Magisterarbeit, 2007
108 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
II. Theoretischer und methodischer Zugang
1. Problemaufriss und Fragestellung
1.1 Aktueller Forschungsstand
1.2 Ziele und Fragestellungen
2. Methodisch-empirischer Untersuchungsrahmen
3. Der theoretische Untersuchungsrahmen
3.1 Macht- und Politikkonzepte: Androzentrismus in der Politik
3.1.1. Max Webers tradierte Politik- und Machtkonzept
3.1.2. Michel Foucaults Politik- und Machtbegriff
3.1.3. Feministische Kritik am Begriff der politischen Rationalität
3.2. Politische Institutionalisierung von Männlichkeit
3.2.1. Männerbundtheorien
3.2.2. Pierre Bourdieu: Männliche Herrschaft
3.3. „Does Their Difference Make a Difference?“ – Politikerinnen-Studien aus den USA
3.3.1. Token-Theorie von Rosabeth Moss Kanter (1977)
3.3.2. Double Bind-Theorie von Kathleen Hall Jamieson
4. Resümee: Entwicklung der eigenen Forschungsperspektive
III. Analyse des Materials
1. Die Untersuchungsgruppe
2. Rita Süssmuth: „Gegen den Strom“ – Einsatz für „suspekte“ und „esoterische“ Themen
3. Angela Merkel: „A Hidden Player“: Modernisierung im Hintergrund?
4. Ursula von der Leyen: Irritierende „Mutter der Nation“ und ihre „Geschlechtersensible Familienpolitik“
5. Vergleichendes Resümee zur Positionierung der Kategorien im analytischen Material
IV. Schlussbemerkungen und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Machtzuwachs weiblicher Politikerinnen in Führungspositionen und dem gleichzeitigen Verlust an Definitionsmacht bei frauen- und gleichstellungspolitischen Inhalten, wobei der Fokus auf CDU-Politikerinnen liegt.
3.1. Macht- und Politikkonzepte: Androzentrismus in der Politik
Vor mehr als 180 Jahren hielt Max Weber seinen Vortrag über „Beruf zur Politik“ im Kontext der Revolution von 1918. Seitdem hat sich in der Politik vieles verändert: Die Medienöffentlichkeit spielt nun eine ganz andere Rolle und Frauen sind in der Politik selbstverständlicher anzutreffen. Vieles blieb auch unverändert: Die real behindernden Verhältnisse für Frauen sowie das diskriminierende Verhalten gegenüber Frauen hat sich im letzten Jahrhundert in der politischen Praxis wenig verändert. Es gibt immer noch sowohl Herrschaftsrituale und Machtgebaren, als auch Seilschaften und Interessenbündnisse innerhalb politischer Strukturen. Und alles läuft nach bestimmten Maßstäben und Kriterien ab, auf die man sich einst geeinigt hat. In diesen politischen Strukturen gelten auch bestimmte Rahmenbedingungen, wenn es auf die `vernünftige und rationale` Argumentation ankommt. Welche Argumente allerdings als `rational` zu gelten haben, wird traditionell von Männern in politischen Spitzenpositionen definiert.
Es gibt bereits einige einschlägige Forschungsergebnisse und theoretische Belege dafür, dass das herrschende Politikverständnis eines ist, das Frauen und ihre Lebenszusammenhänge nicht berücksichtigt (vgl. Kreisky 1992, Schöler-Macher 1994, Meyer 1997). Im Folgenden soll es darum gehen, mit Hilfe der Theorie von Max Weber in Erinnerung zu rufen, welche Qualitäten in der Politik gefragt sind. Der Nachweis dafür, dass der Bereich der Politik androzentrisch strukturiert ist und es immer schon war, soll in der vorliegenden Arbeit nicht geführt werden, sondern er ist bekannt vorausgesetzt. Die gegenwärtige Politik orientiert sich durch Selektion `perfekter` Ideale sowie bürokratisch strukturierter Institutionen an männlichen Erfahrungen, männlichen Vorlieben männlichen Ehr- und Körpervorstellungen – mit anderen Worten am männlichen Habitus. In der Genese des modernen Staates hatte vor allem das Zusammenspiel von Wehrpflicht und Militär als „Schule der (männlichen) Nation“ politische Subjektfähigkeit und „männliche Vergemeinschaftung“ (vgl. Frevert 1996) hervorgebracht – die Säulen des modernen Staates, der unter Ausschluss von Frauen zustande kam.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, die sich aus der Beobachtung ergibt, dass trotz des Zuwachses an weiblicher Repräsentanz in Spitzenpositionen gleichstellungspolitische Inhalte an Bedeutung in den Programmen der CDU verlieren.
II. Theoretischer und methodischer Zugang: Dieses Kapitel erläutert den wissenschaftlichen Rahmen, inklusive der theoretischen Grundlagen (Weber, Foucault, Bourdieu, etc.) und des methodischen Vorgehens der qualitativen Inhaltsanalyse.
III. Analyse des Materials: Der Hauptteil untersucht anhand biographischer Texte und Analysen von drei CDU-Spitzenpolitikerinnen (Süssmuth, Merkel, von der Leyen), wie diese das Verhältnis zwischen ihrer Machtposition und gleichstellungspolitischen Themen gestalten.
IV. Schlussbemerkungen und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Strukturen der Spitzenpolitik weiterhin androzentrisch geprägt sind, was die Politikerinnen in "Double Bind"-Situationen bringt und sie oft zur Distanzierung von frauenpolitischen Themen zwingt.
Politik, Macht, Frauen, Gleichstellungspolitik, Androzentrismus, CDU, Spitzenpolitikerinnen, Double Bind, Männerbünde, Geschlechterrollen, Parteien, Politische Kultur, Diskurs, Repräsentation, Feminismus
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen weiblicher Machtausübung in politischen Führungspositionen und der gleichzeitigen Zurückstellung oder Distanzierung von frauen- und gleichstellungspolitischen Zielen.
Die zentralen Felder sind die Machtverhältnisse in politischen Strukturen, der Androzentrismus als strukturelles Merkmal und die biographische Auseinandersetzung von Politikerinnen mit ihrer Rolle in einer von Männern dominierten Partei (CDU).
Die Arbeit fragt, wie der Machtgewinn weiblicher Politikerinnen mit dem Verlust an Definitionsmacht bei frauen- und gleichstellungspolitischen Inhalten zusammenhängt.
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring auf der Basis einer biographischen Untersuchung von drei CDU-Spitzenpolitikerinnen angewandt.
Im Hauptteil werden die Texte und Werdegänge von Rita Süssmuth, Angela Merkel und Ursula von der Leyen analysiert, um ihre jeweilige Positionierung zu Macht, Politik und Frauenfragen darzustellen.
Zu den Schlüsselwörtern gehören: Politik, Macht, Frauen, Gleichstellungspolitik, Androzentrismus, CDU, Spitzenpolitikerinnen, Double Bind und Männerbünde.
Die Theorie dient zur Erklärung paradoxer Kommunikationssituationen, in denen Frauen in Führungspositionen konfrontiert sind: Sie müssen sich "weiblich" präsentieren, um nicht als inkompetent zu gelten, werden aber aufgrund eben dieser Weiblichkeit von männlich definierten Machtpositionen ausgeschlossen.
Die Wahl fiel auf die CDU, da sie eine konservative Partei ist, die traditionell stark an geschlechterspezifischen Rollenbildern festhält und in deren Programmen gleichstellungspolitische Themen historisch oft eine untergeordnete Rolle spielten.
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