Masterarbeit, 2021
88 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Masterarbeit zielt darauf ab, die ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen sowie die potenziellen Risiken einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) auf den Finanzsektor, die Geldpolitik, den Zahlungsverkehr und die individuelle Freiheit umfassend zu analysieren. Dabei werden auch alternative geldpolitische Instrumente wie "Helikoptergeld" und die Implikationen einer möglichen Einschränkung von Bargeld kritisch beleuchtet.
Der Aufstieg der digitalen Währung
Die globale Finanzkrise 2008 ließ das Vertrauen in die Finanzinstitutionen in der öffentlichen Wahrnehmung massiv erodieren. Es kam der Wunsch nach neuen Lösungen und Alternativen zu den etablierten Papiergeldlösungen auf, und als unmittelbare Folge des Vertrauensverlustes entstand eine fundamental neue Form des digitalen bzw. virtuellen Geldes. Bei Digitalwährungen, wie z. B. Bitcoin handelt es sich i. d. R. um Kryptowährungen, die eine kryptografische Technik aufweisen, um einen Konsens zu erreichen. Es gibt jedoch eine kleine Anzahl an digitalen Währungen, die einen Konsens in nicht-kryptografischer Technik aufweisen. Die bekannteste ist Ripple. Alle Kryptowährungen haben gemein, dass sie unabhängig vom Bankensystem und staatlichen Kotrollen funktionieren. Sie dienen als Wertaufbewahrungsmittel und Zahlungsmittel.
Thiele und Diehl (2017) definieren Währung als „die Verfassung und Ordnung des Geldwesens eines Staates, im engeren Sinne auch die jeweilige Geldeinheit.“ Thiele und Diehl (2017) zufolge ist der Begriff „virtuelle Währung“ bei Bitcoin, Ether etc. irreführend, da es sich ihrer Meinung nach nicht um eine Währungen handelt. Es gibt bisher keine allgemeingültige Definition des Begriffs Kryptowährung, auch wenn die meisten politischen Entscheidungsträger Kryptowährungen als eine Untergruppe oder eine Form von virtuellen oder digitalen Währungen betrachten. Der Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Marktinfrastrukturen (Committee on Payments and Market Infrastructures, CPMI), ein Gremium der Bank of International Settlements (BIS), klassifiziert Kryptowährungen als digitale Währungen oder digitale Währungssysteme, die folgende vier Hauptmerkmale aufweisen:
i.) sie sind Vermögenswerte, deren Wert durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, die dem Konzept von Rohstoffen wie Gold vergleichbar sind, jedoch besitzen sie keinen intrinsischen Wert wie Waren;
ii.) sie verwenden Distributed Ledger (verteilte Ledger), um einen Peer-to-Peer Austausch von elektronischen Werten zu ermöglichen, die kein Vertrauen zwischen den Parteien benötigen, und es sind keine Vermittler notwendig;
iii.) sie sind weder eine Verbindlichkeit einer Person oder Institution, noch werden sie von einer staatlichen Instanz gedeckt; und
iv.) i. d. R. werden sie nicht von einer bestimmten Person oder einer Institution betrieben.
Die erste und bisher größte Kryptowährung ist der Bitcoin. Er wurde im Januar 2009 kurz nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers, die zugleich den Höhepunkt der Finanzkrise widerspiegelte, eingeführt. Bitcoin ist ein privat entwickeltes, internetbasiertes Währungs- und Zahlungssystem, das ohne Vermittler wie Banken für die Abwicklung von Zahlungen auskommt. Es löste ein großes Interesse an Kryptowährungen aus, die sich in den folgenden Jahren u. a. im Preisanstieg des Bitcoins zeigte. Seit dem Auftreten des Bitcoin sind laufend neue Kryptowährungen auf dem Markt gekommen und mit Stand vom Februar 2019 existieren bereits 2.520 Kryptowährungen mit einer Gesamtkapitalisierung von 113 Milliarden US-Dollar. Digitale Währungen wie Bitcoin galten jahrelang als Domäne von Schwarzmarkthändlern, die im Schatten des Dark Web operieren. Mittlerweile setzen sich die Kryptowährungen zunehmend als legales Zahlungsmittel durch. Derzeit akzeptieren mehrere tausend Unternehmen weltweit Bitcoins als Zahlungsmittel von Pizza bis Webhosting.
1 Einleitung: Die Einleitung beschreibt die tiefgreifenden Auswirkungen der Digitalisierung auf das Finanzsystem, die zur Entstehung von Kryptowährungen und zur CBDC-Initiative der Zentralbanken geführt haben. Sie skizziert die Notwendigkeit einer Analyse der ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen.
2 Geldtheoretische Grundlagen: Dieses Kapitel beleuchtet die Definition und die Funktionen von Geld, das Fiat-Geldsystem und die Bedeutung der Blockchain-Technologie für die Entwicklung digitaler Währungen. Es diskutiert auch die Rolle von Bargeld im digitalen Zeitalter.
3 CBDC-Pilot-Projekte: Zwei fortgeschrittene Retail-CBDC-Pilotprojekte werden vorgestellt: Chinas Digital Currency Electronic Payment (DC/EP) und Schwedens E-Krona. Es werden deren Besonderheiten, wie Rückverfolgbarkeit, Programmierbarkeit und Anpassung an nationale Kontexte, analysiert.
4 Central Bank Digital Currency: Hier wird ein konzeptioneller Rahmen für CBDCs dargelegt, einschließlich ihrer Klassifizierung mittels der „Geldblume“, verschiedener Gestaltungsmerkmale und Ausprägungsmöglichkeiten (Wholesale, Retail, Machine CBDC). Der Fokus liegt auf Retail CBDC.
5 Mögliche Risiken und Folgen von CBDC: Dieses Kapitel analysiert kritisch die potenziellen Auswirkungen und Risiken von CBDCs auf die Finanzstabilität, die Geldpolitik (z.B. Zero Lower Bound, Helikoptergeld), den Zahlungsverkehr und die individuelle Freiheit. Es behandelt auch zentrale Herausforderungen wie Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Cybersicherheit.
6 Resümee und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die Entwicklung digitaler Währungen und die Fortschritte bei CBDC-Forschung zusammen. Es hebt die identifizierten Vorteile und Herausforderungen hervor und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Rolle von Zentralbanken in einer zunehmend digitalisierten Geldwelt.
Central Bank Digital Currency (CBDC), digitale Währung, Kryptowährung, Blockchain, Distributed Ledger Technology (DLT), Finanzstabilität, Geldpolitik, Zahlungssysteme, Bargeld, individuelle Freiheit, E-Krona, DC/EP, FinTech, BigTech, Helikoptergeld.
Die Arbeit analysiert kritisch die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen der Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC), insbesondere im Hinblick auf Finanzstabilität, Geldpolitik, Zahlungsverkehr und individuelle Freiheit.
Zentrale Themenfelder sind die Entwicklung digitaler Währungen und Kryptowährungen, die Rolle der Blockchain-Technologie, CBDC-Pilotprojekte (China, Schweden), Gestaltungsmöglichkeiten von CBDC sowie deren Risiken und Auswirkungen auf das Bankensystem, die Geldpolitik und die Privatsphäre der Bürger.
Das primäre Ziel ist es, die Risiken und zu erwartenden Auswirkungen von CBDCs auf die Finanzmarktstabilität, Geldpolitik und die Gesellschaft darzustellen.
Die Arbeit basiert auf der Analyse von Forschungsberichten der EZB, anderer Zentralbanken weltweit, der BIS sowie weiterer privater Veröffentlichungen zum Thema CBDC. Es handelt sich um eine kritische Analyse vorhandener Literatur und empirischer Beobachtungen.
Im Hauptteil werden geldtheoretische Grundlagen erläutert, fortgeschrittene CBDC-Pilotprojekte (DC/EP aus China, E-Krona aus Schweden) detailliert beschrieben, ein konzeptioneller Rahmen für CBDC entwickelt und mögliche Risiken sowie Folgen von CBDC auf Finanzstabilität, Geldpolitik, Zahlungsverkehr und individuelle Freiheit analysiert.
Central Bank Digital Currency (CBDC), digitale Währung, Kryptowährung, Blockchain, Finanzstabilität, Geldpolitik, Zahlungsverkehr, Bargeld, individuelle Freiheit, E-Krona, DC/EP, FinTech, BigTech, Helikoptergeld.
Die Blockchain-Technologie (Distributed Ledger Technology, DLT) ermöglicht direkte Peer-to-Peer-Transfers elektronischer Werteinheiten ohne Intermediäre und bildet die Grundlage für die Entwicklung von Digitalwährungen, obwohl ihre Reife und Skalierbarkeit für den breiten Einsatz im Kontext von Zentralbanken noch diskutiert wird.
Eine CBDC könnte zu einer verstärkten finanziellen Überwachung und Kontrolle der Bürger durch den Staat führen, da Transaktionen rückverfolgbar und programmierbar wären, im Gegensatz zur Anonymität von Bargeld. Dies birgt Risiken für die Privatsphäre und die Möglichkeit staatlicher Sanktionen bei unerwünschtem Lebensstil.
Die Verfügbarkeit eines risikolosen Zentralbankgeldes (Retail CBDC) könnte zu einer massiven Umschichtung von Bankeinlagen zu CBDCs führen, was die Refinanzierungskosten der Geschäftsbanken erhöhen, ihre Kreditvergabe einschränken und im Extremfall digitale Bank Runs auslösen könnte.
"Helikoptergeld" beschreibt eine aggressive expansive Geldpolitik, bei der Zentralbanken neu geschaffenes Geld direkt an Bürger und Unternehmen auszahlen. Eine CBDC könnte ein Instrument sein, um solche Maßnahmen effizienter umzusetzen, indem CBDC-Konten oder -Wallets direkt aufgeladen werden.
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