.0 Alternative Leistungsbewertungen: Hier werden verschiedene alternative Konzepte zur Leistungsbeurteilung vorgestellt, darunter Portfolios, Verbalbeurteilungen und Beurteilungsraster, mitsamt Hinweisen zur Durchführung sowie deren Vor- und Nachteilen.
Kapitel 5.0 Hamburger Schulversuch „Alles»Könner": Dieses Kapitel widmet sich der Beschreibung eines fünfjährigen Schulversuchs, der die individuelle und kompetenzorientierte Förderung in den Mittelpunkt stellt und die Akzeptanz verschiedener Zeugnisformate evaluiert.
Kapitel 6.0 Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Rolle von Schulnoten im Bildungssystem zusammen, erörtert die Kritik an Ziffernnoten und betont die zunehmende Bedeutung alternativer, lernprozessorientierter Bewertungsformen.
Schulnoten, Leistungsbewertung, Leistungsbeurteilung, Bildungssystem, Alternative Leistungsbewertung, Portfolio, Verbalbeurteilungen, Beurteilungsraster, Messtheoretische Anforderungen, Beurteilungsfehler, Motivation, Lernprozess, Kompetenzorientierung, Hamburger Schulversuch, Zensur, Bezugsnormen.
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der kritischen Analyse von Schulnoten im deutschen Bildungssystem und der Vorstellung sowie Bewertung alternativer Konzepte zur Leistungsbeurteilung.
Die zentralen Themenfelder umfassen den Leistungsbegriff, die Geschichte und rechtlichen Grundlagen von Schulnoten, messtheoretische Anforderungen an Noten, Beurteilungsfehler, Funktionen von Noten sowie alternative Leistungsbewertungsmethoden wie Portfolios, Verbalbeurteilungen und Beurteilungsraster.
Das primäre Ziel ist es, die Rolle von Schulnoten kritisch zu hinterfragen und Alternativen aufzuzeigen. Die Forschungsfrage lautet: Welche Funktionen und Rolle erfüllen Schulnoten im heutigen Bildungssystem noch und welche Alternativen können zu einer gerechteren und lernförderlichen Leistungsbewertung beitragen?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Analyse durch die tiefgehende Betrachtung bestehender wissenschaftlicher Literatur, die Darstellung theoretischer Konzepte und die Analyse eines konkreten Schulversuchs.
Der Hauptteil behandelt den Leistungsbegriff aus psychologischer und pädagogischer Sicht, die traditionelle Leistungsbewertung durch Schulnoten (inklusive Definition, Geschichte, rechtlicher Grundlagen, messtheoretischer Anforderungen und Beurteilungsfehler) sowie alternative Leistungsbewertungen und deren Konzepte.
Schulnoten, Leistungsbewertung, Alternative Leistungsbewertung, Portfolio, Verbalbeurteilungen, Beurteilungsraster, Beurteilungsfehler, Lernprozess, Kompetenzorientierung, Bildungssystem.
Der Hamburger Schulversuch „Alles»Könner" war ein auf fünf Jahre angelegter Schulversuch, der die individuelle und kompetenzorientierte Förderung von Schülern in den Mittelpunkt stellte. Die Evaluation zeigte eine steigende Akzeptanz von Kompetenzrasterzeugnissen gegenüber traditionellen Noten- und Berichtszeugnissen, insbesondere in Grundschulen.
Schulnoten müssen die Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllen. Objektivität bedeutet Unabhängigkeit von der beurteilenden Person, Reliabilität die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Messung, und Validität, dass tatsächlich das gemessen wird, was gemessen werden soll.
Die Leistungsbeurteilung umfasst einen längeren Zeitraum und beinhaltet subjektive Beobachtungen und Feedback, während die Leistungsbewertung die konkrete, detaillierte Einordnung einer Leistung in einen bestimmten Maßstab darstellt, oft in Form von Ziffernnoten oder Punkten.
Hauptkritikpunkte sind, dass Noten den Lernprozess nicht ausreichend abbilden, Ungleichheit erzeugen, demotivierend für leistungsschwächere Schüler sind, zu Konkurrenz und Leistungsdruck führen und oft durch subjektive Beurteilungsfehler verzerrt werden.
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