Diplomarbeit, 2009
120 Seiten, Note: 1.7
1. Problemstellung
2. Kapitalstrukturtheorien
2.1 Theorie der Irrelevanz der Kapitalstruktur
2.2 Trade-off Theorie
2.3 Pecking Order Theorie
2.4 Informationsasymmetrie und ökonomische Vertragstheorien
2.4.1 Agency Theorie
2.4.2 Theorie unvollständiger Verträge
3. Financial Distress und Analyse der Forschung
3.1 Begriffsklärung
3.2 Financial Distress Kosten
3.3 Restrukturierung der Vermögenswerte
3.4 Restrukturierung des Fremdkapitals
3.4.1 Grundlegende Modelle
3.4.2 Interessenskonflikte
3.4.3 Relationship Lending
3.5 Restrukturierung des Eigenkapitals
3.6 Unternehmensführung in der Restrukturierung
3.7 Kritische Würdigung
4. Rahmenkonzept der Unternehmensrestrukturierung
4.1 Restrukturierungsplan - Stakeholder und Maßnahmen
4.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.2.1 Vergleich Chapter 11 mit der deutschen Insolvenzordnung
4.2.2 Gesetzlicher versus außergerichtlicher Workout
4.2.3 Kritische Würdigung
5. Unternehmensfinanzierung unter Financial Distress
5.1 Lösungsansätze für Stakeholderkonflikte
5.2 Einflussfaktoren der Restrukturierungsentscheidung
5.3 Restrukturierungsstrategien
5.4 Praxisorientierte Handlungsempfehlungen
6. Thesenförmige Zusammenfassung und Ausblick
Diese Arbeit systematisiert das komplexe und heterogene Forschungsfeld des Financial Distress, um die Finanzierungsentscheidungen von insolvenzbedrohten Unternehmen zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie rechtliche Rahmenbedingungen sowie Stakeholderkonflikte die Restrukturierungsentscheidung über Liquidation oder Fortführung beeinflussen und welche Lösungsmechanismen existieren.
3.3 Restrukturierung der Vermögenswerte
Im Rahmen der Restrukturierung der Vermögenswerte existieren zahlreiche Lösungsansätze, welche von der Restrukturierung des unternehmerischen Portfolios bis hin zum Verkauf des gesamten Unternehmens reichen. Wenn sich ein Unternehmen in der Liquiditätskrise befindet und die Fähigkeit zum Aufbringen externer Geldmittel eingeschränkt ist, stellt der Verkauf einzelner Vermögenswerte („asset sales“) des Unternehmens eine der Restrukturierungsmaßnahmen unter Financial Distress dar.
Diverse empirische Studien bestätigen den Einsatz von „asset sales“ als gängige Restrukturierungsmaßnahme. Dabei wird das nicht betriebsnotwendige profitable bzw. nicht profitable Vermögen abgestoßen. Der erzielbare Erlös kann zur Verringerung der Schuldenhöhe oder Durchführung einzelner Investitionsprojekte dienen. Einige Studien beobachten unvorteilhafte Verkäufe der Vermögenswerte zu gedrückten Preisen, wobei Abschläge von 30 bis über 70% ggü. dem Marktwert hingenommen werden. Der insolvente Status der Unternehmung wirkt sich somit auf den Transaktionspreis der Assets aus. Es wurde ferner empirisch festgestellt, dass verschiedene Asseteigenschaften wie die Beschaffenheit, Liquidität und der Industriezustand den Einsatz von „asset sales“ und die Liquidation- bzw. Fortführungsentscheidung beeinflussen. Die Beschaffenheit bzw. Qualität der Assets legt größtenteils die Liquidationskostenhöhe fest. Dementsprechend können bei hoher Spezifität der Assets und/oder Illiquidität von Sekundärmärkten geringere Verkaufspreise bzw. höhere Liquidationskosten erwartet werden.
Darüber hinaus wird durch „asset sales“ die Eigenkapitaloption eines künftigen Wertanstiegs reduziert. Demnach haben die Anteilseigner keinen Anreiz zur Vermögensveräußerung. Der Druck seitens der Gläubigergruppen bei der Entscheidung über Liquidation und Erlösverwertung spielt eine besondere Rolle. Die Gläubiger werden durch hohen Einfluss auf die Unternehmenssanierung in manchen Fällen zu Lasten der Anteilseigner von der Restrukturierung der Vermögenswerte profitieren und eher eine vorzeitige ineffiziente Liquidation der Assets anstreben. Weitere Stakeholderkonflikte zwischen den Kreditgläubigern resultieren aus unterschiedlicher Verhandlungsposition und Besicherungsrangfolge und können Anreize bewirken, so dass sich die erstrangig besicherten Kreditgeber nicht um den Verkauf der Assets bemühen, da im Insolvenzfall fast die komplette Ausbezahlung sehr wahrscheinlich ist.
1. Problemstellung: Einleitung in das Thema durch die aktuelle wirtschaftliche Lage und die daraus resultierende Relevanz der Unternehmensfinanzierung bei Restrukturierung.
2. Kapitalstrukturtheorien: Darstellung theoretischer Grundlagen von Modigliani/Miller bis hin zu neoinstitutionalistischen Ansätzen zur Erklärung von Kapitalstrukturentscheidungen.
3. Financial Distress und Analyse der Forschung: Umfassende Systematisierung des Financial Distress und seiner Lösungsmechanismen, unterteilt in verschiedene Themenbereiche der Restrukturierung.
4. Rahmenkonzept der Unternehmensrestrukturierung: Analyse von Restrukturierungsplänen, rechtlichen Rahmenbedingungen und dem Vergleich zwischen gesetzlichem und außergerichtlichem Workout.
5. Unternehmensfinanzierung unter Financial Distress: Untersuchung spezifischer Stakeholderkonflikte sowie Ableitung von Restrukturierungsstrategien und praktischen Handlungsempfehlungen.
6. Thesenförmige Zusammenfassung und Ausblick: Zusammenfassende Erkenntnisse der Arbeit und Aufzeigen von weiterem Forschungsbedarf.
Financial Distress, Restrukturierung, Kapitalstruktur, Insolvenz, Stakeholderkonflikte, Agency-Theorie, Asset Sales, Liquidationsentscheidung, Sanierung, Turnaround, Fremdkapital, Eigenkapital, Insolvenzordnung, Chapter 11, Relationship Lending
Die Arbeit befasst sich mit der Unternehmensfinanzierung in Krisensituationen, speziell unter dem Zustand des Financial Distress, und analysiert, wie Unternehmen durch verschiedene Restrukturierungsstrategien saniert werden können.
Die zentralen Themen umfassen Kapitalstrukturtheorien, das Management von Financial Distress, die Rolle verschiedener Stakeholder, die Restrukturierung von Vermögenswerten, Fremd- und Eigenkapital sowie rechtliche Rahmenbedingungen wie Insolvenzverfahren.
Das Ziel ist es, das heterogene Forschungsfeld des Financial Distress zu systematisieren und auf Basis von finanztheoretischen Modellen sowie empirischen Studien Handlungsempfehlungen für die Restrukturierung von insolvenzbedrohten Unternehmen abzuleiten.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte theoretische Analyse von 42 Studien sowie die Auswertung von Experteninterviews, um die Abhängigkeiten zwischen mikro- und makroökonomischen Faktoren und den Forschungsfeldern des Financial Distress aufzuzeigen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Kapitalstruktur, die Systematisierung des Financial Distress, ein Rahmenkonzept für Restrukturierungen sowie die detaillierte Analyse von Finanzierungsstrategien unter Krisenbedingungen.
Wesentliche Begriffe sind Financial Distress, Restrukturierung, Kapitalstruktur, Insolvenz, Agency-Theorie sowie das Relationship Lending als spezifische Form der Unternehmensfinanzierung.
Banken fungieren in Deutschland als wesentliche Kreditgläubiger, die durch enge und langfristige Hausbankenbeziehungen Informationsasymmetrien reduzieren und oft eine koordinierende Rolle bei der Sanierung übernehmen.
Der Unterschied liegt primär im Insolvenzrecht: Das amerikanische Chapter 11 gilt als schuldnerfreundlich und erlaubt Managern, die Kontrolle zu behalten, während das deutsche Insolvenzrecht eher gläubigerorientiert ist und die Entscheidungsgewalt bei Eintritt der Insolvenz auf Gläubiger übertragen kann.
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