Magisterarbeit, 2010
108 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
1.1. Thema und Fragestellung
1.2. Vorhaben
1.3. Literaturlage
2. Homosexualität
2.1. Definition
2.2. Theorien zur Sexualität/ Homosexualität
2.2.1. Essentialismus vs. Konstruktivismus?
2.2.2. Adams vierfache Typologie der Homosexualität
2.3. Homosexualität in Sub-Sahara-Afrika
2.3.1. Gleichgeschlechtliche Praktiken, die durch Gender definiert werden
2.3.2. Gleichgeschlechtliche Praktiken, die durch Alter strukturiert werden
2.3.3. Egalitäre Beziehungen
3. Religion: Definition
4. Die traditionellen afrikanischen Religionen
4.1. Formen und Inhalte
4.2. Traditionelle afrikanische Religionen und Homosexualität
4.3. Androgyne Gottheiten und ihre menschlichen Vermittler
4.4. Fallbeispiele
4.4.1. Die Wächter der Dagara
4.4.2. Besessenheitskulte
4.4.2.1. Der Bori-Kult
4.4.2.2. Der Ukuthwasa-Kult & Izangoma
5. Der Islam
5.1. Formen und Inhalte
5.2. Der Qur’ān und Homosexualität
5.3. Ahadīth und Homosexualität
5.4. Die Sharīa und Homosexualität
5.5. Die Sharīa in Afrika
5.5.1. Gesetzliche Grundlagen
5.5.2. Fallbeispiele
5.5.2.1. Nigeria
5.5.2.2. Somalia
5.6. Sharīa: International
5.7. Die Stimmen muslimischer „Homosexueller“ in afrikanischen Ländern
5.7.1. Südafrika
5.7.2. Nigeria
5.7.3. Kenia
6. Das Christentum
6.1. Formen und Inhalte
6.2. Ein frühes Beispiel: Der Kabaka in Buganda
6.3. Die Bibel und Homosexualität
6.3.1. Das Alte Testament
6.3.2. Das Neue Testament
6.3.3. Inklusive Lesarten der Bibel
6.3.4. Haltung afrikanischer Kirchen: Die Missionskirchen
6.3.4.1. Die anglikanische Kirche
6.3.4.1.1. Ausgangspunkte der Debatte
6.3.4.1.2. Afrikanische Stimmen
6.3.4.1.2.1. Nigeria
6.3.4.1.2.2. Uganda
6.3.4.1.2.3. Positionen anderer afrikanischer Länder
6.3.4.1.2.4. Südafrika
6.3.5. Haltung afrikanischer Kirchen: Charismatische Kirchen & Pfingstbewegung
6.3.5.1. Die Metropolitan Community Churches
7. Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Homosexualität und den drei prägenden Religionen (traditionelle Religionen, Islam, Christentum) im subsaharischen Afrika, um aufzuzeigen, wie diese religiösen Systeme sexuelle Identitäten definieren, bewerten und in ihren sozialen Kontext einbetten.
2.3. Homosexualität in Sub-Sahara-Afrika
„ […] Same-sex sexual contact probably occurs everywhere.” So beginnt Stephen O. Murrays Buch „Homosexualities“, dennoch herrscht vor allem in den afrikanischen Ländern, die Meinung vor, Homosexualität sei „unnatürlich“, ein westlicher Import und von daher „unafrikanisch“. Der ehemalige Präsident Tansanias Julius Nyerere war einer der ersten Staatschefs, die sich negativ über Homosexualität äußerten. Im Oktober 1973 im Interview mit dem deutschen Schriftsteller Hubert Fichte, äußerte Nyerere, dass homosexuelle Beziehungen unnatürlich seien und geächtet werden sollten. Andere staatliche Führer wie Robert Mugabe aus Simbabwe oder frühere Staatschefs wie Daniel Arap Moi aus Kenia, Frederick Chiluba aus Sambia oder Sam Nujoma aus Namibia äußerten sich ähnlich über Homosexualität.
Der Gedanke, in Afrika existieren keine gleichgeschlechtlichen Praktiken, wurde jedoch schon im 18. und 19. Jh. von den Europäern aufgegriffen, als diese den afrikanischen Kontinent in unzähligen Missionen weiter erforschten. Hierbei entstanden eine Vielzahl von Publikationen zu verschiedenen Ethnien. Im Mittelpunkt stand dabei auch immer das sexuelle Verhalten, wobei über gleichgeschlechtliche Praktiken nur marginal berichtet wurde. Edward Gibbon stellte in seiner „History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ aus dem Jahr 1781 die These auf, Homosexualität würde in den afrikanischen Gesellschaften nicht vorkommen. Sir Richard Francis Burton (1821–1890) bestätigte ein Jahrhundert später diese mit den Worten: „[…] The negroe race is mostly untainted by sodomy and tribalism […]“.
Burton, der Reisen nach Südasien, Südamerika, Afrika und in den mittleren Osten unternommen hatte, wurde erstmal 1845 bei einem Aufenthalt in Indien mit Homosexualtät konfrontiert. Unter General Sir Charles Napier erhielt er die Aufgabe ein paar nahe gelegene Bordelle, in denen vorrangig junge Männer und Eunuchen ihre Dienste anboten, zu untersuchen. Ob seine Faszination gegenüber sexuellen Praktiken hier begann ist unklar, dennoch wird diese [Faszination] in seinem berühmten Werk „The thousand and one nights“ deutlich. Vier Kapitel setzen sich mit dem Thema Homosexualität auseinander. Im Kapitel über Päderastie erörtert er erstmals seine These einer sotadic zone, welche die homosexuelle Welt von jener unterschied, in der dergleichen nicht auftrat.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und soziale Wahrnehmung von Homosexualität in Afrika und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Umgang der drei großen Religionen mit diesem Thema.
2. Homosexualität: Dieses Kapitel definiert Homosexualität theoretisch durch Essentialismus und Konstruktivismus sowie die Typologie von Barry Adam und beschreibt die Ausprägung gleichgeschlechtlicher Praktiken in Subsahara-Afrika.
3. Religion: Definition: Es erfolgt eine begriffliche Annäherung an Religion, wobei deren Funktion der Kontingenzbewältigung und der Bestimmbarkeit der Welt in verschiedenen soziologischen und religionswissenschaftlichen Perspektiven diskutiert wird.
4. Die traditionellen afrikanischen Religionen: Das Kapitel analysiert die Nischenfunktionen dieser Religionen für marginalisierte Personen und zeigt auf, wie androgyn geprägte Gottheiten und religiöse Mittlerrollen homosexuelle Identitäten integrieren.
5. Der Islam: Untersucht werden die Quellen (Qur'ān, Ahadīth, Sharīa) sowie die Praxis in muslimisch geprägten afrikanischen Gesellschaften (z.B. Bori-Kult), wobei ein Spannungsfeld zwischen offizieller Ablehnung und alltäglichen Nischen existiert.
6. Das Christentum: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der Bibel und die kontroversen Debatten innerhalb der anglikanischen Kirche, kontrastiert mit inklusiven Ansätzen "gay-friendly" orientierter Gemeinschaften.
7. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass religiöse Institutionen und gesellschaftlicher Kontext in Afrika ein differenziertes Bild jenseits pauschaler Ablehnung zeichnen.
Homosexualität, Religion, Subsahara-Afrika, Islam, Christentum, traditionelle Religionen, Sharīa, Geschlechterrollen, Bori-Kult, Izangoma, Identität, Diskriminierung, Inklusivität, Moral, Kultur.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Homosexualität und den drei dominanten Religionen in Afrika (traditionelle Religionen, Islam und Christentum) und analysiert, wie diese Religionen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen und Identitäten umgehen.
Zentral sind die theoretische Definition von Homosexualität, die Analyse der rituellen und sozialen Einbettung in traditionelle Kulten, die rechtliche und theologische Bewertung durch den Islam sowie die kircheninternen Konflikte des Christentums.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Homosexualität im subsaharischen Afrika wahrgenommen wird und ob und inwieweit die drei Religionen Nischen oder Diskriminierung für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen bieten.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen, um gesellschaftliche Diskurse und religiöse Texte in ihrem afrikanischen Kontext zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Homosexualität, die Definition von Religion und die detaillierte Betrachtung der drei Religionsgruppen (traditionelle afrikanische Religionen, Islam, Christentum) hinsichtlich ihrer Lehren und gelebten Praxis.
Wichtige Begriffe sind Homosexualität, Religion, Subsahara-Afrika, Sharīa, Besessenheitskulte, Inklusivität und kulturelle Identität.
In einigen traditionellen Religionen, wie bei den Dagara, nehmen Menschen in sozialen Nischen (oft homosexuelle oder Transgender-Personen) eine spirituelle Vermittlerrolle ein, die als essenziell für das kosmologische Gleichgewicht angesehen wird.
Es zeigt sich ein tiefer Bruch: Während konservative Teile der anglikanischen Gemeinschaft in Nigeria und Uganda scharf gegen Homosexualität agitieren, gibt es in Südafrika liberale Stimmen und "gay-friendly" Kirchen, die sich für Menschenrechte und Inklusivität einsetzen.
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