Examensarbeit, 2006
54 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Terminologie
3. Muttersprache und Übersetzung im Fremdsprachenunterricht:
Ein historischer Überblick ab dem Ende des 19. Jahrhunderts
3.1. Die Grammatik-Übersetzungsmethode
3.2. Die einsprachigen Methoden
3.3. Die Kommunikative Didaktik
4. Die unterschiedlichen Standpunkte der Wissenschaftler
4.1. Die Muttersprache bei der Bedeutungserschließung
4.2. Die Muttersprache bei der Lernerfolgs- und Textverständniskontrolle
4.3. Die Muttersprache beim Sprachvergleich
4.4. Die Muttersprache als Mittel der Zeitersparnis
4.5. Das Sprachmitteln und der Lernzielkatalog
4.6. Die Übersetzung als Fertigkeit und als Übungsform
4.6.1. Die Übersetzung als Fertigkeit
4.6.2. Die Übersetzung als Übungsform
4.6.3. Zur Übertragbarkeit der Erkenntnisse Bauschs auf die anderen Formen des Sprachmittelns
5. Die Stellung der Muttersprache im Lehrplan und Lehrbuch
5.1. Die Muttersprache im sächsischen Lehrplan
5.2. Die Muttersprache in den Lehrbüchern Learning English: Green Line und English G2000
6. Ein Plädoyer für die Muttersprache
6.1. Die stete Präsenz der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht
6.2. Der bewusste Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht
6.2.1. Die Abwendung von der Einsprachigkeit
6.2.2. Die Entwicklung sprachmittlerischer Fertigkeiten
6.2.2.1. Das sinngemäße Übertragen
6.2.2.2. Das Dolmetschen
6.2.2.3. Das Übersetzen
7. Fazit
Diese Examensarbeit untersucht, welche Möglichkeiten der bewusste Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht eröffnet und wie er zur Erreichung von Lernzielen beitragen kann. Ziel ist es zu erörtern, inwiefern Unterricht, der die überlegte Zuhilfenahme der Muttersprache zulässt, erfolgreicher sein kann als ein konsequent einsprachiger Fremdsprachenunterricht.
6.2.2.1. Das sinngemäße Übertragen
Bei dieser Form des Sprachmittelns handelt es sich um die Übertragung eines muttersprachlich vorgegebenen Sachverhaltes in einen fremdsprachlichen Text. Der Ausgangstext besteht dabei aus Sätzen, die zu sprachlichen Äußerungen auffordern (Stichwort ‚Übersetzungsauftrag’) und in denen die Aussage – im Gegensatz zum Übersetzen oder Dolmetschen – nicht als direkte Rede ausformuliert ist. Damit wird „[b]eim sinngemäßen Übertragen [...] nicht umkodiert, sondern neukodiert“ (Weller 1981: 283; Hervorhebung i. Orig.). Wie bei den anderen Formen ist auch bei der sinngemäßen Übertragung eine kontextuelle Einbettung notwendig.
Obwohl sinngemäßes Übertragen auch schriftlich erfolgen kann, ist die mündliche sinngemäße Übertragung die wohl am häufigsten auftretende Variante in der alltäglichen interkulturellen Kommunikation. Deshalb wird es teilweise auch als Unterform des Dolmetschens betrachtet (vgl. Knapp 2001: 376f.). Im schulischen Kontext tritt auf Grund des Einsatzes von Lehrbüchern und anderen schriftgebundenen Medien häufig die Variante auf, dass der Ausgangstext zwar schriftlich vorliegt, der Zieltext jedoch mündlicher Art ist.
Im Gegensatz zum Übersetzen und Dolmetschen ist das Ziel bei dieser Form nicht die inhaltlich vollständige und adäquate Sprachmittlung, sondern vielmehr die Übertragung des Wesentlichen, das heißt der Kernaussage(n), in die Fremdsprache. Durch das Fehlen einer ausformulierten Vorlage wird „die Gefahr gemindert, daß die Schüler zu ‚wörtlicher’ Übersetzung neigen und sich einfach von den Strukturen der Muttersprache leiten lassen“ (Weller 1981: 281; Hervorhebung i. Orig.). Ebenso eröffnet es die Möglichkeit, dass die Lerner die Sachverhalte je nach individueller Sprachkompetenz sehr verschieden ausdrücken und auf ihnen bekannte Wörter und Strukturen ausweichen können (vgl. dass.: 281f.; Reinke 1977: 145). Es gestattet und fordert somit ein gewisses Maß an Kreativität seitens des Fremdsprachenlerners.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den kontroversen Einsatz der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht und stellt die Forschungsfrage, ob dessen bewusste Nutzung den Lernerfolg im Vergleich zur einsprachigen Methode steigern kann.
2. Terminologie: Hier werden grundlegende Begriffe wie Muttersprache, Fremdsprache, Übersetzen, Dolmetschen und sinngemäßes Übertragen für den Kontext der Arbeit präzise definiert und abgegrenzt.
3. Muttersprache und Übersetzung im Fremdsprachenunterricht:: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über methodische Konzeptionen von der Grammatik-Übersetzungsmethode bis hin zur Kommunikativen Didaktik und deren Haltung zur Muttersprache.
4. Die unterschiedlichen Standpunkte der Wissenschaftler: Verschiedene Expertenmeinungen zu Funktionen der Muttersprache werden analysiert, darunter Bedeutungserschließung, Lernerfolgskontrolle, Sprachvergleich und Zeitersparnis.
5. Die Stellung der Muttersprache im Lehrplan und Lehrbuch: Die Untersuchung des sächsischen Lehrplans sowie der Lehrwerke "Green Line" und "English G2000" zeigt, wie Sprachmittlung in der Praxis eingebettet ist.
6. Ein Plädoyer für die Muttersprache: Die Autorin legt ihre eigenen Schlussfolgerungen dar, begründet die stete Präsenz der Muttersprache und entwickelt Konzepte für den bewussten Einsatz und die Entwicklung sprachmittlerischer Fertigkeiten.
7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Muttersprache eine natürliche Rolle spielt, nicht verdrängt werden sollte und ihr gezielter Einsatz – in Abgrenzung zum professionellen Sprachmitteln – den Unterricht bereichert.
Muttersprache, Fremdsprachenunterricht, Übersetzung, Sprachmittlung, Didaktik, Einsprachigkeit, Kommunikative Kompetenz, Dolmetschen, Sinngemäßes Übertragen, Interferenz, Semantisierung, Fremdsprachenerwerb, Lehrplan, Translatorische Kompetenz, Sprachvergleich.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Muttersprache im Fremdsprachenunterricht und hinterfragt das oft geforderte Prinzip der strikten Einsprachigkeit vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Anforderungen.
Zentrale Felder sind die historische Entwicklung der Fremdsprachendidaktik, die verschiedenen Funktionen des Sprachmittelns (wie Übersetzung und Dolmetschen) sowie deren Integration in den schulischen Kontext und aktuelle Lehrwerke.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern ein Fremdsprachenunterricht, der die überlegte und bewusste Zuhilfenahme der Muttersprache integriert, erfolgreicher gestaltet werden kann als ein konsequent einsprachig geführter Unterricht.
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Examensarbeit, die durch die Auswertung der Fachliteratur, die Analyse von Lehrplänen und exemplarische Sichtung von Englisch-Lehrwerken gestützt wird.
Der Hauptteil analysiert die wissenschaftlichen Kontroversen zum Sprachmitteln, untersucht sächsische Lehrpläne und Lehrbücher (Green Line, English G2000) und entwickelt daraus ein Plädoyer für den bewussten, funktionalen Einsatz der Muttersprache.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sprachmittlung, translatorische Kompetenz, didaktische Abkehr von der dogmatischen Einsprachigkeit, bewusster Einsatz der Muttersprache und interkulturelle Kommunikation charakterisiert.
Die Arbeit definiert Übersetzen als schriftlich fixierte Übertragung, während Dolmetschen als mündliche Übertragung verstanden wird. Beide werden im schulischen Kontext als kommunikative Tätigkeiten betrachtet, die auf das Leben vorbereiten.
Das sinngemäße Übertragen wird als wichtiger Zwischenschritt zwischen einsprachiger Produktion und professionellem Übersetzen/Dolmetschen angesehen, da es die sprachliche Kreativität der Schüler fördert und weniger starr an 1:1-Entsprechungen gebunden ist.
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