Magisterarbeit, 2010
99 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Ausgangspunkt und theoretischer Rahmen
2 Analog und digital – ein Gegensatz?
2.1 Analog und digital aus systemtheoretischer Perspektive
2.2 Analog und digital aus symboltheoretischer Perspektive
3 Einblicke in die Theoriegeschichte der analogen Fotografie
3.1 Die Fotografie als Spur des Realen
3.2 Die Fotografie als soziales Konstrukt
3.3 Die Fotografie in den Reflexionen von Roland Barthes
4 Die analoge Fotografie als indexikalisch-ikonisches Zeichen
4.1 Das triadische Zeichenmodell von Peirce
4.2 Ikon, Index und Symbol
4.3 Der fotografische Index
4.3.1 Kategorisierungen von Indices
4.3.2 Das Zusammenwirken mit den anderen Modi der Objektrelation
4.3.3 Die Bedeutung der Sprache für die Indexrelation
4.3.4 Die diskursanalytische Dekonstruktion der Objektrelation
4.4 Die Faktoren der fotografischen Bedeutungskonstitution
4.5 Das Problem der fotografischen Evidenz
5 Der Wirklichkeitsbezug der digitalen Fotografie
5.1 Das Verhältnis der digitalen zur analogen Fotografie
5.1.1 Unterschiede in der Struktur
5.1.2 Unterschiede im Gebrauch
5.2 Das Verhältnis von digitalen zu analogen Medien
5.2.1 Remediation: Die Logik von Unmittelbarkeit und Hypermedialität
5.2.2 Störung und Transparenz
5.2.3 Die Theorie der Transkriptivität
5.3 Das Verhältnis von Medien zur Welt
6 Resümee
Die Arbeit untersucht zeichen- und medientheoretisch, wie sich der Wirklichkeitsbezug der digitalen Fotografie im Vergleich zum analogen Gegenstück verändert hat, um zu klären, ob dieser Bezug rein an die technologische Unterscheidung analog/digital gebunden ist.
3.1 Die Fotografie als Spur des Realen
Als ein „kleines Stück wahr gewordener Magie, als Naturmagie“ 47 bezeichnete Henry Fox Talbot das fotografische Verfahren, welches Bilder erzeugte, die nicht von Hand gesteuert waren und die dem damaligen Betrachter tatsächlich wie von Zauberhand hervorgebracht erscheinen mussten. Man merkt den frühen Texten der Fotografiegeschichte an, dass zum Zeitpunkt ihres Entstehens noch keine geeigneten Beschreibungskategorien des neuen Phänomens verfügbar waren, was – wie Bernhard Stiegler formuliert – „zu einer diskursiven Unruhe [führte], die ihren Gegenstand überhaupt erst verorten muß.“ 48 Die Konstruktion der Fotografie als ‚Selbstabbildungsmechanismus der Natur‘, wie sie etwa in der von Talbot geprägten Metapher vom ‚Pencil of Nature‘ zum Ausdruck kommt, markiert den Beginn einer langen realistischen Theorietradition, die die physikalisch-chemischen Entstehungsprozesse fotografischer Bilder als Begründung für deren unhintergehbare Realitätstreue ins Feld führt. Einige Autoren aus der Frühzeit der Fotografie betonten im Unterschied zu der Vollkommenheit der neuen Bilder besonders den defizitären Charakter des subjektiven, natürlichen Sehens. So schwärmte der Kunsthistoriker Jules Janin 1839, niemals habe die Zeichenkunst großer Meister eine solche Zeichnung hervorgebracht. Keine Hand könne so zeichnen, wie die Sonne zeichne und kein menschlicher Blick könne so tief in die Massen von Schatten und Licht eindringen.49 Ein anderer Zeitgenosse beschrieb fasziniert die „unendliche[n] Feinheiten und Nüanzirungen, welche dem unbewaffneten Auge in der Wirklichkeit entschlüpfen.“ 50 Auch gab es Stimmen, die nicht nur von der überragenden Detailtreue der neuen fotografischen Bilder beeindruckt waren, sondern sie als fixierte Spiegelungen oder als Abdrücke der Natur beschrieben. Einige gingen sogar so weit, sie mit den abgebildeten Objekten in Eins zu setzen.
Einleitung: Die Einleitung führt in die Zäsur der Mediengeschichte durch das Digitale ein und formuliert die Forschungsfrage, ob der Wirklichkeitsbezug von Medien anhand der Dichotomie analog/digital bestimmbar ist.
1 Ausgangspunkt und theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel etabliert die Grundannahmen der Arbeit: Dass fotografische Bilder Zeichen sind, die Fotografie ein Medium ist, Virtualität von Wirklichkeit unterscheidbar bleibt und digitale Fotos ebenfalls Fotografien sind.
2 Analog und digital – ein Gegensatz?: Es wird kritisiert, dass analog/digital oft als strikte Opposition verstanden wird; stattdessen wird vorgeschlagen, beide Termini differentiell und in ihrer gegenseitigen Bedingtheit zu betrachten.
3 Einblicke in die Theoriegeschichte der analogen Fotografie: Das Kapitel kontrastiert die realistische Tradition der Fotografie als Spur des Realen mit konstruktivistischen Ansätzen und untersucht Roland Barthes' Vermittlerrolle.
4 Die analoge Fotografie als indexikalisch-ikonisches Zeichen: Hier wird Peirces Zeichentheorie angewandt, um die fotografische Referenz als Kombination aus ikonischen und indexikalischen Aspekten zu analysieren und die Evidenzproblematik zu diskutieren.
5 Der Wirklichkeitsbezug der digitalen Fotografie: Es wird untersucht, wie sich die digitale Fotografie in den Medienverbund eingliedert und wie medientheoretische Ansätze (Remediation, Transkriptivität) den Weltbezug von Medien neu definieren.
6 Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Wirklichkeitsbezug keine medienimmanente Eigenschaft ist, sondern in diskursiven Praktiken konstituiert wird, wobei auch die digitale Fotografie eine Fortführung der fotografischen Geschichte darstellt.
Fotografie, Digitalität, Analogie, Wirklichkeitsbezug, Index, Spur, Zeichen, Medientheorie, Semiotik, Konstruktivismus, Referenz, Evidenz, Remediation, Transkriptivität, Symbolsysteme
Die Arbeit untersucht zeichentheoretisch und medientheoretisch den Wirklichkeitsbezug der Fotografie und stellt dabei die Frage, wie sich dieser durch den Übergang von analogen zu digitalen Bildmedien verändert hat.
Zentrale Themen sind die theoretische Unterscheidung von analog und digital, die Geschichte der Fototheorie, die Rolle der Fotografie als Zeichen (Index/Ikon) und die medientheoretische Einordnung von digitalen Bildern als Teil eines größeren Medienverbunds.
Das Ziel ist es zu klären, ob der Wirklichkeitsbezug eines Mediums tatsächlich allein anhand der Unterscheidung von analoger oder digitaler Technologie bestimmt werden kann oder ob andere mediale und diskursive Prozesse eine tragendere Rolle spielen.
Die Autorin kombiniert semiotische Analysen (insbesondere basierend auf Charles Sanders Peirce) mit verschiedenen medientheoretischen Ansätzen (u.a. Niklas Luhmann, Bolter/Grusin und Ludwig Jägers Transkriptivitätstheorie).
Der Hauptteil analysiert sowohl die Theoriegeschichte der analogen Fotografie (Spur des Realen vs. soziales Konstrukt) als auch die strukturellen und pragmatischen Besonderheiten der digitalen Fotografie, um zu zeigen, dass beide in einem Kontinuum stehen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wirklichkeitsbezug, Index, Spur, Zeichen, Medientheorie, Semiotik, Konstruktivismus, Referenz und Transkriptivität charakterisiert.
Die Autorin widerspricht der These, dass die Digitalisierung das Ende der Fotografie bedeutet. Sie argumentiert stattdessen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung und betont, dass die Veränderungen eher pragmatischer als struktureller Natur sind.
Barthes dient als zentrale Referenzfigur, die sowohl den unhintergehbaren Realitätsbezug der Fotografie (als "Emanation") als auch die spätere Bedeutungskonstitution (studium/punctum) thematisiert, womit er eine Brücke zwischen realistischen und konstruktivistischen Ansätzen schlägt.
Das Spurtheorem nach Ludwig Jäger bezeichnet die Einsicht, dass mediale Spuren in alle kognitiven Operationen konstitutiv eingeschrieben sind und dass Denken untrennbar mit der externen Medialität von Zeichen verbunden ist.
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