Bachelorarbeit, 2009
64 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1 Die empirische Sozialforschung
1.1 Der Forschungsablauf
1.2 Datenerhebungstechniken der Sozialforschung
1.2.1 Die Untersuchungsformen der Sozialforschung
1.2.2 Methoden zur Datenerhebung
1.3 Eigene Untersuchung über die Straftäter
1.3.2 Die Gesetze des Strafgesetzbuches
1.3.3 Evaluation der Daten
2 Der Problemkomplex
2.1 Das System der Familie
2.2 Die Bindung an eine Bezugsperson
2.2.1 Die Mutter-Kind-Beziehung
2.2.2 Die Vater-Kind-Beziehung
2.3 Sexualkriminalität
2.3.1 Das Problem der Definition
2.3.1.1 Die normativen Definitionen
2.3.1.2 Die klinischen Definitionen
2.3.2 Das Ausmaß der sexuellen Misshandlungen
2.3.3 Die Folgen des sexuellen Missbrauchs
2.3.3.1 Die unmittelbaren Folgen
2.3.3.2 Die Spätfolgen
2.3.4 "Licht an, Opfer. Licht aus, Täter."
3 Die psychologische Sichtweise
3.1 Psychoanalyse
3.1.1 Das psychoanalytische Persönlichkeitsmodell
3.1.2 Die Libido-Entwicklung und ihre Auswirkungen
3.2 Das bio-psycho-soziale Modell
3.3 Das Belastungs-Bewältigungsparadigma
4 Stellungnahme und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Anamnese von Sexualstraftätern, um tatgünstige Faktoren und psychosoziale Belastungshintergründe zu identifizieren. Ziel ist es, die Täter nicht nur als solche zu betrachten, sondern ihre individuellen Problemlagen und Entwicklungsbiografien zu verstehen, um Ansätze zur Prävention und therapeutischen Intervention aufzuzeigen.
2.3.4 "Licht an, Opfer. Licht aus, Täter."
Die missbrauchten Jungen entwickeln bereits im Kindes-/ Jugendalter ein sexuell aggressives Verhalten und schaffen sich dabei schon erste Missbrauchsmuster.82 Dadurch, dass das Opfer beim sexuellen Missbrauch die Kontrolle über die Situation verloren hat und sich gegen die Übergriffe nicht wehren konnte, versucht sie, in der Rolle des Täters, diese Kontrolle wieder herzustellen. Das Täterverhalten leitet sich auch durch die psychoanalytische Interpretation ab. Der missbrauchte Junge identifiziert sich stark mit dem Täter, da er die intrapsychischen Konflikte beseitigen möchte. Er will nicht wahrhaben, dass ihn eine Bezugsperson oder eine andere Person, der er Vertrauen und Zuneigung entgegen gebracht hat, emotional ausgebeutet hat. Es kann aber auch so sein, dass der spätere Täter während seiner Missbrauchserfahrungen sexuelle Erregung empfunden hat. Um diese Gefühle wieder zu erleben entwickeln sie dieses Szenario erneut, allerdings ist das ehemalige Opfer nun der Täter.83
Die meisten Sexualstraftäter verarbeiten ihre eigenen Missbrauchserfahrungen, indem sie selbst sexuelle Handlungen gegenüber Kindern/ Jugendlichen anwenden. Diese Theorie wird aber durch zwei Argumente kritisiert. Der erste Punkt besteht darin, dass nur wenige Opfer später selbst zu Sexualstraftätern werden. Als zweites Argument wird angeführt, dass die meisten Täter nie Opfer sexueller Übergriffe wurden.84
Finkelhor (1986) hat die Hypothese aufgestellt, wonach sexuell aggressives Verhalten durch vielerlei Faktoren verursacht wird. Die eigenen Opfererfahrungen haben auf das Täterverhalten nur dann besonderen Einfluss, wenn sie vom Opfer als sehr erniedrigend und schamhaft empfunden wurden und sie keine Möglichkeiten hatten, soziale Kompetenzen aufzubauen. Sexuell aggressives Verhalten wird durch viele schädigende Faktoren, die bereits in der Kindheit der Täter entstehen, bestimmt. Studien von Lisak und Ivan (1995) und Briggs und Hawkins (1996) haben ergeben, dass die Familienverhältnisse sehr problematisch waren. Darunter fielen Alkohol- und Drogenprobleme, die Kriminalität der Eltern, physische und psychische Misshandlungen, psychische Störungen der Eltern, Umzüge und damit die Trennung der sozialen Beziehungen zu Bezugspersonen.
1 Die empirische Sozialforschung: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Grundlagen der Arbeit, einschließlich der Datenerhebung durch Sekundäranalyse von Aktenmaterialien und der Hypothesenbildung.
2 Der Problemkomplex: Hier werden das Familiensystem, Bindungstheorien und die Definitionen von Sexualkriminalität erörtert, um die komplexen Hintergründe der Tatentstehung zu beleuchten.
3 Die psychologische Sichtweise: Die theoretische Fundierung erfolgt durch die Psychoanalyse, das bio-psycho-soziale Modell sowie das Belastungs-Bewältigungsparadigma.
4 Stellungnahme und Ausblick: Das Fazit wertet die Hypothesen der Arbeit aus und appelliert an eine intensivere therapeutische Unterstützung für Straffällige zur Prävention künftiger Delikte.
Sexualstraftäter, Anamnese, Kindesmissbrauch, Bindungstheorie, Täter-Opfer-Problematik, Sozialforschung, Psychoanalyse, Belastungs-Bewältigung, Resilienz, Prävention, Strafgesetzbuch, Persönlichkeitsstörung, Familiensystem, Trauma, Kriminologie.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anamnese von männlichen Sexualstraftätern, die wegen Missbrauchs an Kindern verurteilt wurden, und untersucht deren individuelle Lebensgeschichten und soziale Hintergründe.
Die zentralen Themen sind die Auswirkungen von frühen Bindungsstörungen, der Einfluss von Heimunterbringung, die Täter-Opfer-Dynamik sowie die psychologischen Faktoren, die zu einer kriminellen Entwicklung beitragen.
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die biographischen Risikofaktoren zu entwickeln, die Sexualstraftäter prägen, um Ansätze zur Prävention und therapeutischen Begleitung zu verbessern.
Es wird eine empirische Untersuchung in Form einer Inhaltsanalyse von Aktenunterlagen, Gerichtsurteilen und Gutachten von zehn Probanden der Bewährungshilfe durchgeführt (Sekundäranalyse).
Der Hauptteil analysiert das Familiensystem, die Bindung an Bezugspersonen, verschiedene Definitionen der Sexualkriminalität sowie psychologische Erklärungsmodelle für abweichendes Verhalten.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bindungstheorie, Trauma, Täter-Opfer-Dynamik, psychosoziale Belastungsfaktoren und ressourcenorientierte Bewältigungsstrategien charakterisiert.
Die Arbeit stellt fest, dass Heimunterbringungen häufig mit traumatischen Erfahrungen verbunden sind und bei fehlender adäquater Betreuung die Gefahr bergen, dass diese Kinder später selbst ein sexuell aggressives Verhalten entwickeln.
Nein, die Arbeit differenziert hier sehr genau: Traumatisierungen sind zwar ein Risikofaktor, aber nicht jedes Opfer wird zwangsläufig zum Täter; vielmehr ist das Zusammenwirken verschiedener negativer Einflüsse entscheidend.
Die Autorin argumentiert, dass staatliche Strafmaßnahmen allein oft nicht ausreichen, um das Rückfallrisiko zu senken, und fordert daher eine verpflichtende therapeutische Anbindung, um emotionale Defizite und Probleme aufzuarbeiten.
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