Bachelorarbeit, 2012
72 Seiten, Note: 8,0
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht den Reformbedarf im Bereich der Hauptschulen in Deutschland vor dem Hintergrund der Bildungsgerechtigkeit. Sie stellt die zentrale Forschungsfrage, ob nach der Theorie Ronald Dworkins mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem verwirklicht werden kann, insbesondere im Hinblick auf die Hauptschule als einen Schultyp mit spezifischen Herausforderungen.
2.1 Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit
Gerechtigkeit kann, wie schon oben erwähnt, unterschiedlich interpretiert werden. Ronald Dworkins Theorie zur Gerechtigkeit bezieht sich auf eine politische und ökonomische Ebene; dabei stehen die Wohlergehensgleichheit und die Ressourcengleichheit im Vordergrund (vgl. Dworkin 2000, S.82). Hierbei werden am Anfang seines Buches „Was ist Gleichheit“ die Zwei Theorien von Gleichheit, die er als Chancengleichheit sieht, definiert (vgl. Dworkin 2000, S.7-8).
Die erste Theorie Dworkins - die Wohlergehensgleichheit - sieht vor, dass Menschen erst dann gleich behandelt werden, wenn das Verteilungssystem die Ressourcen so verteilt, dass das Niveau des Wohlergehens jedes einzelnen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wird (vgl. Dworkin 2000, S.8).
Die zweite Theorie - unter dem Begriff „Ressourcengleichheit“ bekannt – beschreibt das gleiche Prinzip wie die der Theorie der Wohlergehensgleichheit, nur, dass dabei der Anteil an Ressourcen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wird (vgl. Dworkin 2000, S.8). Hierbei ist zu erwähnen das Dworkin seine Theorie selbst kritisiert: „Beide Theorien sind so, wie ich sie gerade dargestellt habe, sehr abstrakt, da, wie wir noch sehen werden, es viele Interpretationen davon gibt, was Wohlergehen bedeutet, und auch verschiedene Theorien darüber, was als Ressourcengleichheit gelten kann“ (Dworkin 2000, S.8)
Die Implikationen von den beiden Begriffen Wohlergehen und Ressourcen werden nun im folgenden Teil im Sinne Dworkins erläutert. Es wird darauf zu achten sein welche der Ansätze Dworkins bei der bevorstehenden Betrachtung des Bildungssystems zur Anwendung kommen können.
Wohlergehensgleichheit: Das Konzept der Wohlergehensgleichheit wird von Dworkin mit zwei verschiedenen Ansätzen angegangen: Erstens „die Erfolgstheorien des Wohlergehens; und zweitens - „die Bewusstseinstheorie“ (vgl. Dworkin 2000, S.14-16). Bei der ersten Gruppe, geht es um das Wohlergehen einer Person, das davon abhängt inwiefern die individuellen Präferenzen, Ziele und Ambitionen erreicht werden. Da aber jeder Mensch unterschiedliche Präferenzen hat, gibt es jeweils unterschiedliche Erfolgsgleichheiten. Präferenzen bezieht Dworkin auf die Verteilung von Gütern, Ressourcen und Chancen innerhalb der Gemeinschaft (vgl. Dworkin 2000, S.14ff).
Präferenzen unterteilt er in drei Versionen, nämlich in die politischen, die unpersönlichen und die persönlichen Präferenzen: Die erste wären die politischen Präferenzen, die eine Art von formalen politischen Theorien sind, welche vorsieht, dass die Güter nach Verdienst und Leistung verteilt werden sollen. Bei den unpersönlichen Präferenzen beziehen sich die persönlichen Situationen und Lage auf andere „Dinge“ (Dworkin 2000, S.15) als ihr eigenes Leben und deren andere. Hierzu erwähnt Dworkin eine Bespiel: „Einige Menschen interessieren sich ungemein für den Fortschritt der Wissenschaft, obwohl es nicht sie selbst sein werden [...], die diesen Fortschritt hervorbringen werden, während andere sich ebenso stark für den Erhalt gewisser Arten von Schönheit einsetzten, die sie selbst nie zu Gesicht bekommen werden“ (Dworkin 2000, S.15)
Kapitel 1: Das Bildungssystem in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, die unterschiedlichen Stufen und die Bildungsziele des deutschen Schulsystems und hebt die föderalistische Prägung hervor.
Kapitel 2: Ausgewählte Theorien der Bildungsgerechtigkeit: Hier werden verschiedene Gerechtigkeitsformen vorgestellt, wobei ein besonderer Fokus auf Ronald Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit mit den Konzepten der Wohlergehensgleichheit und Ressourcengleichheit liegt.
Kapitel 3: Internationale Vergleiche: Das Kapitel untersucht die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien wie PISA und stellt das schwedische Bildungssystem als ein mögliches Vorbild für mehr Bildungsgerechtigkeit dar.
Kapitel 4: Spezifika des Bildungssystems in Deutschland – am Beispiel der Hauptschule: Es werden die Theorie, Legitimation und die Realität der Hauptschulen beleuchtet sowie das Konzept der „attraktiven“ Hauptschulen untersucht.
Kapitel 5: Alternative Schulformen und ihre Beurteilung: In diesem Kapitel werden die Konzepte von Gesamtschulen (integriert und kooperativ), erweiterte Bildungsangebote und Vorschläge aus der Bildungsökonomik als alternative Schulformen bewertet.
Kapitel 6: Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, bezieht sie auf Dworkins Theorie und formuliert umfassende Reformvorschläge für die Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem.
Bildungsgerechtigkeit, Bildungssystem, Hauptschulen, Reformbedarf, Deutschland, Ronald Dworkin, Chancengleichheit, Wohlergehensgleichheit, Ressourcengleichheit, PISA-Studie, Schwedisches Bildungssystem, Gesamtschulen, Bildungsökonomie, Schulreform, Bildungsziele.
Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit im deutschen Bildungssystem, insbesondere dem Reformbedarf im Bereich der Hauptschulen. Es wird untersucht, inwiefern Chancengleichheit gemäß der Theorie Ronald Dworkins erreicht werden kann.
Zentrale Themenfelder sind das deutsche Bildungssystem und seine Geschichte, Theorien der Bildungsgerechtigkeit (insbesondere Dworkins Ansatz), internationale Vergleiche (z.B. PISA-Studien und das schwedische System) sowie die Analyse von Hauptschulen und alternativen Schulformen.
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob nach der Theorie Ronald Dworkins mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem verwirklicht werden kann, insbesondere im Hinblick auf den Reformbedarf der Hauptschulen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Gerechtigkeitskonzepten, einer vergleichenden Studie verschiedener Bildungssysteme und einer Analyse bestehender Forschungsergebnisse und Berichte.
Der Hauptteil behandelt die Struktur und Ziele des deutschen Bildungssystems, ausgewählte Theorien der Bildungsgerechtigkeit, internationale Bildungsvergleiche, die Spezifika der Hauptschule sowie alternative Schulformen und darauf aufbauende Reformvorschläge.
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Dworkins Theorie der Chancengerechtigkeit, insbesondere seine Konzepte der Wohlergehensgleichheit und Ressourcengleichheit, dienen als theoretischer Rahmen, um die Gerechtigkeit der Ressourcenverteilung und der individuellen Förderchancen im deutschen Bildungssystem zu bewerten.
Die PISA-Studien haben maßgeblich den "PISA-Schock" ausgelöst und offengelegt, dass das deutsche Bildungssystem Defizite in Bezug auf Chancengleichheit und die Leistungen von Schülern aus sozioökonomisch benachteiligten Schichten aufweist, was zu intensiven Reformdiskussionen führte.
Das schwedische Bildungssystem wird als Vorbild genannt, weil es ein flexibles, unselektives System ist, das Selektionsprozesse erst nach dem neunten Schuljahr stattfinden lässt und sich auf frühzeitige individuelle Fördermaßnahmen konzentriert, um Chancengleichheit zu garantieren.
Die Hauptschule wird kritisch betrachtet, da sie historisch als „Schule des gesamten Volkes“ konzipiert, aber faktisch zu einer schichtenspezifischen „Sackgasse“ wurde, die Lerninhalte reduzierte und Schwierigkeiten hatte, höhere Bildungswege zu ebnen, was ihrer Attraktivität und Legitimation schadete.
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