Masterarbeit, 2025
115 Seiten, Note: 1,3
Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich aus einer psychoanalytisch-kulturwissenschaftlichen Perspektive mit dem Traumabegriff und dessen Verhandlung im Spielfilm "Incendies", der auf dem gleichnamigen Drama basiert. Das primäre Ziel ist es, die Inszenierung intergenerationeller Traumaübertragungen zu untersuchen. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie der Film im Gegensatz zum Drama intergenerationelle Traumata durch filmische Räume und visuelle Leitmotive wie das Wasser eingängiger darstellen kann.
3.1) Der Traumabegriff
Trauma, ein Begriff aus der Psychologie, welcher stark von Sigmund Freud geprägt wurde. Etymologisch referiert das Wort auf das griechische traũma, das mit „Wunde“ übersetzt werden kann. Sprach Nietzsche noch von Schmerz als nie vernarbende Wunde, so wurde durch Freud der Begriff Trauma populär, transgenerationelle Übertragungen wurden dabei bereits thematisiert. Vermutlich wurde der Begriff 1889 von Oppenheim eingeführt und anschließend von Freud und Breuer 1895 weiterentwickelt. Zunächst wurde damit nur ein extrem erschütterndes, schockierendes Ereignis beschrieben. In der Folge wurde diese Definition ausgeweitet. So wurde als Trauma das Zusammentreffens eine solchen Ereignisses mit einer besonders reizbaren Psyche verstanden. Im zweiten Schritt bleibt eine passende Reaktion auf das Erlebte aus, die Eindrücke werden unterdrückt und ein Trauma könnte sich ausbilden und dazu führen, dass die Affekte nachträglich hervortreten. Das verzögerte Auftreten der Reaktion kann demnach als das auslösende Moment des Traumas beschrieben werden. Der Fokus lag somit nicht mehr nur auf dem Ereignis an sich, sondern vor allem auf der individuellen Reaktion darauf. In Bezug auf die misslungene Verarbeitung des Ereignisses durch den Organismus grenzt sich das Trauma auch von anderen ähnlichen Störungen, wie etwa der Anpassungsstörung, ab. Freud und Breuer definierten das Trauma daher als gewaltsame Attacke von außen, welche den Organismus beeinträchtige. Durch ein externes Ereignis könnten sich so Psychoneurosen und traumatische Neurosen entwickeln. Durch einen sogenannten „auxiliary moment“ könnte das Erlebte zudem wieder aufgerufen werden und ein Wiedererleben der traumatischen Erfahrung erfolgen. Bei Freud ist der Traumabegriff allerdings auch mit Sexualität verbunden. Wenngleich viele Psychoanalytiker sich dagegen aussprechen, den Begriff von Freuds Überlegungen zum Trauma abzukoppeln, so ist dies in der Holocaust- Forschung und erinnerungskulturellen Literatur mehrheitlich der Fall. Ebenso wird in dieser Arbeit verfahren und kein Bezug zwischen Traumata und Sexualität hergestellt. Die Psychologin Marianne Rauwald wiederum definiert den Traumabegriff der Gegenwart wie folgt: Ein Trauma ist ein Ereignis im Leben eines Subjekts, das definiert wird durch seine Intensität, die Unfähigkeit des Subjekts, adäquat darauf zu antworten, die Erschütterung und die dauerhaften pathogenen Wirkungen, die es in der psychischen Organisation hervorruft. Das Trauma ist gekennzeichnet durch ein Anfluten von Reizen, die im Vergleich mit der Toleranz des Subjekts und seiner Fähigkeit, diese Reize psychisch zu meistern und zu bearbeiten, exzessiv sind.
1) Einleitung: Stellt das Thema Trauma und seine intergenerationelle Übertragung vor, basierend auf dem Drama und Spielfilm "Incendies", mit Fokus auf filmische Inszenierung.
2) Intermedialität: Vergleicht die Werke als Drama und Spielfilm, beleuchtet deren Inszenierungsmöglichkeiten und die Theorie der Intermedialität als Basis des ästhetischen Vergleichs.
3) Intergenerationelles Trauma im Drama: Definiert Trauma, untersucht Figurenkonstellationen, Handlungsmotive, Raumkonstitution und Elemente der griechischen Tragödie im Drama sowie deren Bezug zur Traumaweitergabe.
4) Das Motiv des Busses im Film: Analysiert den Bus als zentralen dynamischen Raum der Suche und des Traumas im Film, insbesondere das Bus-Massaker, und seine Verknüpfung mit Schuld und Neuanfang.
5) Das Element des Wassers im Film: Untersucht die symbolische Rolle des Wassers als fließendes und unbegrenzbares Element des Traumas, das Kulturräume verbindet und zur Traumabewältigung beiträgt.
6) Die sakrale Komponente des Films: Beleuchtet das Kreuzsymbol und das Versprechen als zentrale Motive, ihre ambivalente Bedeutung in Bezug auf Gewalt und Hoffnung sowie deren inszenatorische Eigenheiten im Film.
7) Fazit: Fasst die Kernerkenntnisse der Arbeit zusammen, insbesondere zur differenzierten Darstellung intergenerationeller Traumata, der Täter-Opfer-Ambivalenz und der Bedeutung filmischer Mittel im Vergleich zum Drama.
Trauma, intergenerationell, Film, Drama, Incendies, Denis Villeneuve, Wajdi Mouawad, Intermedialität, Raumkonstitution, Wasser, Bus, Kreuzsymbol, Versprechen, Täter-Opfer-Ambivalenz, Gedächtnis, Erinnerung, griechische Tragödie.
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des Traumas und seine intergenerationelle Weitergabe im Drama und insbesondere im Spielfilm "Incendies" dargestellt werden, mit einem Fokus auf filmische Inszenierungsmöglichkeiten.
Zentrale Themenfelder sind intergenerationelle Traumata, Intermedialität (Vergleich von Drama und Film), die Konstitution von Räumen als Traumaorte, die Symbolik von Wasser und des Busses, sakrale Elemente und die Ambivalenz von Täter-Opfer-Rollen.
Das primäre Ziel ist es, zu zeigen, dass der Film "Incendies" im Vergleich zum Drama intergenerationelle Traumata durch spezifische filmische Räume und visuelle Leitmotive wie Wasser eindringlicher und vielfältiger darstellen kann.
Methodisch wird eine hermeneutische Dramen- und Filmanalyse durchgeführt, die sich auf psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Perspektiven stützt, insbesondere im Kontext von Trauma und intergenerationeller Übertragung.
Im Hauptteil werden die Intermedialität der Werke, das intergenerationelle Trauma im Drama (Traumabegriff, Figuren, Räume, griechische Tragödie), das Motiv des Busses und des Wassers im Film sowie die sakrale Komponente des Films (Kreuz, Versprechen) detailliert analysiert.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Trauma, intergenerationell, Film, Drama, Incendies, Denis Villeneuve, Wajdi Mouawad, Intermedialität, Raumkonstitution, Wasser, Bus, Kreuzsymbol und Versprechen.
Der Film legt einen weitaus größeren Fokus auf die intergenerationelle Traumaweitergabe und bezieht den Täter Nihad explizit als traumatisierte Person ein. Er nutzt zudem filmische Mittel wie Montage, Sound und die dynamische Konstitution von Räumen, um das Trauma fassbarer darzustellen als das Drama, welches eher statische Räume und textuelle Vermittlung verwendet.
Der Bus und das Wasser fungieren im Film als zentrale Chronotopoi und symbolische Bedeutungsträger des Traumas. Der Bus repräsentiert die Suche, Bewegung und das Bus-Massaker als Kipppunkt, während das Wasser die fließende, unbegrenzte Natur des Traumas und die Verknüpfung unterschiedlicher Kulturräume symbolisiert.
Obwohl der Konflikt nicht explizit genannt wird, sind seine Dynamiken, wie religiöse und ethnische Spaltungen, Massaker an der Zivilbevölkerung und der Bruderkrieg, entscheidend für die Handlung. Sie prägen die Raumkonstitution, zentrale Motive und die Traumatisierung der Charaktere, insbesondere durch Symbole wie das Kreuz, das mit Gewalt assoziiert wird.
Das Versprechen wird als heiliges, überkonfessionelles Element inszeniert und dient als Gegengewicht zur religiös motivierten Gewalt. Seine Einhaltung durch Nawal und später durch die Zwillinge ist der Schlüssel zur Auflösung des Rätsels, zum Durchbrechen des Zyklus der Gewalt und zur Ermöglichung eines versöhnlichen Endes.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

