Magisterarbeit, 2002
98 Seiten, Note: 1
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1) Einführung
2) Die frühen Berliner Flughäfen neben Tempelhof
2.1) Die Fliegerschule auf dem Truppenübungsplatz Döberitz
2.2) Die Jungfernheide als Vorläufer des heutigen Flughafens Berlin-Tegel
2.3) Der Militärflugplatz Gatow in Spandau
2.4) Der Sportflugplatz in Rangsdorf – Ein Ersatz für Tempelhof?
2.5) Die Luftschiffhäfen in Potsdam und in Staaken
2.6) Der Flugplatz Johannisthal als Wiege des deutschen Motorfluges
3) Das alte Tempelhofer Paradefeld im Zeichen der jungen Fliegerei
3.1) Der `Flughafen Berlin´ auf dem Tempelhofer Feld wird eröffnet
3.2) Erster Ausbau des Zentralflughafens Berlin in Tempelhof
3.3) Flughafen Tempelhof: Das `Luftkreuz Europas´
3.4) Das erste Hauptgebäude auf dem Tempelhofer Flughafen
4) Die NSDAP und erste Planungen für den neuen Flughafen Tempelhof
5) Ernst Sagebiel entwirft und baut den `Kleiderbügel´
6) Der Flughafen Tempelhof als Teil der beabsichtigten Neugestaltung Berlins
7) Der `Weltflughafen´ Tempelhof – Teil eines modernen Nationalsozialismus?
8) Der II. Weltkrieg, die Luftbrücke und der Flughafen Tempelhof
9) Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte und die architektonische sowie politische Bedeutung des Flughafens Berlin-Tempelhof im Kontext der nationalsozialistischen Stadtplanung. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Planung des Neubaus durch Machtansprüche und architektonischen Größenwahn des NS-Regimes beeinflusst wurde und ob das Bauwerk als Teil von Albert Speers Neugestaltungsprogramm für die Reichshauptstadt zur Selbstdarstellung des Regimes diente.
1) Einführung
Noch heute rangiert der 1936 unter der Leitung von Ernst Sagebiel begonnene Gebäudekomplex des Flughafens Berlin-Tempelhof mit über 300.000 m² Bruttogeschossfläche unter den fünf größten Bürobauten der Welt¹. Damit erfüllt er bis in unsere Tage die von den Nationalsozialisten bei der Konzeption geforderte Eigenschaft der Monumentalität und präsentiert sich als das von Hitler erwünschte „Wort aus Stein“².
Auf Grund der Diskussionen um eine mögliche Stilllegung des Tempelhofer Flughafens nach der deutschen Wiedervereinigung, sind in den letzten Jahren zahlreiche Publikationen zur Geschichte des einstigen `Luftkreuzes Europas´ erschienen. Zu den Jüngsten zählen „Vom Fliegerfeld zum Wiesenmeer“ von Philipp Meuser, „Flughafen Tempelhof: Geschichte einer Legende“ von Laurenz Demps und Carl-Ludwig Paeschke sowie „Flughafen Tempelhof“ von Frank Schmitz³. Zudem befindet sich der Flughafen Tempelhof wiederholt innerhalb der Diskussion um einen möglichen Modernisierungsprozess in Deutschland unter dem Naziregime.
1) Einführung: Die Einleitung beleuchtet die monumentale Architektur von Ernst Sagebiel und bettet den Flughafen in den historischen Kontext der NS-Modernisierung und städtebaulichen Machtansprüche ein.
2) Die frühen Berliner Flughäfen neben Tempelhof: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung konkurrierender Flugfelder wie Döberitz, Tegel, Gatow, Rangsdorf, Potsdam, Staaken und Johannisthal vor und nach dem Ersten Weltkrieg.
3) Das alte Tempelhofer Paradefeld im Zeichen der jungen Fliegerei: Es wird die Historie des Tempelhofer Feldes als Paradeplatz sowie die erste zivile Nutzung und Eröffnung des provisorischen Flughafens 1923 analysiert.
4) Die NSDAP und erste Planungen für den neuen Flughafen Tempelhof: Die Übernahme der Planungen durch die NSDAP und die zunehmende Instrumentalisierung des Flughafens als Prestigeprojekt und militärisches Instrument wird hier dargelegt.
5) Ernst Sagebiel entwirft und baut den `Kleiderbügel´: Der Fokus liegt auf der architektonischen Konzeption des neuen Hauptgebäudes durch Ernst Sagebiel, seine Integration in die städtebaulichen Pläne und die innovative logistische Struktur.
6) Der Flughafen Tempelhof als Teil der beabsichtigten Neugestaltung Berlins: Dieses Kapitel verknüpft das Flughafenprojekt mit Hitlers Vision von der Welthauptstadt Germania und der Bedeutung monumentaler Architektur.
7) Der `Weltflughafen´ Tempelhof – Teil eines modernen Nationalsozialismus?: Eine Auseinandersetzung mit der Rolle der NS-Führung bei der Förderung technischer Modernisierung im Spannungsfeld zwischen Ideologie und Fortschrittsglauben.
8) Der II. Weltkrieg, die Luftbrücke und der Flughafen Tempelhof: Die Entwicklung des Flughafens während des Krieges, seine Bedeutung als militärischer Fliegerhorst und seine spätere Funktion während der Berliner Luftbrücke sind zentrale Themen.
9) Schlussbetrachtung: Ein zusammenfassendes Resümee über die facettenreiche Entstehungsgeschichte und die Rolle des Flughafens als Architekturzeugnis und Symbol, das den Krieg überstand.
Flughafen Berlin-Tempelhof, Ernst Sagebiel, Nationalsozialismus, NS-Architektur, Welthauptstadt Germania, Luftkreuz Europas, Berliner Luftbrücke, Luftfahrtgeschichte, Monumentalität, Neue Sachlichkeit, Stadtplanung, Drittes Reich, Flugfeld, Architektur, Repräsentation.
Die Arbeit analysiert die bauliche Entwicklung, die politische Instrumentalisierung und die städtebauliche Bedeutung des Flughafens Berlin-Tempelhof, insbesondere unter dem Einfluss des Nationalsozialismus.
Ernst Sagebiel war der leitende Architekt des 1936 begonnenen Neubaus, der als „Kleiderbügel“ bekannt wurde. Er setzte Hitlers Anforderungen an Monumentalität und Funktionalität in einem richtungsweisenden Flughafen-Design um.
Der Flughafen sollte nicht nur den wachsenden Luftverkehr bewältigen, sondern als prestigeträchtiger Monumentalbau die "Weltgeltung" des Deutschen Reiches und Hitlers Vision einer "Welthauptstadt" symbolisieren.
Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung, die auf einer umfassenden Analyse von Primärquellen, Archivunterlagen (z.B. Bundesarchiv), zeitgenössischer Architekturkritik und wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Der Hauptteil erstreckt sich von der frühen Luftfahrtgeschichte in Berlin über die Standortvorteile von Tempelhof gegenüber Konkurrenten wie Gatow oder Johannisthal bis hin zur nationalsozialistischen Ausbauphase und der militärischen Nutzung während des Zweiten Weltkriegs.
Obwohl als nationalsozialistisches Bauwerk geplant, diente er 1948/49 als zentraler Dreh- und Angelpunkt der Berliner Luftbrücke und wurde so zum weltbekannten Symbol der Freiheit.
Ja, in der Frühphase konkurrierten Standorte wie Staaken, Johannisthal und Rangsdorf um den Titel des Zentralflughafens, konnten sich jedoch aufgrund der zentralen Lage Tempelhofs innerhalb der Stadt nicht durchsetzen.
Sie dienten der propagandistischen Inszenierung des Regimes und sollten Massenmengen auf das Flughafengelände locken, um die Bedeutung der nationalsozialistischen Luftmacht zu demonstrieren.
Frühere Entwürfe wurden verworfen, weil sie entweder den funktionalen Anforderungen nicht genügten, zu konventionell waren oder keine ausreichende repräsentative Monumentalität im Sinne des NS-Regimes ausstrahlten.
Die Bestimmungen des Versailler Vertrages verboten zunächst den Bau militärischer Flugzeuge und Luftstreitkräfte, was die zivile Luftfahrt in Deutschland forderte und zur frühen Entwicklung ziviler Verkehrsknotenpunkte beitrug.
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