Bachelorarbeit, 2010
92 Seiten, Note: 1,7
1. Allgemeine Einordnung
1.1 Migration in Deutschland
1.1.1 Geschichte der Migration ab 1945
1.1.2 Anteil der Migranten und Migrantinnen an der Bevölkerung
1.1.3 Strukturelle Benachteiligung
1.1.4 Resumée
1.2 Zwangsheirat
1.2.1 Zur Abgrenzung von Zwangsheirat und arrangierter Ehe
1.2.2 Erscheinungsformen
1.2.3 Erläuterung des Datenmaterials und quantitative Einordnung
1.2.4 Strukturelle Kontextbedingungen
1.2.5 Familiäre und normenbedingte Hintergründe
1.2.6 Die Bedeutung der Heirat / der Ehre
1.2.7 Die Rolle des Umfelds
2. Lebenslagen junger von Zwangsheirat betroffener Migrantinnen
2.1 Die Adoleszenz
2.1.1 Weibliche Sozialisation
2.1.2 Die Bedeutung der Jugendphase und Identitätsbildung
2.1.3 Entwicklungsaufgaben
2.1.4 Individueller Ausgestaltungsspielraum
2.1.5 Resumée
2.2 Migration
2.2.1 Marginalisierungs- und Ausgrenzungsprozesse
2.2.2 Zuschreibungen entlang der Diskriminierungslinien Ethnie und Geschlecht
2.2.3 Psychische Belastungsmodelle von Migration
2.2.4 Kulturkonflikthypothese
2.2.5 Resumée
2.3 Aus dem Kontext der Zwangsheirat / dem Verlassen der Familie resultierende Problemlagen
2.3.1 Institutionelle Anbindung
2.3.2 Verlust des sozialen und familiären Netzwerks
2.3.3 Psychosozialer Bereich
2.3.4 Alltagsbewältigung und Erlernen anonymer Verhaltensweisen
2.3.5 Resumée
3. Theorien der Sozialen Arbeit
3.1 Hans Thiersch – Lebensweltorientierung
3.1.1 Dimensionen lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
3.1.2 Struktur- und Handlungsmaximen
3.1.3 Praxisbezug in der Jugendhilfe
3.2 Lothar Böhnisch – Lebensbewältigung
3.2.1 Lebensbewältigung
3.2.2 Bewältigungsverhalten
3.2.3 Praxisbezug in der Jugendhilfe
3.3 Feministische Mädchenarbeit
4. Handlungsebenen
4.1 Ebene der strukturellen Diskriminierung
4.2 Institutionelle Ebene
4.3 Ebene der Sozialisation
4.4 Ebene des familiären Hintergrundes
4.5 Ebene der psychischen Belastungen
4.6 Ebene der Alltagsanforderungen
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Lebenslagen junger Migrantinnen, die von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind, und analysiert die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, diese Zielgruppe in ihrem Ablösungsprozess von der Familie professionell zu unterstützen. Das zentrale Ziel ist die theoretische Einordnung der Problemlagen sowie die Ableitung praxisnaher Handlungskonzepte für die stationäre Jugendhilfe und Beratungsstellen.
1.2.1 Zur Abgrenzung von Zwangsheirat und arrangierter Ehe
Für die Betrachtung des Sujets findet sich in der Literatur zumeist eine begriffliche Unterscheidung zwischen den beiden Termini „arrangierte Ehe“ und „Zwangsheirat“. Ob und welcher Art eine Unterscheidung vorgenommen werden muss, ist in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung kontrovers diskutiert. Die Lawaetz Stiftung legt der in Kapitel 1.2.2 aufgeführten Untersuchung im Auftrag der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg folgende Definition von Zwangsheirat zu Grunde:
„Zwangsverheiratungen liegen dann vor, wenn mindestens einer der Eheleute durch eine Drucksituation zur Ehe gezwungen wird und mit seiner Weigerung kein Gehör findet oder es nicht wagt, sich zu widersetzen, weil Eltern oder andere Familienangehörige erheblichen Druck ausüben. Die Druckmittel reichen von emotionaler Erpressung und psychischen Druck, über physische und sexuelle Gewalt. Hierzu gehören auch gewaltsam durchgesetzte Handlungen wie Einsperren, Entführen und in drastischen Fällen auch Ehrenmorde“ (Mirbach et al. 2006, 8f.).
Der Bericht des Directorate General of Human Rights verweist eindeutig auf die Problematik der Differenzierung und definiert arrangierte Ehen in Abgrenzung zur Zwangsheirat folgendermaßen:
„In other words, in the tradition of arranged marriages, the families of the future spouses are understood to play a central role in arranging the marriage, but the choice of whether not to marry rests with the spouses” (Directorate General of Human rights 2005, 21).
1. Allgemeine Einordnung: Dieses Kapitel liefert eine historische und statistische Einordnung der Migrationssituation in Deutschland und beleuchtet das Phänomen Zwangsheirat anhand quantitativer und qualitativer Daten.
2. Lebenslagen junger von Zwangsheirat betroffener Migrantinnen: Hier werden die individuellen Lebenswelten der Zielgruppe sowie migrationsbedingte Belastungsfaktoren und Exklusionsprozesse soziologisch und psychologisch analysiert.
3. Theorien der Sozialen Arbeit: Das Kapitel verknüpft die Lebenslagen der Zielgruppe mit den theoretischen Konzepten der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch, der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch sowie der feministischen Mädchenarbeit.
4. Handlungsebenen: Abschließend werden aus den vorangegangenen Analysen sechs spezifische Ebenen abgeleitet, auf denen die Soziale Arbeit agieren muss, um betroffene junge Frauen wirksam zu unterstützen.
Zwangsheirat, Migration, Soziale Arbeit, Lebensweltorientierung, Lebensbewältigung, feministische Mädchenarbeit, Integration, Adoleszenz, Familienehre, Diskriminierung, Migrationspädagogik, Jugendliche, Identitätsbildung, Beratung, Jugendhilfe.
Die Arbeit befasst sich mit der Situation junger Migrantinnen, die von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind und den Schritt wagen, ihr familiäres Umfeld zu verlassen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Zentral sind die soziologischen und psychologischen Aspekte der Lebenslage dieser jungen Frauen, insbesondere im Spannungsfeld zwischen familiären Traditionen, den Anforderungen der Jugendphase und dem Leben als Migrantin in Deutschland.
Die Arbeit untersucht, wie Soziale Arbeit die Zielgruppe der von Zwangsheirat betroffenen jungen Frauen unter Berücksichtigung ihrer multidimensionalen Problemlagen professionell und zielgruppengerecht unterstützen kann.
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die auf Basis einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender qualitativer und quantitativer empirischer Studien (z.B. der Lawaetz-Stiftung oder von Strobl/Lobermeier) Handlungskonzepte für die Soziale Arbeit entwickelt.
Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine Einordnung von Migration und Zwangsheirat, die Analyse der spezifischen Lebenslagen der Zielgruppe sowie die theoretische Verankerung in der lebensweltorientierten und feministischen Sozialen Arbeit, woraus konkrete Handlungsebenen abgeleitet werden.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Zwangsheirat, Lebensweltorientierung, Lebensbewältigung, Empowerment, Diskriminierung und Migrationspädagogik geprägt.
Die Autorin schließt sich einer begrifflichen Differenzierung an, die bei der Zwangsheirat das Fehlen einer freien Entscheidung unter Androhung oder Ausübung von Macht und Gewalt als entscheidendes Kriterium hervorhebt.
Die Familienehre fungiert als ein mächtiges, meist patriarchalisch geprägtes Normenkonstrukt, dessen Aufrechterhaltung oft als Begründung für Zwangsheiraten herangezogen wird und massiven sozialen Druck auf die jungen Frauen ausübt.
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