Masterarbeit, 2025
125 Seiten, Note: 1,3
Ziel dieser Arbeit ist es, die Reliabilität und Validität der überarbeiteten LiSu-Version zu evaluieren und zu prüfen, inwieweit zentrale psychologische Dimensionen – insbesondere Selbstwert, emotionale Abhängigkeit, Kontrollverlust und Craving – als Facetten eines gemeinsamen Konstrukts erachtet werden können. Damit soll ein Beitrag zur theoretischen Schärfung, empirischen Überprüfung und diagnostischen Nutzbarkeit des Konstrukts Liebessucht geleistet werden. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie diese psychologischen Dimensionen im Rahmen der Liebessucht empirisch erfasst und theoretisch fundiert werden können.
1.1. Sucht und Abhängigkeit – Ein Überblick
Das Verständnis von Sucht und Abhängigkeit hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich gewandelt. Während Sucht früher häufig als moralisches Fehlverhalten oder als Ausdruck mangelnder Willensstärke betrachtet wurde, wird sie heute als komplexe biopsychosoziale Erkrankung aufgefasst (Batra & Bilke-Hentsch, 2022, S. 15 ff.). Bereits in den frühen medizinischen Klassifikationen des 20. Jahrhunderts stand der körperliche Aspekt der Abhängigkeit im Vordergrund; die Entwicklung einer Toleranz, das Auftreten von Entzugssymptomen und der zwanghafte Konsum einer Substanz. Dieses somatische Krankheitsmodell wurde später durch psychologische und soziale Komponenten ergänzt, um die Vielschichtigkeit des Phänomens gerecht zu werden.
Nach Batra und Bilke-Hentsch (2022) beschreibt der Begriff Sucht ein übersteigertes, anhaltendes Verhalten, das auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung zielt, obwohl es langfristig negative Konsequenzen nach sich zieht. Um die medizinisch und therapeutisch fassbaren Dimensionen dieser Störung zu betonen, wird heute im klinischen Sprachgebrauch meist von Abhängigkeit gesprochen. Der Begriff „Sucht“ wird eher im umgangssprachlichen oder sozialpsychologischen Kontext verwendet, während „Abhängigkeit“ eine diagnostisch präziseren und weniger stigmatisierende Beschreibung entspricht. Abi (2021) hebt hervor, dass Sucht nicht nur eine individuelle, sondern ferner eine soziale Erkrankung ist. Gesellschaftliche Faktoren wie Leistungsdruck, soziale Unsicherheit, Vereinsamung oder Arbeitslosigkeit wirken als Verstärker suchtähnlicher Bewältigungsmuster. Menschen greifen in Krisen häufig auf Substanzen oder Verhaltensweisen zurück, um unerträgliche emotionale Spannungen zu regulieren oder Zugehörigkeit zu erleben.
In dieser Perspektive ist Sucht Ausdruck einer gestörten Beziehung zu sich selbst und zur sozialen Umwelt. Abi (2021, S. 46-56) beschreibt sie als eine sozial erlernte Form der Selbstberuhigung, die kurzfristig Entlastung bietet, langfristig jedoch Selbstwert und Beziehungsfähigkeit unterminiert. Im Kontext von Sucht spielen ebenfalls Bindungserfahrungen und Beziehungsdynamiken eine entscheidende Rolle. So hat Abi (2021) nachgewiesen, dass in Familien mit Suchterkrankungen häufig dysfunktionale Rollen zustande kommen – etwa das „unsichtbare Kind“, der „Held“ oder der „Sündenbock“. Diese Muster führen zu frühen Anpassungsleistungen, die spätere Abhängigkeitsentwicklungen begünstigen können.
Damit wird Sucht zu einem transgenerationalen Phänomen, das über familiäre Beziehungserfahrungen weitergegeben wird. Parallel dazu beschreiben Batra und Bilke-Hentsch (2022, S. 20 ff.) Sucht als Kontrollverlust über das eigene Verhalten, der sich auf neurobiologischer Ebene in veränderten dopaminergen und limbischen Belohnungsmechanismen widerspiegelt. Die psychische Dimension – der Drang, unangenehme Emotionen durch Konsum oder suchtähnliches Verhalten zu kompensieren – verbindet sich dabei mit einer neurobiologisch stabilisierten Gewohnheitsstruktur. Diese Kombination aus biologischer Vulnerabilität, psychischer Belastung und sozialem Kontext bildet wiederum den Kern des modernen biopsychosozialen Modells der Abhängigkeit.
I. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die aktuelle Forschung zur Liebessucht und stellt die Forschungsfrage sowie das Hauptziel der Arbeit vor, welches die Weiterentwicklung und Validierung des Messinstruments LiSu ist.
II. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der Arbeit dar, beginnend mit Begriffsdefinitionen von Sucht und Abhängigkeit und der Diskussion psychologischer Konzepte wie Liebe, Bindung und emotionaler Abhängigkeit.
1. Begriffsdefinitionen: Hier werden die Konzepte von Sucht und Abhängigkeit historisch und aktuell beleuchtet, inklusive der Klassifikationen nach DSM-5 und ICD-11 sowie dem Übergang zu verhaltensbezogenen Süchten.
2. Liebe, Bindung und emotionale Abhängigkeit: Dieses Kapitel untersucht die Schnittstelle zwischen Liebesbeziehungen und pathologischen Abhängigkeiten, unter besonderer Berücksichtigung der Bindungstheorie und emotionaler Dysregulation.
3. Liebessucht als verhaltensbezogene Abhängigkeit: Es wird erörtert, wie Liebessucht als eine eigenständige Verhaltenssucht definiert und theoretisch eingeordnet werden kann, inklusive des aktuellen Forschungsstands und komorbider psychologischer Zusammenhänge.
4. Diagnostische Erfassung von Liebessucht: Dieses Kapitel evaluiert bestehende Messinstrumente zur Liebessucht und begründet die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung zur präziseren diagnostischen Erfassung.
5. Weiterentwicklung des Messinstrumentes LiSu zur Erfassung von Liebessucht: Die theoretischen Kriterien und Modelle für Liebessucht werden beleuchtet und die methodische Grundlage für die Itemgenerierung des LiSu-Fragebogens dargelegt.
III. Empirischer Teil: Dieser Abschnitt beschreibt das Forschungsdesign und die Durchführung der empirischen Studie zur Weiterentwicklung des Liebessuchtfragebogens (LiSu), einschließlich Datenerhebung, -bereinigung und der Darstellung der Ergebnisse.
6. Weiterentwicklung des Liebessuchtfragebogens (LiSu): Dieses Kapitel detailliert das Forschungsdesign, die Datenerhebung, die statistische Aufbereitung und die Ergebnisse der Validierungsstudie des LiSu-Messinstruments.
7. Diskussion: Die Ergebnisse der Studie werden zusammengefasst, kritisch reflektiert und in den Kontext der bestehenden Forschung eingeordnet, gefolgt von einem Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Liebessucht, Messinstrument LiSu, Abhängigkeit, Sucht, emotionale Dysregulation, Bindungstheorie, Selbstwert, Craving, Kontrollverlust, Verhaltenssucht, Psychometrie, Reliabilität, Validität, DSM-5, ICD-11, Forschungsfragebogen.
Diese Master-Thesis befasst sich mit der Weiterentwicklung und empirischen Überprüfung des Messinstruments LiSu zur präzisen Erfassung des Konstrukts Liebessucht, um dessen psychologische Dimensionen besser zu verstehen und seine diagnostische Nutzbarkeit zu verbessern.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen Liebessucht, psychologische Abhängigkeiten, Bindungsstile, emotionale Dysregulation und die psychometrische Validierung von Messinstrumenten im Bereich verhaltensbezogener Süchte.
Das primäre Ziel ist die Evaluierung der Reliabilität und Validität einer überarbeiteten LiSu-Version sowie die Prüfung, inwieweit zentrale psychologische Dimensionen wie Selbstwert, emotionale Abhängigkeit und Craving als Facetten eines gemeinsamen Liebessucht-Konstrukts betrachtet werden können.
Es wird eine quantitative Untersuchungsmethode angewendet, die ein Forschungsdesign mit Datenerhebung mittels Online-Fragebogen und anschließender psychometrischer Analyse (Reliabilitäts- und Validitätsanalysen) umfasst.
Der Hauptteil der Arbeit umfasst den theoretischen Hintergrund zu Sucht, Abhängigkeit, Liebe und Bindung, die Definition von Liebessucht als Verhaltensabhängigkeit, die Darstellung des bestehenden Messinstruments LiSu und dessen Weiterentwicklung sowie den empirischen Teil der Studie mit Forschungsdesign, Datenerhebung und Ergebnissen.
Schlüsselwörter sind: Liebessucht, Messinstrument LiSu, Abhängigkeit, Sucht, emotionale Dysregulation, Bindungstheorie, Selbstwert, Craving, Kontrollverlust, Verhaltenssucht, Psychometrie, Reliabilität, Validität, DSM-5, ICD-11, Forschungsfragebogen.
Die Arbeit positioniert Liebessucht als eine verhaltensbezogene Abhängigkeit, die sich von substanzbezogenen Süchten unterscheidet, aber ähnliche suchtanaloge Mechanismen aufweist, die sich in Kontrollverlust, Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen manifestieren können.
Bindungserfahrungen, insbesondere unsichere oder dysfunktionale Bindungsstile im Erwachsenenalter, werden als entscheidender Faktor für die Entwicklung emotionaler Abhängigkeit und Liebessucht identifiziert, da sie die Art und Weise prägen, wie Individuen Beziehungen eingehen und emotionale Bedürfnisse regulieren.
Die Studie untersuchte die Reliabilität (interne Konsistenz mittels Cronbach's Alpha) und verschiedene Aspekte der Validität, insbesondere die Konstruktvalidität durch die Analyse der Zusammenhänge zwischen den Skalen des LiSu und anderen psychologischen Dimensionen.
Die Weiterentwicklung des LiSu zielt darauf ab, ein diagnostisch präzises und theoretisch fundiertes Instrument zur Identifizierung von Liebessucht zu schaffen, das in der Forschung und klinischen Praxis eingesetzt werden kann, um Betroffenen gezielter zu helfen.
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