Bachelorarbeit, 2025
55 Seiten, Note: 1,5
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ambivalenz in der zeitgenössischen Berichterstattung über die Olympischen Spiele 1936. Im Fokus steht die Berichterstattung des Hannoverschen Kuriers zu den Olympischen Spielen 1932 und 1936, um den Einfluss der nationalsozialistischen "Gleichschaltung" auf den Olympischen Diskurs und dessen mögliche Veränderung über die Jahre hinweg zu analysieren. Es sollen ideologische Brüche und Kontinuitäten nachvollzogen und der Einfluss staatlicher Propaganda auf den öffentlichen olympischen Diskurs herausgearbeitet werden.
3.1 „Gleichschaltung“ und Steuerung
Die Presse war während der Zeit des Nationalsozialismus neben Rundfunk und Fernsehen das entscheidende Mittel zur massenmedialen Kontrolle. Anfangs unterschied sich die Presselandschaft im Nationalsozialismus nur geringfügig von derjenigen der Weimarer Republik. Dies lag vor allem an ihrer zunächst unveränderten privatwirtschaftlichen Organisation, die sich allmählich wandeln sollte. Im Laufe der Zeit wurde „aus der Presse im Nationalsozialismus die Presse des Nationalsozialismus“. Goebbels Ziel war die Gestaltung
der Presse, die vielfältig in ihrer Erscheinungsform strukturiert, aber einheitlich ausgerichtet sein sollte. Die Vereinheitlichung nahm im Verlauf des Regimes immer mehr zu, war jedoch keineswegs direkt ersichtlich. Die Nationalsozialisten stützten sich in der Pressepolitik zunächst auf Regelungen, die in der Weimarer Republik geschaffen wurden. Dazu zählte das Reichspressegesetz von 1874. Die „Gleichschaltung" und Steuerung der Presse erfolgte systematisch auf vier Ebenen: ökonomisch, personell, inhaltlich und institutionell. Die ökonomische Steuerung konstituierte sich in Enteignungen, Übernahmen, Zwangsverkäufen und Eingliederungen in NS-Holdinggesellschaften. Bereits im Februar 1933 lieferten Notverordnungen, aufgrund ihrer vagen Bestimmungen, NS-Behörden willkürliche Möglichkeiten, um ideologische Gegner zu bekämpfen und die äußere Pressefreiheit einzuschränken. Dabei wurden gezielt Titel der politischen Opposition verboten, darunter 135 SPD- und 60 KPD-nahe Erzeugnisse, Verlags- und Druckereivermögen beschlagnahmt und, genau wie ihr Abonnentenstamm, von örtlichen NS-Blättern übernommen. Ferner wurden etliche Verleger, die nicht enteignet wurden, zu einem Verkauf unter Wert genötigt. In der ersten Welle der Entfernung unliebsamer Pressetitel waren konfessionelle und bürgerliche Blätter zunächst noch verschont geblieben. Das änderte sich mit den Amann-Verordnungen von 1935. Die zweite Anordnung ermöglichte unter dem Vorwand, ungesunde Wettbewerbsverhältnisse zu beseitigen, die Schließung von Verlagen. Wichtiger als das Schließungsrecht scheint die Befugnis zur umfassenden Prüfung der Verlagsstrukturen und wirtschaftlicher Situation der Verlage seitens staatlicher Behörden zu sein, deren Ergebnisse gezielt im Sinne der Nationalsozialisten genutzt werden konnten. Die umfangreichere dritte Anordnung verpflichtete zum einen Verleger, ihre „arische“ Abstammung bis zum Jahr 1800 nachzuweisen, zum anderen wurde die Tätigkeit des Verlegens auf natürliche Personen beschränkt. Darüber hinaus wurde explizit verboten, Zeitungen auf einen konfessionellen oder bestimmbaren Personenkreis auszurichten. Somit bildete die dritte Amann-Anordnung das Ende der katholisch orientierten Presse. Insgesamt wurden durch diese Verordnungen etwa
500-600 Blätter zur Einstellung gezwungen. Die verbliebene „bürgerliche“ und konfessionelle Presse wurde in Holdinggesellschaften eingegliedert. Ehemalige Zentrumszeitungen waren in der „Phönix GmbH“ konzentriert, während nichtkonfessionelle, politische Zeitungen in der „Herold GmbH“ zusammengefasst wurden. Die Generalanzeiger- und Massenpresse war in die „Vera Verlagsanstalt“ eingegliedert, die von Alfred Hugenberg besessen wurde. Für die parteieigene Gaupresse wurde 1934 die „Standarte GmbH“ ins Leben gerufen, die je die Hälfte eines Gauverlags besaß, während die andere Hälfte von den Gauleitern als Treuhänder der NSDAP vorbehalten war.44
1. Einleitung: Stellt die Ambivalenz der Olympischen Spiele 1936 zwischen den Idealen Pierre de Coubertins und der nationalsozialistischen Instrumentalisierung dar und umreißt die Forschungsfrage.
2. Coubertin und die Olympischen Spiele: Beleuchtet den Olympischen Gedanken Pierre de Coubertins, die Entstehung der modernen Spiele und versucht, den Olympismus als Diskurs für die Analyse zu definieren.
3. Presse im Nationalsozialismus: Untersucht die "Gleichschaltung" der Presse im NS-Regime, ihre Steuerung auf verschiedenen Ebenen und ordnet den "Hannoverschen Kurier" in diesem Kontext ein.
4. Die Olympischen Spiele 1936: Analysiert die Vereinnahmung des Olympismus durch die Nationalsozialisten, Sport als nationale Aufgabe und die Rolle der Medien bei den Berliner Spielen 1936.
5. Methodik: Kritische Diskursanalyse: Stellt die zugrundeliegende Methodik der Kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger vor, einschließlich Zielsetzung, Untersuchungsgegenstand, Materialgrundlage, Struktur- und Feinanalyse.
6. Kritische Diskursanalyse: Prüft Hypothesen zur ideologischen Umdeutung des Olympismus und der Veränderung sprachlich-diskursiver Strategien im Hannoverschen Kurier zwischen 1932 und 1936.
7. Fazit: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, die auf eine ideologische Veränderung des Olympismus-Diskurses und die Rolle der "Gleichschaltung" hinweisen.
Olympische Spiele 1932, Olympische Spiele 1936, Nationalsozialismus, Gleichschaltung, Presseberichterstattung, Hannoverscher Kurier, Olympismus, Pierre de Coubertin, Kritische Diskursanalyse, Propaganda, Volksgemeinschaft, Führerkult, Sportgeschichte, Medienanalyse, Ideologie
Die Arbeit untersucht, wie sich der Olympismus-Diskurs in der Berichterstattung des "Hannoverschen Kuriers" zwischen 1932 und 1936 unter dem Einfluss der nationalsozialistischen "Gleichschaltung" verändert hat.
Die zentralen Themenfelder sind die Geschichte der Olympischen Spiele, die Presse im Nationalsozialismus, die kritische Diskursanalyse und die spezifische Berichterstattung des "Hannoverschen Kuriers" über die Olympischen Spiele 1932 und 1936.
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit sich der Olympische Diskurs über die Jahre unter Einfluss der "Gleichschaltung" verändert hat und ob sich ideologische Brüche oder Kontinuitäten in der Berichterstattung feststellen lassen.
Es wird die Methodik der Kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger angewendet, die qualitative und interpretative Analyseinstrumente bietet, um die vielschichtigen Aspekte des Diskurses zu erfassen.
Der Hauptteil behandelt die historische Einordnung der Olympischen Spiele, die "Gleichschaltung" der Presse, die Vereinnahmung des Olympismus durch das NS-Regime und wendet die kritische Diskursanalyse auf die Berichterstattung des "Hannoverschen Kuriers" an, um Kontinuitäten oder Brüche in der Darstellung herauszufinden.
Schlüsselwörter sind Olympische Spiele 1932, Olympische Spiele 1936, Nationalsozialismus, Gleichschaltung, Presseberichterstattung, Hannoverscher Kurier, Olympismus, Propaganda und Kritische Diskursanalyse.
Vor der "Gleichschaltung" lag der Fokus stärker auf Werten wie Völkerverständigung und Chancengleichheit, während 1936 die Stilisierung der nationalen Überlegenheit und die Inszenierung der "Volksgemeinschaft" im Vordergrund standen.
Der "Hannoversche Kurier" geriet nach 1933 in finanzielle Abhängigkeit, wurde von einer NS-nahen Verlags-GmbH übernommen und seine Berichterstattung zeichnete sich nach Regierungsantritt Hitlers zunehmend durch Wohlwollen gegenüber dem NS-Regime aus.
Das NS-Regime nutzte olympische Symbole wie die Fackel und die Spiele selbst, um historische Kontinuität, deutsche Leistungsfähigkeit, den "Führerkult" und das Ideal einer geschlossenen "Volksgemeinschaft" zu inszenieren und zu glorifizieren.
Die Sprache wechselte von einer eher sachlich-sportlichen Darstellung 1932 zu einer pathetischen, überhöhenden Rhetorik 1936, die emotionale Aufladung, heroische Metaphern und sakrale Symbolik einsetzte, um das Ereignis als welthistorisch und den Führer als zentrale Figur darzustellen.
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