Masterarbeit, 2021
84 Seiten, Note: 1,0
Diese Arbeit analysiert den „Streit um Differenz“ in der feministischen Theorie aus der Perspektive der Kritischen Theorie, indem sie dessen Ideengeschichte und die Entstehung der Diskussion um Intersektionalität rekonstruiert. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie die Kritische Theorie als Dreh- und Angelpunkt in diesem Diskurs innerhalb der feministischen Theorie gedient hat und dies immer noch tut – im Dialog mit poststrukturalistischen über intersektionalen bis hin zu marxistischen Denkrichtungen, und wie sich ihr Verhältnis zur Postmoderne gestaltet.
3.3. Der Streit um Differenz: Feministische Identitätslogiken zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus
Ab Ende der achtziger Jahre, spätestens Anfang der neunziger Jahre vollzieht sich nach der linguistische Wende in den Geisteswissenschaften auch ein cultural turn. Dieser Bruch schlägt sich auch in der feministischen Theorie nieder: Postmoderne und poststrukturalistische Theorien befeuern Debatten über Identität und Differenz, auch und vor allem im Zusammenhang mit Geschlechterthematiken.
Geschlechterverhältnisse rückten ab etwa Mitte der achtziger Jahre mehr und mehr ins Blickfeld feministischer Forschung. Die Perspektive blieb zunächst eine eher frauenforschende, allerdings wurde Geschlecht nun mehrheitlich als historische oder soziale Kategorie beziehungsweise Strukturkategorie angesehen und sich endgültig von rein essentialistischen Vorstellungen gelöst. Theoretiker:innen, die sich in der Tradition der älteren Kritischen Theorie begreifen, vertreten diese Annahmen da schon länger. Bestehende Unterschiede zwischen Männern und Frauen – also die Beschaffenheit des Geschlechterverhältnisses – werden von der feministischen Theorie nun gleichzeitig als Grundlage als auch Folge der Zuweisung von bestimmten Aufgaben und der Zuschreibung von Eigenschaften erkannt (vgl. Maihofer 2006: 66 ff.). Mit Beginn der neunziger Jahre ist die Verschiebung der Frauen- hin zur Geschlechterforschung weit vorangeschritten, da nun beide beziehungsweise alle Geschlechter Forschungsgegenstand sind, und somit auch die Kategorie Geschlecht an sich. Damit einhergehend betrachtet die feministische Theorie die Kritische Theorie nun zunehmend als produktiv für deren Zwecke. Die zunächst dominierende Kritik an der Darstellung von Frauen in der Kritischen Theorie wird abgelöst von einer anerkennenden Sicht auf die Analyse von Funktionsweisen (männlicher) Herrschaft (vgl. Umrath 2019: 55 f.).
Im Sammelband TraditionenBrüche, herausgegeben von Knapp und Wetterer im Jahr 1992, ist zwar noch die Rede von der Frauenforschung. Dass sich ein zentraler Paradigmenwechsel innerhalb der feministischen Theorie abzeichnet, lässt nicht nur der Titel vermuten. Auch in der Einleitung schreiben die Herausgeberinnen von einer Verschiebung des Diskurses im Kontext der Moderne/ Postmoderne-Diskussion sowie des Zusammenpralls von historisch-materialistischen und poststrukturalistischen Strömungen (vgl. Knapp und Wetterer 1992: 12). Während die feministische Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie im deutschsprachigen Raum stärker strukturtheoretisch und durch marxistische Einschläge geprägt ist, sowie vor allem die Schriften der Gründergeneration der Frankfurter Schule in den Blick nimmt, bilden in der angloamerikanischen Debatte Habermas' Schriften einen zentralen Bezugspunkt, beispielsweise bei Seyla Benhabib und Nancy Fraser. Das Erscheinen von Judith Butlers Das Unbehagen der Geschlechter im Jahr 1991 und die darin vorgenommene radikale De-Essentialisierung von Geschlecht liefert einen entscheidenden Anstoß für eine neue Fragestellung: Wie stehen Feminismus und Postmoderne zueinander? Im Spannungsfeld von Fragen politischer Partizipation und Identitätspolitik in Zeiten von Globalisierung und Poststrukturalismus entspinnen sich mitunter leidenschaftliche Debatten rund um Konstellationen von Identität und Differenz auch, aber nicht allein bezogen auf die Kategorie Geschlecht.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um „Identitätspolitik“ und den „Streit um Differenz“ in der feministischen Theorie ein und skizziert die Rolle der Kritischen Theorie und des Poststrukturalismus in dieser Entwicklung.
2. Identität und Geschlecht in Kritischer und feministischer Theorie: Grundbegriffe und Methoden: Hier wird der Forschungsstand zur feministischen Rezeption der Kritischen Theorie bezüglich Identität und Differenz beleuchtet und die theoretischen Grundlagen des Diskurses sowie das methodische Vorgehen der Diskursanalyse erläutert.
2.1. Forschungsstand: Dieses Unterkapitel gibt einen Überblick über die bestehende Forschung zur feministischen Weiterentwicklung der Kritischen Theorie im Spannungsfeld von Identität und Differenz.
2.2. Kritische Theorie, feministische Theorie, Postmoderne: Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Konzepte und Theorien wie die Kritische Theorie, feministische Theorie, Postmoderne und Poststrukturalismus, und diskutiert die Begriffe Identität und Differenz in verschiedenen Kontexten.
2.3. Methodisches Vorgehen: Hier wird die verwendete Methode der Kritischen Diskursanalyse nach Foucault zur empirischen Untersuchung des Debattenverlaufs vorgestellt, die ein qualitativ rekonstruktives Vorgehen beinhaltet.
3. Diskursanalyse feministischer Anschlüsse an die Kritische Theorie im Spannungsfeld von Identität und Differenz: Dieses Hauptkapitel untersucht die theoriegeschichtlichen Entwicklungen feministischer Anschlüsse an die Kritische Theorie, unterteilt in vier Phasen, die sich auf Identität und Differenz beziehen.
3.1. Männliche Perspektiven: Geschlecht, Identität und Differenz in der älteren und jüngeren Kritischen Theorie der Frankfurter Schule: Hier wird analysiert, an welchen Stellen Geschlecht, Identität und Differenz in den Primärtexten der älteren und jüngeren Kritischen Theorie der Frankfurter Schule thematisiert werden.
3.2. Leerstellen: Frühe feministische Anschlüsse an die Kritische Theorie: Dieses Unterkapitel beleuchtet die frühe feministische Rezeption und Kritik der Kritischen Theorie, insbesondere im Hinblick auf deren androzentrische Perspektiven und das Aufgreifen von Konzepten wie der Dialektik der Aufklärung.
3.3. Der Streit um Differenz: Feministische Identitätslogiken zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus: Das Kapitel behandelt den zentralen „Streit um Differenz“, der ab den neunziger Jahren durch den Zusammenprall von Kritischer Theorie und Postmoderner Theorie in Bezug auf Geschlechterthematiken entbrannte.
3.4. Achsen der Ungleichheit: Intersektionalität als Überwindung der Widersprüche?: Dieses Kapitel untersucht die Entstehung und Entwicklung intersektionaler Ansätze ab dem neuen Jahrtausend als Versuch, das Dilemma von Gleichheit und Differenz zu überwinden, und diskutiert deren Rezeption in der feministischen Kritischen Theorie.
4. Fazit und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Wechselwirkung von feministischer und Kritischer Theorie zusammen und beleuchtet die anhaltende Relevanz der Kritischen Theorie sowie zukünftige Reibungspunkte in identitätspolitischen Debatten.
Feminismus, Kritische Theorie, Identität, Differenz, Postmoderne, Poststrukturalismus, Intersektionalität, Geschlecht, Geschlechterverhältnisse, Emanzipation, Diskursanalyse, Frankfurter Schule, Patriarchat, Neomarxismus, Sozialkritik.
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse des „Streits um Differenz“ in der feministischen Theorie, indem sie die historische Entwicklung dieses Diskurses und die Rolle der Kritischen Theorie und des Poststrukturalismus darin untersucht.
Zentrale Themenfelder sind die Konstruktion von Identität und Differenz, Geschlechterverhältnisse, der Dialog zwischen Kritischer Theorie und postmodernen Ansätzen sowie die Entstehung und Bedeutung von Intersektionalität in feministischen Debatten.
Das primäre Ziel ist es zu zeigen, wie die Kritische Theorie als zentraler Bezugspunkt im feministischen Diskurs über Identität und Differenz gewirkt hat, und dies im Kontext verschiedener Denkrichtungen sowie ihres Verhältnisses zur Postmoderne zu beleuchten.
Die Arbeit verwendet eine Kritische Diskursanalyse nach Foucault, ergänzt durch einen hermeneutisch-interpretativen Ansatz zur Untersuchung theoriegeschichtlicher Entwicklungen.
Der Hauptteil analysiert, wie Geschlecht, Identität und Differenz in der älteren und jüngeren Kritischen Theorie behandelt werden, welche frühen feministischen Anschlüsse und Kritiken es gab, den „Streit um Differenz“ zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus und die Entwicklung intersektionaler Ansätze.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Feminismus, Kritische Theorie, Identität, Differenz, Postmoderne, Poststrukturalismus, Intersektionalität, Geschlecht und Emanzipation.
Judith Butlers Werk "Das Unbehagen der Geschlechter" aus dem Jahr 1991 lieferte einen entscheidenden Anstoß für eine radikale De-Essentialisierung von Geschlecht, was die feministische Debatte um die Beziehung zwischen Feminismus und Postmoderne maßgeblich prägte.
Feministische Kritik an Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns bemängelt insbesondere die Vernachlässigung der Kategorie Geschlecht, seine androzentrische Perspektive und die Annahme universaler Vernunft, die männlich konnotierte Standards privilegiere.
Die Kritische Theorie wird aufgrund ihrer Fähigkeit zur interdisziplinären und ideologiekritischen Analyse gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse sowie ihres permanenten Hinterfragens, auch eigener Annahmen, als zeitgemäß und anschlussfähig für aktuelle feministische Debatten erachtet.
Die neomarxistische Theorie gewinnt im intersektionalen Feminismus wieder an Bedeutung, indem sie hilft, kapitalismuskritische Perspektiven mit anderen Herrschaftslogiken wie Andro- und Eurozentrismus zu verknüpfen und so gesellschaftliche und herrschaftskritische Analysen zu vertiefen.
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