Bachelorarbeit, 2025
141 Seiten, Note: A
Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der Adaption von Franz Kafkas weltliterarischem Werk «Die Verwandlung» zu einem Bilderbuch für den Zyklus 1, um es Kindern zugänglich zu machen und die didaktischen Potenziale des literarischen Lernens zu nutzen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie eine solche Adaption erfolgreich umgesetzt werden kann, ohne die Ansätze des literarischen Lernens zu verlieren, und welche Maßnahmen das Verständnis und die Freude der kindlichen Rezipienten fördern.
2.2.8 Fokus: Bilderbuchadaptionen
Bilderbuchadaptionen werden schon lange gemacht. Ein klassisches Beispiel dafür sind Märchen, welche zu Märchenbilderbüchern verarbeitet werden (Ritter & Ritter, 2015, S. 15–16).
Unter Adaption versteht sich dabei ganz grundsätzlich «die Übertragung eines literarischen Werkes von einem medialen Zeichensystem in ein anderes» (Ritter & Ritter, 2015, S. 15). Bei Adaptionen spezifisch für Kinder geht es darum, Texte, welche eigentlich für Erwachsene gedacht waren, für Kinder zugänglich zu machen, ohne dass dabei die Substanz des Originalwerkes unzulässig verändert wird (Eckhardt, 2012, S. 165–166). Die Adaption zum Bilderbuch bietet sich dementsprechend an, da dieses Medium die Möglichkeit bietet, anspruchsvolle Stoffe so darzustellen, dass sie für die kindlichen Rezipienten greifbar werden, bevor diese überhaupt selbst lesen können (Ritter & Ritter, 2015, S. 7, 16). Dabei steht aber nicht eine möglichst grosse Werktreue im Fokus, sondern lediglich das Schaffen eines Zuganges zu dem Werk und die Betonung dessen überzeitlichen Aktualität (Bartl, 2023, S. 59, 65). Der Handlungsverlauf muss also nicht lückenlos aus dem Originalwerk übernommen werden. Stattdessen sollte das Ziel verfolgt werden, den inhaltlichen Kern sowie die Sprache und den Stil des Originalwerkes zu erhalten und so einen möglichst authentischen Eindruck zu erzeugen (Bartl, 2023, S. 63). Dabei entsteht zwar meist ein stark verändertes literarisches Werk (Ritter & Ritter, 2015, S. 16), aber dennoch werden die Kinder durch solche Adaptionen mit emotional anspruchsvollen Themen konfrontiert, welche ansonsten grundsätzlich selten in Bilderbüchern vorkommen (Eckhardt, 2012, S. 167). Bartl (2023, S. 79) verweist darauf, dass sich selbst deutungsoffene, komplexe und nahezu verstörende Texte dazu eignen, zu Bilderbüchern verarbeitet zu werden. Dabei gilt es allerdings, gewisse Herausforderungen zu bewältigen, damit die Bilderbuchadaption auch wirklich kindgerecht und ansprechend ausfallen kann: Der Text muss umformuliert und mit harmonisierenden Bildern bereichert werden (Bartl, 2023, S. 79). Um genügend Distanz zwischen der narrativen Handlung und der Lebenswelt der Rezipienten zu schaffen, ist es lohnenswert, anhand einer Sprache mit klassischen Elementen oder anhand von Bildern mit historischen Requisiten oder Modeerscheinungen wie Frisuren oder Kleidung für eine historische und dementsprechend märchenhafte Atmosphäre zu sorgen (Eckhardt, 2012, S. 167). Dabei gilt es wiederum zu beachten, dass die Wortwahl, der Stil und die Struktur trotz der klassischen Elemente dem gegenwärtigen kindlichen Sprachgebrauch entsprechen (Bartl, 2023, S. 79). Der narrative Inhalt muss dabei grundsätzlich gekürzt und die Sprache vereinfacht werden (Eckhardt, 2012, S. 165–166). Ebenfalls sollten gewisse Themen wie sexuelles Begehren, Gewalt und Brutalität aus den Originalwerken gestrichen oder abgemildert werden (Bartl, 2023, S. 64).
Besonders grosses Potential im Bereich der Bilderbuchadaptionen haben grundsätzlich Adaptionen von weltliterarischen Werken, da diese eine hohe literarische Qualität aufweisen und die Chance für einen motivationssteigernden Wiedererkennungseffekt in höheren Schuljahren eröffnen (Eckhardt, 2012, S. 169). Auch Waldt (2010, S. 127) verweist darauf, dass Kinder Literatur kennenlernen sollen, auf welche sie in anderen Kontexten wieder stossen, da dieser Reiz des Wiedererkennens und das dazugehörige vernetzte Lernen ideal für einen nachhaltigen Lerngewinn seien. Ebenfalls wird den Kindern so die frühe Teilnahme am literarischen Leben ermöglicht und gleichzeitig die Scheu vor anspruchsvoller oder alter Literatur vorgebeugt (Eckhardt, 2012, S. 181–182).
Nebst den kindlichen Rezipienten sind Bilderbücher aber auch an die erwachsenen Vermittler*innen gerichtet (Waldt, 2010, S. 109). Anhand von Bilderbuchadaptionen können also einflussreiche literarische Werke sowohl Kindern als auch erwachsenen Personen nähergebracht werden. So können weltliterarische Werke ein neues, fernes Publikum erreichen oder auch für Menschen, welche das Werk bereits kennen, neue Zugänge ermöglichen (Bartl, 2023, S. 60, 79).
1 Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Adaption von Weltliteratur für Kinder im Zyklus 1 ein und stellt die Forschungsfrage vor, wie Kafkas «Die Verwandlung» als zugängliches Bilderbuch gestaltet werden kann, ohne literarische Lernansätze zu verlieren. Es skizziert zudem den Aufbau der vorliegenden Arbeit.
2 Theorieteil: Dieser umfangreiche Abschnitt beleuchtet verschiedene Perspektiven auf literarisches Lernen, grenzt es von Lesekompetenz ab und stellt Methoden zu dessen Förderung vor. Des Weiteren werden Bilderbücher in ihren vielfältigen Dimensionen – narrativ, verbal, bildlich, intermodal sowie paratextuell und materiell – detailliert analysiert.
3 Umsetzung: Hier wird die praktische Adaption von Kafkas «Die Verwandlung» zu einem Bilderbuch dargestellt. Es werden die narrativen, verbalen, bildlichen, intermodalen, paratextuellen und materiellen Entscheidungen begründet, die getroffen wurden, um das Werk kindgerecht und literarisch wertvoll zu gestalten.
4 Evaluation: Dieses Kapitel beschreibt die Methode und die Ergebnisse der Evaluation der Bilderbuchadaption mittels eines Experteninterviews. Es diskutiert die Eignung des Produkts für den Zyklus 1 und die darin enthaltenen Ansätze für literarisches Lernen, gefolgt von methodischer Kritik und einem Ausblick auf weitere Forschung.
5 Quellenverzeichnis: Listet alle in der Bachelorarbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen auf.
6 Anhang: Enthält das Endprodukt, die Bilderbuchadaption «Gregors Verwandlung», sowie den Leitfaden und die Transkription des Experteninterviews.
Weltliteratur, Bilderbuchadaption, Franz Kafka, Die Verwandlung, Zyklus 1, literarisches Lernen, Kinderliteratur, narrative Dimension, verbale Dimension, bildliche Dimension, Intersemiose, Sprachliche Gestaltung, Figurendarstellung, Kinderrezeption, pädagogische Begleitung.
Diese Arbeit befasst sich mit der Adaption von Franz Kafkas «Die Verwandlung» zu einem Bilderbuch für Kinder im Zyklus 1, um Weltliteratur für diese Altersgruppe zugänglich zu machen und das Potenzial für literarisches Lernen zu nutzen.
Die zentralen Themenfelder sind die Theorie des literarischen Lernens, die vielfältigen Dimensionen von Bilderbüchern (narrativ, verbal, bildlich, intermodal, paratextuell, materiell) und die Umsetzung sowie Evaluation einer Bilderbuchadaption.
Das primäre Ziel ist es, ein weltliterarisches Werk für den Zyklus 1 zugänglich zu machen, ohne die Ansätze für literarisches Lernen einzubüssen. Die Forschungsfrage lautet: "Wie kann aus einem weltliterarischen Werk – Die Verwandlung von Franz Kafka – eine für den Zyklus 1 zugängliche Bilderbuchadaption erstellt werden, ohne dass dabei die Ansätze für literarisches Lernen verloren gehen?"
Die Arbeit basiert auf einer Entwicklungsarbeit, die eine theoretische Auseinandersetzung, eine exemplarische Umsetzung (Bilderbuchadaption) und eine Evaluation mittels eines halbstrukturierten Experteninterviews umfasst.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des literarischen Lernens und der Bilderbücher, die detaillierte Umsetzung der Bilderbuchadaption von Kafkas «Die Verwandlung» basierend auf diesen Theorien, und die anschliessende Evaluation des Endprodukts.
Schlüsselwörter wie Weltliteratur, Bilderbuchadaption, Franz Kafka, Die Verwandlung, Zyklus 1, literarisches Lernen, Kinderliteratur, Intersemiose und Sprachliche Gestaltung charakterisieren die Arbeit.
«Die Verwandlung» wurde gewählt, da es sich um ein weltliterarisches Werk handelt, dessen Adaption für den Zyklus 1 grosse Chancen für die literarische Entwicklung der Schüler*innen bietet, indem es komplexe Themen altersgerecht zugänglich macht.
Illustrationen spielen eine zentrale Rolle, da sie als eigenständige Erzählform dienen, emotionale Zugänge schaffen, das Textverständnis unterstützen und komplexe Gefühle sowie Stimmungen universell verständlich machen.
Die emotionale Belastung wurde unter anderem durch die Darstellung Gregors als anthropomorphisierten Käfer abgemildert, wodurch ein schützender emotionaler Abstand zur kindlichen Lebenswelt geschaffen wird. Auch die Streichung von Schuldzuweisungen und die Darstellung des Todes als Erlösung tragen dazu bei.
Aufgrund der emotional anspruchsvollen Thematik wird eine intensive Begleitung durch die Lehrperson empfohlen, idealerweise im Rahmen eines dialogischen Bilderbuchlesens in kleinen Gruppen, um den Kindern die notwendige Unterstützung zu bieten.
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