Magisterarbeit, 1981
65 Seiten, Note: gut
"Les Illustres Françoises – Die illustren Französinnen" von Robert Challe konnten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine breite Leserschaft erreichen, da sie der Bewusstseinslage des zu einer neuen Selbsteinschätzung gelangenden Bürgertums entsprachen. Das Werk reflektiert die im 17. und 18. Jh einsetzende Werteverschiebung, die Michel Foucault im „Discours philosophique – Diskurs der Philosophie“ (2023) beschreibt. Im Zentrum steht der Übergang zu einer bürgerlich geprägten Gesellschaft, die eigene normative Maßstäbe etabliert und sich bewusst von Adel und Großbürgertum abgrenzt.
Das Buch erschien 1713 in Den Haag. Es besteht aus sieben Geschichten, die ineinander so verwoben sind, so dass man zwar nicht von einem Roman, aber auch nicht bloß von „Erzählungen“ sprechen kann.
Es sind selbstbewusste Menschen der Zeit um 1700, von denen hier erzählt wird. Männer dominieren die Welt, aber Robert Challe setzt die Frauen in den Titel, womit er die ersten Gleichberechtigungsgedanken reflektiert, die seit dem 17. Jahrhundert, mit der „querelle des femmes“ in der französischen Gesellschaft entstanden sind. Zugleich zeigt sich in den Männer-Figuren eine moderne Fähigkeit zu kritischer Selbstreflektion.
Anhand der Theorie des impliziten Lesers, dass also der Autor seinen potentiellen Leserinnen und Lesern eine gewisse Haltung unterstellt und auch indirekt, also implizit, an sie appelliert, beziehungsweise deren Reaktionen vorausberechnet, wird die Haltung des Autors erkennbar und zugleich, welche Haltung er bei den Leserinnen und Lesern vermutet. Neben dem „impliziten Leser“ gibt es natürlich das tatsächliche historische Lesepublikum, das sich in Kritiken und im Verkauf manifestiert.
In dieser Magisterarbeit wird anhand des Textes und mit Hilfe der Sekundärliteratur zur Zeit der Abfassung dieser Arbeit (1981) dokumentiert, dass Robert Challe die Haltungen des Bürgertums seiner Zeit abbildet und zugleich möglicherweise wirksam an deren Entwicklung beteiligt war. Die Rezeption des Buches, also die Verbreitung, die Neu-Auflagen und die Zeitspanne dieser Auflagentätigkeit einerseits, die Reaktionen und Kritiken andererseits zeugen davon, dass das Lese-Publikum für Haltungen wie die der Figuren dieser Françoises eine geraume Zeit lang offen war. [...]
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