Examensarbeit, 2010
269 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Wie kam es zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin 1936?
3. Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten
4. Sport im Nationalsozialismus
5. Propaganda und ihre Inszenierung
5.1 Die „Podbielski-Eiche“
5.2 Die Olympiaglocke und das Olympia-Logo von Berlin
5.3 Der Olympische Fackellauf
6. Das Olympische Dorf bei Döberitz
6.1 Vorgeschichte
6.2 Planung und landschaftsarchitektonische Gestaltung
6.3 Die Anlage
6.3.1 Das Empfangs- und Verwaltungsgebäude
6.3.2 Die Wohnhäuser
6.3.3 Das Speisehaus der Nationen
6.3.4 Das Hindenburghaus
7. Die „Kampfstätten“
7.1 Der Architekt Werner March
7.2 Das Olympiastadion
7.3 Das Schwimmstadion
7.4 Die „Dietrich-Eckart-Freilichtbühne“
8. Die Langemarckhalle mit Glockenturm
9. Das Maifeld
10. Stimmen der internationalen Presse und persönliche Eindrücke von Zeitzeugen
11. Wie kam es zu den XX. Olympischen Spielen in München 1972?
11.1 Münchens Bewerbung
11.2 Eine „einmalige Chance“
11.3 Wo genau sollte der neue Olympiapark angelegt werden?
12. Der Olympiapark München - Eckdaten
12.1 Allgemeine Informationen
12.2 Geographische Lage
12.3 Nötige Baumaßnahmen im Umfeld: Schaffung einer ausreichenden Infrastruktur
12.4 Bereiche und Einrichtungen des Olympiaparks im Überblick
13. Die landschaftliche Gestaltung des Olympiaparks
13.1 Die Grundidee für das Parkgelände
13.2 Der „Olympia-Berg“
13.3 Der „Olympia-See“
13.4 Die Bepflanzung des Parkgeländes
13.5 Die Wege
14. Das Olympische Dorf
14.1 Das „Frauendorf“
14.2 Das „Männerdorf“
15. Die Sportstätten
15.1 Die Sportstätten im Überblick
15.2 Der Architekt Günter Behnisch und sein Konzept
15.3 Das Olympiastadion
15.4 Die Olympia-Schwimmhalle
15.5 Die Zeltdachkonstruktion
16. Das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972
16.1 Grundidee
16.2 Otto Aicher und seine „Piktogramme“
16.3 Logo, Plakate und Farben
17. Die Eröffnungsfeier und Stimmen der internationalen Presse
17.1 Die Eröffnungsfeier
17.2 Stimmen der internationalen Presse
18. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht und vergleicht das Reichssportfeld Berlin (1936) und den Olympiapark München (1972) unter sportarchitektonischen und sporthistorischen Gesichtspunkten, um deren jeweilige Bedeutung für die Inszenierung der Olympischen Spiele zu beleuchten und architektonische sowie ideologische Unterschiede im historischen Kontext herauszuarbeiten.
Die „Podbielski-Eiche“
In diesem Kapitel soll die Podbielski-Eiche als ein bedeutendes Symbol der schier unzähligen nationalsozialistisch geprägten propagandistischen Stilmittel und Elemente auf und um das Reichssportfeld herum stellvertretend herausgegriffen und in ihrer Sinnhaftigkeit kurz erläutert werden.
Die Eiche, welche ursprünglich am östlichen Rand des Deutschen Stadions gestanden hatte, erhielt im Jahre 1914 anlässlich des 70. Geburtstags von DRAfOS Präsidenten Victor von Podbielski, dem Förderer des Deutschen Stadions, ihren Namen. Im Rahmen der gewaltigen Neubaumaßnahmen um das Reichssportfeld musste diese Eiche jedoch weichen. Die heutige Podbielski-Eiche am Haupteingang zum Olympiastadion, direkt hinter dem Olympischen Tor, wurde entgegen mancher falschen Behauptung nicht verpflanzt, sondern stammt aus dem Waldbestand, der sich noch vor dem Stadionbau hier befunden hatte. In Anlehnung an die Antike hatte Werner March sie absichtlich an dieser Stelle stehen bzw. anpflanzen lassen. Die Eiche als der deutsche Baum sollte das Ebenbild zum heiligen Ölbaum repräsentieren, welcher ursprünglich am Eingang des Zeustempels auf dem Heiligen Hain Olympias gestanden hatte und dessen Astwerk die Zweige für die Siegerkränze lieferte, mit denen die Olympiasieger geehrt wurden. Ganz in dieser Tradition verhaftet wussten die Nationalsozialisten auch dieses symbolkräftige Bild für sich zu vereinnahmen, indem sie nun die Olympiasieger von Berlin durch Kränze aus Eichenlaub ehren wollten.
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die beiden Olympiastätten in ihrer sportarchitektonischen und sporthistorischen Bedeutung zu vergleichen und die Rolle der Inszenierung zu analysieren.
2. Wie kam es zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin 1936?: Schildert die Vorgeschichte, die Bewerbung und die politische Motivation des NS-Regimes hinter den Spielen.
3. Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten: Bietet einen Überblick über die Entstehung und die baulichen Merkmale des Reichssportfeldes als erstes nationalsozialistisches Großprojekt.
4. Sport im Nationalsozialismus: Analysiert die Instrumentalisierung des Sports im NS-Staat sowie dessen völkisch-rassische und militärische Funktionen.
5. Propaganda und ihre Inszenierung: Untersucht spezifische propagandistische Symbole wie die Podbielski-Eiche, die Olympiaglocke und den Fackellauf.
6. Das Olympische Dorf bei Döberitz: Beschreibt die Planung, Gestaltung und Nutzung des ersten Olympischen Dorfes als Teil der nationalsozialistischen Selbstdarstellung.
7. Die „Kampfstätten“: Behandelt den Architekten Werner March und seine wesentlichen Sportstätten im Reichssportfeld, wie das Olympiastadion und das Schwimmstadion.
8. Die Langemarckhalle mit Glockenturm: Analysiert die monumentale Bedeutung der Langemarckhalle als nationale Gedenkstätte im Kontext der nationalsozialistischen Heldenverehrung.
9. Das Maifeld: Erläutert die Funktion und architektonische Gestaltung des Maifeldes als Aufmarschgelände innerhalb des Reichssportfeldes.
10. Stimmen der internationalen Presse und persönliche Eindrücke von Zeitzeugen: Reflektiert die zeitgenössische Wahrnehmung der Berliner Spiele durch die internationale Presse und die spätere Erinnerung von Athleten.
11. Wie kam es zu den XX. Olympischen Spielen in München 1972?: Beschreibt die Bewerbung Münchens und die Intention, ein weltoffenes Bild Deutschlands zu präsentieren.
12. Der Olympiapark München - Eckdaten: Vermittelt allgemeine Informationen zur Entstehung und Infrastruktur des Olympiaparks.
13. Die landschaftliche Gestaltung des Olympiaparks: Erläutert das landschaftsarchitektonische Konzept der Integration von Architektur und Natur sowie die Gestaltung von Berg und See.
14. Das Olympische Dorf: Beschreibt das Olympische Dorf in München, unterteilt in Männer- und Frauendorf, und dessen Wohnkonzept.
15. Die Sportstätten: Analysiert die Architektur und das Konzept des Olympiastadions und der Olympia-Schwimmhalle unter dem Leitmotiv des „Demokratischen Grüns“.
16. Das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972: Beleuchtet das visuelle Designkonzept von Otto Aicher, einschließlich Piktogrammen und Farbgestaltung.
17. Die Eröffnungsfeier und Stimmen der internationalen Presse: Dokumentiert die Eröffnungsfeier als Symbol der Heiterkeit und die internationale Reaktion darauf.
18. Zusammenfassung und Ausblick: Zieht ein Fazit über die Unterschiede zwischen der Inszenierung der Spiele 1936 und 1972 und reflektiert die sporthistorische Bedeutung beider Areale.
Olympische Spiele, Berlin 1936, München 1972, Reichssportfeld, Olympiapark, Sportarchitektur, Nationalsozialismus, Propaganda, Inszenierung, Olympisches Dorf, Werner March, Günter Behnisch, Otto Aicher, Piktogramme, Landschaftsgestaltung
Die Arbeit vergleicht die Olympischen Stätten von Berlin 1936 und München 1972 hinsichtlich ihrer architektonischen Gestaltung, ihrer Funktion als Propagandamittel oder Ausdruck einer offenen Gesellschaft sowie ihrer sporthistorischen Bedeutung.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Architektur, die landschaftliche Einbindung der Bauten, das visuelle Erscheinungsbild (Piktogramme/Farben) und die politische Instrumentalisierung durch die jeweiligen staatlichen Akteure.
Das Hauptziel ist es, die Unterschiede in der Inszenierung der Olympischen Spiele zwischen dem NS-Regime in Berlin 1936 und dem demokratischen Deutschland in München 1972 durch eine sportarchitektonische und historische Analyse aufzuzeigen.
Es wurde eine vergleichende Analyse der Areale (Reichssportfeld vs. Olympiapark) durchgeführt, bei der architektonische Entwürfe, planungshistorische Hintergründe und zeitgenössische sowie internationale Pressestimmen ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Bereiche: Zunächst die Analyse des Berliner Reichssportfeldes mit seinem Olympischen Dorf und den zugehörigen Kampfstätten, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung des Olympiaparks München inklusive des Olympischen Dorfes und der Sportstätten.
Wichtige Schlagworte sind Olympische Spiele, Sportarchitektur, Propaganda, Inszenierung, Berlin 1936, München 1972, Identität und architektonische Symbole.
Während Berlin 1936 eine monumentale, axiale Architektur im Stil des Monumentalklassizismus nutzte, um Stärke und Unterordnung zu vermitteln, setzte München 1972 auf Transparenz, Individualismus und eine fließende Integration in die Natur, um ein demokratisches, weltoffenes Image zu erzeugen.
Das Olympische Dorf dient als Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftspolitischen Ziele: In Döberitz war es von einer kasernenartigen, militärischen Ordnung geprägt, während das Dorf in München als ein von Farben und demokratischen Idealen geprägtes Wohnviertel konzipiert war.
Otto Aicher entwickelte für München 1972 ein grafisches System, das durch klare Piktogramme, eine reduzierte Farbpalette und eine moderne Typografie die Botschaft von Heiterkeit und internationaler Verständigung transportierte und sich bewusst von jeglichem Pathos abhob.
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