Masterarbeit, 2024
73 Seiten, Note: 1,3
Die Masterarbeit widmet sich der Entstehung der Berliner Siemensstadt und setzt sie in einen direkten Bezug zu den aktuellen städtebaulichen Entwicklungen rund um den Siemensstadt Square. Im Zentrum steht die Leitfrage, welche infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen die Ansiedlung der Siemenswerke auf den Stadtteil Spandau hatte und inwiefern das heutige Bauprojekt an historische Konzepte von Industrie, Wohnen und sozialer Verantwortung anknüpft oder neue Wege beschreitet.
Ausgehend von der Industrialisierung Berlins zeichnet die Arbeit die Entwicklung des Unternehmens Siemens & Halske nach und analysiert die Motive für die Standortwahl der Nonnenwiesen. Darauf aufbauend wird die infrastrukturelle und sozioökonomische Ausgangssituation Spandaus Ende des 19. Jahrhunderts beleuchtet – einer Stadt, die durch militärische Restriktionen, Wohnungsnot und wirtschaftliche Abhängigkeiten geprägt war. Die folgenden Kapitel untersuchen detailliert die Auswirkungen der Siemensansiedlung auf Industrieanlagen, Verkehrsnetze und Wohnungsbau sowie die Entstehung von Bildungs-, Sozial- und Kultureinrichtungen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Siemensstadt als bewusst geplantes Industrie- und Lebensumfeld, in dem Arbeit, Wohnen und soziale Infrastruktur eng miteinander verzahnt wurden. Dieser historische Befund bildet die Grundlage für die Analyse des aktuellen Bauvorhabens Siemensstadt Square, für das 2024 die Baugenehmigung erteilt wurde. Das Projekt sieht die Transformation eines ehemaligen Industrieareals in ein urbanes Mischquartier mit Wohnraum, Arbeitsplätzen, Bildungs-, Forschungs- und Freizeitangeboten vor und gilt als eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte Berlins.
Die Arbeit lädt dazu ein, die gegenwärtigen Bau- und Transformationsprozesse kritisch vor dem historischen Hintergrund zu betrachten: Wiederholt sich ein erfolgreiches industriegeprägtes Stadtmodell oder entsteht ein völlig neuer Typ von Stadtquartier? Im Fazit werden Parallelen und Unterschiede pointiert herausgearbeitet und in einen größeren stadt- und sozialgeschichtlichen Kontext eingeordnet.
Die Masterarbeit wurde mit der Note 1,3 bewertet und verbindet historische Tiefenanalyse mit hoher Aktualität. Sie richtet sich an Leser*innen aus den Bereichen Stadtgeschichte, Stadtplanung, Bildungswissenschaften und nachhaltige Stadtentwicklung und bietet eine fundierte Grundlage, um aktuelle Debatten über urbane Transformation besser zu verstehen.
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