Bachelorarbeit, 2022
63 Seiten, Note: 1,0
Diese Bachelorarbeit, mit dem Thema „The raving body – Körperkonstruktionen in der Techno-Szene“, untersucht, wie der Körper in der Techno-Kultur durch stilbildende Elemente geprägt wird, welche Bedeutungen und Zuschreibungen er erhält, welches körperliche Ideal angestrebt wird und inwiefern Technik diesen Körperkonstrukt beeinflusst. Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Herangehensweise, um ein umfassendes Bild des Körpers im Kontext kultureller Produktion im 21. Jahrhundert zu entwickeln.
4.1 Ich-Auflösungen
Durch die Loslösung von räumlichen und zeitlichen Strukturen und der Ekstase, die teil-weise durch die Drogen induziert wird, ergibt sich im Rave eine transzendentale Auf-lösung, die das Verhältnis der Selbstwahrnehmung zum Umfeld beeinflusst und auf der psychischen Ebene abläuft.133 Diese kann sich sowohl als positiv und erfüllend oder aber auch als negativ und beängstigend für das Individuum ergeben, auch hier spielen Set und Setting des Drogengebrauchs eine entscheidende Rolle: „Ausschlaggebend für eine positive oder negative Wirkungsweise von Drogen sind nach Auffassung der akzeptierenden Dro-genarbeit das richtige Setting und die Riten des Drogen-Usings.“134 Es ist möglich, sich in einen Flow-Zustand zu versetzen, in der der Tanz wie im Unterbewussten abzulaufen scheint, welches die Gedanken und die körperliche Tätigkeit in eine Symbiose versetzt. 135 Transzendentale Erfahrungen können so gemacht werden, wobei die repetitive Musik durch ihre monotone und vertiefende Eigenschaft unterstützend wirkt, sich mit seinem Innenleben auseinanderzusetzen.136 Auch die Entgrenztheit kann, wenn sie positiv und somit erfolgreich verläuft, als therapeutisch empfunden werden.137
Da ist zunächst die positive Wirkungsweise, in der das Individuum mit sich im Reinen ist; ein Hochgefühl der Zufriedenheit und des Glücks überträgt sich in die Selbstwahrneh-mung, welches harmonisch mit dem Umfeld zur Einheit verschmilzt. Räumliche und zeit-liche Dimensionen werden sanft aufgehoben. Dies wird als „Ozeanische Selbstentgren-zung"138 bezeichnet und ist das angenehme Gefühl, welches mit der Drogeneinwirkung, der Musik, dem Tanz und der daraus resultierenden Ekstase in der subjektiven Empfindung erstrebt wird. 139 Die negative Wirkungsweise hingegen wird als „Angstvolle Ich-Auflö-sung"140 bezeichnet, in der das Individuum einen Horrortrip durchlebt: wenn Set und Setting nicht harmonieren oder nicht für den geschützten Konsum für Drogen ausreichen, kann dies einen Zustand der Paranoia erzeugen. Es entsteht das Gefühl, die subjektive Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben, Todesangst kann ausbrechen. Das Umfeld wird verzerrt wahrgenommen, es entsteht das Gefühl, sich in ihr aufzulösen.
Diese Ich-Zustände sind von vielen internen als auch externen Faktoren abhängig, sie können somit positiv als auch negativ verlaufen.¹41 Einer dieser Faktoren, der entscheidend sein kann, ist auch die Reinheit der Drogen: Streckstoffe, wie das stark halluzinogene LSD, können Horrortrips und somit die Angstvolle Ich-Auflösung hervorrufen. Dennoch lässt sich sagen, dass die transzendentale Erfahrung im Techno zur Erlangung metaphysischer Bewusstseinszustände als leibliche Erkenntnis des Selbst im Vordergrund steht.142
Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfragen zur Körperkonstruktion in der Techno-Szene vor und beleuchtet, wie Stil, Bedeutungen, körperliche Ideale und Technologie den Körper beeinflussen.
Techno-Musik: Hier werden die spezifischen Merkmale der Techno-Musik beschrieben, insbesondere ihre Entstehung durch technologische Geräte, die Rolle von Beat und Repetition sowie die synästhetische Wahrnehmung.
Techno-Mode: Dieses Kapitel analysiert die Techno-Mode als Mittel zur Selbstexpression, inklusive Verkleidung, Maskerade, Materialien, Farben und Körpermodifikationen, und deren Einfluss auf die individuelle und kollektive Identität.
Drogen: Der Drogenkonsum in der Techno-Szene wird beleuchtet, wobei spezifische Substanzen wie MDMA und Amphetamin in ihrer Wirkung auf die Körperwahrnehmung und die daraus resultierenden Ich-Auflösungen während des Raves untersucht werden.
„Abfahrt!" – Der Rave als Techno-Tanz: Der Rave wird als zentrale Tanzkultur der Techno-Szene dargestellt, wobei die körperliche Inszenierung, mimetische Prozesse und die Auflösung räumlicher und zeitlicher Dimensionen im Fokus stehen.
Weiche Männer – starke Frauen: Techno und Geschlecht: Dieses Kapitel untersucht, wie die Techno-Szene traditionelle Geschlechtergrenzen aufbricht, die Auslebung von Maskulinität und Femininität ermöglicht und wie Sexualität im Kontext des Raves neu definiert wird.
Individuum und Masse: Hier wird das Spannungsverhältnis zwischen individueller Selbstinszenierung und kollektiver Zugehörigkeit in der Techno-Szene analysiert, sowie die Entstehung und die Werte der „Raving Society“ beschrieben.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und charakterisiert den „raving body“ als ein technologisch konstruiertes, maschinenhaftes und genussvolles Ideal, das sich der Posthumanen Theorie annähert.
Techno, Körperkonstruktion, Rave, Mode, Drogen, Ich-Auflösung, Mimesis, Geschlechtergrenzen, Selbstinszenierung, Raving Society, Cyborg, Posthumanismus, Musik, Tanz, Subkultur
Die Arbeit untersucht die vielschichtige Konstruktion des Körpers in der Techno-Szene, wobei der Einfluss von Musik, Mode, Drogen und sozialen Interaktionen auf das körperliche Ideal und die Selbstwahrnehmung analysiert wird.
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse der Techno-Musik, der Techno-Mode, des Drogenkonsums und seiner Effekte, des Raves als Tanzkultur, der Geschlechterrollen in der Szene sowie des Verhältnisses von Individuum und Masse.
Das primäre Ziel ist es, zu verstehen, wie der Körper in der Techno-Kultur durch stilbildende Elemente geprägt wird, welche Bedeutungen er erhält, welches körperliche Ideal angestrebt wird und wie die Technologie diesen Körperkonstrukt beeinflusst.
Die Arbeit verfolgt eine hermeneutische Herangehensweise, um ein umfassendes Bild des Körpers im Kontext kultureller Produktion und postmoderner Theorien zu entwickeln.
Der Hauptteil behandelt die Musik als Grundlage, die Mode als Ausdruck des Selbst, den Einfluss von Drogen auf die Körperwahrnehmung und Ich-Auflösung, den Rave als Tanzform, die Auflösung von Geschlechtergrenzen und das soziale Gefüge der "Raving Society".
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Techno, Körperkonstruktion, Rave, Mode, Drogen, Ich-Auflösung, Mimesis, Geschlechtergrenzen, Selbstinszenierung, Raving Society, Cyborg, Posthumanismus, Musik, Tanz und Subkultur.
Techno-Musik beeinflusst die Körperwahrnehmung durch hohe Lautstärke und Bässe, die nicht nur akustisch, sondern auch taktil wahrgenommen werden, wodurch eine synästhetische Erfahrung entsteht und das Zeitempfinden verzerrt wird.
Mode dient in der Techno-Szene als Ausdrucksmittel für Individualität und Zugehörigkeit. Verkleidungen, Masken und das Spiel mit unterschiedlichen Materialien und Farben ermöglichen eine ästhetische Neugestaltung des Ichs und die Dekonstruktion gesellschaftlicher Normen.
Drogen wie MDMA können zu einer transzendentalen Ich-Auflösung führen, die sowohl als positiv ("Ozeanische Selbstentgrenzung") als auch negativ (Horrortrip, Paranoia) erlebt werden kann, und beeinflussen die räumliche und zeitliche Wahrnehmung.
Die Techno-Szene dekonstruiert traditionelle Geschlechterrollen, indem sie einen geschützten Raum für Crossdressing, Drag und die Auslebung einer genderfluiden Identität bietet. Männer können feminine Seiten entdecken, Frauen sich selbstbewusst präsentieren, und die Sexualität wird auf eine spielerische, sinnliche Ebene verschoben.
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