Bachelorarbeit, 2024
57 Seiten, Note: 1,7
Diese Bachelorarbeit untersucht die Schnittstelle zwischen Polizei und Sozialer Arbeit, um Synergien und Herausforderungen bei der Bewältigung sozialer Probleme und Kriminalität zu identifizieren. Das primäre Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Komplexität und Bedeutung dieser Kooperation zu entwickeln und ganzheitliche Ansätze für Prävention und Lösungen zu fördern, um gesellschaftlichen Herausforderungen entgegenzuwirken.
Abweichendes Verhalten und Kriminalität
Kriminalität und das Gefühl von Unsicherheit in der Gesellschaft sind soziale Herausforderungen, die in spezifischen Lebens- oder sozialen Kontexten entstehen und neue Probleme aufwerfen können. Obwohl Sozialarbeitende und die Polizei ähnliche Bevölkerungsgruppen adressieren, unterscheiden sich ihre Reaktionen auf diese Probleme grundlegend. Beide Institutionen setzen sich mit potenziellen Straftäter*innen, Störer*innen oder Kriminalitätsopfern auseinander. Allerdings sind die Handlungsmöglichkeiten der Polizei hinsichtlich der Kriminalitätsentstehung primär eingeschränkt, da ihre Hauptverantwortung in der Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit nach bereits begangenen Straftaten liegt. Präventive Maßnahmen zur Verhinderung von Kriminalität stehen weniger im Fokus der polizeilichen Tätigkeit. Die Polizei reagiert auf bereits geschehene Straftaten, während die Prävention von Kriminalität oft auf komplexe soziale und strukturelle Ansätze angewiesen ist, die über die unmittelbare Zuständig-keit der Polizei hinausgehen. Daher kommt der Sozialen Arbeit eine bedeutendere Rolle bei der Bewältigung der zugrundeliegenden Ursachen von Kriminalität zu (vgl. Pütter, 2022, S. 47).
In der Sozialen Arbeit wird das Konzept des „abweichenden Verhaltens“ oft im Kontext betrachtet. Dieser Ansatz interpretiert abweichendes Verhalten häufig als eine Reaktion auf soziale Probleme und individuelle Belastungen, für die das Individuum nur bedingt verantwortlich gemacht werden kann. Es wird versucht, dem Individuum durch sozialpädagogische Maßnahmen zu helfen, indem entweder sein Umfeld oder seine Persönlichkeit verändert werden sollen (vgl. Dollinger, 2018, S. 69).
Kriminalität sind alle Verhaltensweisen, die rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen und durch gesetzliche Festlegungen abschließend definiert werden. Die moralische Beurteilung von Straftaten variiert und kann innerhalb einer demokratischen Rechtsordnung durch die Politik beeinflusst werden. Historische und aktuelle Beispiele (so auch § 177 StGB) verdeutlichen die Veränderlichkeit gesetzlicher Normen über die Zeit und betonen, dass nicht jede Handlung von Anfang an als kriminell zu bewerten ist, sondern vielmehr, welche Handlungen durch Gesetze als strafbar definiert werden, unabhängig davon, ob sie aufgedeckt wurden (vgl. Höynck, 2022, S. 48 f.).
Kriminalität entsteht demnach nicht aufgrund der inhärenten Natur einer Handlung, sondern wird als soziale Kategorie durch Zuschreibungen definiert. Die Betonung liegt darauf, dass Kriminalität weniger eine intrinsische Eigenschaft von Handlungen ist, sondern vielmehr durch gesetzliche Definitionen und gesellschaftliche Zuschreibungen geformt wird (vgl. Pütter, 2022, S. 36). Zudem umfasst Kriminalität ein breites Spektrum von vergleichsweise geringfügigen Vergehen bis hin zu schwerwiegenden Verbrechen, die von Menschen jeden Alters begangen werden. Die Notwendigkeit, verschiedene Theorien zu den Ursachen von Kriminalität zu betrachten, ergibt sich demnach aus der Vielschichtigkeit und Komplexität dieses Phänomens. Straftaten haben oft nicht nur eine einzige Ursache, sondern können auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein (vgl. Ostendorf, 2018, S. 12). Die traditionelle Vorstellung eines „von Natur aus kriminellen Menschen“ wurde durch moderne Forschung widerlegt. Diese Forschung, so Ostendorf, hebt die Vielfalt genetischer Anlagen hervor, die stark vom individuellen Lebensverlauf und sozialem Kontext abhängen. Verschiedene Theorien zur Entwicklung von Kriminalität betonen unterschiedliche Aspekte:
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialer Arbeit ein, stellt die zentrale Forschungsfrage nach Synergien und Herausforderungen dar und begründet die Relevanz der Untersuchung sozialer Konflikte und krimineller Ereignisse.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden soziale Probleme sowie abweichendes Verhalten und Kriminalität tiefgehend analysiert. Es werden verschiedene theoretische Zugänge und deren Bedeutung für die Entstehung und Wahrnehmung von Kriminalität dargestellt, wobei die unterschiedlichen Perspektiven von Polizei und Sozialer Arbeit beleuchtet werden.
3 Rollen und Selbstverständnis der Akteure: Dieses Kapitel beleuchtet die sich historisch wandelnden Rollen, Aufträge, Prinzipien und ethischen Leitlinien sowohl der Polizei als auch der Sozialen Arbeit, um deren jeweiliges Selbstverständnis und ihre Beiträge zur gesellschaftlichen Ordnung zu verstehen.
4 Entwicklung der Kooperation zwischen Polizei und Sozialer Arbeit: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialer Arbeit nach, von anfänglicher Skepsis bis hin zu etablierten Kooperationsformen, insbesondere im Bereich der Jugendhilfe, und zeigt deren Wandel auf.
5 Rechtliche Rahmenbedingungen und organisatorische Strukturen: Es werden die gesetzlichen Bestimmungen und organisatorischen Unterschiede zwischen Polizei und Sozialer Arbeit erörtert, darunter Schweigepflicht, Zeugnisverweigerungsrecht und Anzeigepflicht, sowie eine idealtypische Gegenüberstellung beider Institutionen vorgenommen.
6 Synergien und Herausforderungen an gemeinsamen Schnittstellen: Dieser Abschnitt analysiert konkrete Berührungspunkte und die Zusammenarbeit in den Bereichen Prävention, Umgang mit Jugendlichen, häuslicher Gewalt und Migration, einschließlich spezifischer Programme und kritischer Bewertungen.
7 Aktuelle Entwicklungen und Trends: Das Kapitel behandelt aktuelle Kriminalitätsentwicklungen, das Phänomen der Kriminalitätsfurcht sowie die Problematik der Clankriminalität und erörtert die Diskurse im Kontext der Kooperation zwischen Polizei und Sozialer Arbeit.
8 Fazit und Ausblick: Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse zur Komplexität und Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialer Arbeit zusammengefasst, die Notwendigkeit einer ausgewogenen Partnerschaft betont und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen sowie die Förderung interkultureller Kompetenzen gegeben.
Polizei, Soziale Arbeit, Kriminalität, Soziale Probleme, Kooperation, Prävention, Jugendliche, Häusliche Gewalt, Migration, Clankriminalität, Ethik, Rechtsrahmen, Synergien, Herausforderungen, Gesellschaftlicher Wandel.
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Analyse der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialer Arbeit bei der Bewältigung sozialer Probleme und Kriminalität, wobei Synergien und Herausforderungen im Fokus stehen.
Zentrale Themenfelder sind die theoretischen Grundlagen von sozialen Problemen und Kriminalität, die Rollen und ethischen Prinzipien beider Akteure, die Entwicklung der Kooperation, rechtliche Rahmenbedingungen sowie gemeinsame Schnittstellen wie Prävention, Jugendkriminalität, häusliche Gewalt und Migration.
Das primäre Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die Kooperation zwischen Polizei und Sozialer Arbeit zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Synergien und Herausforderungen ergeben sich in der Zusammenarbeit von Polizei und Sozialer Arbeit bei der Bewältigung sozialer Probleme und Kriminalität?“
Die Arbeit stützt sich hauptsächlich auf eine gründliche Literaturrecherche, um bestehende Erkenntnisse und Ansichten im Bereich der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialer Arbeit zu erfassen und zu analysieren.
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen, Rollen und Selbstverständnisse der Polizei und Sozialen Arbeit, die Entwicklung der Kooperation, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Synergien und Herausforderungen an gemeinsamen Schnittstellen (Prävention, Jugendliche, häusliche Gewalt, Migration) und aktuelle Trends detailliert beleuchtet.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Polizei, Soziale Arbeit, Kriminalität, Soziale Probleme, Kooperation, Prävention, Jugendliche, Häusliche Gewalt, Migration, Clankriminalität, Ethik, Rechtsrahmen, Synergien, Herausforderungen und Gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.
Die Polizei betrachtet Gewalt primär als Gewaltkriminalität, dokumentiert in der PKS, und fokussiert auf Reaktion und Strafverfolgung. Die Soziale Arbeit sieht Gewalt in vielfältigerer Form, inklusive psychischer Schäden und persönlicher Gewaltbereitschaft, und konzentriert sich auf die Bewältigung zugrundeliegender Ursachen durch sozialpädagogische Maßnahmen.
Die Arbeit kritisiert die fehlende eindeutige Definition des Begriffs „Clan“, die zu Stigmatisierung führen kann. Es wird betont, dass „Clankriminalität“ erst dann angewendet wird, wenn Clanstrukturen wesentlich zur Planung, Durchführung oder Behinderung der Aufklärung krimineller Aktivitäten genutzt werden, und dass die Debatte oft auf rassistischen Stereotypen basiert.
Die Prävention von Jugendkriminalität ist ein zentraler Berührungspunkt, da Jugendliche oft sowohl Täter als auch Opfer sind und als beeinflussbar gelten. Programme wie „Kurve kriegen“ zielen auf frühzeitige Intervention ab, stoßen aber auch auf Kritik hinsichtlich der Vermischung der Rollen von Polizei und Jugendhilfe.
Polizeibeamt*innen stehen vor dem existentiellen ethischen Dilemma, Übles tun zu müssen, um Übles zu verhindern (z.B. Zwang anwenden, um Gewalt zu verhindern), was ein inneres Paradoxon darstellt. Ethik dient als Rahmenwerk, um sicherzustellen, dass Entscheidungen auf einer starken ethischen Grundlage basieren.
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