Diplomarbeit, 2004
132 Seiten, Note: 2
1 Einleitung
2 Der Begriff Demenz
2.1 Historische Entwicklung des Demenzbegriffs
2.2 Krankheitsbild Demenz
2.3 Formen der Demenz
2.3.1 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT)
2.3.2 Vaskuläre Demenz
2.3.3 Andere spezifische Demenzen:
2.4 Sekundäre Demenzsymptome / Verhaltensstörungen
2.5 Demografische Aspekte und Prävalenz
2.6 Risikofaktoren
2.7 Medikamentöse Therapie
2.7.1 Antidementiva / Nootropika
2.7.2 Psychopharmaka
2.7.3 Erfolge der medikamentösen Therapie
3 Demenzsymptome und deren Konsequenzen für das Umfeld
3.1 Die Welt der Demenzkranken
3.2 Folgen einer Demenz
4 Lebensqualität und Wohlbefinden bei Demenz
4.1 Probleme bei der Erfassung von Lebensqualität bei Demenzkranken
4.2 Wohlbefinden / Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Demenz
5 Selbstbestimmung
5.1 Selbständigkeit
5.2 Individualität
6 Wohnen
6.1 Wohn- und Versorgungssituation von Menschen mit Demenz
6.2 Alleinlebende verwirrte Menschen
6.3 Situation dementer Menschen und deren pflegenden Angehörige in Privathaushalten
6.3.1 Ambulante Pflege
6.3.2 Kurzzeitpflege
6.3.3 Tagespflegeeinrichtungen
6.4 Stationäre Einrichtungen
6.4.1 Die Entwicklung des Altenpflegeheims im 20. Jh.
6.4.2 Situation dementer Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen
6.4.3 Hausgemeinschaften - 4. Generation des Altenpflegeheimbaus?
6.4.4 Funktionspflege vs. Bezugspflege
6.4.5 Selbstbestimmung in stationären Einrichtungen
6.4.6 Integrative vs. segregative Versorgungsansätze
7 Pflegeversicherung und die Ungleichbehandlung Demenzkranker
8 Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz
8.1 Interventionsmethoden:
8.1.1 Validation
8.1.2 Biografiearbeit und biografische Grundhaltung
8.1.3 Reminiszenz-Therapie
8.1.4 Personenzentrierter Ansatz/Pflege
8.1.5 Realitäts-Orientierungs-Training
8.1.6 Selbst-Erhaltungs-Therapie
8.1.7 Milieutherapie
8.1.8 Psychobiografisches Pflegemodell
8.1.9 Basale Stimulation
8.2 Entlastung pflegender Angehöriger
8.3 Möglichkeiten zur Verbesserung in stationären Einrichtungen
9 Empirische Untersuchung zur Lebensqualität anhand des Dementia Care Mappings
9.1 Beschreibung der eigenen Motivation zur Durchführung der Beobachtung
9.2 Erläuterungen zu den Einrichtungen
9.2.1 Hausgemeinschaft in Wetter
9.2.2 Altenpflegeheim St. Hildegard in Offenbach
9.3 Die Methode – Das Dementia Care Mapping
9.4 Beschreibung der Beobachtungskriterien
9.4.1 Kodieren von Verhaltenskategorien
9.4.2 Kodieren personaler Detraktionen
9.4.3 Besonderheiten bei der Beobachtung der Verhaltenskategorien
9.5 Auswertung der Beobachtung
9.5.1 Individuelle WIB Punktzahl
9.5.2 Die gruppenbezogene WIB-Punktzahl
9.5.3 Individuelles WIB- Wert- Profil
9.5.4 Gruppenbezogenes WIB-Wert Profil
9.5.5 Individuelles Verhaltensprofil
9.5.6 Gruppenbezogenes Verhaltensprofil
9.5.7 Übergreifende Pflege-Kennziffern
9.5.8 Personale Detraktionen
9.6 Zusammenfassende Bewertung
9.7 Anmerkungen zur Methode
10 Fazit
11 Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz
11.1 Stationäre Einrichtungen:
11.2 Häusliche Versorgung:
11.3 Politische Forderungen:
12 Literaturverzeichnis
13 Anhang
Die Arbeit untersucht die Probleme und Möglichkeiten zur Erhaltung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wohnsituation und der Wahrung ihrer Selbstbestimmung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lebensqualität trotz kognitiver Einschränkungen gefördert werden kann, wobei ein besonderer Fokus auf dem innovativen Konzept der Hausgemeinschaft liegt.
3.1 Die Welt der Demenzkranken
Um Menschen mit Demenz bei der Bewältigung krankheitsbedingter Probleme angemessen unterstützen zu können, ist es notwendig Einsicht über Veränderungen der Wahrnehmung, des Erlebens und der Reaktionen der Demenzkranken zu bekommen. Das Ergründen der inneren Welt eines stark kognitiv beeinträchtigten Menschen ist schwierig. Fundierte Aussagen lassen sich lediglich für die beginnende Demenz und ihre frühen Stadien finden. Diese werden mit zunehmendem Schweregrad der Erkrankung immer spekulativer (vgl. BmFSFJ 2002a, S. 175).
Im Anfangsstadium treten Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Fehlbeurteilungen von Situationen etc. auf. Die Betroffenen erleben dies oft bewusst und reagieren teilweise mit Ängsten und Verunsicherungen. Es fällt den Betroffenen schwer sich auf neue, unbekannte Situationen einzulassen. Der Erwerb von neuem Wissen oder das Erlernen neuer Strategien wird immer weniger möglich. Oft versuchen Menschen mit Demenz ihre Defizite vor der Umgebung zu verbergen, entwickeln Kompensationsmechanismen und reagieren überwiegend gereizt auf alle Hinweise eigenen Versagens. Manche von ihnen entwickeln depressive Symptome als Reaktion auf die Störungen, typischer ist jedoch eine Angstsymptomatik (vgl. BmFSFJ 2002a, S.176). Mit dem Fortschreiten der Krankheit nehmen Angst, Panik, Desorientierung und Hilflosigkeit zu. Situationen, die nicht mehr bestimmbar bzw. überschaubar zu sein scheinen, sind oft der Auslöser für diese Reaktionen (vgl. Laade 2003, S. 100). Die Fähigkeit zu einer richtigen Einschätzung sozialer Zusammenhänge, zu moralischen Urteilen und zu schwierigen Entscheidungen ist stark beeinträchtigt. Vertraute und täglich gleiche Handlungsmuster entsprechende Aktivitäten bleiben aber relativ lange erhalten und ermöglichen dem Betroffenen eine selbständige Lebensführung (vgl. BmFSFJ 2002a, S. 176).
1 Einleitung: Die Einleitung definiert Demenz als zentrale Herausforderung für die alternde Gesellschaft und skizziert das Ziel der Arbeit, Ansätze zur Erhaltung von Lebensqualität und Selbstbestimmung zu untersuchen.
2 Der Begriff Demenz: Dieses Kapitel erläutert die historische Einordnung, das klinische Bild, verschiedene Demenzformen sowie aktuelle Ansätze der medikamentösen Therapie.
3 Demenzsymptome und deren Konsequenzen für das Umfeld: Hier werden das Erleben der Demenzkranken und die Auswirkungen der kognitiven Einschränkungen auf ihr soziales und pflegerisches Umfeld detailliert dargelegt.
4 Lebensqualität und Wohlbefinden bei Demenz: Das Kapitel befasst sich mit den Schwierigkeiten, Lebensqualität bei Demenz zu messen, und beleuchtet die individuellen Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit und Identität.
5 Selbstbestimmung: Es wird die philosophische und rechtliche Bedeutung von Selbstbestimmung für demente Menschen analysiert und das Spannungsfeld zwischen Schutzbedürfnis und Autonomie erörtert.
6 Wohnen: Dieses umfangreiche Kapitel vergleicht häusliche, teilstationäre und stationäre Wohnformen und ihre Eignung für Menschen mit Demenz unter Berücksichtigung pflegeorganisatorischer Aspekte.
7 Pflegeversicherung und die Ungleichbehandlung Demenzkranker: Es wird kritisiert, dass das bestehende Pflegesystem den spezifischen Betreuungsbedarf bei Demenz vernachlässigt, da es primär auf körperliche Verrichtungen fokussiert ist.
8 Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz: Vorstellung verschiedener therapeutischer Interventionsmethoden (Validation, Biografiearbeit, Personenzentrierter Ansatz) sowie Strategien zur Entlastung pflegender Angehöriger.
9 Empirische Untersuchung zur Lebensqualität anhand des Dementia Care Mappings: Die Autorin präsentiert eine eigene Beobachtungsstudie, die den Pflegealltag in einer Hausgemeinschaft mit dem eines konventionellen Altenpflegeheims vergleicht.
10 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit ganzheitlicher, personenorientierter Versorgungsansätze zusammen, um die Lebensqualität Demenzkranker trotz ihrer Erkrankung nachhaltig zu sichern.
11 Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz: Konkrete Handlungsempfehlungen für stationäre Einrichtungen und die häusliche Versorgung sowie notwendige politische Weichenstellungen.
Demenz, Lebensqualität, Selbstbestimmung, Hausgemeinschaft, Dementia Care Mapping, Altenpflege, Angehörigenentlastung, Personenzentrierte Pflege, Autonomie, Validation, Milieutherapie, Pflegeversicherung, Pflegequalität, Wohnen im Alter, Pflegestufen.
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, trotz einer Demenzerkrankung die Lebensqualität und Selbstbestimmung der Betroffenen zu erhalten, sowohl im stationären Pflegealltag als auch in der häuslichen Versorgung.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Verständnis von Demenz, der Bedeutung von Wohnformen, rechtlichen Aspekten der Selbstbestimmung, therapeutischen Interventionsmethoden und einer empirischen Vergleichsstudie zur Qualität verschiedener Pflegekonzepte.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie trotz erheblicher Einschränkungen durch Demenz die Lebensqualität und Selbstbestimmung gefördert werden kann, wobei die Autorin insbesondere untersucht, ob Hausgemeinschaften bessere Ergebnisse liefern als konventionelle Pflegeheime.
Für den empirischen Teil der Arbeit nutzt die Autorin die Methode des "Dementia Care Mappings" (DCM), ein Beobachtungsverfahren, um das Wohlbefinden und die Interaktionen der Bewohner in zwei verschiedenen Einrichtungen objektiv vergleichbar zu machen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Demenz und Lebensqualität, eine detaillierte Auseinandersetzung mit Wohnformen, eine Analyse der Pflegeversicherung sowie eine konkrete Untersuchung der Interventionsmethoden, gefolgt von der eigenen empirischen Studie.
Die zentralen Konzepte sind Personenzentrierung, Autonomie, Normalität im Wohnen, Angehörigenentlastung und die prothetische Unterstützung der Lebensqualität durch die Gestaltung des Milieus.
Die empirische Untersuchung zeigt deutlich, dass Bewohner in Hausgemeinschaften eine höhere Lebensqualität und mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung erleben, da der Fokus auf einer familiären Alltagsgestaltung liegt und weniger auf pflegerisch-funktionalen Abläufen.
Die Autorin kritisiert, dass das Pflegeversicherungsgesetz ein einseitiges Defizitmodell verfolgt, das primär manuelle körperliche Tätigkeiten vergütet, während die für Demenzkranke entscheidende soziale Betreuung und allgemeine Beaufsichtigung finanziell kaum Berücksichtigung finden.
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