Diplomarbeit, 2010
146 Seiten, Note: 2,3
Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht
1 Einführung, Problemstellung und Vorgehensweise
2 Von der Subprime-Krise zum Versagen des internationalen Finanzsystems
3 Die Krise als Chance zur Veränderung und Neuorientierung
3.1 Aus der Vergangenheit lernen
3.2 Die umfassendste US-Finanzreform seit 80 Jahren
3.3 Eine Reform der Ratingagenturen ist unvermeidbar
3.4 Basel III
3.5 „Geschäftsmodell Deutschland“ auf dem Prüfstand
3.6 Schlusswort zur Krise
4 Die Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen
4.1 Definition KMU
4.1.1 Bedeutung des deutschen Mittelstandes
4.2 Erhebung im Bezirk Weser-Ems
4.2.1 Erläuterungen zum methodischen Vorgehen
4.2.2 Die Fragebögen
4.2.2.1 Darstellung und Aufbau der Fragebögen
4.2.3 Durchführung und Ablauf der Befragung
4.3 Auswertung der Umfragen zur Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen im Bezirk Weser-Ems
4.3.1 Beschreibung der Stichprobe KMU-Erhebung
4.3.2 Beschreibung der Stichprobe Bank-Erhebung
4.3.3 Die Umfrageergebnisse
4.3.3.1 Identifikation der Stichprobe
4.3.3.2 Beziehung Bank und KMU in der Krise
4.3.3.3 Fördermittel für kleine und mittlere Unternehmen
4.3.3.4 Bewertung der Finanzkrise aus zwei Perspektiven
5 Bewertung möglicher Finanzierungsalternativen zum Bankkredit
5.1 Unternehmensfinanzierung in der Krise
5.2 Finanzwirtschaftliche Ziele zur Bewertung von Finanzierungsalternativen
5.2.1 Erhalt der Sicherheit
5.2.2 Maximierung der Rentabilität
5.2.3 Aufrechterhaltung der Liquidität
5.2.4 Erhalt der Unabhängigkeit
5.3 Bewertungsschema
5.4 Alternative Finanzierungsformen
5.4.1 Leasing
5.4.2 Factoring
5.4.3 Mitarbeiterdarlehen
5.4.4 Mezzanine Finanzierungsinstrumente
5.4.4.1 Stille Gesellschaft
5.4.4.2 Nachrangdarlehen
5.4.5 Beteiligungskapital (Private Equity/Venture Capital)
5.5 Vergleich und Bewertung der Alternativen nach den ausgewählten finanzwirtschaftlichen Zielen
5.5.1 Erhalt der Sicherheit
5.5.2 Maximierung der Rentabilität
5.5.3 Aufrechterhaltung der Liquidität
5.5.4 Erhalt der Unabhängigkeit
5.6 Alternativenkatalog und Schlussbetrachtung
6 Fazit
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Bezirk Weser-Ems. Ziel ist es, ein besseres Verständnis über die Kreditabhängigkeiten und die Rolle der Banken zu gewinnen sowie einen Katalog an Finanzierungsalternativen zu entwickeln, der unter den aktuellen Krisenbedingungen bewertet wird.
3.3 Eine Reform der Ratingagenturen ist unvermeidbar
Ratingagenturen, die mit ihren Noten die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls angeben, spielen eine entscheidende Rolle für die Risikobewertung auf den Finanzmärkten. Die drei größten und bekanntesten sind die amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s Investors und Fitch Rating. Ratingagenturen vergeben Noten für fast alles, von Hypotheken über Unternehmensanleihen bis hin zu den Staatsschulden ganzer Nationen. Sie genießen heutzutage mit ihren Bewertungen größtes Vertrauen und erspart vielen eine eigene Prüfung der Risiken. Spätestens jedoch mit dem Ausbruch der Krise sind Ratingagenturen heftig in die Kritik geraten. Sie haben Ramschpapiere zu Bestnoten verholfen und Lehman noch kurz vor dem Untergang mit »A+« bewertet. Um hier nicht vorschnell zu urteilen, sollte man erst auf die Entwicklung von Ratingagenturen zurückblicken.
Die Geschichte von Ratingagenturen geht bis in den frühen 1930er Jahren zurück. Einen Aufschwung erlebten sie 1975 mit der Zertifizierung durch die Börsenaufsicht. In den Anfangsjahren wurden Ratingagenturen von den Investoren finanziert, die einzelne Anlagen bewerten ließen. Als das Einnahmemodell mit der Zeit zunehmend uninteressanter wurde – viele Investoren haben sich die Bewertungen umsonst von Freunden besorgt – stellten die Ratingagenturen ihr Geschäftsmodell einfach um. Sie boten von nun an ihre Dienstleistungen nicht mehr den Investoren, sondern den Ausgebern der Schuldtitel an. Dies entsprach auch den Reformen der Börsenaufsicht, die den Emittenten ein Rating für ihre Produkte vorschrieb. Hier sah man sich bald einen erheblichen Interessenkonflikt ausgesetzt. Die Banken, die Wertpapiere auf dem Markt bringen wollten, konnten sich bei den Agenturen nach dem besten Rating „umschauen“ und Angebote vergleichen. Ratingagenturen konnten die geplante Emission zwar als „Schrott“ bewerten, riskierten damit aber den Kunden zu verlieren. Das Interesse verlagerte sich immer mehr dahin, den Banken das zu geben, was sie verlangten, weil sie durch die Banken letztendlich finanziert wurden. Das ist so als würden Studenten ihren Professor für ihre Noten bezahlen. Wenn mehrere Professoren zur Auswahl stehen, würden diejenigen, die nur »Einser« verteilen bald beliebter sein und sie würden mehr verdienen als ihre strengeren Kollegen.
1 Einführung, Problemstellung und Vorgehensweise: Definition der Forschungsfrage zur Finanzierungssituation von KMU in der Wirtschaftskrise und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2 Von der Subprime-Krise zum Versagen des internationalen Finanzsystems: Aufarbeitung des Krisenverlaufs von der US-Immobilienkrise hin zur globalen Wirtschafts- und Bankenkrise.
3 Die Krise als Chance zur Veränderung und Neuorientierung: Diskussion von Regulierungsansätzen, Reformen der Ratingagenturen, Basel III und der Hinterfragung des deutschen Wirtschaftsmodells.
4 Die Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen: Detaillierte Darstellung der empirischen Erhebungen bei Unternehmen und Banken im Bezirk Weser-Ems inklusive Auswertung.
5 Bewertung möglicher Finanzierungsalternativen zum Bankkredit: Analyse verschiedener Finanzierungsformen wie Leasing, Factoring und Mezzanine-Kapital anhand finanzwirtschaftlicher Kriterien.
6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der künftigen Entwicklung und Notwendigkeit der Neuorientierung in der Unternehmensfinanzierung.
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, KMU, Mittelstand, Finanzierung, Bankkredit, Weser-Ems, Ratingagenturen, Basel III, Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital, Liquidität, Rentabilität, Unabhängigkeit.
Die Arbeit analysiert die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Bezirk Weser-Ems während der Finanz- und Wirtschaftskrise und untersucht mögliche alternative Finanzierungsmöglichkeiten.
Die zentralen Themen sind der Verlauf der Finanzkrise, die Abhängigkeit des Mittelstands von Bankkrediten, die Auswirkungen der Krise auf die Kreditvergabepraxis sowie die Evaluation alternativer Finanzierungsinstrumente.
Das Ziel ist die Ableitung eines Katalogs von Finanzierungsalternativen zum Bankkredit, um kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung und Handlungsoptionen in Krisenzeiten zu bieten.
Es wurde ein empirisches Design nach dem Prinzip der Triangulation gewählt, bei dem zwei aufeinander abgestimmte quantitative Befragungen – eine bei Unternehmen und eine bei Kreditinstituten – durchgeführt und ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der empirischen Daten aus dem Bezirk Weser-Ems sowie eine detaillierte finanzwirtschaftliche Bewertung von Finanzierungsalternativen anhand von Kriterien wie Sicherheit, Rentabilität und Liquidität.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelstand, Finanzkrise, Bankkredit, KMU, Liquidität und alternative Finanzierungsinstrumente geprägt.
Die Banken beurteilen die Situation meist weniger kritisch als die Unternehmen. Eine deutliche Verschärfung der Kreditrichtlinien wurde von ihnen mehrheitlich nicht berichtet, was auf eine Diskrepanz zwischen Bankensicht und Unternehmenswahrnehmung hindeutet.
Diese Haltung beschreibt die Skepsis vieler mittelständischer Inhaber gegenüber externen Beteiligungsfinanzierungen, da sie eine mangelnde Kontrolle oder den Verlust der unternehmerischen Unabhängigkeit fürchten.
Diese Instrumente werden als Ergänzung zum klassischen Kredit identifiziert, wobei Leasing bereits eine hohe Verbreitung findet, während Factoring trotz seiner Vorteile in Bezug auf Liquiditätssicherung noch unter mangelnder Bekanntheit leidet.
Die Kreditinstitute zeigen sich durchweg optimistischer und sehen den Wendepunkt der Krise bereits als erreicht an, während die befragten Unternehmen die zukünftige Erholung deutlich pessimistischer und unentschlossener bewerten.
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