Masterarbeit, 2024
73 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, welche infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen die Ansiedlung des Unternehmens Siemens & Halske AG in Spandau hatte und inwiefern das Unternehmen beim aktuellen Bauvorhaben des Siemensstadt Squares an alte Traditionen anknüpft. Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung der Siemensstadt historisch zu beleuchten und Parallelen sowie Unterschiede zum modernen Bauprojekt "Siemensstadt Square" aufzuzeigen, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern.
2.1 Gründungsgeschichte von Siemens & Halske bis 1897
Gleichzeitig wandelte sich die Berliner Industrielandschaft: Nach den Befreiungskriegen verlagerte sich in Berlin die bis dahin dominierende Textilindustrie von der Stadt auf das Land. Zunehmend wurde der Ausbau des Eisenbahnnetzwerkes forciert und die Nachfrage nach Spinn- und Webmaschinen stieg an. Dieser Sachverhalt schuf die Grundlage für den Aufschwung und die Etablierung der Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie als neue zukunftsträchtige Großindustrie.
Von einer strukturierten und institutionalisierten Elektroindustrie konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesprochen werden, doch im Rahmen der physikalischen Forschung wurden zunehmend verschiedene elektrische Phänomene beobachtet. Dieser Sachverhalt regte wiederum zahlreiche Forscher*innen zu Überlegungen an, wie diese Entdeckungen technisch nutzbar gemacht werden konnten.
In diesem Zusammenhang versuchte das Unternehmen Siemens & Halske, mittels des elektrischen Stroms zu telegrafieren und auf diese Weise über weite Distanzen per Zeichenübertragung zu kommunizieren. Auch andere Unternehmen entwickelten erste Prototypen, jedoch waren diese in der Anwendung zu kompliziert oder nicht dauerhaft betriebssicher. Die Unternehmensgründer Siemens und Halske waren die ersten, die einen alltagsfähigen und für den praktischen Gebrauch geeigneten Zeigertelegrafen entwickelten.
Diese neue Form der Kommunikation war revolutionär und schuf zahlreiche neue Möglichkeiten und Anwendungsfelder. Aus der Retrospektive wird die Telegrafie daher auch als das Internet des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Aufgrund von Werners guten Kontakten zum preußischen Militär wurden die ersten Zeigertelegrafen in der preußischen Militärverwaltung eingeführt.
Das Unternehmen erhielt den Staatsauftrag, eine 500 Kilometer lange Telegrafenlinie von Berlin nach Frankfurt am Main zu verlegen. Durch diesen staatlichen Großauftrag florierte das junge Unternehmen und leistete zugleich wichtige Pionierarbeit. Doch aufgrund der sparsamen Regierung war das Unternehmen gezwungen, eine kostengünstige Isolierung der Leitungen vorzunehmen. Diese erwies sich jedoch qualitativ als mangelhaft und führte letztendlich zum Entzug der Aufträge seitens des preußischen Staates.
Daher richtete Siemens & Halske zunehmend seinen Blick auf das zahlungskräftige Ausland. Besonders im großflächigen Russland stellten der Bau und die Wartung der Telegrafenlinien ein sehr lukratives Geschäft dar. Zudem wurden Werners Bruder Wilhelm Siemens und sein Vetter Carl Georg Siemens stärker in das Geschäft mit eingebunden. Wilhelm konzentrierte sich auf den englischen Markt und eröffnete dem Unternehmen durch die Verlegung telegrafischer Tiefseekabel neue Geschäftsfelder. Das Berliner Familienunternehmen verfolgte von Anfang an eine Internationalisierungsstrategie, was darin begründet lag, dass das Unternehmen auf staatliche oder halbstaatliche Großaufträge angewiesen war. Auf diese Weise erarbeitete sich das junge Unternehmen in kürzester Zeit einen guten Ruf innerhalb Europas.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den historischen Kontext der Industrialisierung in Berlin ein, beleuchtet die Rolle von Siemens & Halske und stellt die Forschungsfrage zur Entwicklung der Siemensstadt und deren Bezug zum heutigen Siemensstadt Square vor.
2. Historischer Kontext: Hier wird die Gründungsgeschichte von Siemens & Halske bis 1897 detailliert beschrieben und die Motive für die Wahl des Standorts Nonnenwiesen erläutert.
3. Kurzdarstellung der Ausgangssituation in Spandau: Das Kapitel analysiert die infrastrukturelle und sozioökonomische Lage Spandaus Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere unter dem Einfluss des Reichsrayongesetzes.
4. Die infrastrukturellen und die sozialen Auswirkungen der Ansiedlung: Dieser Abschnitt untersucht tiefgehend, wie die Ansiedlung von Siemens die Entwicklung der Industrieanlagen, Verkehrssysteme, Wohnanlagen sowie soziale und kulturelle Einrichtungen in der Siemensstadt prägte und welche sozialpolitischen Maßnahmen ergriffen wurden.
5. Bauvorhaben – Siemensstadt Square: Das Kapitel stellt das aktuelle Großprojekt des Siemensstadt Squares vor und analysiert die Parallelen und Unterschiede zur historischen Entstehung der Siemensstadt.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Aussagen und beantwortet die Forschungsfrage, wobei der weitreichende Einfluss von Siemens auf Spandau und das zukunftsorientierte, nachhaltige Konzept des Siemensstadt Squares hervorgehoben werden.
Industrialisierung, Siemensstadt, Siemens & Halske, Berlin, Spandau, Stadtentwicklung, Infrastruktur, Wohnungsbau, Sozialpolitik, Siemensstadt Square, Urbanisierung, Elektroindustrie, Architektur, Nachhaltigkeit, Arbeitsplätze.
Diese Masterarbeit untersucht die historische Entwicklung der Siemensstadt in Berlin, insbesondere die infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen der Ansiedlung von Siemens & Halske, und zieht Vergleiche zum aktuellen Bauvorhaben des Siemensstadt Squares.
Die zentralen Themenfelder sind die Industrialisierung Berlins, die Gründungs- und Expansionsgeschichte von Siemens & Halske, die Entwicklung der Infrastruktur (Industrie, Verkehr, Wohnen) und sozialer Einrichtungen in der Siemensstadt sowie das moderne Projekt Siemensstadt Square und dessen Bezug zur Unternehmensgeschichte.
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, welche infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen die Ansiedlung der Siemens & Halske AG in Spandau hatte und inwiefern das Unternehmen beim Bauvorhaben des Siemensstadt Squares an alte Traditionen anknüpft.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse historischer Kontexte und Entwicklungen, um die infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen der Unternehmensansiedlung sowie Parallelen zum heutigen Bauvorhaben zu untersuchen.
Der Hauptteil behandelt die Gründungsgeschichte von Siemens & Halske, die Ausgangssituation in Spandau, die infrastrukturellen Auswirkungen (Entwicklung von Industrie-, Verkehrs- und Wohnanlagen) und die sozialen Auswirkungen (Gründung von Bildungseinrichtungen, Etablierung sozialer Angebote und sozialpolitische Maßnahmen).
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Industrialisierung, Siemensstadt, Siemens & Halske, Berlin, Spandau, Stadtentwicklung, Infrastruktur, Wohnungsbau, Sozialpolitik, Siemensstadt Square, Urbanisierung, Elektroindustrie, Architektur, Nachhaltigkeit und Arbeitsplätze charakterisiert.
Der "Siemens-Stil", maßgeblich von Karl Janisch und Hans Hertlein entwickelt, prägte die Ästhetik der Industriegebäude durch funktionale, erweiterungsfähige Zweckbauten, die sich durch eine unterschiedliche Höhengliederung, asymmetrische Anordnung und die Verwendung von rotbraunem märkischen Ziegelstein auszeichneten.
Die Stadt Spandau profitierte von wichtigen Steuergeldern, der Schaffung sicherer und dauerhafter Arbeitsplätze, der Reduzierung der Abhängigkeit von der Rüstungsindustrie und der schrittweisen Aufhebung des Reichsrayongesetzes, was ihre finanzielle Situation und städtische Entwicklung maßgeblich verbesserte.
Das Konzept der "Schwammstadt" im Siemensstadt Square zielt darauf ab, Regenwasser durch Versickerungsmulden aufzufangen und aufzubereiten. Angesichts der starken Versiegelung des Baugebiets soll dies zur Verbesserung des Regenwassermanagements beitragen und ökologische Aspekte berücksichtigen.
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