Bachelorarbeit, 2025
70 Seiten, Note: 1,7
Die vorliegende Arbeit widmet sich der zentralen Forschungsfrage: „Wie erleben und bewältigen Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien?“. Ziel ist es, sowohl Herausforderungen als auch Bewältigungsstrategien zu analysieren und daraus praxisorientierte Implikationen für die Soziale Arbeit abzuleiten.
Care-Ethik
Die Care-Ethik ist ein ethischer Ansatz, der nicht Prinzipien in den Mittelpunkt stellt, sondern sich auf die Anerkennung von Abhängigkeiten, sozialen Kontexten und zwischenmenschlichen Beziehungen fokussiert. Sie hebt die moralische Bedeutung konkreter Lebenswelten, alltäglicher Praxis und emotionaler Verbindung hervor (Gödecke et al., 2022, S. 127). Wie Gödecke et al. (2022) betonen, liegt der Fokus dieses Ansatzes auf asymmetrische Beziehungen und Machtverhältnisse, die durch Abhängigkeiten entstehen können, beispielsweise im Umgang mit Kindern, älteren Menschen oder Personen mit Behinderungen. Ziel der Care-Ethik ist es, gerade diesen Gruppen eine Stimme zu geben und auf gesellschaftliche Strukturen hinzuweisen, die verhindern, dass ihre Interessen in Entscheidungsprozesse nicht integriert werden (S. 128).
Die Ursprünge der Care-Ethik sind eng mit den Arbeiten von Carol Gilligan verbunden, die sich in ihrem Werk In a Different Voice aus dem Jahr 1984 mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in moralischen Entscheidungsprozessen auseinandersetzte (Griffin, 1991). Gilligan kritisierte die Idee eines universellen, unparteiischen moralischen Standpunktes und betonte, dass moralische Urteile untrennbar mit den spezifischen situativen und relationalen Kontexten verbunden sind (Gödecke et al., 2022, S. 128). Ihre Forschung zeigt, dass moralische Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden, sondern stets auf soziale Dynamiken und Beziehungskonstellationen geprägt sind.
Ursprüngliche Konzepte der Care-Ethik fokussierten sich vor allem auf zwischenmenschliche Beziehungen, indessen Joan Tronto in ihrer Weiterentwicklung auch die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der Fürsorge hervorhebt. In ihrem Werk Moral Boundaries: A Political Argument for an Ethic of Care beschreibt Tronto vier zentrale Dimensionen der Fürsorge. Diese Dimensionen stellen verschiedene Phasen eines dynamischen Prozesses dar, der das umfassende Konzept der Care-Ethik verdeutlicht. Caring about bezeichnet die erste Phase des Fürsorgeprozesses und beschreibt das Erkennen und Wahrnehmen eines bestehenden Bedürfnisses. Diese Dimension setzt voraus, dass man den Bedarf von Fürsorge erkennt und einschätzt, ob auf das Bedürfnis reagiert werden sollte. Dabei erfordert es oft, sich in die Perspektive einer anderen Person oder Gruppe hineinzuversetzen, um diesen Bedarf zu verstehen. Diese Wahrnehmung wird sowohl kulturell als auch individuell geprägt (Tronto, 1993, S. 106).
Kapitel 1 Einleitung: Stellt die Forschungsfrage vor: Wie Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen Ethos und moralischer Verantwortung mit geflüchteten Familien erleben und bewältigen, und skizziert die Struktur der Arbeit.
Kapitel 2 Theoretischer Rahmen: Erläutert ethische Prinzipien, moralische Verantwortung, Berufsethos, professionelle Abgrenzung sowie Konzepte wie deontologische Ethik, Care-Ethik und moralischen Stress im Kontext der Sozialarbeit.
Kapitel 3 Methodisches Vorgehen: Beschreibt das qualitative Forschungsdesign mittels Inhaltsanalyse nach Kuckartz, die Datenerhebung durch leitfadengestützte Interviews und die Analysemethode.
Kapitel 4 Ergebnisse der Untersuchung: Präsentiert die empirischen Ergebnisse der Interviews, unterteilt in deduktive (theoriegeleitete) und induktive (praxisbasierte) Kategorien zu moralischen Spannungsfeldern.
Kapitel 5 Diskussion: Setzt die empirischen Ergebnisse in Beziehung zum theoretischen Rahmen, reflektiert kritisch die Rolle moralischer Verantwortung und leitet Implikationen für die Praxis ab.
Kapitel 6 Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und ordnet die Relevanz für die Sozialarbeit mit geflüchteten Familien ein.
Soziale Arbeit, moralische Verantwortung, geflüchtete Familien, Berufsethos, moralischer Stress, Care-Ethik, deontologische Ethik, qualitative Forschung, professionelle Abgrenzung, Selbstfürsorge, interkulturelle Kompetenz, ethische Dilemmata, Flüchtlingssozialarbeit, Spannungsfelder.
Die Arbeit untersucht, wie Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien erleben und bewältigen.
Zentrale Themenfelder sind moralische Verantwortung, Berufsethos, professionelle Abgrenzung, deontologische Ethik, Care-Ethik und moralischer Stress im Kontext der Flüchtlingssozialarbeit.
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie erleben und bewältigen Sozialarbeiter_innen das Spannungsfeld zwischen beruflichem Ethos und persönlicher moralischer Verantwortung in der Arbeit mit geflüchteten Familien?“. Ziel ist die Analyse von Herausforderungen und Bewältigungsstrategien.
Es wird ein qualitativ-empirisches Forschungsdesign basierend auf der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz verwendet, mit Datenerhebung durch leitfadengestützte Interviews.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Rahmen der moralischen Verantwortung und Ethik, das methodische Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse sowie die Ergebnisse der empirischen Untersuchung.
Soziale Arbeit, moralische Verantwortung, geflüchtete Familien, Berufsethos, moralischer Stress, Care-Ethik.
Die Care-Ethik ist relevant, weil sie moralisches Handeln im Kontext von Beziehungen, Abhängigkeiten und Fürsorge thematisiert und damit eine tragfähige Orientierung für die Beziehungsarbeit mit geflüchteten Familien bietet.
Moralischer Stress ist ein systemisch bedingtes Phänomen, das auftritt, wenn Fachkräfte wissen, was moralisch richtig wäre, aber aufgrund äußerer oder innerer Zwänge nicht entsprechend handeln können. Er führt zu emotionaler Erschöpfung und moralischer Dysfunktionalität.
Selbstfürsorge ist eine grundlegende Voraussetzung professionellen Handelns und dient als Schutzmechanismus gegen emotionale Überlastung und Burnout, wobei Selbstreflexion, kollegialer Austausch und bewusste Abgrenzung zentrale Strategien sind.
Die Studie wurde ausschließlich mit weiblichen Fachkräften geführt und basierte auf einer begrenzten Anzahl von Interviews (vier), was die Generalisierbarkeit auf die gesamte Berufsgruppe einschränkt.
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