Examensarbeit, 2010
76 Seiten, Note: 1,0
1. Der Begriff „Wunder“ - gestern und heute
2. Allgemeine fachwissenschaftliche Aspekte
2.1 Wundergeschichten in den Evangelien
2.2 Deutungsmöglichkeiten von Wundergeschichten
3. Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
3.1 Frage nach der Altersgemäßheit anhand entwicklungspsychologischer Theorien
3.2 Folgerungen und Probleme für die Wunderdidaktik
4. Wundergeschichten aus der Perspektive von Jugendlichen
4.1 Studie zum Thema Wundergeschichten
4.2 Zur Bedeutung von Wundergeschichten im Leben der Schülerinnen und Schüler
5. Didaktische Überlegungen für den Unterricht
5.1 Hermeneutisch-didaktische Probleme im Umgang mit Wundergeschichten
5.2 Überwindung der hermeneutisch-didaktischen Probleme
5.3 Didaktische Probleme
5.4 Aufgaben und Möglichkeiten des Religionsunterrichts
5.5 Didaktische Ansätze und methodische Möglichkeiten zur Umsetzung allgemein
5.6 Begründung der Thematisierung von Wundergeschichten im Religionsunterricht durch den Lehrplan
6. Ausgewählte didaktische Zugänge mit Beispielen (Mk 10,46-52)
6.1 Wundergeschichten als Glaubensgeschichten
6.2 Wundergeschichten als Handlungsanweisungen
6.3 Wundergeschichten als Hoffnungsbilder
7. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und didaktischen Möglichkeiten, biblische Wundergeschichten im Religionsunterricht der Sekundarstufe I zu thematisieren. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler ein Verständnis entwickeln können, das über eine historisch-kritische oder naturwissenschaftliche Betrachtung hinausgeht und die existenzielle sowie hoffnungsstiftende Bedeutung dieser Texte für das eigene Leben erschließt.
1. Der Begriff „Wunder“ - gestern und heute
In unserer heutigen Zeit, in der die Wissenschaft und Technik einen großen Platz einnimmt, ist es besonders schwer über den Begriff „Wunder“ zu reflektieren. Wunder sind nach heutigem Verständnis außerordentliche Ereignisse, die unsere bekannte Naturordnung durchbrechen und damit wissenschaftlich nicht mehr erklärbar sind. Dieser Wunderbegriff widerspricht rationalem Denken. Das neuzeitliche Weltbild lässt aufgrund des Fortschritts der Wissenschaft keinen Raum mehr für Wunderglauben. Der Glaube an Dinge, die sich dem sinnlich-erfahrbaren Bereich entziehen und sich der Kategorie des Paranormalen zuordnen lassen, wird heutzutage in der Regel müde belächelt. Die meisten Menschen glauben einzig und allein an Dinge, die sinnlich wahrnehmbar sind und stellen auf diese Weise die Glaubwürdigkeit der Geschichten der Bibel in Frage. Rudolf Bultmann bringt das auf den Punkt, indem er sagt, dass man nicht „elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben kann.“
Biblische Wundergeschichten entstammen einer Zeit, in der Menschen noch auf keine allgemeingültigen Naturgesetze zurückgreifen konnten. In der antiken Zeit galten Wunder als selbstverständlicher Bestandteil eines Weltbildes. Natürlich haben antike Menschen nicht jeden Tag Wunder erlebt, aber ein Wunder war für sie grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Das Problem, dass ein Wunder etwas Unerklärbares war, kannte man in der Antike nicht. Für Menschen dieser Zeit waren Wunder eher ungewöhnliche und Staunen erregende Geschehnisse, „in denen außergewöhnliche Kräfte und überirdische Mächte zu spüren sind.“
Es gab keine Trennung zwischen einer diesseitigen und jenseitigen Welt. Göttliche Mächte konnten ständig in das Weltgeschehen eingreifen. Mit Wundern wurde damals meist eine Begegnung mit Gott gekennzeichnet. Es gab aber keinen einheitlichen Begriff für „Wunder“, wie wir das heute haben. Die synoptischen Evangelien benutzen überwiegend das Wort dynamis, das als ‚Machtentfaltung, Zeichentaten’ übersetzt wird. Sie betonen damit den „Hinweischarakter“, den diese Geschichten haben. Demnach sind Jesu Taten „Äußerungen der Kraft Gottes.“ Sie zeigen damit auch, dass es darauf ankommt und nicht auf das Mirakulöse und Spektakuläre, wie es das Wort Wunder nahe legt.
1. Der Begriff „Wunder“ - gestern und heute: Dieses Kapitel erläutert das moderne, durch Naturwissenschaften geprägte Wunderverständnis und stellt es dem antiken Weltbild gegenüber, in dem Wunder als Hinweise auf göttliches Wirken fungierten.
2. Allgemeine fachwissenschaftliche Aspekte: Hier wird die biblische Wunderüberlieferung klassifiziert und die symbolische Dimension der Wunder Jesu als „Widerstandsgeschichten“ gegen menschliche Not herausgearbeitet.
3. Entwicklungspsychologische Voraussetzungen: Der Abschnitt reflektiert, wie kognitive Entwicklungsschritte das Verständnis für Wundergeschichten bei Kindern und Jugendlichen prägen und welche Schwierigkeiten sich daraus für den Unterricht ergeben.
4. Wundergeschichten aus der Perspektive von Jugendlichen: Auf Basis empirischer Studien wird untersucht, wie Heranwachsende Wunder heute wahrnehmen und welche Bedeutung diese Geschichten als Identifikationshilfe und Trostquelle haben können.
5. Didaktische Überlegungen für den Unterricht: Dieses Kapitel diskutiert hermeneutische Probleme im Unterricht und entwickelt Ansätze, um Schülern einen Zugang zu ermöglichen, der über naiv-historisierende oder rein faktische Lesarten hinausgeht.
6. Ausgewählte didaktische Zugänge mit Beispielen (Mk 10,46-52): Anhand der Bartimäusgeschichte werden drei spezifische didaktische Ansätze praktisch illustriert, die Wunder als Glaubensgeschichten, Handlungsanweisungen oder Hoffnungsbilder interpretieren.
7. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass Wundergeschichten für den Religionsunterricht unumgänglich sind und ihr Potenzial als Hoffnungsgeschichten in einer pluralistischen Gesellschaft entfalten können.
Wundergeschichten, Religionsunterricht, Bibel, Exegese, Didaktik, Entwicklungspsychologie, Glaube, Jesus, Hoffnung, Hermeneutik, Symbolik, Lebenswelt, Identifikation, Wunderglaube, Religionspädagogik
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Herausforderung, wie biblische Wundergeschichten im modernen Religionsunterricht behandelt werden können, ohne sie entweder als unglaubwürdige Berichte abzutun oder ihren Gehalt zu verfehlen.
Die zentralen Felder umfassen die biblische Theologie der Wunder, entwicklungspsychologische Stufenmodelle des Glaubens, aktuelle empirische Befunde zur Wunderrezeption bei Jugendlichen sowie fachdidaktische Konzepte zur Unterrichtsgestaltung.
Das Ziel ist es, Schülern einen Zugang zu Wundergeschichten zu eröffnen, der sie als existenzielle „Hoffnungsgeschichten“ versteht und so einen Beitrag zum gelingenden Leben leistet.
Es handelt sich um eine religionspädagogische Examensarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse theologischer, exegetischer und psychologischer Forschungsergebnisse basiert.
Der Hauptteil analysiert das Spannungsfeld zwischen aufgeklärtem Weltbild und Wunderglauben, die entwicklungsbedingten Verständnisprobleme und bietet praxisnahe didaktische Modelle für verschiedene Altersstufen an.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wunderdidaktik, Glaube, Hoffnung, Identifikation, Hermeneutik und Lebensweltbezug geprägt.
Diese Geschichte eignet sich besonders gut, da sich Kinder und Jugendliche mit der Situation des „Ausgegrenztseins“ identifizieren können und der Text reich an Symbolik für Heilung und neue Lebensperspektiven ist.
Schüler stehen Wundern oft nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sondern suchen in ihnen – insbesondere in Krisenzeiten – nach Trost, Sinn und einer Möglichkeit, ihre eigenen Ängste symbolisch auszudrücken.
Psalmen dienen als Sprachhilfe, damit Schüler ihre eigenen Gefühle und Nöte formulieren und diese in die biblischen Erzählungen einbringen können, was den Identifikationsprozess erheblich fördert.
Nein, der Autor argumentiert, dass ein Verschweigen der Texte nicht sinnvoll ist, da Schüler ohnehin mit ihnen in Berührung kommen; stattdessen ist eine reflektierte „Verstehensanleitung“ notwendig.
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