Magisterarbeit, 2000
126 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Schleiermachers Platoninterpretation
2.1 Der Platon F. Schlegels
2.2 Der Platon F. Schleiermachers
2.3 Die Kritik der Schleiermacherschen Platon-Deutung durch H.-J. Krämer
2.4 Die Kritik der Schleiermacherschen Platon-Deutung durch K. Gaiser
2.5 Die Kritik T. A. Szlezáks an der modernen Dialogtheorie
3. Die Schriftkritik in Platons Selbstzeugnissen
3.1 Die Interpretation der Phaidros-Stelle 274 B – 278 E durch die „Tübinger Schule“
3.2 Die Deutung der philosophischen Stelle im VII. Brief durch die „Tübinger Schule“
3.3 Der Streit um die chronologische Einordnung von Περὶ τἀγαθοῦ
3.4 Die Kritik an einer Spätdatierung von Περὶ τἀγαθοῦ durch H.-J. Krämer
3.5 K. Gaisers Plädoyer für eine Spätdatierung von Περὶ τἀγαθοῦ
3.6 Eine Untermauerung der Gaiserschen These
4. Von der Ideenlehre zur Prinzipienlehre
4.1 Die wichtigsten Zeugnisse der Ungeschriebenen Lehre Platons
4.2 Exkurs: Die Auseinandersetzung Platons mit Parmenides
4.3 Die obersten Prinzipien der platonischen Philosophie: τὸ ἓν und ἡ ἀόριστος δυάς
4.4 Die Erzeugung der Idealzahlen aus den Prinzipien
4.5 Die Ableitung des Seins aus den Idealzahlen
5. Die Anwendung der Ungeschriebenen Lehre in den Dialogen Platons
5.1 Die Neuinterpretation der „Politeia“ im Lichte des neuen Paradigmas
5.2 Das Verhältnis des Einen und des Vielen im „Parmenides“
5.2.1 Die Ideenkritik im „Parmenides“
5.2.2 Die Hypothesen im „Parmenides“
5.2.3 Die Negationen der ersten Hypothese
5.2.4 Die Hypothesen zwei bis acht
5.3 War Platon Monist oder Dualist?
6. Schlußbemerkungen
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Grundzüge des neuen Platonbildes der sogenannten „Tübinger Schule“ systematisch darzustellen. Angesichts der verhärteten Fronten in der Forschungsdebatte zwischen den Vertretern der klassischen Platon-Deutung und den Befürwortern einer „Ungeschriebenen Lehre“ soll die Arbeit den aktuellen Forschungsstand aufarbeiten und verdeutlichen, wie die Einbeziehung der mündlichen Lehrinhalte zu einem vertieften Verständnis der platonischen Dialoge führt.
3.1. Die Interpretation der Phaidros-Stelle (274 B – 278 E) durch die „Tübinger Schule“
Zu Beginn des „Phaidros“ begegnet der gleichnamige Hauptheld Sokrates, welcher ihn auffordert, die eben gehörte Rede des Lysias (230 E - 234 E) vorzutragen. Nachdem Phaidros geendet hat, setzt Sokrates zwei improvisierte Reden (237 B – 241 D und 243 E – 257 B) zum selben Thema dagegen. Die beiden Reden handeln darüber, wem die bessere Einsicht in das Wesen einer Sache zukommt. Konkret: Sokrates stellt die Frage, ob der verliebte oder der nicht-verliebte Verehrer richtige Liebhaber für einen jungen Mann sei. Da Sokrates Eros als den wahren Philosophen deklariert, wendet sich das Gespräch schnell der Frage nach dem wahren Philosophen zu. Dem wahren Philosophen wird von Sokrates vor allem unterstellt, daß er ein richtiges Verhältnis zu seinen eigenen Schriften einnehmen muß. Diese Kurzfassung gibt den wesentlichen Inhalt des „Phaidros“ wieder.
Den Beginn der nun folgenden Schriftkritik kleidet Sokrates, trotz der daran geübten Kritik durch Phaidros, mythisch ein. Er verweist darauf, daß nicht die Herkunft des Gesagten, sondern die dahinterstehende Wahrheit von Relevanz sei. Der nun einsetzende Mythos hat ätiologisch-allegorischen Charakter, da er in bildhafter Form die Vorrangstellung der Mündlichkeit vor dem Schriftlichen begründet.
Der Mythos (274 C – 275 B) beinhaltet ein Gespräch zwischen dem ägyptischen König Thamus und dem Gott Theuth. Dieser, ein ägyptischer Prometheus, ist der Erfinder zahlreicher Künste und möchte diese von Thamus nutzbringend in Ägypten eingeführt wissen. Zu diesem Zweck preist Theuth die einzelnen Künste an, wozu Thamus jeweils Lob und Tadel verteilt. Sokrates gibt allerdings nur den Disput über den Nutzen der Schrift wieder: Theuth sieht die Schrift als „Medikament“ (τό φάρμακον) an, das gedächtnisfest mache und Weisheit garantiere (274 E 5). Da aber bei Platon nur derjenige, der eine Sache letztlich gebraucht und nicht derjenige, der sie herstellt, über ihren Nutzen bzw. Schaden urteilen kann, so hat Thamus hier das letzte Wort. Er ist in keinster Weise derselben Meinung wie Theuth. Die Schrift werde die Menschen nicht zur Weisheit führen, sondern sie vergeßlicher machen, denn im Vertrauen auf das äußere Mittel der Zeichen würden sie die Erinnerung aus eigener Kraft vernachlässigen.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die wissenschaftliche Kontroverse um die richtige Platon-Deutung und führt in das Konzept der „Ungeschriebenen Lehre“ sowie die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ein.
2. Schleiermachers Platoninterpretation: Das Kapitel befasst sich mit der einflussreichen hermeneutischen Arbeit Schleiermachers und der anschließenden Kritik durch die Vertreter der „Tübinger Schule“.
3. Die Schriftkritik in Platons Selbstzeugnissen: Hier werden zentrale Passagen wie der Phaidros und der VII. Brief analysiert, um die platonische Skepsis gegenüber der Schrift und die Bedeutung der mündlichen Überlieferung zu beleuchten.
4. Von der Ideenlehre zur Prinzipienlehre: Der Übergang von der bekannten Ideenlehre hin zur tieferliegenden Prinzipienlehre (Eines und unbestimmte Zweiheit) wird als notwendiger Fortschritt in Platons Metaphysik dargestellt.
5. Die Anwendung der Ungeschriebenen Lehre in den Dialogen Platons: In diesem Teil wird an Hand von Politeia und Parmenides gezeigt, wie die Prinzipienlehre zentrale Dialogstellen in einem neuen Licht erscheinen lässt.
6. Schlußbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der gegenseitigen Aufhellung von Platon und Plotin und betont die fortwährende Relevanz der Ungeschriebenen Lehre für die moderne Forschung.
Platon, Tübinger Schule, Ungeschriebene Lehre, Prinzipienlehre, Schriftkritik, Mündlichkeit, Dialektik, Ideenlehre, Metaphysik, Parmenides, Politeia, das Eine, unbestimmte Zweiheit, Hermeneutik, Platon-Forschung
Die Arbeit untersucht das moderne Platonbild der „Tübinger Schule“, welche davon ausgeht, dass Platons schriftliche Dialoge nur einen Teil seiner Lehre darstellen und durch eine „Ungeschriebene Lehre“ ergänzt werden müssen.
Zentrale Themen sind die Schriftkritik Platons, das Verhältnis von mündlicher zu schriftlicher Überlieferung und die Rekonstruktion einer hinter den Dialogen stehenden Prinzipienlehre.
Das Ziel ist die systematische Darstellung der Thesen der „Tübinger Schule“, um einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur esoterischen Platon-Deutung zu geben.
Die Arbeit nutzt die philologisch-philosophische Rekonstruktion indirekter Zeugnisse antiker Autoren (vor allem Aristoteles) sowie eine textimmanente Analyse der platonischen Dialoge im Lichte dieser Zeugnisse.
Der Hauptteil behandelt die methodischen Grundlagen der Platon-Interpretation, die Analyse der Schriftkritik, die Herleitung der Prinzipienlehre (Eines/Zweiheit) und deren Anwendung auf zentrale Dialoge wie Politeia und Parmenides.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ungeschriebene Lehre, Prinzipienlehre, Mündlichkeit, Schriftkritik, Dialektik und das Eine charakterisiert.
Der Phaidros liefert das theoretische Fundament dafür, warum Platon seine wichtigsten Lehren nicht schriftlich fixieren wollte, was die zentrale Rechtfertigung für die Existenz einer „Ungeschriebenen Lehre“ darstellt.
Der VII. Brief dient als wichtiger Beleg für Platons Einstellung zur Veröffentlichung seiner innerakademischen Prinzipienlehre und untermauert die Bedeutung der mündlichen Lehrgespräche gegenüber dem schriftlichen Werk.
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