Doktorarbeit / Dissertation, 2022
321 Seiten, Note: sehr gut
Diese Dissertation analysiert die rechtskonformen Anwendungen in der digitalen Medizin und die Symbiose medizinischer Sonderfächer mit dem Medizinrecht. Das Hauptziel ist die Darstellung der Vielfalt telemedizinischer Anwendungen und KI-basierter Systeme, die Herausarbeitung der rechtlichen Voraussetzungen für deren flächendeckende Realisierung im österreichischen Gesundheitswesen, die Identifizierung möglicher Schwachstellen und deren kritische Würdigung. Die Arbeit festigt vorhandenes Wissen in den Querschnittsmaterien Medizinrecht und Rechtsmedizin, präsentiert die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien in einer ethisch, rechtlich und technisch neuorientierenden Medizin und zeigt die Verknüpfung aller medizinischen Sonderfächer mit dem Medizinrecht auf.
Fallbericht — „Die angezweifelte Vaterschaft“
Fallbericht — „Die angezweifelte Vaterschaft“: Am 10.08.2020 kam zum vereinbarten Termin der 43-jährige Michael L. mit seinem einjährigen Sohn Raffael und beauftragte mich mit der Durchführung eines außergerichtlichen Vaterschaftstests. Aus gegebenem Anlass zweifelte er seine Vaterschaft an. Jedenfalls sei die Kindesmutter mit der Vaterschaftsfeststellung einverstanden, sie selbst wolle hingegen den Termin nicht wahrnehmen. Unter diesen Umständen lag ein sogenannter Defizienzfall (Vater/Kind ohne Mutter) vor. Nach dem Aufklärungsgespräch und der schriftlichen Beauftragung zur Durchführung einer DNA-Vaterschaftsanalyse wurden dem vermeintlichen Kindesvater und Sohn Mundhöhlenabstriche mit sterilen Watteträgern entnommen (Schön 2022b: 39 f.).
Analyseverfahren und biostatistische Berechnung: Nach Extraktion und Aufreinigung der genomischen DNA aus den Probanden-Proben (Schön 2021: 27 ff, Dissertation) wurden mittels Multiplex-PCR die für die Identifikation relevanten STRs vervielfältigt (Schön 2022b: 39 f.; Vienna Open Lab 2018: 8 f, Laborjournal).
Da der Vater dem Kind nur eines seiner beiden Allele vererbt und ein Defizienzfall vorlag, wurden 15 DNA-Merkmale analysiert (vgl. Hochmeister 2007: 191). Die amplifizierten Allele vom Putativ-Vater und des Sohnes wurden in einem „High Sensitivity DNA-Chip“ nach dem Prinzip der Kapillarelektrophorese im „Agilent 2100 Bioanalyzer“ (Agilent Technologies 2013: 3 ff, Handbuch) auf Übereinstimmung untersucht.
Standard-Set der Genloci ist nach Empfehlung des European Network of Forensic Science Institutes (ENFSI 2020: o.S. online) und der European DNA Profiling Group (Willuweit 2018: o.S., online), ein Ensemble von 15 STRs sowie das geschlechtsspezifische Amelogenin. Aus den einzelnen Allelfrequenzen der STRs wird ein Paternitätsindex [Gesamt-Likelihood-Quotient, prozentual nach der Essen-Möller-Formel W=1/(1+Y/X)] errechnet (vgl. Knußmann 1980: 109-113, Lehrbuch; Sorgo 1971: 270 ff).
Das DNA-Gutachten der Abstammungsanalyse: Die Vaterschaftsuntersuchung ergab, dass zwischen den untersuchten Proben, im Sinne der Verwandtschaftsbeziehung Vater/Kind, die Vaterschaft nicht ausgeschlossen werden kann. Die Vaterschaftswahrscheinlichkeit beträgt 99,993747 %. Damit ist für den vorliegenden, untersuchten Defizienzfall (Vater/Kind ohne Mutter) die Vaterschaft höchst wahrscheinlich. Die im Anhang genannten untersuchten genetischen Marker konnten aus den Probanden-Proben amplifiziert werden. Dabei ergab sich in diesen Markern eine Allel-Übereinstimmung Vater/Kind. Bei der Amplifikationsreaktion (PCR) wurden positive und negative Kontrollen mitgeführt, die korrekte Resultate ergaben (Schön 2022b: 46).
Erläuterungen zum DNA-Gutachten: Die Allele (Gene) des Kindes werden nach den Gesetzen der Vererbungslehre (Mendel´sche Regeln) von den Eltern auf ein Kind vererbt. Ein Kind erhält ein Allel von der Mutter und ein Allel vom Vater. Dabei können zwei verschiedene Allele, heterozygot oder zwei gleiche Allele, homozygot, vererbt werden. Die Alleldaten der einzelnen Personen zu den untersuchten DNA-Markern sind im Analyseprotokoll angegeben.
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung, den Rechtsbegriff und die funktionelle Bedeutung des Medizinrechts, differenziert es von der Rechtsmedizin und beleuchtet den wachsenden Bedarf an Telemedizin und KI in einer digitalisierten Gesellschaft.
Kapitel 2 Methodik: Hier wird die wissenschaftliche Vorgehensweise der Arbeit beschrieben, die hauptsächlich auf einer kritischen Literaturrecherche basiert und durch eigene Fallstudien aus der forensischen Sachverständigentätigkeit des Autors ergänzt wird.
Kapitel 3 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel definiert Telemedizin deskriptiv und juristisch, erläutert ihre Anwendungen wie Telediagnostik und Telemonitoring sowie die verwendeten Hilfsmittel wie Gesundheits-Apps und Online-Videosprechstunden.
Kapitel 4 Anwendungsgebiete der Telemedizin: Dieses Kapitel zeigt praxisorientierte Beispiele telemedizinischer Applikationen in klinischen (z.B. Telekardiologie, Teleradiologie) und nicht-klinischen Bereichen (z.B. forensische Ophthalmologie, Tele-Rechtsmedizin) auf, einschließlich des Einsatzes künstlicher Intelligenz.
Kapitel 5 Künstliche Intelligenz in der medizinischen Praxis und ihre rechtlichen Auswirkungen: Es werden die ethischen und rechtlichen Implikationen des Einsatzes von KI in der Medizin untersucht, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, Berufs- und Haftungsrecht, und die Autonomie von KI-Systemen diskutiert.
Kapitel 6 Ethik, Gesetzgebung und künstliche Intelligenz: Das Kapitel befasst sich mit den ethischen Grundsätzen und der Gesetzgebung im Kontext von KI, analysiert die Anforderungen an vertrauenswürdige KI-Systeme und erörtert die Herausforderungen der Datenethik, Datenqualität und die Anpassung der Gesetzgebung an technologische Entwicklungen.
Kapitel 7 Rechts- und evidenzbasierte E-Health-Applikationen steigern die Effizienz von Gesundheitsressourcen: Es werden e-Health-Anwendungen wie e-Rezept, e-Medikation und e-Impfpass vorgestellt und ihre Rolle bei der Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen sowie damit verbundene Datenschutzrisiken beleuchtet.
Kapitel 8 Applikationen digitaler Gesundheitsanwendungen („Electronic Health“) im medizinrechtlichen Forschungs- und Ergebniskontext: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die durch KI generierte Personalisierte Medizin, ihre potenziellen Vorteile für Diagnostik und Therapie sowie die Notwendigkeit eines leistungsfähigen und kosteneffizienten Gesundheitssystems, während auch gesellschaftliche Missverständnisse und Technophobie beleuchtet werden.
Kapitel 9 Medizinrechtliche Betrachtungsweise der Gesundheitstelematik (E-Health) – Telemedizin, einschließlich des Berufs- und Haftungsrechts für Gesundheitsberufe – eine kritische Würdigung: Das Kapitel bietet eine kritische Betrachtung der Telemedizin und des Berufs- und Haftungsrechts für Gesundheitsberufe in Österreich, analysiert die gesetzlichen Grundlagen und das Unmittelbarkeitsgebot der ärztlichen Berufsausübung.
Kapitel 10 Schlussbetrachtung (deutsch, englisch, polnisch): Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Symbiose zwischen medizinischen Sonderfächern und dem Medizinrecht im Gesundheitsrecht und unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren rechtlichen Rahmung für die digitale Medizin.
Medizinrecht, Rechtsmedizin, Gesundheitstelematik, Telemedizin, Künstliche Intelligenz, Datenschutz, Haftungsrecht, Berufsrecht, digitale Medizin, e-Health, Forensik, DNA-Analyse, COVID-19, Automatisierung, Ethik.
Die Arbeit befasst sich mit den rechtskonformen Applikationen in der digitalen Medizin und der Symbiose medizinischer Sonderfächer mit dem Medizinrecht, wobei die rechtlichen, ethischen und technischen Herausforderungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen im Vordergrund stehen.
Zentrale Themenfelder sind Medizinrecht, Rechtsmedizin, Gesundheitstelematik, Telemedizin, Künstliche Intelligenz, Datenschutzrecht, Haftungsrecht und die spezifischen Anwendungsgebiete digitaler Technologien in der medizinischen Praxis.
Das primäre Ziel ist es, die vielfältigen Anwendungen der Telemedizin und KI-basierten Systeme darzustellen, deren rechtliche Voraussetzungen für eine flächendeckende Realisierung im österreichischen Gesundheitswesen zu analysieren, potenzielle Schwachstellen aufzuzeigen und kritisch zu würdigen.
Die Arbeit basiert hauptsächlich auf einer kritischen Literaturrecherche und -analyse bestehender theoretischer und praktischer Erkenntnisse, ergänzt durch eigene, den aktuellen Erkenntnisstand erweiternde Fallstudien aus der medizinisch-forensischen Sachverständigentätigkeit des Autors.
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Telemedizin, ihre klinischen und nicht-klinischen Anwendungsgebiete, die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der medizinischen Praxis sowie die damit verbundenen rechtlichen, ethischen und gesetzgeberischen Auswirkungen umfassend behandelt.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Medizinrecht, Rechtsmedizin, Gesundheitstelematik, Telemedizin, Künstliche Intelligenz, Datenschutz, Haftungsrecht, Berufsrecht, digitale Medizin, e-Health, Forensik, DNA-Analyse, COVID-19, Automatisierung und Ethik.
Die COVID-19-Pandemie hat die Einführung von Telemedizin- und E-Health-Programmen weltweit beschleunigt. Sie ermöglichte einen besseren Zugang zur medizinischen Versorgung, minimierte Risiken durch physische Distanz und führte zur verstärkten Nutzung von Videosprechstunden und elektronischen Krankmeldungen.
Die EU-Gesetzgebung definiert vier Risikostufen für KI: inakzeptables Risiko (verboten), hohes Risiko (strenge Auflagen), begrenztes Risiko (Transparenzpflichten) und minimales oder geringes Risiko (freie Nutzung ohne zusätzliche Verpflichtungen).
Das Unmittelbarkeitsgebot (§ 49 Abs. 2 ÄrzteG) verlangt vom Arzt, seinen Beruf persönlich und unmittelbar auszuüben. Im Kontext der Telemedizin wird diskutiert, ob dies zwingend einen physischen Kontakt erfordert oder ob telemedizinische Verfahren eine ausreichende Entscheidungsgrundlage bieten können, solange der Sorgfaltsmaßstab des Experten gewahrt bleibt.
Die forensische DNA-Analyse ist ein wesentlicher Bestandteil der Tele-Rechtsmedizin, beispielsweise zur Klärung von Abstammungsverhältnissen oder zur Individualisierung biologischer Spuren in Kriminalfällen. Die Proben werden dabei gesammelt und die Analyseergebnisse digital verarbeitet und übermittelt, was eine ortsunabhängige Begutachtung ermöglicht.
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