Bachelorarbeit, 2009
53 Seiten, Note: 1.5
1 Einleitung
2 Historischer Hintergrund
2.1 Old Finance
2.2 Modern Finance
2.2.1 Portfoliotheorie von Markowitz
2.2.2 Die Tobin-Separation und die Kapitalmarktlinie
2.2.3 Das Capital Asset Pricing Model (CAPM)
2.2.4 Die Markteffizienzhypothese
2.2.5 Random Walk
2.3 Paradigmawechsel und Grundlagen der Behavioral Finance
3 Heuristiken der Individualebene
3.1 Heuristiken der Informationswahrnehmung
3.1.1 Vereinfachung
3.1.2 Mental Accounting
3.1.3 Verfügbarkeitsheuristik
3.1.4 Vernachlässigung von Informationen
3.1.4.1 Selektive Wahrnehmung
3.1.4.2 Kontrast-Effekt
3.1.4.3 Framing
3.2 Urteilsheuristiken
3.2.1 Verankerungsheuristik
3.2.2 Repräsentativitätsheuristik
3.2.2.1 Überschätzen von Wahrscheinlichkeiten
3.2.2.2 Überschätzen empirischer und kausaler Zusammenhänge
3.2.2.3 Inexistente Zusammenhänge
3.3 Relative Bewertung von Ergebnissen
3.3.1 Prospect Theorie
3.3.2 Weitere Effekte
3.4 Harmoniebedürfnis und die Theorie der kognitiven Dissonanz
3.4.1 Verlustaversion
3.4.2 Regretaversion
3.5 Kontrollbedürfnis und -illusion
4 Anomalien der Marktebene
4.1 Trends
4.1.1 Über- und Unterreaktion
4.1.2 Herdenverhalten und Bubbles
4.2 Saisonalitäten
4.2.1 Wochenend-Effekt
4.2.2 Feiertags-Effekt
4.2.3 Monatesend-Effekt
4.2.4 Januareffekt
4.2.5 Jahresend-Effekt
4.3 Technische Analysen
4.3.1 Unterstützungs- und Widerstandslinien
4.3.2 Gleitender Durchschnitt
4.3.3 Trendlinien
5 Empfehlungen für den Investor
5.1 Fundierte Analysen mit längeren Evaluationsphasen
5.2 Definition von Zielen
5.3 Umgang mit Overconfidence
5.4 Ausnutzen von Trends und Saisonalitäten
6 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Grenzen der klassischen Kapitalmarkttheorie und zeigt auf, wie die Behavioral Finance als ergänzender Ansatz zum Verständnis des Marktgeschehens beitragen kann. Das primäre Ziel ist es, psychologische Phänomene und deren Einfluss auf das rationale Handeln von Investoren zu analysieren und praktische Empfehlungen für eine fundiertere Investitionsentscheidung abzuleiten.
3.1.2 Mental Accounting
Die Komplexität einer Entscheidung kann auch auf eine andere Weise reduziert werden. Neben der Vereinfachung besteht auch die Möglichkeit, potenzielle Abhängigkeiten zwischen einzelnen Engagements und Projekten zu vernachlässigen. In diesem Zusammenhang ist nach Tversky & Kahneman (1981) der Begriff „mental account“ entstanden. Ihrer Ansicht nach führen Menschen für jegliches Vorhaben verschiedene mentale Konti. Der Mensch ist indes nicht fähig, sich auf mehr als ein Konto zu konzentrieren und ignoriert die Korrelation zwischen den verschiedenen Konti. Ein gutes Beispiel von geistigen Konti bringen Tversky und Kahneman (1981) mit der Eintrittskarte für ein Konzert:
Situation A: Sie haben eine Eintrittskarte für eine Opernvorführung zum Preis von Fr. 250 erworben. Kurz vor dem Opernhaus bemerken Sie, dass Sie Ihre Karte verloren haben. An der Abendkasse gibt es noch Karten derselben Preiskategorie. Kaufen Sie nun eine neue Karte?
Situation B: Sie haben sich an der Abendkasse eine Eintrittskarte für die Opernvorführung im Wert von Fr. 250 reservieren lassen. Dort angekommen, stellen Sie fest, dass Sie Fr. 250 aus Ihrem Portemonnaie verloren haben. Kaufen Sie die hinterlegte Karte unter der Annahme, dass Sie noch genügend Geld dabei haben?
Aus rein ökonomischer Sicht macht es keinen Unterschied, ob die Eintrittskarte nun verloren ging oder der Geldbetrag in gleicher Höhe. Fakt ist, dass noch einmal Ausgaben von Fr. 250 getätigt werden müssen, um in den Genuss der Opernvorstellung zu kommen. Der Eintritt in die Oper kostet bei beiden Situationen schlussendlich Fr. 500. Interessant ist das Ergebnis empirischer Untersuchungen von Tversky und Kahneman (1981): Die Mehrheit der Befragten hätte beim Verlust der Eintrittskarte auf einen Opernbesuch verzichtet (gleiches mentales Konto) und beim Verlust des Geldbetrages aus dem Portemonnaie (anderes mentales Konto) den zuvor reservierten Operneintritt eingelöst.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Behavioral Finance ein und stellt die Prämisse auf, dass klassische makroökonomische Modelle das Marktgeschehen, insbesondere in Krisenzeiten, nur unvollständig erklären können.
2 Historischer Hintergrund: Es wird die Entwicklung der Kapitalmarkttheorie von der "Old Finance" über die "Modern Finance" (u.a. Markowitz, CAPM, Markteffizienz) bis hin zum Paradigmenwechsel zur Verhaltensökonomie nachgezeichnet.
3 Heuristiken der Individualebene: Dieses Kapitel analysiert systematische Fehler und psychologische Mechanismen bei der Informationswahrnehmung und Entscheidungsfindung, wie etwa Mental Accounting oder die Prospect Theorie.
4 Anomalien der Marktebene: Aufbauend auf individuellen Fehlern werden systematische Abweichungen am Gesamtmarkt, wie Trends, Saisonalitäten und technische Marktphänomene, beleuchtet.
5 Empfehlungen für den Investor: Basierend auf den theoretischen Erkenntnissen werden konkrete Handlungsanweisungen für Anleger formuliert, um psychologische Fallstricke zu vermeiden und Anlageziele besser zu steuern.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Bedeutung der Behavioral Finance als Ergänzung zur bestehenden Kapitalmarkttheorie und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Behavioral Finance, Verhaltensökonomie, Markteffizienzhypothese, Heuristiken, Prospect Theorie, Verlustaversion, Kapitalmarkttheorie, Portfoliotheorie, Saisonalitäten, Technische Analyse, Anlegerpsychologie, Entscheidungsfindung, Marktanomalien, Overconfidence, Mental Accounting.
Die Arbeit befasst sich mit der Behavioral Finance (Verhaltensökonomie) und deren Rolle als Ergänzung zur klassischen Kapitalmarkttheorie, um Markterscheinungen besser zu erklären.
Zu den zentralen Themen gehören die psychologischen Einflüsse auf Investoren, die Analyse von Marktanomalien sowie Methoden, um irrationale Entscheidungsmuster beim Investieren zu minimieren.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie psychologische Faktoren – wie Heuristiken und kognitive Dissonanz – das Verhalten von Marktteilnehmern beeinflussen und wie Anleger dieses Wissen für fundiertere Entscheidungen nutzen können.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Theorieanalyse bestehender finanzwissenschaftlicher Modelle und verhaltensökonomischer Forschungsergebnisse.
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Heuristiken auf Individualebene, beleuchtet Anomalien auf Marktebene und leitet daraus konkrete Empfehlungen für die Investitionspraxis ab.
Kernbegriffe sind Behavioral Finance, Heuristiken, Prospect Theorie, Markteffizienz, Anlegerpsychologie und Verlustaversion.
Anleger können durch das Wissen über eigene psychologische Schwachstellen – wie den Dispositionseffekt oder Overconfidence – rationalere Entscheidungen treffen, zum Beispiel durch längere Evaluationsphasen oder den gezielten Einsatz von Stop-Loss-Aufträgen.
Es wird beschrieben als Tendenz von Menschen, verschiedene mentale Konten für unterschiedliche Vorhaben zu führen, wodurch sie die Korrelation zwischen Engagements ignorieren und potenzielle Chancen oder Risiken falsch bewerten.
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