Bachelorarbeit, 2010
38 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
1. Exkurs in das historische Denken: Was ist Geschichte?
1.1. Geschichte im 18./19. Jahrhundert
1.2. Geschichte(n) im 20./21. Jahrhundert
1.2.1. Die Schule der Annales
1.2.2. Hayden White
1.2.3. Geschicht(en)schreibung im postmodernen Kontext
2. Der transversalhistorische Roman
2.1. nueva novela histórica oder transversalhistorisch
2.2. Charateristik
3. El largo atardecer del caminante von Abel Posse
3.1. Biographische Daten
3.2. Die (Sub)Versionen des Cabeza de Vaca
3.3. Romananalyse
3.3.1. Die Macht der Sprache: Worüber man nicht reden kann
3.3.2. Der implizite Leser im Zeitlabyrinth
3.3.3. Nacktheit, Körper, Adler als Leitmotive auf dem Weg des transversalen Wanderers
3.4. Zusammenfassung
4. Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des „transversalhistorischen Romans“ anhand des Werkes El largo atardecer del caminante des argentinischen Autors Abel Posse. Dabei steht die theoretische Reflexion über Geschichte als Konstrukt sowie die Analyse narrativer Strategien im Vordergrund, um aufzuzeigen, wie Literatur das Verhältnis von Fiktion, Wahrheit und historischer Realität dekonstruiert.
3.3.1 Die Macht der Sprache: Worüber man nicht reden kann…
….darüber muss man SCHREIBEN. Das würde in Anlehnung an die Sprechakttheorie wohl der fiktive Ich-Erzähler dieses Romans sagen. Er repräsentiert die historische Figur Cabeza de Vaca, der in seinen Mitsechzigern in Sevilla lebt und an den Nachmittagen (atardecer) seine Erinnerungen, seine Memoiren, zu Papier bringt.
Der Text ist ein mosaikartiges Suchspiel der Erinnerung, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei entwickeln sich erzählte Gegenwart und die erzählte Vergangenheit zwischen historischen Personen und Ereignissen im Inneren des Protagonisten und entstehen erst im Schreibakt, um auf dem Papier Strukturen zu erhalten, d.h. “real” zu werden. Dabei bezieht er sich immer wieder auf seine bereits veröffentlichten Werke Naufragios (1542) und Comentarios, mit Sätzen, wie z.B. “según conté” (Posse 1992: 71), wenn die Neuversion mit den “alten” Ereignissen übereinstimmen und er vorgibt sich nicht wiederholen zu wollen.
Posse lässt Cabeza de Vaca nun die eigenen (Erzähl-) Lücken füllen. Die bereits verfassten Medien entwickelt sich so auf rhizomatische Art weiter. Die in Naufragios geschriebenen Seiten, über die Jahre bei den Indianern, werden ironisierend vom Erzähler aufgenommen und dem Leser suggeriert, dass er dabei ist, ein sich entwickelndes Geheimnis zu lesen (sozusagen einem Werden beizuwohnen), dass Cabeza de Vaca nie gewagt hat auszusprechen oder auch nur zu denken.
“Escribir hace que la palabra sea real”, besagt Roa Bastos Buch Yo, el Supremo, im Eingangszitat. Schreiben realisiert Cabeza de Vacas Innenwelt, seine Geheimnisse, seine (tot)geschwiegenen Familienmitglieder. So entstehen und (er)stehen seine Kinder und seine Frau, auf´s Neue. Durch das Formulieren und Aufschreiben werden sie und ihre Geschichte wieder in die Welt eingeschrieben und Cabeza de Vaca gibt ihnen durch Sprache (wieder) eine Identität.
0. Einleitung: Die Einleitung führt in die postmoderne Perspektive auf die Geschichte als Konstruktion ein und stellt das transversale Vertextungsverfahren als analytischen Rahmen für Abel Posses Roman vor.
1. Exkurs in das historische Denken: Was ist Geschichte?: Dieses Kapitel beleuchtet diachron das Verständnis von Historiographie und zeigt den Wandel vom positivistischen Geschichtsverständnis hin zu postmodernen und postkolonialen Theorien auf.
2. Der transversalhistorische Roman: Hier werden die theoretischen Merkmale dieses spezifischen Roman-Typs entwickelt, der sich durch Hybridität, Metadiskursivität und eine Abkehr von linearer Monokausalität auszeichnet.
3. El largo atardecer del caminante von Abel Posse: Das Hauptkapitel wendet die theoretischen Konzepte auf Posses Roman an und untersucht biographische Bezüge, die Versionen des Protagonisten Cabeza de Vaca sowie zentrale Leitmotive wie Körperlichkeit und Sprache.
4. Schlussfolgerungen: Die Schlussfolgerungen fassen die Erkenntnisse zusammen und unterstreichen die Kraft des Romans, durch die rhizomatische Struktur eine „andere“ Geschichte als Reflexionsraum für das Identitätsverständnis zu öffnen.
Transversalhistorisch, Abel Posse, Cabeza de Vaca, Historiographie, Postmoderne, Postkolonialität, Romananalyse, Hybridität, Identität, Geschichtskonstruktion, Metafiktion, Narrativität, Rhizom, Gedächtnis, Spurensuche.
Die Arbeit analysiert den „transversalhistorischen Roman“ als literarisches Verfahren, um die Konstrukthaftigkeit von Geschichte zu hinterfragen und neue Formen der kulturellen Identitätsdarstellung aufzuzeigen.
Zentrale Themen sind die postmoderne Geschichtsphilosophie, das Verhältnis von Fiktion und Realität, die Rolle des Autors als „rhizomatischer Produzent“ sowie die Identitätssuche des historischen Protagonisten Cabeza de Vaca.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Abel Posse durch hybride Erzählstrategien das traditionelle, lineare Geschichtsverständnis dekonstruiert und eine „andere“ Geschichte ermöglicht.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der poststrukturalistische und postkoloniale Literatur- und Kulturtheorien (z.B. von Deleuze, White, Bhabha) mit einer detaillierten Textanalyse des Romans verbindet.
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Romananalyse von El largo atardecer del caminante, wobei unter anderem die Rolle der Sprache, die (Sub)Versionen der historischen Figur Cabeza de Vaca und zentrale Leitmotive wie Nacktheit und Adler-Symbolik untersucht werden.
Begriffe wie „Transversalität“, „Hybridität“, „Geschichtskonstruktion“ und „Metafiktion“ stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Argumentation.
Der „Dritte Raum“ fungiert als Ort, an dem sich koloniale und indigene Diskurse überschneiden und gegenseitig relativieren, was dem Protagonisten eine hybride Existenz zwischen den Kulturen ermöglicht.
Das Schreiben ist für ihn nicht nur ein Akt der Dokumentation, sondern ein „Dazwischen“, das ihm ermöglicht, seine eigene Identität jenseits der offiziellen Chroniken neu zu erfinden und Unaussprechliches greifbar zu machen.
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