Doktorarbeit / Dissertation, 2007
351 Seiten, Note: cum laude
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Untersuchung der Rezeption von Louis-Ferdinand Célines Hauptwerk „Reise ans Ende der Nacht“ im deutschsprachigen Raum. Sie analysiert, wie das Werk und der Autor im Kontext sich wandelnder gesellschaftlicher und politischer Umstände, insbesondere im Hinblick auf den Antisemitismus, wahrgenommen und bewertet wurden.
Vorbemerkung
Die Arbeit an diesem Projekt war begleitet von verschiedenen glücklichen Umständen. Céline als Person und damit seine Bücher blieben bis heute in Deutschland ein Stein des Anstoßes, so dass Céline lange Zeit auf die deutschsprachige Literaturkritik wie / als Katalysator der vollkommen außerkünstlerischen Reaktion auszulösen vermochte, deren Betrachtung wiederum einen Einblick in die Geschichte der deutschsprachigen Literaturkritik erlaubt. Und sofern diese repräsentativ sein kann für die Allgemeinheit, spiegelt sie in gewissem Maße die Entwicklung der Haltung in Deutschland. Das heißt, anhand der Wirkungs- und Deutungsgeschichte im deutschsprachigen Raum wird erkennbar, wie der Wandel der Literatur-Rezeption geprägt ist vom politischen Stimmungs- und Meinungswechsel. So gehen die Reaktionen nach 1945 von anfänglichen Haltungen zwischen Beschönigung und Empörung schließlich bis zu einer postmoderneren Verwendung des Anstößigen als Gestaltungs-mittel eigener Auffassung.
Das katalytische Potential eines Schriftstellers, in diesem Fall Célines, nämlich dass in den Extremen einerseits das Kind mit dem Bad ausgeschüttet, andererseits Verwerfliches verharmlost wird, ist als Kriterium der Rezeptionstheorie bisher nicht berücksichtigt worden, so dass ich einen Aspekt herausarbeiten konnte, für dessen Bezeichnung ich mit dem Begriff der „Akzeptanz“ beholfen habe.
Weiter ist bisher nicht dargelegt gewesen, dass Céline, was seine Übersetzer ins Deutsche angeht, noch über Jahrzehnte im Griff seiner nationalsozialistischen Verehrer und ihrer Kameraden geblieben ist.
Schließlich fand ich den bisher ungesichteten Nachlass des ersten Übersetzers Isak Grünberg, aus dem hervorgeht, dass der Wechsel von Piper-Verlag zum Kittl-Verlag seine Grundlage zuerst einmal in dem Streit um die Übersetzungsrobe Grünbergs, nach dessen Inhalt auch in finanziellen Gründen, hatte und nicht in den politischen Verwendungen von 1933, wie es bisher allgemein dargestellt wurde (vgl. IV.3.1 und IV.15.1.1) und dass der in diesem Zusammenhang viel zitierte Artikel Grünbergs in Klaus Manns Exilzeitschrift Die Sammlung 1934 möglicherweise im Einvernehmen mit dem darin angegriffenen Kittl-Verlag veröffentlicht wurde, denn Kittl-Verlag und Grünberg arbeiteten nicht nur noch fünf Jahre lang weiter zusammen, vielmehr übersetzte Grünberg auch Célines zweiten Roman Tod auf Borg zu denselben Bedingungen, was ebenfalls bisher nicht bekannt war.
Vorbemerkung: Dieser Abschnitt beschreibt die Entstehung der Studie zur Rezeption von Louis-Ferdinand Célines „Reise ans Ende der Nacht“ im deutschsprachigen Raum und beleuchtet die komplexen Herausforderungen der Forschungsaufgabe, einschließlich der Rolle des Antisemitismus und der Übersetzungsgeschichte.
I. Die Neuübersetzung ins Deutsche von Célines Voyage au bout de la nuit als Anlass für eine Rezeptionsstudie: Dieses Kapitel legt das Erkenntnisziel und die Forschungsfrage der Arbeit dar und stellt die verwendeten Methoden zur Analyse der vielschichtigen Rezeption von Célines Roman vor, wobei die Rolle von Rezipienten, des Objekts und der Akzeptanz genauer beleuchtet wird.
II. Übersetzungsvergleich: Hier wird die Editionsgeschichte der deutschen Fassungen von Célines Hauptwerk umfassend analysiert, wobei der Fokus auf den Kontroversen um die Übersetzungsrobe, Verlagswechseln und detaillierten Textveränderungen gegenüber dem französischen Original liegt.
III. Die Céline-Rezeption anhand der Übersetzung ins Deutsche Private und publizierte Konkretisationen: Das Kapitel untersucht die konkrete Rezeption Célines in Deutschland von 1933 bis in die Nachkriegszeit, wobei besondere Aufmerksamkeit den politisch-literarischen Vereinnahmungen, der Rolle des Antisemitismus und der öffentlichen Wahrnehmung gewidmet wird.
IV. Auswertung der Konkretisationen zu Céline: Dieser Teil präsentiert eine tiefgehende statistische und qualitative Analyse der Rezeptionsdaten, behandelt biographische Aspekte, Célines literarischen Rang, den Umgang mit seinem Antisemitismus durch Kritiker und Autoren sowie die verschiedenen Strategien der Konkretisation.
V. Schluss: Fasst die Hauptergebnisse der Studie zusammen, betont die komplexe, oft widersprüchliche Rezeption Célines im deutschsprachigen Raum und hebt die methodische Bedeutung der Konkretisationsstudie hervor.
Louis-Ferdinand Céline, Reise ans Ende der Nacht, Rezeptionsstudie, Antisemitismus, Literaturkritik, Übersetzungsvergleich, Konkretisation, Deutschsprachiger Raum, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Literarische Wertung, Wirkungsgeschichte, Kittl-Verlag, Piper-Verlag, Isak Grünberg
Die Arbeit befasst sich mit der Rezeptionsgeschichte des Romans „Reise ans Ende der Nacht“ von Louis-Ferdinand Céline im deutschsprachigen Raum, wobei die Wahrnehmung des Werks und des Autors unter wechselnden gesellschaftlichen und politischen Bedingungen untersucht wird.
Zentrale Themenfelder sind die Analyse der Rezeptionsgeschichte, der Einfluss von Antisemitismus, der Vergleich verschiedener deutscher Übersetzungen, die Anwendung der Konkretisationsmethode sowie die literarischen und politischen Dimensionen der Céline-Rezeption über die Zeit.
Das primäre Ziel ist es, darzustellen, wie Célines Werk rezipiert wurde und welche Rolle der Antisemitismus bei dieser Rezeption im deutschsprachigen Raum spielte.
Die Studie verwendet eine Rezeptionsstudie, die sich auf die Methode der Konkretisation stützt, um die historischen und wandelnden Interpretationen und Bedeutungszuschreibungen zu analysieren.
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte und den Vergleich deutscher Übersetzungen, die konkrete Rezeption Célines in privaten und publizierten Kontexten von 1933 bis in die Nachkriegszeit sowie eine detaillierte Auswertung der Konkretisationen zu Céline, einschließlich statistischer, biographischer und thematischer Analysen.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Louis-Ferdinand Céline, Reise ans Ende der Nacht, Rezeptionsstudie, Antisemitismus, Literaturkritik, Übersetzungsvergleich, Konkretisation und Deutschsprachiger Raum.
Der Antisemitismus spielte eine bedeutende und oft widersprüchliche Rolle bei der Rezeption Célines, was sich in der Akzeptanz, Ablehnung, Rechtfertigung oder Verharmlosung seiner Person und Werke widerspiegelt, und wird in verschiedenen Kapiteln detailliert untersucht.
Der Übersetzungsvergleich deckt nicht nur editorische Entscheidungen und stilistische Anpassungen auf, sondern beleuchtet auch die politischen und ideologischen Implikationen, die verschiedene Übersetzungen im Laufe der Zeit hatten, insbesondere im Kontext von Fehldiskussionen und Verlagswechseln.
Nach 1945 durchlief die Rezeption Célines eine komplexe Entwicklung, die von anfänglicher Beschönigung und Empörung bis zu einer postmoderneren Auseinandersetzung reichte, und umfasst unterschiedliche Haltungen in der Literaturkritik sowie in der DDR und BRD.
Maßgeblich an der Verbreitung von Célines Werk im deutschsprachigen Raum waren unter anderem der Piper-Verlag und der Kittl-Verlag beteiligt, deren Beziehungen und Kontroversen um die Übersetzungen einen zentralen Aspekt der Studie darstellen.
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