Masterarbeit, 2024
92 Seiten, Note: 1,2
Diese Masterarbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Maßnahmenplans für Wirtschaftsprüfer, um den Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (KI) im Abschlussprüfungsprozess zu optimieren. Das übergeordnete Ziel ist es, die Effektivität der Prüfungstätigkeit unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Effizienz zu steigern.
2.3 Anwendungsvoraussetzungen in der Abschlussprüfung
Für den Einsatz generativer KI in der Abschlussprüfung müssen technische, rechtlich-regulatorische und organisatorische Anwendungsvoraussetzungen erfüllt sein. Die technische Dimension umfasst standardisierte und unmittelbar einsatzfähige Softwareanwendungen und auf Seiten der Wirtschaftsprüferpraxen leistungsfähige Rechnertechnik sowie eine ausreichend schnelle Internetverbindung.26 Angesichts der Marktverfügbarkeit von KI-basierter Software und deren Einbindung in häufig eingesetzte generalistische Software-Umgebungen, darunter Microsoft Co-Pilot und Google Gemini, ist die technische Anwendung in vielen Praxen zu bejahen.
Die Durchführung gesetzlicher Abschlussprüfungen und der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer im Allgemeinen gilt als stark reguliert.27 Berufsträger sind bei der Erfüllung ihrer Aufgaben an die Einhaltung von Gesetzen und fachlichen Regeln gebunden.28 Der Wirtschaftsprüfer hat i. S. d. §55b Abs. 1 S. 1 WPO ein internes Qualitätssicherungssystem zu implementieren, das die Einhaltung der Berufspflichten überwacht und durchsetzt. Zu den Berufspflichten, die durch den Einsatz generativer KI im Prüfungsprozess tangiert werden könnten, zählen u. a. Unabhängigkeit29, Verschwiegenheit30, Eigenverantwortlichkeit³¹ sowie die kritische Grundhaltung32. Die Verwendung von generativer KI muss beispielsweise im Einklang mit den Datenschutzgesetzen und insbesondere mit hinreichendem Schutz vor dem Zugriff fremder Dritter erfolgen. Außerdem darf der Wirtschaftsprüfer nicht in seiner unabhängigen und eigenverantwortlichen Urteilsbildung durch die KI beeinflusst werden. Des Weiteren macht die Beachtung des Grundsatzes der kritischen Grundhaltung es erforderlich, die Tauglichkeit und Verlässlichkeit der KI-generierten Nachweise während der gesamten Prüfung kritisch zu hinterfragen.
Neben dem Berufsrecht schreibt auch das Handels- sowie das Datenschutzrecht vor, unter welchen Voraussetzungen generative KI eingesetzt werden darf. Die Befugnis des Abschlussprüfers zur Datenerhebung und -verarbeitung mit Daten des zu prüfenden Unternehmens ergibt sich aus §320 Abs. 1 S. 2 und Abs. 2 HGB. Dies schließt auch personenbezogene Daten ein, die grundsätzlich subsidiär nach §§32 ff. BDSG besonders geschützt sind. Der Abschlussprüfer hat diese Daten für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist aufzubewahren und vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen.33
1 Einführung und Gang der Untersuchung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der generativen KI in der Abschlussprüfung ein, beleuchtet das dynamische Wirtschaftsumfeld und stellt die Forschungsfrage zur Steigerung von Effektivität und Effizienz durch KI-Einsatz vor.
2 Theoretische Grundlagen und Hinführung zur Forschungsfrage: Hier werden zentrale Begriffe wie Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Generative KI definiert, deren Funktionsweise erläutert und die spezifische Forschungsfrage der Arbeit abgeleitet.
3 Kriteriengeleitete Beurteilung des Einsatzes generativer KI in der Abschlussprüfung: Dieses Hauptkapitel bewertet den Einsatz generativer KI anhand der Kriterien Effektivität (Steigerung der Prüfungssicherheit), Effizienz (Optimierung des Prüfungsprozesses) sowie Qualitäts- und Risikomanagement, wobei Anwendbarkeit, Finanzierbarkeit und Überwachung im Detail analysiert werden.
4 Kritische Würdigung der Untersuchungsergebnisse: Die hier vorgenommene kritische Betrachtung fasst die Auswirkungen generativer KI auf die Prüfungspraxis zusammen, identifiziert Chancen und Risiken und erörtert die Limitationen der bisherigen Untersuchungsergebnisse.
5 Maßnahmenplan zur Implementierung generativer KI in der Abschlussprüfung: Dieses Kapitel präsentiert einen praxisorientierten Maßnahmenplan zur Implementierung generativer KI, der konkrete Anforderungen an Wirtschaftsprüferpraxen, wie die Beachtung von Berufspflichten und die Festlegung von Kriterien, umfasst.
6 Systematisierung und Ausblick: Das Fazit der Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und betont die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Anpassung der Regulatorik angesichts der rasanten technischen Entwicklung.
Generative KI, Künstliche Intelligenz, Abschlussprüfung, Effektivität, Effizienz, Prüfungssicherheit, Qualitätsmanagement, Risikomanagement, Maßnahmenplan, Wirtschaftsprüfer, Maschinelles Lernen, Large Language Models, EU AI Act, Datenschutz, Urheberrecht.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Maßnahmenplans für Wirtschaftsprüfer zur Implementierung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in der Abschlussprüfung, mit dem Ziel, die Effektivität und Effizienz dieser Prozesse zu steigern.
Die zentralen Themenfelder sind die Definition und Funktionsweise generativer KI, ihre Anwendungsvoraussetzungen in der Abschlussprüfung, die Beurteilung nach Effektivitäts-, Effizienz- und Qualitätskriterien sowie die Erstellung eines praktischen Maßnahmenplans.
Die primäre Forschungsfrage lautet: „Welche Maßnahmen sollten Wirtschaftsprüfer ergreifen, um mithilfe des Einsatzes generativer KI die Effektivität unter der Nebenbedingung der Effizienz im Abschlussprüfungsprozess zu steigern?“
Die Masterarbeit verwendet eine empirisch-positivistische Methodik, um auf Basis betriebswirtschaftlicher Theorien und Fachliteratur Kriterien zur Beurteilung des KI-Einsatzes zu entwickeln und Messindikatoren zu erarbeiten.
Der Hauptteil behandelt die kriteriengeleitete Beurteilung des Einsatzes generativer KI hinsichtlich Effektivität, Effizienz und Qualitäts- und Risikomanagement, eine kritische Würdigung der Untersuchungsergebnisse sowie die Vorstellung eines detaillierten Maßnahmenplans.
Charakterisierende Schlüsselwörter sind: Generative KI, Abschlussprüfung, Effektivität, Effizienz, Prüfungssicherheit, Qualitätsmanagement, Risikomanagement, Maßnahmenplan, Wirtschaftsprüfer, Maschinelles Lernen.
Der EU AI Act, als weltweit erstes Gesetz zur Regulierung Künstlicher Intelligenz, tritt am 1. August 2024 in Kraft und hat unmittelbare Rechtswirkung in Deutschland. Er klassifiziert KI-Systeme nach Risikokategorien und legt Anforderungen fest, die Abschlussprüfer als Anbieter oder Betreiber von KI-Systemen beachten müssen, insbesondere bezüglich Kompetenz, Dokumentation und verbotener Praktiken.
Die "Blackbox-Problematik" beschreibt, dass die Entscheidungsfindung einer KI für den Prüfer nicht immer vollständig nachvollziehbar ist. Dies birgt Risiken für die Prüfungsqualität, da KI-generierte Inhalte sachlich inkorrekt sein oder den Inhalt von Ursprungsdokumenten verfremden können, was eine erhöhte Wachsamkeit und Überprüfung durch den menschlichen Prüfer erfordert, um Haftungsrisiken zu vermeiden.
Effektivität bezieht sich auf die Steigerung der Prüfungsqualität und damit der Prüfungssicherheit durch den Einsatz von KI. Effizienz hingegen konzentriert sich auf die Optimierung des Prüfungsprozesses, etwa durch Zeitersparnis und Kostenreduktion. Die Arbeit untersucht, wie diese beiden Kriterien im Spannungsfeld der Implementierung von generativer KI im Auditprozess berücksichtigt werden können.
Die Implementierung generativer KI erfordert die genaue Beachtung des Urheberrechts, insbesondere hinsichtlich der Verwendung von Trainingsdaten und KI-generierten Inhalten. Zudem müssen nationale und europäische Datenschutzvorschriften wie die DSGVO eingehalten werden, da häufig sensible Mandantendaten verarbeitet werden, was spezifische technische und organisatorische Maßnahmen erfordert.
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