Bachelorarbeit, 2025
52 Seiten, Note: 1,0
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen einem unsicheren Aufenthaltsstatus und dem psychosozialen Wohlbefinden bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie wirkt sich ein unsicherer Aufenthaltsstatus auf das psychosoziale Wohlbefinden bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus und wie kann Soziale Arbeit sich dazu traumasensibel verhalten?" Das übergeordnete Ziel ist es, fundierte Erkenntnisse über die Auswirkungen struktureller Unsicherheit auf traumatisierte Menschen zu gewinnen und daraus praxisnahe Impulse für die Soziale Arbeit abzuleiten, wobei Trauma als Symptom gesellschaftlicher Störungen verstanden wird.
2.4. Strukturelle Gewalt im Sinne Johan Galtungs
Das Konzept der strukturellen Gewalt, erstmals 1969 von Johan Galtung geprägt, stellt eine funda-mentale Erweiterung des Verständnisses von Gewalt dar, die über direkte physische Handlungen hinausgeht (Braun, 2021, S. 6). Galtung definierte Gewalt nicht nur als sichtbare, unmittelbare Schä-digung, sondern auch als jene vermeidbare Beeinträchtigung menschlicher Entfaltung, die aus der sozialen Struktur selbst resultiert (Braun, 2021, S. 10, 11). Sein umfassender Ansatz zielte darauf ab, die theoretisch signifikanten Dimensionen von Gewalt aufzuzeigen und gleichzeitig eine Basis für konkretes Handeln zur Schaffung von Frieden zu legen (Braun, 2021, S. 11).
Im Gegensatz zur personalen, also der direkten Gewalt, die an sichtbare Akteur:innen gebunden ist und manifest wirkt, ist strukturelle Gewalt systemimmanent und indirekt (Braun, 2021, S. 14). Sie bedarf keiner expliziten Täter:innen, die direkten Schaden zufügen, sondern äußert sich in unglei-chen Machtverhältnissen und Lebenschancen. Diese Form der Gewalt wirkt unterschwellig und ist oft unsichtbar, da die klare Subjekt-Objekt-Beziehung, wie sie bei direkter Gewalt vorliegt, fehlt
Galtung identifizierte in seiner Theorie verschiedene Formen struktureller Gewalt, die die Selbstent-faltung von Individuen einschränkt (Galtung, 1998, S. 347). Dazu gehören Ausbeutung, bei der be-stimmte Gruppen (Topdogs) auf Kosten anderer (Underdogs) unverhältnismäßig profitieren und ihnen grundlegende Bedürfnisse entzogen werden. Ergänzt wird dies durch Marginalisierung, die Menschen an den Rand der Gesellschaft drängt und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt, sowie Frag-mentierung, die eine Organisierung gegen Ausbeutung und Unterdrückung verhindert. Diese Me-chanismen sind darauf ausgelegt, Bewusstseinsbildung und Mobilisierung zu unterbinden, welche für den Kampf gegen strukturelle Ungerechtigkeit jedoch notwendig wären (Galtung, 2021, S. 172, 173).
Kapitel 1 (Einleitung): Dieses Kapitel führt in das Thema ein, beleuchtet die Problemstellung und Relevanz der strukturellen Unsicherheit für Geflüchtete im Kontext der Sozialen Arbeit und formuliert die zentrale Forschungsfrage und Zielsetzung der Arbeit.
Kapitel 2 (Flucht, Asyl und psychische Gesundheit – Eine Annäherung): Hier werden die theoretischen Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), der rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für Geflüchtete, Judith Hermans Stufenmodell der Traumatherapie und Johan Galtungs Konzept der strukturellen Gewalt detailliert dargelegt.
Kapitel 3 (Methodisches Vorgehen und Literaturarbeit): Das Kapitel beschreibt die systematische Literaturanalyse als Forschungsmethode, erläutert die Suchstrategie und Auswahlkriterien der Literatur sowie die Grenzen und Reflexionen des methodischen Vorgehens.
Kapitel 4 (Erkenntnisse aus der Literaturanalyse): Dieses Kapitel präsentiert die zentralen Ergebnisse der systematischen Literaturanalyse, insbesondere die Auswirkungen rechtlicher Unsicherheit auf das seelische Wohlbefinden, strukturelle Gewalt als Heilungshindernis, sowie Ressourcen und professionelle Herausforderungen in der traumasensiblen Sozialen Arbeit.
Kapitel 5 (Diskussion): Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs diskutiert, ihre Bedeutung im Kontext von Flucht und Trauma gedeutet, politische Implikationen abgeleitet und eine kritische Selbstreflexion vorgenommen.
Kapitel 6 (Fazit): Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, formuliert konkrete Konsequenzen für die Praxis der Sozialen Arbeit und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsdesiderate.
Trauma, Geflüchtete, Asylsystem, Strukturelle Gewalt, Soziale Arbeit, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), psychosoziales Wohlbefinden, Aufenthaltsstatus, Traumatherapie, Migration, Diskriminierung, Heilungsprozess, Prävention, Resilienz, Interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Die Arbeit analysiert den komplexen Zusammenhang zwischen struktureller Unsicherheit im Asylsystem und den psychosozialen Folgen für geflüchtete Menschen, insbesondere im Hinblick auf Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS).
Die zentralen Themenfelder sind die psychische Gesundheit von Geflüchteten, die Auswirkungen eines unsicheren Aufenthaltsstatus, das Konzept der strukturellen Gewalt nach Galtung, das Stufenmodell der Traumatherapie nach Herman und traumasensible Handlungsansätze in der Sozialen Arbeit.
Das primäre Ziel ist es, fundierte Erkenntnisse über die Auswirkungen struktureller Unsicherheit auf traumatisierte Menschen zu gewinnen und praxisnahe Impulse für die Soziale Arbeit abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Wie wirkt sich ein unsicherer Aufenthaltsstatus auf das psychosoziale Wohlbefinden bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus und wie kann Soziale Arbeit sich dazu traumasensibel verhalten?"
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturanalyse (Systematic Literature Review – SLR), um bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln, zu bewerten und zu synthetisieren.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen von Flucht, Asyl und psychischer Gesundheit, einschließlich PTBS, dem Stufenmodell der Traumatherapie und struktureller Gewalt. Weiterhin werden die Erkenntnisse aus der Literaturanalyse zur Wirkung rechtlicher Unsicherheit und traumasensiblen Ansätzen präsentiert.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Trauma, Geflüchtete, Asylsystem, Strukturelle Gewalt, Soziale Arbeit, PTBS und psychosoziales Wohlbefinden.
Das Asylsystem kann durch bürokratische Hürden, eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung und die ständige Bedrohung durch Abschiebung als eine Form struktureller Gewalt wirken, die Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten von Geflüchteten kontinuierlich einschränkt und ihre psychische Gesundheit erheblich belastet.
Das Stufenmodell von Judith Herman dient als theoretischer Rahmen, um Heilungsprozesse bei traumatisierten Menschen zu verstehen. Die Analyse zeigt, dass strukturelle Unsicherheit die für die erste Phase der Traumatherapie (Sicherheit und Stabilisierung) notwendigen Voraussetzungen untergräbt.
Traumasensible Soziale Arbeit muss über individuelle Interventionen hinausgehen, da Trauma nicht nur ein individuelles, sondern auch ein strukturelles Problem darstellt. Sie erfordert, dass strukturelle Gegebenheiten mitgedacht und kritisch hinterfragt werden, um nachhaltige Stabilisierung und Heilung zu ermöglichen.
Fachkräfte sind einem hohen Risiko sekundärer Traumatisierung ausgesetzt und müssen innerhalb restriktiver staatlicher Systeme agieren. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen einem helfenden Berufsethos und der Notwendigkeit, strukturelle Barrieren anzusprechen und zu überwinden, die die Versorgung erschweren.
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