Bachelorarbeit, 2021
102 Seiten, Note: 1.0
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Hauptziel, einen tiefgehenden Einblick in den Schulalltag von Schüler*innen während der globalen Corona-Pandemie zu gewähren und dabei die spezifischen Vorteile und Defizite des Distanzlernens zu erfassen. Die gesammelten Erkenntnisse sollen dazu beitragen, das System Schule krisensicherer zu gestalten und zukünftigen Krisen präventiv begegnen zu können, indem Lehrkräfte ihren Unterricht an die Bedürfnisse der Lernenden anpassen.
Die zentrale Forschungsfrage, der in dieser Arbeit nachgegangen wird, lautet: "Welche Chancen und Herausforderungen ergaben sich für Schüler*innen durch die pandemiebedingte Schulschließung im Rahmen des digitalen Unterrichts?"
3.2 Bourdieus-Kapitaltheorie
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu ist gegen Ende der fünfziger Jahre in Erscheinung getreten. Er betrachtete in seiner Arbeit die „algerische Gesellschaft“, welche sich unter dem Einfluss der Kolonialisierung wandelte. Bourdieu erweiterte seine Forschungen mit der französischen Gesellschaft aus (vgl. Schwingel 1995, S. 7).
Bourdieus Kapitaltheorie ist ein sehr differenziertes Modell zur Erfassung der Position in der gesellschaftlichen Hierarchie (vgl. Brake & Büchner, 2012, S. 57). Um zu verstehen, was der Beitrag der Familien zur Reproduktion sozialer Positionen in der Gesellschaft ist, muss man nach Bourdieu das Konzept des sozialen Raumes verstehen (vgl. ebd.). „Das Modell des sozialen Raumes veranschaulicht, in welchem Zusammenhang die Mitglieder einer Gesellschaft zueinander stehen“ (Van Essen 2012, S. 18).
Der soziale Raum konstruiert sich über die Kapitalformen. Unter Kapitalformen versteht Bourdieu Ressourcen. Je mehr Ressourcen ein Akteur besitzt, desto weiter oben wird er im sozialen Raum positioniert. Hierbei teilt Bourdieu die Vorstellung mit Marx, dass es sich um akkumulierte Arbeit handelt. Bourdieu erweitert den Kapitalbegriff und spricht nicht nur vom ökonomischen Kapital (vgl. Brake, Büchner 2012, S. 57) und spricht von folgenden Kapitalformen: ökonomisches Kapital, soziales Kapital, kulturelles Kapital, symbolisches Kapital usw. (vgl. ebd., S. 80). Der wirtschaftswissenschaftliche Begriff von Marx reduziert sich nur auf den Warenaustausch. Alle anderen Formen, wie z. B. sozialer Austausch werden ausgeschlossen (vgl. Schwingel 1995, S. 82).
Um zurück zu der Rolle im sozialen Raum zu kommen: Die Unterschiede, die z. B. durch das Einkommen (ökonomisches Kapital) oder durch die Bildungsabschlüsse (institutionelles kulturelles Kapital) entstehen, bestimmen an welcher Position sich eine Person im sozialen Raum befindet (vgl. Van Essen 2012, S. 18). Um die Relevanz der Kapitalformen zu verdeutlichen, sollen diese im Folgenden kurz vorgestellt werden:
3.2.1 ökonomisches Kapital
Das ökonomische Kapital definiert Bourdieu als verschiedene Formen von materiellem Reichtum. Weiterhin kann man ökonomisches Kapital direkt in Geld umwandeln (vgl. Schwingel 1995, S. 83). Dieser eignet sich zur Institutionalisierung von Eigentumsrechten und trägt somit eine große Bedeutung für „arbeitsteilig ausdifferenzierte Gesellschaften“ bei (vgl. Van Essen 2012, S. 19).
3.2.2 kulturelles Kapital
Kulturelles Kapital wird unterteilt in drei weitere Kapitalformen: kulturelles Kapital in objektiviertem Zustand (Produkte des kulturellen Feldes wie Bücher, Gemälde), kulturelles Kapital in inkorporiertem Zustand (personen- oder körpergebundene Eigenschaften wie Verhaltensweisen oder Sprecharten, erworben durch Bildung) und Institutionalisierung (Bildungstitel, die legitimes kulturelles Kapital darstellen).
1 Einleitung: Dieses Kapitel beschreibt die globale Ausbreitung des Covid-19-Virus und die daraus resultierende Ausnahmesituation für Schulen in Deutschland, wobei der Fokus auf die Notwendigkeit der Erfassung von Schüler*innenperspektiven im Fernunterricht liegt.
2 Aufbau und Ziel: Hier werden das Hauptziel der Arbeit, die Vor- und Nachteile des Distanzlernens aus Schülersicht zu erfassen, sowie die qualitative Forschungsmethodik und die zugrunde liegenden Theorien von Bourdieu und Boudon skizziert.
3 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel stellt relevante sozialwissenschaftliche Theorien vor, darunter Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte und Konzepte institutioneller Diskriminierung, um den Einfluss des familiären Hintergrunds auf den Bildungserfolg zu beleuchten.
4 Methodischer Teil: Es beschreibt das qualitative Forschungsvorhaben, die Durchführung von Leitfadeninterviews mit sechs Schüler*innen und die Datenanalyse mittels der Grounded Theory, inklusive der detaillierten Vorstellung der einzelnen Fallbeschreibungen.
5 Fallübergreifende Ergebnisdarstellung: In diesem Kapitel werden die zusammenfassenden Ergebnisse der Interviews präsentiert und diskutiert, wobei Chancen und Herausforderungen der Schulschließung in Bezug auf technische/räumliche Ressourcen, die Rolle der Familien, Schule/Lehrer*innen, persönliche Faktoren sowie soziale Kontakte und Freizeit analysiert werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Haupterkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Bedeutung von Medienkompetenz und Selbstorganisation der Schüler*innen und unterstreicht die Notwendigkeit präventiver Konzepte für ein krisenfestes Schulsystem.
Corona-Pandemie, Schulschließung, Fernunterricht, Schülerperspektive, Bildungsgerechtigkeit, Soziales Kapital, Kulturelles Kapital, Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte, Qualitative Forschung, Leitfadeninterview, Grounded Theory, Medienkompetenz, Selbstorganisation, Soziale Ungleichheit.
Die Arbeit untersucht die Erfahrungen von Schüler*innen während der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schulschließungen, um Chancen und Herausforderungen des digitalen Fernunterrichts zu identifizieren.
Zentrale Themenfelder sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Schülersein, die Rolle von Familie und Schule, soziale Ungleichheit im Bildungssystem sowie die Entwicklung von Medienkompetenzen und Selbstorganisation.
Das primäre Ziel ist es, einen Einblick in den Schulalltag der Schüler*innen zu gewähren, um die Vor- und Nachteile des Distanzlernens zu erfassen. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Chancen und Herausforderungen ergaben sich für Schüler*innen durch die pandemiebedingte Schulschließung im Rahmen des digitalen Unterrichts?“
Die Bachelorarbeit basiert auf einer qualitativen empirischen Forschung, die Leitfadeninterviews mit Schüler*innen durchführte und die Daten mittels der Grounded Theory nach Strauss und Corbin analysierte.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt (Bourdieus Kapitaltheorie, Boudons Herkunftseffekte, institutionelle Diskriminierung), einen methodischen Teil mit Fallbeschreibungen und eine fallübergreifende Ergebnisdarstellung zu den Erfahrungen der Schüler*innen.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Corona-Pandemie, Schulschließung, Fernunterricht, Schülerperspektive, Bildungsgerechtigkeit, Soziales Kapital, Kulturelles Kapital, Medienkompetenz und Selbstorganisation.
Familiäre Ressourcen, insbesondere die Unterstützung durch ältere Geschwister bei fachlichen und technischen Problemen sowie die Entlastung durch die Eltern im Haushalt, spielten eine wichtige Rolle bei der Kompensation fehlender schulischer Unterstützung und der Förderung des Lernerfolgs.
Digitale Medien und eine angemessene technische Ausstattung waren entscheidend für die Teilnahme am Online-Unterricht. Während technische Probleme anfangs eine Herausforderung darstellten, förderte die Notwendigkeit der Nutzung die Medienkompetenz der Schüler*innen.
Die größte Belastung für die Schüler*innen waren die fehlenden sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen und Lehrer*innen, die mangelnde Schulatmosphäre und die Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation sowie die daraus resultierende Demotivation und psychische Belastung.
Trotz vieler Herausforderungen förderte die Schulschließung die Selbstorganisation der Schüler*innen, verbesserte ihre Medienkompetenz durch die Nutzung digitaler Plattformen und zeigte die Bedeutung eines krisenfesten und zukunftssicheren Schulsystems auf.
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