Bachelorarbeit, 2010
41 Seiten, Note: 1
Einleitung
Definition Splatter
1 Splatter
1.1 Vorläufer und das menschliche Verlangen nach Gewalt
1.2 Vom Monster zum Menschen oder „das Monster Mensch“
1.3 Remember it’s just a movie – der Beginn des Splatters
1.4 Die Nacht der lebenden Toten – Splatter wird zum Mainstreamkino
1.5 Die 70er Jahre
1.6 Die 80er Jahre
1.7 Der Splatterfilm heute
2 Der Zuschauer muss geschützt werden
2.1 Gesetzgebung
2.2 Kontrollinstutitionen
2.2.1 FSK – Freiwillige Selbstkontrolle
2.2.2 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften
2.2.3 Staatsanwaltschaft und Gerichte
2.3 The Evil Dead – Ein Fallbeispiel
3 Theorien zur Wirkung von Gewaltdarstellungen
3.1 Die Katharsisthese
3.2 Die Inhibibationsthese
3.3 Kognitive Unterstützungsthese
3.4 Die These von der Wirkungslosigkeit
3.5 Die Lerntheorie
3.6 Stimulationsthese
3.7 Habitualisierungsthese
3.8 Suggestionsthese
Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das umstrittene Genre des Splatterfilms, seine historische Entwicklung von den Anfängen bis zur modernen Ästhetik sowie die damit einhergehende öffentliche und rechtliche Debatte in Deutschland. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie sich das Genre entwickelte, welche Mechanismen der staatlichen Kontrolle angewandt werden und wie die gezeigte Gewalt auf die Rezipienten wirken könnte.
1.3 Remember, it’s just a movie – Der Beginn des Splatters
Drei Jahre später, 1963 erscheint der Film Blood Feast von Regisseur Herschell Gordon Lewis. Lewis hatte sich in den Jahren zuvor an damals äußerst beliebten Sexfilmchen versucht. Da es ihm aber immer mehr Regisseurinnen und Regisseure gleichtaten, wurde der kurzfristig äußerst lukrative Markt dieser Filme (da mit minimalen Produktionskosten verbunden) bald schon mit massenhaft Produktionen überschwemmt. Lewis suchte eine neue Möglichkeit um mit Filmen mit vergleichsweise geringen Drehkosten Gewinn zu machen und entschied sich alsbald für den Dreh eines Horrorfilms. Der obligatorische Hinweis in späteren Filmtrailern von Lewis „Remember, it’s just a movie“ und die Aufforderung an Menschen mit Herzproblemen und an Schwangere, den Kinosaal besser zu verlassen, hätte auch bei dem daraus entstandenen Werk Blood Feast absolut seine Berechtigung. Lewis Filme verdeutlichen eine Tendenz des Splatterfilms, die danach oftmals zum Selbstläufer wurde: Gewalt wurde detailliert dargestellt und diente zeitweise immer weniger der narrativen Unterstützung, sondern geriet immer häufiger zum Selbstzweck. (vgl. Höltgen 2005, 21)
Gleich in der ersten Szene des Films beobachtet man eine junge nackte Frau in der Badewanne, die von einer Stimme aus dem Radio noch vor einem Serienmörder gewarnt wird, der danach aber auch schon das Bad betritt und auf die wehrlose Frau einsticht. Die Kamera verfolgt unbewegt aus einer distanzierten Nahaufnahme, nur kurz unterbrochen durch einen Schuss Gegenschuss, wie dem Opfer zuerst ein Auge ausgestochen und danach ein Arm abgeschnitten wird. Die Handlung rund um einen wirren Diener der ägyptischen Göttin Ischtar, die er mit Körperteilen seiner weiblichen Opfer wiederbeleben will, steht ganz klar nicht im Mittelpunkt des Geschehens, vielmehr folgt eine Aneinanderreihung von blutigen Akten, die das Quälen und die anschließende Ermordung der Opfer zeigt. (vgl. Meteling 2006, 71; Lewis 1963)
1 Splatter: Dieses Kapitel arbeitet die historische Entstehung des Genres auf, angefangen bei frühen Vorläufern bis zur Etablierung des Splatterfilms als eigenständiges Genre in den 1960er bis 1980er Jahren.
2 Der Zuschauer muss geschützt werden: Hier wird der rechtliche Umgang mit Splatterfilmen in Deutschland analysiert, unter besonderer Berücksichtigung von Indizierung, FSK und dem Fallbeispiel "The Evil Dead".
3 Theorien zur Wirkung von Gewaltdarstellungen: Das Kapitel bietet eine wertungsfreie Übersicht verschiedener wissenschaftlicher Theorien, die den Zusammenhang zwischen fiktionaler Gewalt im Film und der Wirkung auf den Rezipienten zu erklären versuchen.
Splatterfilm, Horrorfilm, Gewaltdarstellung, Zensur, FSK, Jugendschutz, Indizierung, Wirkungsforschung, Katharsisthese, The Evil Dead, Texas Chainsaw Massacre, Filmgeschichte, Medienwirkung, Strafgesetzbuch, § 131 StGB
Die Arbeit analysiert das Splatter-Genre, dessen historische Entwicklung sowie die gesellschaftliche und rechtliche Auseinandersetzung mit der darin enthaltenen expliziten Gewalt am Beispiel Deutschlands.
Zu den Schwerpunkten zählen die Filmgeschichte des Splatters, die Rolle von Kontrollinstanzen wie der FSK und BPjS sowie die wissenschaftliche Debatte um die Wirkung von Medien auf den Menschen.
Ziel ist es, das vorurteilbehaftete Genre sachlich aufzuarbeiten, die öffentliche Handhabung zu beleuchten und eine Übersicht über Wirkungstheorien zu liefern, ohne dabei die Fiktion vorschnell für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen.
Der Verfasser wendet eine historische Aufarbeitung des Genres sowie eine juristische Analyse der Handhabung durch deutsche Behörden an und setzt sich wertungsfrei mit medienwissenschaftlichen Wirkungstheorien auseinander.
Der Hauptteil gliedert sich in die Genregeschichte, die rechtliche Analyse der Medienkontrolle in Deutschland sowie die Darstellung und kritische Einordnung verschiedener Wirkungstheorien von Gewaltdarstellungen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Splatterfilm, Zensur, Jugendmedienschutz, Wirkungstheorien und Filmgeschichte definieren.
Der Film dient als Paradebeispiel für die jahrelange juristische Auseinandersetzung um Indizierung und Beschlagnahmung in Deutschland, bis hin zu einem weitreichenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts.
Obwohl Art. 5 GG Zensur verbietet, erlauben gesetzliche Schranken zum Jugendschutz und zur Wahrung der Menschenwürde Eingriffe, die in der Praxis oft als zensurähnlich wahrgenommen werden.
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