Bachelorarbeit, 2021
45 Seiten
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Soziale Online Medien (SONW) effektiv und verantwortungsvoll in der lebensweltlich orientierten sozialen Arbeit mit Jugendlichen genutzt werden können. Es werden Kriterien für das Gelingen und potenzielle Fallstricke bei der praktischen Umsetzung analysiert.
Die Bedeutung von SONW im Alltag
In seinem Buch "Lebensweltorientierte Soziale Arbeit – revisited" weist Hans Thierisch darauf hin, dass die neuen Medien, die Digitalisierung und die virtuellen Welten in unserem Alltag immer mehr an Bedeutung gewinnen.
„Unter dem Einfluss der fortschreitenden Digitalisierung hat sich das Leben in den letzten 50 Jahren verändert. Virtuelle Welten haben den Alltag der Menschen durchsetzt und entwertet; verlässliche und bisherige Muster der Bewältigung greifen nicht mehr, Leben spielt sich nicht nur in analogen Räumen ab und Menschen gestalten ihre Beziehungen nicht mehr primär in „leibhaftigen“ Begegnungen. Neue und andere Lebensmuster haben sich in den Erfahrungen in der virtuellen Welt des Internets und der Digitalisierung, der Handys, Smartphones und Computer etabliert, in deren neuen Weiten sich die Menschen selbstverständlich bewegen. Alltäglichkeit ist räumlich entgrenzt und zeitliche Umgangsformen verändern sich. Die alten Bewältigungsmuster justieren sich im Tempo des „jetzt-auf-Gleich“ im neuen Spiel von Offenheit und Überschaubarkeit und in den Entscheidungen zwischen Offenheit und Verlässlichkeit.” (Thiersch, 2020 S.80 f.)
In den digitalen Welten nehmen Beziehungen eine neue Form und eine Wichtigkeit ein, durch diese werden Teilhabe und Zugehörigkeit zu Gruppen realisiert, die über die im realen Leben mögliche hinausgehen. So werden andere Regeln der Beziehung als die im realen Leben stattfindenden Beziehungen etabliert, diese haben eine andere Qualität und sie werden alltäglich praktiziert und erlebt. In der realen Welt haben Beziehungen eine andere Form, zum Beispiel gibt es meist keine Kontakte am Wochenende mit Schulfreund*innen, die nicht im gleichen Bezirk wohnen. Durch die Digitalisierung sind andere Kontakte möglich, eine neue soziale Welt wird dadurch gebildet (Vgl. ebd. S.82). Als Nutzer*innen des Internet können wir gleichzeitig überall sein, es gibt keine Grenzen mehr. Wir können einen Online-Shop besuchen und Waren bestellen, die aus China und den USA geschickt werden, ohne uns zu bewegen. Wir können Influencer*innen aus Frankreich jeden Tag folgen und Ihre Meinungen über politische Ereignisse teilen und Kommentare schicken ohne unser Zuhause verlassen zu müssen. Diese Begegnungen gewinnen an Bedeutung in unserem Alltag und in unseren Lebenswelten und ersetzen die alten Austauschmöglichkeiten.
“Die Welt von Bekanntschaften und Beziehungen weitet sich. Die Fragen nach der Sicherheit und Orientierung im eigenen engen und privaten Raum und einer unüberschaubaren Öffentlichkeit stellen sich neu. Die an die konkrete Erfahrung gebundenen Bedeutungen von Zeit und Raum, von Vergangenheit und Zukunft, von Erreichbarkeit und von Nähe und Ferne verschieben sich, Geschwindigkeit und Langsamkeit, aber ebenso Geduld und Ungeduld, Warten und Frustration gewinnen neue Bedeutung. Es entwickeln sich neue Routinen, Pragmatismen und Offenheiten im Umgang mit Raum und Zeit, mit Gegenwärtigkeit und Planung, mit Augenblicksbefriedigung und Nachdenklichkeit. Die Menschen brauchen und entwickeln Kompetenzen, um sich zwischen den Bereichen hin und her zu bewegen." (ebd. S.81)
Ob sich SONW positiv oder negativ auf Bildung und Pflege sozialer Beziehungen auswirken, ist immer noch in der Diskussion. Es gibt zahlreiche Studien die versucht haben eine Antwort auf diese Frage zu finden. Dabei geht es um die Frage, ob wir durch diese Nutzung eher profitieren und zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen und pflegen oder ob wir dadurch eher einsamer werden und vor dem Rechner sitzen und Pseudo-Beziehungen führen. Es gibt zahlreiche Studien die beide Thesen belegen können.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz Sozialer Online Netzwerke (SONW) im Leben von Jugendlichen ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach deren Nutzung, Gelingenskriterien und Fallstricken in der sozialen Arbeit.
2. Soziale Online Netzwerke (SONW): Hier werden SONW definiert, ihre Bedeutung im Alltag Jugendlicher beleuchtet und detaillierte Gefahren wie Fake News, Social Bots, Echokammern, Hate Speech, Cybermobbing und Internetabhängigkeit vorgestellt.
3. Die Nutzung von SONW in der Jugendarbeit - Beispiele aus der Praxis: Dieses Kapitel präsentiert konkrete Anwendungsbeispiele von SONW in der Jugendarbeit, inklusive Empfehlungen für den Umgang damit, dienstlichen Regelungen und der Rolle der Pandemie für die Mediennutzung.
4. Rechtliche Rahmenbedingungen bei der Nutzung von SONW in der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen: Es werden die rechtlichen Grundlagen des Jugendmedienschutzes in seinen regulatorischen, technischen und erzieherischen Dimensionen sowie Aspekte des Datenschutzes erläutert.
5. Medienpädagogische Arbeit mit SONW: Das Kapitel differenziert zwischen medienbezogener und medienvermittelter Jugendarbeit und führt die drei Dimensionen der Medienpädagogik (Wissens-, Bewertungs- und Handlungsdimension) ein, die für den Erwerb von Medienkompetenz unerlässlich sind.
6. Fazit: Kriterien des Gelingens: Dieses Fazit fasst die wesentlichen Gelingenskriterien und Fallstricke für den professionellen Einsatz von SONW in der sozialen Arbeit zusammen, wobei die Bedeutung technischer Ausstattung, Weiterbildung von Pädagog*innen und die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen hervorgehoben wird.
Soziale Online Netzwerke, Jugendarbeit, Medienpädagogik, Medienkompetenz, Jugendmedienschutz, Datenschutz, Cybermobbing, Fake News, Digitalisierung, Lebensweltorientierung, Partizipation, Risikokommunikation, Covid-Pandemie, Soziale Arbeit.
Die Arbeit befasst sich mit der Nutzung Sozialer Online Netzwerke (SONW) als pädagogisches Instrument in der Arbeit mit Jugendlichen, identifiziert Fallstricke und leitet Gelingenskriterien ab.
Zentrale Themenfelder sind die Bedeutung von SONW für Jugendliche, deren Chancen und Gefahren, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die medienpädagogischen Ansätze für einen verantwortungsvollen Einsatz in der sozialen Arbeit.
Das primäre Ziel ist es, darzustellen, wie Soziale Online Medien für die lebensweltlich orientierte soziale Arbeit genutzt werden können, welche Kriterien für das Gelingen existieren und welche Fallstricke bei der praktischen Umsetzung beachtet werden müssen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse bestehender Studien, Theorien und Praxisbeispiele aus der Jugendarbeit, um die Fragestellung umfassend zu beantworten und Rahmenbedingungen sowie pädagogische Ansätze zu beleuchten.
Im Hauptteil werden zunächst die Sozialen Online Netzwerke definiert, ihre Bedeutung und Gefahren für Jugendliche dargestellt. Anschließend werden Beispiele aus der Praxis der Jugendarbeit, rechtliche Rahmenbedingungen und medienpädagogische Konzepte für den Umgang mit SONW detailliert erläutert.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Soziale Online Netzwerke, Jugendarbeit, Medienpädagogik, Medienkompetenz, Jugendmedienschutz, Datenschutz, Cybermobbing, Fake News und Digitalisierung.
Die Arbeit beleuchtet spezifische Gefahren wie Fake News bzw. Falschmeldungen, den Einfluss von Social Bots und Echokammern, Hate Speech (Hassrede), Cybermobbing und Internetabhängigkeit, die für Jugendliche relevant sind.
Die Covid-Pandemie führte zu einer deutlichen Zunahme der Mediennutzung bei Jugendlichen und zwang die Jugendarbeit, ihre Angebote stärker in den digitalen Raum zu verlagern, was Defizite in Ausstattung und Schulung aufzeigte, aber auch Chancen offenbarte.
Die drei Dimensionen der Medienpädagogik sind die Wissensdimension (technische Funktionalität), die Bewertungsdimension (kritische Reflexion der Inhalte) und die Handlungsdimension (aktives Gestalten und Produzieren eigener Inhalte).
Die Arbeit empfiehlt die Schaffung technischer Voraussetzungen, kontinuierliche Weiterbildung für Pädagog*innen in Medienkompetenz, die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen und Datenschutz sowie eine klare Trennung von privatem und dienstlichem Handeln in sozialen Netzwerken.
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