Bachelorarbeit, 2023
36 Seiten, Note: 1.8
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene der Retrokultur und der damit verbundenen Nostalgie, um ein tiefgreifendes Verständnis ihrer Hintergründe, Bedeutung und Einflüsse auf die zeitgenössische Gesellschaft zu entwickeln und eine umfassende theoretische Grundlage zu erarbeiten.
3.1.1 Kosmische Ursprünge des Begriffs retro
In der zeitgenössischen Sphäre von Kultur, Mode und alltäglicher Lebenswelt treten wiederholt die Termini retro und vintage auf, die mitunter in fehlerhafter Weise verwechselt oder synonym verwendet werden. Jedoch ist es von Bedeutung, dass diese beiden Begrifflichkeiten zwei unterschiedliche Stilrichtungen repräsentieren, welche über eigene, charakteristische Merkmale und Semantiken verfügen. Während sowohl retro als auch vintage Elemente aus vergangenen Epochen aufgreifen, unterscheiden sie sich in ihrer Konzeption und Anwendung. Der Begriff vintage wurde ursprünglich zur Beschreibung der Weinlese verwendet und entwickelte sich später zu einer spezifischen Bezeichnung für exquisite Jahrgänge dieser Ernte. Im heutigen Kontext wird jener Begriff genutzt, um Dinge zu benennen, die original sind, d.h. ihren Ursprung in vergangenen Epochen finden, wodurch sie Authentizität und Historie verkörpern. Konträr dazu stellt retro immer eine Neuerschaffung dar, die sich aus dem Design vorheriger Zeitabschnitte inspiriert und gestaltet wird. Hierbei handelt es sich um eine kunstvolle Wiedererweckung und Neudeutung von vergangenen Stilen. Ungeklärt bleibt jedoch, welchem Ursprung der Begriff retro entspringt und wie er zu seiner heutigen Bedeutung gekommen ist. Diese Entstehungsgeschichte ist eng mit den Anfängen der amerikanischen Raumfahrt in den 1960er Jahren verknüpft. In dieser Ära wurden bahnbrechende Fortschritte im Weltraum erreicht, wobei eine besondere Innovation, die sogenannte Retro-Rakete, eine Schlüsselrolle spielte. Diese Rakete ermöglichte eine sichere Rückkehr der Astronauten zur Erde, indem sie während des Wiedereintritts in die Atmosphäre eingesetzt wurden. Der Begriff retro als Präfix, stammt von dieser Erfindung.
Laut der Kunsthistorikerin Elizabeth Guffey entwickelten sich die aktuellen Konnotationen von retro jedoch erst in den 1970er Jahren. In ihrem Werk Retro: The Culture of Revival (2006) argumentiert sie, dass im Verlauf der 1970er Jahre der Ausdruck im Kontext des Phänomens mode rétro aufgegriffen wurde, welches die Schaffensweise Pariser Filmkritiker*innen, Schriftsteller*innen und Modedesignenden charakterisierte. Es entstanden filmische und literarische Werke, welche die Epoche des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs beleuchteten und den Fokus auf die Kultur der 1940er und 1950er Jahre richteten. Die mode rétro basierte auf einem ambivalenten Blick auf die Vergangenheit, der weder eine glorifizierende noch eine verurteilende Haltung einnahm. Sie kopierte nicht einfach vergangene Epochen, sondern bot stattdessen Raum für eine originelle Auseinandersetzung mit der Geschichte, die sich von einer rein nostalgischen oder traditionsgebundenen Perspektive unterschied. Durch die mode rétro erfolgte eine Neubestimmung des Retro-Begriffs, wodurch laut Guffey eine „deviant form of revivalism“ hervortrat. Aufgrund dessen kann retro als eine kreative Herangehensweise an vergangene Zeiten betrachtet werden. Dabei zielt retro nicht bloß auf die Imitation vergangener Stilelemente ab, sondern strebt ebenfalls danach, diese auf einfallsreiche Weise zu transformieren und neu zu interpretieren.
Kapitel 1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Faszination für die Vergangenheit in einer sich stetig wandelnden Welt, insbesondere die Sehnsucht nach Nostalgie und das Aufkommen der Retrokultur, und stellt die Untersuchung der Netflix-Serie STRANGER THINGS als exemplarisches Beispiel vor.
Kapitel 2 Die Retro-Serie STRANGER THINGS: Dieses Kapitel analysiert die Netflix-Serie STRANGER THINGS, indem es ihre Handlung, das Setting der 1980er Jahre und spezifische retro-typische Elemente wie Musik, Mode und popkulturelle Referenzen beleuchtet, die ihren unverwechselbaren Retro-Charakter ausmachen.
Kapitel 3 Theoretischer Teil: Der theoretische Teil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Retrokultur, ihrer Ursprünge und Merkmale, sowie der Nostalgie, ihrer historischen Entwicklung, Formen und ihrer Rolle im medienwissenschaftlichen Kontext.
Kapitel 4 Die Beziehung zwischen Retrokultur und Nostalgie: Dieses Kapitel erforscht die enge Verbindung zwischen Retrokultur und Nostalgie, wobei die Bedeutung der Digitalisierung und die bewusste Inszenierung von Nostalgie in retrokulturellen Medieninhalten im Vordergrund stehen.
Kapitel 5 Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen, beleuchtet die Vielschichtigkeit von Retrokultur und Nostalgie, die Rolle der Medien bei deren Gestaltung und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsrichtungen.
Retrokultur, Nostalgie, STRANGER THINGS, Popkultur, 1980er Jahre, Medien, Digitalisierung, Mimesis, Vintage, Kulturelle Ästhetik, Zeitgeist, Gesellschaft, Geschichte, Konsumkultur, Fernsehserien
Die Arbeit befasst sich mit der Faszination für die Vergangenheit, insbesondere der Retrokultur und Nostalgie, und untersucht deren Erscheinungsformen, Ursprünge sowie ihren Einfluss auf die zeitgenössische Gesellschaft.
Zentrale Themenfelder sind die Retrokultur als kulturelles Phänomen, die verschiedenen Formen und der historische Wandel der Nostalgie sowie die Rolle von Medien und Digitalisierung bei der Inszenierung und Verbreitung retrokultureller Inhalte.
Das primäre Ziel ist es, eine theoretische Grundlage für das Verständnis von Retrokultur und Nostalgie zu schaffen, ihre vielschichtige Natur zu erfassen und ihre Einflüsse auf die Gesellschaft zu erörtern.
Die Arbeit verfolgt eine theoretische Untersuchung, die Phänomene wie Retrokultur und Nostalgie definiert, historisch einordnet und anhand von Fallbeispielen wie der Serie STRANGER THINGS analysiert.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Hintergründe von Retrokultur und Nostalgie, deren Merkmale, historische Entwicklungen, verschiedene Formen und die Beziehung zwischen beiden Phänomenen im Kontext der Digitalisierung und Medieninszenierung.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Retrokultur, Nostalgie, Popkultur, STRANGER THINGS, Medien, Digitalisierung und Mimesis.
STRANGER THINGS trägt maßgeblich zur Retrokultur bei, indem sie die Ästhetik, Musik, Mode und popkulturellen Referenzen der 1980er Jahre akribisch aufgreift und neu interpretiert, wodurch nostalgische Erinnerungen geweckt und alte Stereotypen hinterfragt werden.
Mimesis, die künstliche Nachahmung vergangener Realitäten durch visuelle, auditive und narrative Elemente, ist ein zentraler Prozess in Medien, um nostalgische Gefühle zu erzeugen und eine Verbindung zu vergangenen Zeiten herzustellen, auch wenn sie die tatsächliche Erfahrung nicht ersetzen kann.
Der Begriff Nostalgie entwickelte sich von einer medizinisch diagnostizierten Krankheit (Heimweh) im 17. Jahrhundert zu einem kulturellen Phänomen, das im 20. Jahrhundert zunehmend mit der Populärkultur verschmolz und seine geografische Assoziation zugunsten einer zeitlichen verlor.
Die Serie STRANGER THINGS hinterfragt Stereotypen der 1980er Jahre durch die Darstellung diverser Charaktere und bricht traditionelle Rollenbilder auf, indem sie beispielsweise weibliche Hauptfiguren stark und unabhängig inszeniert und Heteronormativität thematisiert.
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