Diplomarbeit, 2002
102 Seiten, Note: 1
Anlage und Ausrichtung der Arbeit 1
1 Die Leistungen der Heimerziehung 2
1.1 Aufgaben und Anspruch des Kinder- und Jugendhilfegesetzes an die Heimerziehung 3
1.1.1 Der geschichtliche Hintergrund 3
1.1.2 Die rechtliche Situation 10
1.2 Die Heimerziehung als Leistung 16
1.3 Eine betriebswirtschaftliche Sichtweise der Heimerziehung 21
1.4 Konklusion des ersten Kapitels 28
2 Unterschiedliche Qualitätsverständnisse 31
2.1 Keine Definitionen und das allgemeine Sprachverständnis von Qualität 31
2.2 Die Qualitätsansätze nach Garvin 33
2.3 Qualitätsmanagement entsprechend den Normen der DIN-Reihe 36
2.3.1 Die Normenreihe DIN ISO 9000 ff. 37
2.3.2 Die Umsetzung in der Heimerziehung 40
2.4 Corporate Identity als Qualitätsansatz 41
2.5 Die Kritik an den Qualitätsverständnissen 46
2.5.1 Kritik am „Allgemeinen-Qualitätsansatz“ 46
2.5.2 Kritik an den Qualitätsansätzen Garvin´s 47
2.5.3 Die Kritik an einem Qualitätsverständnis gemäß den Normen DIN EN ISO 9000 ff. 50
2.5.4 Die Kritik an der Corporate Identity 52
2.6 Konklusion des zweiten Kapitels 53
3 Die Grundlagen zum Qualitätsmodell von Meyer/Mattmüller 54
3.1 Dienstleistung als ein Versorgungsobjekt 55
3.2 Die konstitutiven Merkmale der persönlich erbrachten Dienstleistung 57
3.2.1 Dienstleistung als Potential menschlicher Leistungsfähigkeiten 58
3.2.2 Immaterialität als Kennzeichen der Dienstleistung 63
3.2.3 Integration externer Faktoren 68
3.3 Das Qualitätsmodell von Meyer/Mattmüller 76
3.4 Konklusion des dritten Kapitels 79
4 Fazit 80
Die Diplomarbeit untersucht die Anwendbarkeit betriebswirtschaftlicher Qualitätsmanagement-Konzepte auf den Bereich der Heimerziehung. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob und wie das Qualitätsmodell von Meyer/Mattmüller genutzt werden kann, um Qualität in der sozialpädagogischen Arbeit in Heimen zu definieren, zu steuern und zu evaluieren, ohne den pädagogischen Auftrag zu gefährden.
Dienstleistung als ein Versorgungsobjekt
Menschliche Bedürfnisse können als Ausgangstatbestand für den Wirtschaftsprozess gesehen werden. Diese Bedürfnisse äussern sich zunächst in einem konkreten Bedarf der Nachfrager. Aufgrund dieses Bedarfs entwickelt sich eine kaufkräftige Nachfrage, die wiederum in einem Angebot ihr Gegenstück findet. Die Befriedigung des Bedarfs wird durch Güter realisiert. Diese Güter können allgemein formuliert als jedes Mittel verstanden werden, welches eben Bedürfnisse befriedigt.
Eine Systematisierung eben dieses Güterbegriffes nimmt Meyer vor, wenn er zunächst den Begriff Gut durch den Begriff des Versorgungsobjektes ersetzt. Dieser dient ihm als Oberbegriff für alle zur wirtschaftlichen Versorgung zur Verfügung stehenden Objekte. Als Gliederung wird die folgende Unterteilung verwendet: Waren, ökonomische Chancen, Objektsysteme und Dienste. Hierbei werden unter Waren natürliche oder künstliche Erzeugnisse verstanden, die beweglich oder unbeweglich und dabei räumlich scharf umrissen sind. Sie heben sich so von der Umwelt ab. Dabei sind jedoch Umwandlungs-, Auflösungs- oder Vernichtungsprozesse bei der Nutzung nicht ausgeschlossen. Als Beispiel können hier Rohstoffe oder Nahrungsmittel dienen.
Als ökonomische Chancen sind solche Versorgungsobjekte zu verstehen, die einen Anspruch auf die Realisierung einer kollektiven Vereinbarung darstellen. Absicherungschancen sind beispielsweise Versicherungen. Diese bieten einen Anspruch auf die Absicherung eines zukünftigen Ereignisses. Unbekannt ist jedoch häufig der Eintrittszeitpunkt der Leistung und ob überhaupt geleistet wird. Tausch-Chancen sind etwa die geltenden Währungen. Auch hier ist unklar, ob möglicherweise durch Inflation bedingt die Chance Geld noch eingetauscht werden kann.
1 Die Leistungen der Heimerziehung: Einleitende Analyse der Heimerziehung als soziale Dienstleistung unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und des rechtlichen Rahmens des KJHG.
2 Unterschiedliche Qualitätsverständnisse: Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen betriebswirtschaftlichen Qualitätsansätzen und deren Übertragbarkeit auf pädagogische Prozesse.
3 Die Grundlagen zum Qualitätsmodell von Meyer/Mattmüller: Untersuchung der Heimerziehung als persönlich erbrachte Dienstleistung und Ableitung des Qualitätsmodells auf Basis der Dienstleistungstheorie.
4 Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Komplexität der Qualitätssteuerung in der Heimerziehung und die Notwendigkeit einer spezifischen Interpretation betriebswirtschaftlicher Modelle.
Heimerziehung, Qualitätsmanagement, Sozialpädagogik, Dienstleistungsqualität, Meyer/Mattmüller, Kinder- und Jugendhilfegesetz, Erziehungsleistung, totale Institution, Lebensweltorientierung, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Personalbedarfsplanung, Ressourcensteuerung, Hilfeplan, Organisationsentwicklung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung und Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen in Einrichtungen der Heimerziehung aus betriebswirtschaftlicher und sozialpädagogischer Perspektive.
Im Fokus stehen die Definition von Qualität in sozialen Dienstleistungen, die Anwendung von Industrie-Normen (DIN ISO) auf pädagogische Prozesse und die Nutzung spezifischer Dienstleistungsmodelle wie das von Meyer/Mattmüller.
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Qualität in Heimen messbar und steuerbar gemacht werden kann, ohne dabei den individuellen Erziehungsauftrag und das Wohl der Jugendlichen zu vernachlässigen.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die betriebswirtschaftliche Organisations- und Managementtheorien systematisch auf die Strukturen der Heimerziehung adaptiert.
Der Hauptteil analysiert verschiedene Qualitätsbegriffe, kritisiert deren mangelnde Passung für soziale Arbeit und erarbeitet auf Basis des Dienstleistungsbegriffs ein Modell zur Qualitätsentwicklung in der stationären Jugendhilfe.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Heimerziehung, Qualitätsmanagement, Dienstleistungserstellung, Erziehungsleistung und Organisationsentwicklung beschreiben.
Die Arbeit sieht in der Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 ein nützliches Instrument zur Strukturierung, warnt jedoch vor einer "Überregulierung" und dem Risiko, dass der pädagogische Kern der Arbeit in prozessorientierten Dokumentationen verloren geht.
Der Begriff der totalen Institution nach Goffman wird genutzt, um die historische Abkehr von großstrukturellen Heimen hin zu differenzierten, lebensweltorientierten Angeboten zu verdeutlichen, die für moderne Qualitätsmanagementansätze essenziell ist.
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