Masterarbeit, 2025
78 Seiten, Note: 1,0
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die empirische Untersuchung der Stabilität und Veränderung von Namensstereotypen im Generationsvergleich, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, ob in der heutigen Gesellschaft stabile Stereotype über bestimmte Vornamen fortbestehen und ob sich diese zwischen verschiedenen Generationen unterscheiden.
2.3.1 Ursprung und mediale Popularisierung des Begriffs
Die Begriffsbildung „Kevinismus“ veranschaulicht eindrücklich, wie soziale Zuschreibungen anhand einzelner Vornamen entstehen und sich im öffentlichen Diskurs etablieren können (Schultz & Gerhards, 2009). Ursprünglich wurde der Begriff ironisch-abwertend geprägt, um die massenhafte Vergabe angloamerikanischer Namen wie „Kevin“ zu thematisieren und deren gesellschaftliche Zuschreibung als Indikator für soziale Stigmatisierung zu kritisieren (Pribyl, 2008; Schultz & Gerhards, 2009). In kürzester Zeit gelangte dieser Begriff in die Medien und die Alltagssprache, wodurch seine Reichweite und der damit einhergehende Einfluss auf die Wahrnehmung von Namenstragenden exponentiell wuchs (Schultz & Gerhards, 2009). Kritisch zu hinterfragen ist hier die Rolle der Medien als Verstärker dieses Phänomens, da durch ihre Berichterstattung Namenszuschreibungen nicht nur verbreitet, sondern aktiv geprägt und perpetuiert werden (Pribyl, 2008). Diese Dynamik verdeutlicht, dass die Entstehung des Begriffs „Kevinismus“ nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil eines größeren gesellschaftlichen Mechanismus ist, der soziale Stereotypisierungen verstärkt.
Die Popularisierung des Begriffs „Kevinismus“ steht in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen und medialen Skandalisierungsmechanismen. Diese Mechanismen bedienen stereotype Vorstellungen über vermeintlich „unangepasste" soziale Schichten und nutzen die Namenswahl, um eine symbolische Kluft zwischen Bildungsnähe und -ferne zu markieren (Pribyl, 2008). So wird durch zugeschriebene Charakteristika wie geringe Intelligenz oder mangelnde Erziehung eine soziale Abgrenzung geschaffen, die auf tief verwurzelten Vorurteilen basiert. Der kritische Punkt hierbei ist, dass solche Zuschreibungen kaum auf konkrete Interaktionen mit Personen zurückzuführen sind, sondern vielmehr aus kollektiven gesellschaftlichen Vorstellungen gespeist werden (Pribyl, 2008). Durch diesen Prozess werden bestehende soziale Ungleichheiten nicht nur abgebildet, sondern auch aktiv verstärkt, da den Namenstragenden soziale Chancen und Anerkennung entzogen werden.
Die mediale Aufladung von „Kevinismus“ hat dazu geführt, dass der Name Kevin unabhängig von individuellen Eigenschaften der Namenstragenden als Symbol für eine Vielzahl negativer Stereotype verfestigt wurde. Diese reichen von mangelnder Leistungsfähigkeit bis hin zu fehlender Erziehung und prägen öffentliche Debatten nachhaltig (Pribyl, 2008). Dieses Phänomen illustriert die Mechanismen kollektiver Zuschreibungen, die soziale Abwertung und Exklusion fördern können. Die Kritik an diesem Prozess sollte in eine tiefergehende Analyse der Rolle medialer und gesellschaftlicher Diskurse münden, da sie entscheidend zur Etablierung dieser Stereotypen beitragen. Sowohl die Verbreitung als auch die Verfestigung solcher Zuschreibungen zeigen die Macht kultureller Konstruktionen, die in der sozialen Wahrnehmung maßgeblich wirksam werden.
Zusammenfassung: Die Masterarbeit untersucht, ob stabile Namensstereotype über Generationen hinweg existieren und sich unterscheiden, und bestätigt dies durch eine Online-Befragung; die Ergebnisse zeigen deutliche Namens- und Generationsunterschiede, wobei persönlicher Kontakt Stereotype abmildert.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Einfluss von Vornamen auf die Persönlichkeitswahrnehmung und die Relevanz der Untersuchung von Namensstereotypen im Generationsvergleich.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die sozialen und kognitiven Mechanismen hinter der Entstehung und Stabilität von Namensstereotypen, einschließlich kultureller Weitergabe und individueller Wahrnehmungsprozesse.
3. Methodik: In diesem Kapitel wird das querschnittliche, quantitativ-empirische Forschungsdesign vorgestellt, das zur Erfassung und Analyse generationsspezifischer Ausprägungen von Namensstereotypen diente, inklusive Stichprobe, Erhebungsinstrumente und Datenauswertung.
4. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die statistischen Auswertungen, die hochsignifikante Namens- und Generationsunterschiede in der Bewertung von Persönlichkeitseigenschaften basierend auf Vornamen aufzeigen.
5. Diskussion: Die Diskussion ordnet die empirischen Befunde in den theoretischen Kontext ein, beantwortet die Forschungsfrage und leitet Implikationen für Wissenschaft und Gesellschaft ab, während Limitationen und zukünftiger Forschungsbedarf reflektiert werden.
6. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, bestätigt die fortbestehende Existenz generationsspezifischer Namensstereotype und betont die Relevanz interdisziplinärer Ansätze.
Literaturverzeichnis: Listet alle in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen auf.
Anhang: Enthält zusätzliche Materialien, wie zum Beispiel die verwendeten Fragebögen oder deskriptive Statistiken.
Namensstereotype, Generationsvergleich, soziale Wahrnehmung, Persönlichkeitseigenschaften, Kevinismus, Stereotype-Content-Modell, kulturelle Transmission, Diskriminierung, Bildungsbereich, Medien, soziale Kategorisierung, Vorurteile, Altersgruppen, Deutschland, Psychologie
Diese Masterarbeit untersucht, ob und wie stabile Stereotype über Vornamen in der heutigen Gesellschaft existieren und sich über verschiedene Generationen hinweg unterscheiden.
Zentrale Themenfelder sind die soziale Kategorisierung, das Stereotype-Content-Modell, die kulturelle Transmission von Vorurteilen, generationsspezifische Unterschiede in der Namenswahrnehmung sowie die Auswirkungen von Namensstereotypen in sozialen Kontexten wie Bildung und Medien.
Das primäre Ziel ist die empirische Untersuchung der Stabilität und Veränderung von Namensstereotypen im Generationsvergleich, mit der Forschungsfrage: „Gibt es in der heutigen Gesellschaft weiterhin stabile Stereotype zu bestimmten Vornamen und unterscheiden sich diese zwischen Generationen?“
Es wurde ein querschnittliches, quantitativ-empirisches Forschungsdesign mittels einer Online-Befragung verwendet, bei der die Teilnehmenden Vornamen anhand von Persönlichkeitsmerkmalen auf Likert-Skalen bewerteten und die Daten mittels Varianzanalysen ausgewertet wurden.
Der Hauptteil der Arbeit behandelt den theoretischen Hintergrund von Stereotypen und Namensforschung, die Methodik der Untersuchung, die Ergebnisse der Varianzanalysen zu Namens- und Generationsunterschieden sowie eine detaillierte Diskussion der Befunde im Kontext der Forschungsfrage und bestehender Theorien.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Namensstereotype, Generationsvergleich, soziale Wahrnehmung, Persönlichkeitseigenschaften, Kevinismus, kulturelle Transmission, Diskriminierung und Vorurteile.
Die Studie untersuchte exemplarisch die Vornamen Alexander, Laura, Kevin und Chantal. Diese wurden ausgewählt, da sie unterschiedliche gesellschaftliche Konnotationen haben: Alexander und Laura gelten als etabliert und prestigeträchtig, während Kevin und Chantal kulturell stigmatisiert sind und soziale Grenzziehungen symbolisieren.
Die Untersuchung zeigt, dass persönliche Bekanntschaft mit Trägern eines Namens stereotype Extreme abmildern kann, insbesondere bei negativ bewerteten Namen wie Kevin (erhöht Kompetenz- und Sympathiezuschreibungen) und Chantal (reduziert Abwertungen in Wärmedimensionen).
Medien, insbesondere Boulevardmedien und soziale Netzwerke, spielen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung und Verfestigung von Namensstereotypen wie "Kevinismus", indem sie stereotype Vorstellungen aktiv reproduzieren und die Namen mit negativen Attributen wie sozialer Schwäche oder Bildungsferne verknüpfen.
Ja, es gibt hochsignifikante Generationsunterschiede, wobei die jüngste Kohorte (16–20 Jahre) die stigmatisierten Namen Kevin und Chantal am kritischsten und negativer bewertet als ältere Altersgruppen, was auf eine kulturelle Internalisation medial tradierter Namensnarrative hindeutet.
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