Bachelorarbeit, 2024
108 Seiten, Note: 2,0
Diese qualitative Studie untersucht die komplexen pädagogischen und emotionalen Herausforderungen, denen Lehrkräfte in der Pflegeausbildung bei der Betreuung psychisch erkrankter Auszubildender begegnen. Sie analysiert die Erfahrungen der Lehrkräfte, die von ihnen angewendeten Strategien und bewertet deren Effektivität. Ein zentrales Anliegen ist es zudem, die Auswirkungen psychischer Erkrankungen der Auszubildenden auf das emotionale Wohlbefinden, die Arbeitsbelastung und die Berufszufriedenheit der Lehrkräfte zu beleuchten.
1 Einleitung
Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen stellen zunehmend eine bedeutende Herausforderung in der Bildungs- und Ausbildungslandschaft dar. Studien zeigen, dass etwa 15 bis 20% aller Kinder und Jugendlichen von einer oder mehreren psychischen Störungen betroffen sind. Diese Prävalenz bedeutet, dass in einer durchschnittlichen Schulklasse mit 25 Schülern etwa vier bis fünf Schüler:innen mit psychischen Auffälligkeiten konfrontiert sind (Eckert, 2013, S. 15). Dieses Phänomen ist auch in der Pflegeausbildung relevant, da es den Arbeitsalltag der Lehrkräfte in besonderem Maße beeinflusst. Der Beruf der Lehrenden in der Pflege erfordert eine fundierte fachliche Expertise, ein hohes Maß an Empathie, emotionale Intelligenz, eine ethische Grundhaltung und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Dies ist essenziell, da der Fokus der Pflegearbeit auf der Interaktion mit Menschen und deren individuellem Unterstützungsbedarf liegt (Rahner & Luderer, 2023, S. 96).
Die Anforderungen an Lehrkräfte in der Pflegeausbildung haben sich in den letzten Jahren durch gesellschaftliche und gesundheitspolitische Entwicklungen signifikant erhöht. Bereits vor der COVID-19-Pandemie wurden die Belastungen von Pflegekräften thematisiert, insbesondere der zunehmende Stress, dem Auszubildende bereits in frühen Phasen ihrer beruflichen Entwicklung ausgesetzt sind. Stresspräventive Maßnahmen wurden als zentrale Interventionen vorgeschlagen, um die psychische und physische Gesundheit der Pflegekräfte zu schützen (Schönfeld et al., 2024, S. 2). Die Relevanz solcher Maßnahmen hat sich durch die Pandemie, den zunehmenden Fachkräftemangel sowie den demographischen Wandel verstärkt. Langanhaltender Stress kann die Qualität der Patientenversorgung erheblich beeinträchtigen und sich negativ auf die Motivation und das langfristige berufliche Engagement der Schüler:innen auswirken. In einer dynamischen Berufswelt, die durch ständige Veränderungen und Unsicherheiten geprägt ist, benötigen Pflegekräfte Fähigkeiten zur Bewältigung von beruflichen Belastungen, die häufig erst im Laufe der Ausbildung oder Berufstätigkeit entwickelt werden (Schönfeld et al., 2024, S.1).
Ein weiteres drängendes Problem im Gesundheitswesen ist der Fachkräftemangel, der zukünftig drastisch zunehmen wird. Laut Prognosen wird der Pflegebedarf bis 2030 um etwa 50 % steigen, was einem zusätzlichen Bedarf von 500.000 Vollzeit-Pflegekräften entspricht (Bomball et al., 2010, S. 1048-1054). Trotz dieser alarmierenden Zahlen bleibt unklar in welchem Ausmaß das Thema psychische Gesundheit von Pflegekräften in der gegenwärtigen Ausbildung berücksichtigt wird. In der Praxis zeigt sich, dass psychische Belastungen, die bereits während der Ausbildung auftreten, später im Berufsleben fortbestehen und sich in Form von Burnout, psychosomatischen Erkrankungen oder vorzeitigem Berufsausstieg manifestieren können (Bomball et al., 2010, S. 1048-1054). Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass die Förderung der psychischen Gesundheit von Schüler:innen eine präventive Maßnahme, sowie eine notwendige Voraussetzung für die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung und den Erhalt eines gesunden Pflegepersonals ist.
Lehrkräfte in der Pflegeausbildung benötigen fundiertes Wissen über die Diagnostik und das Erkennen psychischer Erkrankungen, sowie differenzierte Kompetenzen im Umgang mit den spezifischen Herausforderungen, die psychisch belastete Auszubildende mit sich bringen. Eckert (2013, S. 16) weist darauf hin, dass Lehrkräfte in diesem Kontext oft zwei typische Schätzfehler begehen: Zum einen besteht die Gefahr, dass psychische Erkrankungen nicht erkannt werden und zum anderen ist es möglich, dass abweichendes Verhalten von Schüler:innen fälschlicherweise als krankhaft interpretiert wird, obwohl es lediglich Ausdruck von persönlichen oder situativen Widerständen ist. Ein Beispiel hierfür ist die oftmals vorschnell pathologisierende Auflehnung von Schüler:innen gegenüber bestimmten didaktischen oder pädagogischen Methoden der Lehrkräfte, statt den Fokus auf die individuelle Problematik der Lernenden zu legen, wäre es sinnvoll, die wechselseitige Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen, ob die Interaktion nicht durch andere Faktoren beeinflusst wird (Eckert, 2013, S. 16).
Danksagung: Die Autorin bedankt sich bei allen Personen, die sie während der Erstellung ihrer Bachelorarbeit unterstützt und motiviert haben, insbesondere bei Familie, Freunden und Kolleg:innen.
Abstract: Dieser Abschnitt fasst die qualitative Studie über Herausforderungen und Strategien für Pflegelehrkräfte im Umgang mit psychisch erkrankten Auszubildenden zusammen, beleuchtet deren Auswirkungen auf Wohlbefinden und Arbeitsbelastung der Lehrkräfte und formuliert praxisorientierte Handlungsempfehlungen.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung psychischer Auffälligkeiten bei Auszubildenden in der Pflege ein, beleuchtet die steigenden Anforderungen an Lehrkräfte sowie den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und leitet die Forschungsfragen ab.
2 Theoretische Fundierung: Das Kapitel erläutert die rechtlichen und pädagogischen Rahmenbedingungen der Pflegelehre, die Rollen und Aufgaben von Lehrkräften und die besonderen Herausforderungen der Pflegeausbildung.
2.1 Psychische Erkrankungen in der Pflegeausbildung: Dieser Abschnitt behandelt die zunehmende Pluralität von Lebensformen und ökonomische Unsicherheiten, die den Berufsalltag junger Erwachsener prägen und psychische Belastungen in der Pflegeausbildung verstärken.
2.2 Bisherige Forschungsergebnisse: Das Kapitel bietet einen Überblick über den begrenzten Forschungsstand zu Belastungsfaktoren von Lehrkräften im deutschsprachigen Raum und die Notwendigkeit weiterer qualitativer Studien.
2.3 Rollen und Aufgaben von Lehrkräften in der Pflegeausbildung: Hier werden die vielfältigen Aufgaben von Pflegelehrkräften beschrieben, die von Unterrichtsgestaltung über die praktische Begleitung bis hin zur Betreuung von Schüler:innen in Krisensituationen reichen.
3 Forschungsmethodik: Dieser Abschnitt beschreibt den gewählten qualitativen Forschungsansatz, die Durchführung von Experteninterviews und die systematische Auswertung der Daten mittels Kategorienbildung.
3.1 Literaturrecherche: Das Kapitel erläutert das Vorgehen zur umfassenden Literaturrecherche, um den aktuellen Kenntnisstand zu erfassen und geeignete Quellen für die bisher unerforschte Thematik zu identifizieren.
3.2 Forschungsdesign: Hier wird die Notwendigkeit qualitativer Befragungen zur Entwicklung erster Hypothesen und zum Verständnis subjektiver Erfahrungen der Lehrkräfte begründet.
3.3 Interviewleitfaden: Der Abschnitt beschreibt die Entwicklung und den Pre-Test des leitfadengestützten Experteninterviews, um spezifisches Faktenwissen und berufliche Erfahrungen zu erfassen.
3.4 Auswahl der interviewten Personen: Dieses Kapitel legt die Einschluss- und Ausschlusskriterien für die Lehrkräfte fest, die an den Experteninterviews teilgenommen haben.
3.5 Durchführung der Interviews: Hier wird der praktische Ablauf der Interviews, die Dokumentation der Antworten und die Anwendung des Saturationskonzepts beschrieben.
3.7 Ethische Überlegung: Dieses Kapitel behandelt die ethischen Prinzipien der Studie, wie Freiwilligkeit, informierte Einwilligung, Schutz vor Beeinträchtigung und Anonymisierung der Daten.
4 Forschungsergebnisse: Die Darstellung der Ergebnisse der leitfadengestützten Interviews erfolgt entlang eines entwickelten Kategoriensystems, das die subjektiven Erfahrungen und Strategien der Lehrkräfte im Umgang mit psychisch belasteten Auszubildenden illustriert.
5 Interpretation, Schlussfolgerung und Handlungsempfehlung: In diesem Kapitel werden die Studienergebnisse interpretiert, Schlussfolgerungen gezogen und praxisorientierte Handlungsempfehlungen zur Unterstützung von Lehrkräften und Auszubildenden formuliert.
6 Fazit und Limitationen: Das Fazit fasst die Kernergebnisse der Arbeit zusammen, diskutiert die Limitationen der Studie hinsichtlich Generalisierbarkeit und Subjektivität der Daten und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Literaturverzeichnis: Hier sind alle im Text zitierten wissenschaftlichen und fachlichen Quellen vollständig aufgelistet.
Anhangsverzeichnis: Dieser Abschnitt listet die beigefügten Anhänge auf, darunter den Interviewleitfaden, transkribierte Interviews und die Codierung.
Pflegeausbildung, psychische Erkrankungen, Lehrkräfte, Schulpsycholog:innen, psychosoziale Unterstützung, Employee Assistance Programme, Arbeitsbelastung, Berufszufriedenheit, Resilienz, Kommunikationsstrategien, Stressbewältigung, Fortbildungen, Krisenintervention.
Diese Arbeit befasst sich mit den Herausforderungen und Strategien für Lehrkräfte in der Pflegeausbildung im Umgang mit psychisch erkrankten Auszubildenden, sowie den Auswirkungen dieser Situation auf das Wohlbefinden und die Berufszufriedenheit der Lehrenden.
Die zentralen Themenfelder sind die psychische Gesundheit von Auszubildenden in der Pflege, die Belastungen und Rollen von Pflegelehrkräften, angewandte Unterstützungsstrategien, institutionelle Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen sowie spezifischer Fortbildungen.
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, wie Lehrkräfte die Konfrontation mit psychischen Erkrankungen bei Schüler:innen erleben, welche spezifischen Strategien sie einsetzen und wie diese bewertet werden. Zudem wird analysiert, wie diese Erkrankungen das emotionale Wohlbefinden, die Arbeitsbelastung und die Berufszufriedenheit der Lehrkräfte beeinflussen.
Die Arbeit verwendet eine qualitative Forschungsmethode, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews mit Pflegepädagog:innen und einer qualitativen Inhaltsanalyse der erhobenen Daten.
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Themas, die detaillierte Forschungsmethodik (Literaturrecherche, Forschungsdesign, Interviewdurchführung), die Ergebnisse der Experteninterviews sowie deren Interpretation, Schlussfolgerung und Handlungsempfehlungen präsentiert.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Pflegeausbildung, psychische Erkrankungen, Lehrkräfte, Schulpsycholog:innen, psychosoziale Unterstützung, Arbeitsbelastung, Berufszufriedenheit und Resilienz charakterisiert.
Lehrkräfte erleben Unsicherheiten und Wissenslücken im Umgang mit psychischen Erkrankungen, emotionale Belastungen durch die Nähe zu den Schüler:innen und die Konfrontation mit traumatischen Themen, sowie zeitliche Überforderung durch die Intensität der Betreuung.
Es werden die Einführung von speziellen Fortbildungen für Lehrkräfte, eine intensivere Zusammenarbeit mit psychologischen Fachkräften wie Schulpsycholog:innen und Sozialarbeiter:innen, sowie die systematische Integration psychologischer Unterstützungsangebote in die Pflegeausbildung vorgeschlagen.
Die psychischen Belastungen der Auszubildenden und das Fehlen spezifischer Kompetenzen sowie institutioneller Unterstützung führen bei Lehrkräften oft zu Unzufriedenheit, emotionalem Stress, erhöhter Arbeitsbelastung und einem Gefühl der Überforderung, was ihre Berufszufriedenheit erheblich beeinträchtigt.
Empathie und flexible Kommunikationsstrategien, insbesondere aktives Zuhören und ein respektvoller Umgang mit Informationen, sind entscheidend für den Vertrauensaufbau und die Schaffung eines sicheren Raumes, in dem sich Auszubildende öffnen können. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte professionelle Distanz wahren und ihre eigenen Grenzen erkennen.
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